Peter Kurzeck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Peter Kurzeck (bei einer Lesung 2005)

Peter Kurzeck (* 10. Juni 1943 in Tachau, Sudetenland; † 25. November 2013[1] in Frankfurt am Main[2]) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Peter Kurzecks Familie wurde 1946 aus dem Sudetenland vertrieben. Er zog mit seiner Mutter und Schwester nach Staufenberg bei Gießen, wo er seine Jugend verbrachte. Nachdem er sich ab 1971 an wechselnden Orten aufgehalten hatte, wohnte er seit 1977 in Frankfurt am Main und seit 1993 auch in Uzès.

Peter Kurzeck (nach einer Lesung 2008)

Peter Kurzeck war Verfasser stark autobiografisch geprägter Romane und Erzählungen, in denen das Leben in der hessischen Provinz und in Frankfurt am Main sowie die bundesrepublikanische Gesellschaft detailliert geschildert werden, ohne dabei auf eine Handlung im eigentlichen Sinn fixiert zu sein. Die Techniken, die Kurzeck einsetzte, erinnern bisweilen an Autoren wie James Joyce, Arno Schmidt oder Uwe Johnson. Im Zentrum seiner schriftstellerischen Ambition stand die Erinnerungsarbeit bzw. das Konservieren der gelebten Zeit. Kurzeck war Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

Seit Mitte der 1990er Jahre arbeitete Kurzeck an einem mehrbändigen autobiographischen Romanprojekt, das seinem erzählerischen Rahmen nach im Jahr 1984 in Frankfurt am Main angesiedelt ist. Die Romane seit Übers Eis (1997) sind Teile dieser Chronik eines einzigen Jahres im Leben eines Schriftstellers. (→ Frankfurt am Main in der Literatur. Peter Kurzeck - Spaziergänge durch die Stadt.)

Einen Namen hat sich Kurzeck ferner durch seine Lesungen sowie durch seine Hörbuch-Produktionen gemacht. 2007 erschien Ein Sommer, der bleibt, ein Projekt mit Kurzeck in der Rolle des Erzählers. Ohne Manuskriptvorlage erzählte er hier von den Jahren seiner Kindheit; der Rezipient erhielt somit die seltene Möglichkeit, Zeuge von Literaturentstehung zu werden.

Neben dem von Günter Grass gestifteten Alfred-Döblin-Preis und anderen renommierten Auszeichnungen erhielt Kurzeck im Jahr 1994 den Joseph-Breitbach-Preis. Seit Juli 2014 ist in Staufenberg ein Platz nach Peter Kurzeck benannt.[3]

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Autograph
Romanzyklus „Das alte Jahrhundert“
Hörspiele und Hörbücher
  • Kommt kein Zirkus ins Dorf? (Hörspiel, HR 1987), Edition Literarischer Salon im Focus Verlag, Gießen 1987.
  • Der Sonntagsspaziergang. (Hörspiel, HR 1992)
  • Stuhl, Tisch, Lampe. Köln 2004 (Hörbuch-CD)
  • Ein Sommer, der bleibt. Peter Kurzeck erzählt das Dorf seiner Kindheit. Konzeption und Regie: Klaus Sander. Erzähler: Peter Kurzeck. Berlin 2007. (4-CD-Box)
  • Peter Kurzeck liest aus „Kein Frühling“. Frankfurt am Main 2007. (Hörbuch, 4 CDs)
  • Peter Kurzeck liest „Oktober und wer wir selbst sind“. Frankfurt am Main 2008. (Hörbuch, 7 CDs)
  • „Da fährt mein Zug.“ Peter Kurzeck erzählt. Konzeption und Regie: Klaus Sander. Erzähler: Peter Kurzeck. Berlin 2010. (Hörbuch CD)
  • „Mein wildes Herz.“ Peter Kurzeck erzählt. Supposé Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-932513-98-5. (Hörbuch, 2 CDs).
  • „Unerwartet Marseille.“ Peter Kurzeck erzählt. Stroemfeld Verlag, 2012. (Hörbuch, 2 CDs)
Gespräche

Literatur[Bearbeiten]

  • Mechthild Curtius: Peter Kurzeck „Zwangsvorstellung: Dass ich nichts vergessen darf!“ Interview, in: Dies. (Hrsg.): Autorengespräche. Verwandlung der Wirklichkeit. Fischer, Frankfurt am Main 1991, ISBN 978-3-596-10256-3. S. 155–168.
  • Jörg Magenau: Die Suche nach der verlorenen Zeit. Peter Kurzecks Romane „Kein Frühling“ und „Keiner stirbt“. In: Walter Delabar und Erhard Schütz (Hrsg.): Deutschsprachige Literatur der 70er und 80er Jahre. Darmstadt 1997, S. 236–253.
  • Sabine Sistig: Wandel der Ich-Identität in der Postmoderne? Zeit und Erzählen in Wolfgang Hilbigs „Ich“ und Peter Kurzecks „Keiner stirbt“. Königshausen u. Neumann, Würzburg 2003, ISBN 3-8260-2361-7. (= Epistemata/Reihe Literaturwissenschaft; 407.)
  • Beate Tröger: Gehen, um zu schreiben. Peter Kurzecks autobiographisches Romanprojekt. In: Hans Richard Brittnacher, Magnus Klaue (Hrsg.): Unterwegs. Zur Poetik des Vagabundentums im 20. Jahrhundert. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2008. S. 261–276.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Peter Kurzeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/literatur-peter-kurzeck-ist-tot-12681424.html
  2. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/nachruf-auf-peter-kurzeck-a-935800.html
  3. Programm der Einweihungsfeier auf der Website von Stauffenberg, abgerufen am 3. August 2014.
  4. http://www.suppose.de/texte/kurzeck_sommer.html