Sainte-Marie-aux-Mines

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Sainte-Marie-aux-Mines
Wappen von Sainte-Marie-aux-Mines
Sainte-Marie-aux-Mines (Frankreich)
Sainte-Marie-aux-Mines
Region Elsass
Département Haut-Rhin
Arrondissement Ribeauvillé
Kanton Sainte-Marie-aux-Mines
Koordinaten 48° 15′ N, 7° 11′ O48.2466666666677.1838888888889371Koordinaten: 48° 15′ N, 7° 11′ O
Höhe 326–1.210 m
Fläche 45,23 km²
Einwohner 5.387 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 119 Einw./km²
Postleitzahl 68160
INSEE-Code

Ortsmitte mit der Kirche Sainte-Madeleine

Sainte-Marie-aux-Mines (deutsch Markirch) ist eine französischen Gemeinde mit 5387 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Haut-Rhin in der Region Elsass. Sie ist der Hauptort des gleichnamigen Kantons und Mitglied des Gemeindeverbandes Communauté de communes du Val d’Argent.

Geografie[Bearbeiten]

Die kleine Stadt liegt in den Vogesen am Fluss Lièpvrette, der früher auf Deutsch Leber oder Landbach genannt wurde. Das Tal wird wegen des früheren Bergbaus heute oft auch als Val d’Argent (Silbertal) bezeichnet. Das 45,23 Quadratkilometer große Gemeindegebiet liegt auf 326–1210 m.ü.d.M. und gehört zum Regionalen Naturpark Ballons des Vosges.

Ortsteile der Gemeinde sind: Altenberg, Adelspach, Bourgonde, Brifosse, Côte d'Échery, Échery (Eckerich), Faunoux, Fenarupt, Fertrupt (Fortelbach), Haute Broque, Haïcot, Hergauchamps, Petite Lièpvre (Kleinleberau), Mongoutte, Petit Haut, Rauenthal, Saint-Philippe, Saint-Pierre sur l'Hâte (Zillhardt) und Surlattes.

Nachbargemeinden von Sainte-Marie-aux-Mines sind Sainte-Croix-aux-Mines im Norden und Osten, Ribeauvillé und Aubure im Südosten, Fréland und Lapoutroie im Süden, Le Bonhomme und La Croix-aux-Mines im Südwesten sowie Ban-de-Laveline und Wisembach im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die historische Bedeutung von Sainte-Marie-aux-Mines beruht auf den dort vorhandenen Bodenschätzen, hauptsächlich Silber und Blei, und ihrer Ausbeutung. Bis ins 19. Jahrhundert war der Ort die drittgrößte Stadt im Oberelsass.

Dass, wie vereinzelt angenommen, die Minen schon in gallo-römischer Zeit entdeckt und genutzt wurden, ist nicht belegt. Im Mittelalter jedoch bauten die Mönche des Klosters Echery, welches im 13. Jahrhundert von dem Mönch Bildulf gegründet wurde, die Bodenschätze bereits ab, wobei die Rechte an diesem Reichtum wohl bei der Familie von Echery (Eckerich) lagen, deren Burg nahe beim heutigen Ort stand.

Das Gebiet des heutigen Sainte-Marie gehörte zu zwei unterschiedlichen Herrschaftsbereichen: die elsässische Seite gehörte dem Heiligen Römisches Reich deutscher Nation an und unterstand den Herren von Ribeaupierre (Rappoltstein), die andere Seite gehörte zum Einflussbereich der Herzöge von Lothringen. Ab dem 16. Jahrhundert wurden diese Unterschiede besonders deutlich: Die elsässische Seite war deutschsprachig und protestantisch, was dazu führte, dass zahlreiche deutsche und französische Protestanten, Mennoniten und Amische, deren Ursprung hier liegt, in die Stadt kamen, wo sich auch Arbeit für 3000 Bergleute anbot; die lothringische Seite war frankophon und katholisch. Nach 1790, als die Grenzen innerhalb des revolutionären Frankreich an Bedeutung verloren hatten, schlossen sich die beiden Ortsteile Sainte-Marie-Alsace und Sainte-Marie-Lorraine zur einen Gemeinde Sainte-Marie-aux-Mines zusammen.

Kirche Sainte Madeleine
Rathaus
Bergwerk Gabe Gottes

Von 1871 bis 1918 gehörte der Ort mit dem Reichsland Elsass-Lothringen zum Deutschen Reich. Dadurch wurde Sainte-Marie-aux-Mines wieder Grenzstadt; die deutsch-französische Grenze verlief auf dem Vogesenkamm ganz in der Nähe. Ab 1918 wurde der Rhein wieder die Grenze zwischen Frankreich und Deutschland und der Ort damit wieder französisch, im Zweiten Weltkrieg 1940–1944 allerdings vorübergehend von deutschen Truppen besetzt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006
Einwohner 7897 7417 6703 6358 5767 5817 5604

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten]

Mit Untergrombach, einem Teilort der 200 km entfernten Stadt Bruchsal, ist Sainte-Marie-aux-Mines partnerschaftlich verbunden.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Über den 7 km entfernten Pass Col de Sainte-Marie (772 m) gelangt man auf der Route nationale 59 über den Vogesenkamm in das benachbarte Saint-Dié-des-Vosges in Lothringen. Das Tal aufwärts führt zum Col des Bagenelles (903 m), über den man zum Col du Bonhomme (949 m) gelangt – ebenfalls ein Übergang nach Lothringen – und zur Route des Crêtes. Nach Ribeauvillé über den 742 m hohen Col Haut de Ribeauvillé am Rande das Gebirges im Südosten sind es etwa 20 km, nach Sélestat in der Oberrheinebene etwa 23 km, Saint-Dié im Westen ist etwa 23 km entfernt.

Die Verbindung nach Saint-Dié ist auch durch den gebührenpflichtigen Maurice-Lemaire-Tunnel möglich. Der ursprüngliche Eisenbahntunnel, später umgebaut zu einem Straßentunnel, ist der längste vollständig auf französischem Gebiet liegende Straßentunnel. Nach Abschluss umfangreicher Baumaßnahmen, die hauptsächlich der Sicherheitsausstattung dienten, wurde der Tunnel ab 1. Oktober 2008 wieder geöffnet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Mit der Gemeinde verbunden[Bearbeiten]

  • Jakob Ammann (1644(?)–vor 1730), Schweizer Mennonitenprediger, lebte von 1695–1712 in Sainte-Marie-aux-Mines; er ist Namensgeber und gilt als Gründer der Amischen (Amish).
  • Laure Diebold (1915–1965), französische Widerstandskämpferin der Résistance, verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in Sainte-Marie-aux-Mines.
  • Eddie Slovik (1920–1945) war der einzige US-amerikanische Soldat im Zweiten Weltkrieg, den die US Army wegen Fahnenflucht hinrichtete. Er starb am 31. Januar 1945 durch Erschießen in der Nähe von Sainte-Marie-aux-Mines.

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Böckling: Im allgemeinen ist es ruhig. Der Beginn des Stellungskriegs an der Vogesenfront 1914 im Spiegel des Kriegs-Notizbuchs des Nastätter Amtsgerichtssekretärs Joseph Klemen. – In: Nassauische Annalen, Jahrbuch des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, 121 (2010), S. 277-313. ISSN 0077-2887 - Es geht um den Einsatz des Landwehr-Infanterie-Regiments Nr. 80 im Raum Sainte-Marie-aux-Mines - Hergauchamps - Col de Sainte Marie am Beginn des Ersten Weltkriegs.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sainte-Marie-aux-Mines – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien