Turckheim

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Dieser Artikel behandelt die Stadt im französischen Département Haut-Rhin. Zur französischen Schauspielerin, Filmregisseurin und Drehbuchautorin siehe Charlotte de Turckheim.
Turckheim
Wappen von Turckheim
Turckheim (Frankreich)
Turckheim
Region Elsass
Département Haut-Rhin
Arrondissement Colmar
Kanton Wintzenheim
Gemeindeverband Communauté d’agglomération de Colmar.
Koordinaten 48° 5′ N, 7° 17′ O48.0863888888897.2805555555556235Koordinaten: 48° 5′ N, 7° 17′ O
Höhe 219–840 m
Fläche 16,46 km²
Einwohner 3.731 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 227 Einw./km²
Postleitzahl 68230
INSEE-Code
Website http://www.turckheim.fr

Stadtzentrum

Turckheim (deutsch: Türkheim) ist eine französische Gemeinde mit 3731 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Haut-Rhin in der Region Elsass. Es gehört zum Arrondissement Colmar, zum Kanton Wintzenheim und ist Mitglied der Communauté d’agglomération de Colmar.

Geografie[Bearbeiten]

Blick auf Turckheim

Das Stadtzentrum liegt sechs Kilometer westlich von Colmar auf 232 m über dem Meer an der Fecht. Das Fechttal, das auch als Münstertal bezeichnet wird (nach der Stadt Munster) tritt hier aus den Vogesen in die Oberrheinebene ein. Das Gemeindegebiet ist Teil des Regionalen Naturparks Ballons des Vosges.

Die Westhälfte der Gemeinde wird von dicht bewaldeten Höhen der Vogesen bestimmt, die eine maximale Höhe von 840 m Meereshöhe erreichen. Zu Turckheim gehört auch ein Teil des hochgelegenen Weilers Trois-Épis im Nordwesten. Der einstige Wallfahrtsort ist heute ein Zentrum für medizinische Versorgung, Kur- und Nachsorgeeinrichtungen.

Nachbargemeinden von Turckheim sind Niedermorschwihr und Ammerschwihr im Norden, Ingersheim im Nordosten, Wintzenheim im Osten und Süden, Zimmerbach und Walbach im Südwesten sowie Labaroche im Nordwesten,

Geschichte[Bearbeiten]

Aufgrund von römischen Funden wird angenommen, dass die Gegend von Türkheim bereits in römischer Zeit besiedelt war.

Das „Untertor“ von Türkheim

Als germanische Stämme über den Rhein ins Römische Reich einfielen, ließ sich der Stamm der Thüringer hier nieder, der dem Ort zu seinen Namen Thorencohaime bzw. Thuringheim verholfen haben dürfte, im frühen Mittelalter gehörte Thuringheim zum Teil zur Abtei Münster, zum Teil zur Herrschaft Hohlandsberg. 1312 wurde Türkheim Freie Reichsstadt, erhielt 1354 bereits Markt- und Stadtrechte und schloss sich im gleichen Jahr dem Elsässischen Zehnstädtebund, der Dekapolis, an. Die drei Tortürme und die Befestigung stammen aus dieser Zeit. Im Westfälischen Frieden erhielt die französische Krone die Habsburger Besitzungen im Elsass zugesprochen und bemühte sich in der Folge um die Herrschaft über die Städte der Dekapolis. 1675 wurde das Heer des Kaisers und das des Großen Kurfürsten durch Turenne in der Schlacht bei Türkheim vor den Toren des Ortes geschlagen, die daraufhin das Elsass endgültig räumen mussten. Die Stadt wurde geplündert. Diese Ereignisse richteten sich besonders auf das nahegelegene, bedeutendere Colmar.

Von 1871 bis 1918 und von 1940 bis 1944 gehörte die Stadt, wie auch der Rest des Elsass wieder zu Deutschland (Reichsland Elsass-Lothringen bzw. Gau Baden-Elsass). Zwischen 1899 und 1937 verkehrte eine elektrische Kleinbahn zum Wallfahrtsort Trois Épis (Drei Ähren).

Rathaus (Hôtel de ville)
Turm der Kirche St. Anna

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007
Einwohner 3028 3028 3609 3510 3567 3594 3731

Denkmäler und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Drei viereckige Türme, die Porte du Brand, die Porte de Munster und die zur Rheinebene weisende Porte de France sind neben Resten der Stadtmauer Zeugnisse der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert. Wie in Obernai wurde auch in Türkheim die Kirche aus dem 12. Jahrhundert abgebrochen. Nur der Turm der Kirche St. Anna blieb neben dem Rathaus (Hôtel de ville) bestehen. An Türkheims ehemaligem Marktplatz, dem Place Turenne, stehen alte Häuser, die Bürgerstube (Corps de Garde), vor der ein sehenswerter Brunnen mit Marienfigur steht. Eines der eindrucksvollsten Fachwerkhäuser Türkheims ist das „Gasthaus zu den zwei Schlüsseln“ (Hôtel des deux-clefs), das einen mit geschnitzten Figuren verzierten Erker mit schönen Butzenscheibenfenstern besitzt, der auf einer steinernen Säule ruht. Zwischen Mai und Oktober zieht ein Nachtwächter (le veilleur de nuit) mit Hellebarde, Laterne, Horn und Gesang um 22 Uhr durch die Gassen. Ein kleines Museum mit Uniformteilen, Handfeuerwaffen und anderen Exponaten informiert über die Kämpfe am Ende des Zweiten Weltkriegs um den „Poche de Colmar“[1]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Türkheims wirtschaftliche Basis beruht auf einem der wenigen Elsässer Weine, die durch ihre Lage bekannt geworden sind: dem Türkheimer Brand. Nachdem früher die Textil- und Papierindustrie eine wichtige Rolle spielten, ist heute der Tourismus Haupterwerbszweig in Turckheim. Daneben pendeln viele Einwohner in die Gewerbegebiete des Verdichtungsraumes Colmar.

Die Gemeinde besitzt seit 1868 einen Bahnhof an der Bahnstrecke Colmar–Metzeral.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Turckheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Museum von Turckheim