Alfred Grosser

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Alfred Grosser bei einer Veranstaltung in Idar-Oberstein 2002

Alfred Grosser (* 1. Februar 1925 in Frankfurt am Main) ist ein deutsch-französischer Publizist, Soziologe und Politikwissenschaftler.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Sein Vater war Direktor einer Frankfurter Kinderklinik, Sozialdemokrat und jüdischer Herkunft, außerdem Freimaurer, nach den Angaben von Grosser, weshalb er 1933 mit seiner Familie nach Frankreich emigrierte. Grosser wurde 1937 französischer Staatsbürger. Er studierte Politikwissenschaft und Germanistik und war ab 1955 Inhaber eines Lehrstuhls am Institut d'études politiques de Paris (Sciences Po) in Paris. 1992 wurde er als Studien- und Forschungsdirektor an der „Fondation Nationale des Sciences Politiques“ emeritiert.

Alfred Grosser, 1975

Grosser war ab 1965 Mitarbeiter zahlreicher Zeitungen und Fernsehanstalten. Unter anderem schrieb er politische Kolumnen für La Croix und Ouest-France. Er setzte sich sehr für die deutsch-französische Verständigung ein. Für seine zur Völkerverständigung beitragenden Werke erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen, unter anderem 1975 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, Laudator war Paul Frank [1], (für seine Rolle als „Mittler zwischen Franzosen und Deutschen, Ungläubigen und Gläubigen, Europäern und Menschen anderer Kontinente“). 1978 wurde er mit der Theodor-Heuss-Medaille, 1996 mit dem Schillerpreis der Stadt Mannheim [2]und 1995 mit dem CICERO rednerpreis [3] ausgezeichnet. 1998 ehrte man Grosser mit dem Grand Prix de l'Académie des Sciences morales et politiques, 2002 mit dem Humanismuspreis des Deutschen Altphilologenverbands, 2004 mit dem Abraham Geiger Preis des Abraham-Geiger-Kollegs an der Universität Potsdam. Zudem ist er Träger des Großen Verdienstkreuzes mit Stern und Schulterband und Grand Officier de la Légion d'Honneur.

Neben Joseph Rovan (1918-2004) ist Grosser ein herausragender französischer Intellektueller mit deutsch-jüdischen Wurzeln. Er hat sich in der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart für die deutsch-französischen Beziehungen eingesetzt und war einer der intellektuellen Wegbereiter im Vorfeld des Elysée-Vertrags. Bei zahlreichen Reisen und Vorträgen in Deutschland und Frankreich hat er an der Aussöhnung der Nachbarländer mitgewirkt und sie gefestigt[4].

U. a. aus Protest gegen die aus seiner Sicht unausgewogene Nahost-Berichterstattung verließ der Publizist im Jahr 2003 den Aufsichtsrat des französischen Magazins L’Express. „Die Chefredaktion hatte nur zögernd meine positive Rezension eines israel-kritischen Buches veröffentlicht. In der folgenden Nummer druckte man einen Sturm Leserbriefe, die mich beschimpften.[5] Grosser ist bekannt als Kritiker der israelischen sowie zum Teil auch der französischen Regierungspolitik. Einige Kritiker weisen daher darauf hin, dass er gern von antiisraelischen, oft linken Kreisen als unverdächtiger jüdischer Zeuge für ihre antiisraelische Politik zitiert werde. Andere bemerken, dass man die israelische Politik nicht kritisieren dürfe, ohne als antiisraelisch oder gar antisemitisch bezeichnet zu werden.

Seit Mitte Mai 2006 heißt die ehemalige Kooperative Gesamtschule Bad Bergzabern Alfred-Grosser-Schulzentrum. Die kontroverse Diskussion um die Namensgebung bezeichnete Grosser selbst als „wahrhaft demokratischen Prozess“.

Alfred Grosser kritisierte anlässlich der Verleihung des Ludwig-Börne-Preises 2007 durch den Focus-Herausgeber Helmut Markwort an Henryk M. Broder beide als des Börnepreises und einer Verleihung in der Frankfurter Paulskirche für nicht würdig[6].

[Bearbeiten] Schriften (Auswahl)

  • Deutschlandbilanz. Geschichte Deutschlands seit 1945, 1970
  • Das Bündnis, 1981
  • Versuchte Beeinflussung, 1981
  • Der schmale Grat der Freiheit, 1981
  • Das Deutschland im Westen, Carl Hanser Verlag, München 1985, ISBN 3-446-12619-8
  • Frankreich und seine Außenpolitik, 1986
  • Mit Deutschen streiten, 1987
  • Mein Deutschland, 1993
  • Deutschland in Europa, 1998
  • Was ich denke., November 2000
  • Wie anders sind die Deutschen?, 2002
  • Wie anders ist Frankreich, 2005
  • Die Früchte ihres Baumes. Ein atheistischer Blick auf die Christen, September 2005
  • Der Begriff Rache ist mir völlig fremd in: Martin Doerry (Hg): Nirgendwo und überall zu Haus. Gespräche mit Überlebenden des Holocaust DVA, München 2006 ISBN 3-421-04207-1 (auch als CD) S. 120 - 129

[Bearbeiten] Literatur

  • Martin Strickmann: L´Allemagne nouvelle contre l´Allemagne éternelle: Die französischen Intellektuellen und die deutsch-französische Verständigung 1944–1950. Diskurse, Initiativen, Biografien. Frankfurt a. M. [u.a.] 2004, ISBN 3-631-52195-2

[Bearbeiten] Gespräche

[Bearbeiten] Rezensionen

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Text der Rede von Paul Frank
  2. [1]
  3. Homepage von CICERO rednerpreis
  4. Martin Strickmann, L'Allemagne nouvelle contre l'Allemagne éternelle. Die französischen Intellektuellen und die deutsch-französische Verständigung 1944-1950. Diskurs, Initiativen, Biografien, Peter Lang, Frankfurt/M. 2004. 512 Seiten
  5. Internationale Politik, Warum ich Israel kritisiere, Februar 2007
  6. [2] Beleidigung des Humanismus Falsche Wahl: Henryk M. Broder hat den Börne-Preis nicht verdient, die tageszeitung, 3. Februar 2007, Hintergrund war eine vom Fokus nicht abgedruckte positive Rezension Grossers eines israelkritischen Buch von Rupert Neudeck
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