Colle di Val d’Elsa

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Colle di Val d’Elsa
Wappen
Colle di Val d’Elsa (Italien)
Colle di Val d’Elsa
Staat: Italien
Region: Toskana
Provinz: Siena (SI)
Koordinaten: 43° 24′ N, 11° 8′ O43.411.133333333333141Koordinaten: 43° 24′ 0″ N, 11° 8′ 0″ O
Höhe: 141 m s.l.m.
Fläche: 92 km²
Einwohner: 21.361 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 232 Einw./km²
Angrenzende Gemeinden Casole d’Elsa, Monteriggioni, Poggibonsi, San Gimignano, Volterra(PI)
Postleitzahl: 53034
Vorwahl: 0577
ISTAT-Nummer: 052012
Volksbezeichnung: Colligiani
Schutzpatron: San Marziale und Sant’Alberto da Chiatina[2] (1. Juli)
Website: Gemeinde Colle di Val d’Elsa
Panorama von Colle di Val d’Elsa
Panorama von Colle di Val d’Elsa

Colle di Val d’Elsa (meist nur Colle oder Colle Val d’Elsa) ist eine Stadt mit 21.361 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) in der Toskana, Provinz Siena. Sie liegt im Tal der Elsa. Sehenswert ist die Oberstadt Colle Alta, die durch einen Aufzug von der Unterstadt aus zu erreichen ist. Die Stadt war früher berühmt für ihre Buchdruckereien und Glaswaren.

Geografie[Bearbeiten]

Lage von Colle di Val d’Elsa in der Provinz Siena

Der Ort erstreckt sich über 92 km². Die Gemeinde liegt in der klimatischen Einordnung italienischer Gemeinden in der Zone D, 1776 GR/G und ist Teil des Erzbistum Siena-Colle di Val d’Elsa-Montalcino.

Zu den Ortsteilen (Frazioni) gehören Bibbiano, Borgatello, Boscona, Buliciano, Campiglia dei Foci, Castel San Gimignano, Collalto, Dometaia, Gracciano d’Elsa, Lano, Le Grazie, Le Ville, Mensanello, Montegabbro, Molino d’Aiano, Onci, Partena, Paurano, Quartaia, Sant’Andrea, Scarna und Vico.

Die Nachbargemeinden sind Casole d’Elsa, Monteriggioni, Poggibonsi, San Gimignano und Volterra (PI).

Geschichte[Bearbeiten]

Erste historische Funde im Gemeindegebiet stammen aus dem 4. Jahrtausend v. Chr.. Danach wurde die Gegend von den Etruskern bewohnt, die hauptsächliche Spuren in den Ortsteilen Dometaia und Le Ville hinterließen. Wichtigen Einfluss auf die Geschichte der Stadt hatte die Via Francigena, die an der heute nicht mehr vorhandenen Pieve a Elsa (auch als Pieve d’Elsa bezeichnet, bei Sigerich der Ernste als 17. Reisetag unter Aelsae geführt) im Ortsteil Gracciano entlangführte.

Der heutige Ort entstand um das 10. Jahrhundert und war in die Ortsteile Borgo di Santa Caterina (heutiges Colle Basso) und Castello di Piticciano (heutiges Colle Alto) unterteilt, später kam noch das sogenannte Stadtdrittel Piano (Borgo del Piano) hinzu. Erstmals erwähnt wird die Burg von Piticciano in einem Dokument der Aldobrandeschi vom 8. Oktober 1007. Weitere Erwähnungen findet der Ort in Briefen der Päpste Paschalis II. vom 27. November 1115, von Gelasius II. (27. November 1119), Anastasius IV. (7. Dezember 1153) und Hadrian IV. (16. April 1154). In der nachfolgenden Zeit suchte die Gemeinde Verbündete, die sie in San Gimignano und Semifonte (heute auf dem Gebiet der Gemeinde Barberino Val d’Elsa, 1202 eingenommen und zerstört durch Florenz) fand. Gegenüber standen die Gemeinden aus Poggibonsi und Volterra. Damaliger Hauptort war Gracciano, aber nach den aufkommenden Konflikten zwischen Ghibellinen und Guelfen bzw. Siena und Florenz zogen die meisten der Einwohner in das Castello, das sich bis zum Palazzo Campana vergrößerte und nun unter dem Namen Castelnuovo de’ Franchi geführt wurde. Am 4. September 1260 nahm Colle an der Seite der Guelfen an der Schlacht von Montaperti teil, aus der der Gegner siegreich hervorging. Nach dem Tod Manfreds 1266 wendete sich das Blatt wieder zugunsten der Guelfen, die Siena am 16. und 17. Juni 1269 in der Schlacht von Colle schlagen konnten[3]. 1301 trat Colle in eine Allianz mit Florenz, Lucca, Siena, Prato und San Gimignano ein, um gegen Pistoia anzutreten.

Im 13. Jahrhundert wurden die sogenannten Gore erschaffen, ein künstliches Kanalsystem, das die Wasser der Elsa dem Ort zuführte und sowohl die Ober- als auch die Unterstadt versorgte. Am Anfang des gleichen Jahrhunderts erklärte sich Colle zur freien Kommune, die kommunalen Statuten mit der Einrichtung des Amtes des Capitano del Popolo und der Podestà entstanden 1307[4]. Vom 24. September bis zum 2. November litt die Stadt unter der Belagerung der Truppen aus Siena und des Königreich Neapel, die von Papst Sixtus IV. unterstützt wurden. Die Belagerung fand im Kontext und nach der Pazzi-Verschwörung statt und endete mit der Einnahme von Colle, wobei die Ponte Campana zerstört wurde (später wieder aufgebaut). 1481 kehrte der Ort zu Florenz zurück. Nach dem Fall der Republik Siena 1555 kehrte eine Zeit des Friedens ein. 1592 wurde dem Ort eine eigene Diözese durch Clemens VIII. zugesprochen, die am 30. September 1986 im Erzbistum Siena-Colle di Val d’Elsa-Montalcino aufging.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Apsis der Abtei Abbazia di Santa Maria Assunta a Conèo
Die romanische Kirche Pieve dei Santi Ippolito e Cassiano
  • Abbazia di Santa Maria Assunta a Conèo, Abtei aus dem 11. Jahrhundert an der Via Francigena.
  • Abbazia di San Salvatore a Spugna, Abtei aus dem 11. Jahrhundert.
  • Banca del Monte dei Paschi di Siena, 1973 durch Giovanni Michelucci entstandenes Bankhaus der Monte dei Paschi di Siena, das durch die Restaurierung einer alten Glasfabrik entstand.
  • Casa-torre di Arnolfo di Cambio, Geschlechterturm und Geburtshaus von Arnolfo di Cambio in der Via del Castello.
  • Chiesa di Sant’Agostino, 1305 entstandene und 1531 nach Plänen von Antonio da Sangallo der Ältere veränderte Kirche im gotischen Stil. Enthält unter anderem die Werke Madonna col Bambino von Taddeo di Bartolo, Deposizione e santi (1519 entstanden) von Ridolfo Ghirlandaio und Pietà e Santi von Ludovico Cigoli.
  • Chiesa di Santa Maria in Canonica, erstmals 1183 dokumentierte Kirche in Colle Alta. Enthält Werke von Pier Francesco Fiorentino (Fresko Dio Padre Benedicente und Altarbild Madonna col Bambino e i Santi Giovanni Battista, Lorenzo, Marco e Nicola).
  • Concattedrale dei Santi Alberto e Marziale (Dom). Das 1603 durch den Architekten Fausto Rughesi begonnene Bauwerk entstand auf der im 12. Jahrhundert errichteten Cappella di San Salvatoris de Colleveteri und späteren Pieve dei Santi Salvatore ed Alberto. Enthält 1690 entstandene Fresken von Giuseppe Nicola Nasini sowie Werke von Deifebo Burbarini, Rutilio Manetti, Mino da Fiesole, Astolfo Petrazzi, Pietro Tacca, Ottavio Vannini (Leinwandbild Ultima Cena, 1636 entstanden).
  • Convento di San Francesco, 1229 entstandener Konvent der Franziskaner. Enthielt die Werke San Ludovico di Tolosa e San Francesco von Lippo Memmi, Madonna con Bambino von Sano di Pietro und Madonna con Bambino con i Santi Domenico e Francesco von Pier Francesco Fiorentino, die sich heute in der Pinacoteca Nazionale di Siena befinden. Bei Restaurierungsarbeiten 1992 fanden sich Fresken von Cennino Cennini und Pier Francesco Fiorentino wieder.
  • Palazzo Campana, Palast über der Via del Castello mit zugehöriger Brücke (Ponte Campana). Wurde um 1536 durch Baccio d’Agnolo errichtet und ist einem Stadttor ähnlich.
  • Palazzo del Comune, auch Palazzo dei Priori genannt, Gebäude aus dem 13. Jahrhundert, beherbergt heute das Museum Museo civico e d’arte sacra di Colle di Val d’Elsa, in dem sich Werke des Badia a Isola Meisters (Madonna col Bambino e angeli, auch Maestà genannt, stammt aus der Kirche Abbazia dei Santi Salvatore e Cirino in Abbadia a Isola (Monteriggioni)) sowie von Lorenzo di Bicci (Madonna con Bambino e Santi, Crocifissione di Cristo, stammt aus der Kirche Chiesa di San Giusto a Villore in Poggibonsi), Alessandro Casolani, Cennino Cennini, Segna di Bonaventura, Pier Francesco Fiorentino, Sebastiano Folli, Ridolfo Ghirlandajo (Compianto su Cristo morto), Bernardino Mei und Ventura Salimbeni befinden.
  • Palazzo del Podestà, auch Palazzo Pretorio genannt, ehemaliges Rathaus aus dem 14. Jahrhundert. Beheimatet heute das Museo Archeologico, das Antiquarium Etrusco “Ranuccio Bianchi Bandinelli” und ist Sitz der Gruppo Archeologico Colligiano.
  • Pieve dei Santi Ippolito e Cassiano a Conèo, erstmals 972 dokumentierte Pieve.
  • Porta Nova, auch Porta Salis, Solis oder Volterrana genannt, Stadttor aus dem 15. Jahrhundert, dass das ältere Porta Selva ersetzte. Die Planungen dazu werden Giuliano da Sangallo zugeschrieben.

Kultur[Bearbeiten]

  • Museo Civico e Diocesano d’Arte Sacra im Palazzo del Comune
  • Teatro dei Varii, 1762 durch den Architekten Antonio Galli da Bibiena entstandenes Theater mit ca. 200 Plätzen in der Via del Castello 64. Wurde von 1982 bis 1991 restauriert[5].
  • Teatro del Popolo, 1928 durch Gino Gérard entstandenes Theater, wurde 1971 und 1996 (von Piero Guicciardini und Marco Magni) restauriert und bietet 855 Besuchern Platz[6].

Sport[Bearbeiten]

  • Der 1922 gegründete Fußballverein Colligiana spielte mehrere Jahre in der fünftklassigen Serie D und in der viertklassigen Lega Pro Seconda Divisione. Zur Zeit tritt der Verein in der sechstklassigen Eccellenza Toscana an und spielt seit 1982 im Stadio Gino Manni in der Via Liguria. Das Stadion dient zudem seit einigen Jahren dem AC Siena als Trainingsplatz.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Ort ist das Zentrum der italienischen Kristallglasindustrie und hat einen Anteil von 15 % an der Weltproduktion.[7]

Verkehr[Bearbeiten]

  • Die Anschlussstellen Colle di Val d’Elsa Nord und Colle di Val d’Elsa Sud liegen an der RA3, die Florenz mit Siena verbindet.
  • Ab 1885 war Colle di Val d’Elsa über die Eisenbahnlinie Poggibonsi-Colle Val d’Elsa an die Strecke von Empoli nach Chiusi angeschlossen. 1982 wurde der Personenverkehr eingestellt, 1993 die Strecke abgebaut.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Kontroverse um Moscheebau[Bearbeiten]

Im Frühjahr 2007 kam es zu Protesten gegen den Bau einer Moschee mit Minarett, das acht Meter hoch werden soll. So wurde ein Schweinskopf auf der Baustelle aufgestellt, um das Gelände zu profanieren. In der Gemeinde gab es einen herben Minarettstreit. Colle di Val d’Elsa wurde auch außerhalb Italiens ein Begriff.[8]

Colle di Val d’Elsa in der Literatur[Bearbeiten]

Der Ort und die Schlacht von Colle wird von Dante in der Göttlichen Komödie im zweiten Teil (Purgatorio, 13. Gesang, Zeile. 115-118) erwähnt:

Als nah’ bei Colle meine Landsgenossen
Den kampfbereiten starken Feind erreicht;
Da bat ich Gott um das, was er beschlossen.
Drauf wird ihr Heer geschlagen und entweicht

(Streckfuß-Übersetzung[9])

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Colle di Val d’Elsa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. Alberto da Chiatina wurde 1135 in Chiatina (heute Teil von Buonconvento) geboren und verstarb am 17. August 1202 in Colle di Val d’Elsa. Er ist seit dem 4. Juli 1962 neben San Marziale Schutzpatron der Stadt. Der Festtag des Heiligen ist der 17. Juli, der des San Marziale der 30. Juni, Festag in Colle ist der 1. Juli
  3. Luigi Pruneti: La Toscana dei misteri, S. 168 ff., Editrice Le Lettere, Florenz 2004, ISBN 88-7166-852-9
  4. Offizielle Webseite der Gemeinde zur Geschichte
  5. Offizielle Webseite der Region Toscana zum Teatro dei Varii
  6. Offizielle Webseite der Region Toscana zum Teatro del Popolo
  7. Dumont Reiseführer Toscana, S. 116
  8. Berliner Zeitung: „Schweinsköpfe am Minarett“
  9. Die Streckfuß-Übersetzung zum Purgatorio bei Wikisource


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