Kallmünz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Kallmünz
Kallmünz
Deutschlandkarte, Position des Marktes Kallmünz hervorgehoben
49.16111111111111.960833333333344Koordinaten: 49° 10′ N, 11° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Regensburg
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Kallmünz
Höhe: 344 m ü. NHN
Fläche: 43,19 km²
Einwohner: 2824 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 65 Einwohner je km²
Postleitzahl: 93183
Vorwahl: 09473
Kfz-Kennzeichen: R
Gemeindeschlüssel: 09 3 75 156
Marktgliederung: 31 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Keltenweg 1
93183 Kallmünz
Webpräsenz: www.kallmuenz.de
Erster Bürgermeister: Ulrich Brey (CSU)
Lage des Marktes Kallmünz im Landkreis Regensburg
Landkreis Amberg-Sulzbach Landkreis Cham Landkreis Dingolfing-Landau Landkreis Eichstätt Landkreis Kelheim Landkreis Landshut Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm Landkreis Schwandorf Straubing Landkreis Straubing-Bogen Regensburg Forstmühler Forst Kreuther Forst Brunn (Oberpfalz) Alteglofsheim Altenthann Aufhausen Bach an der Donau Barbing Beratzhausen Bernhardswald Bernhardswald Brennberg Brunn (Oberpfalz) Deuerling Donaustauf Duggendorf Hagelstadt Hemau Holzheim am Forst Kallmünz Köfering Laaber Lappersdorf Mintraching Mötzing Neutraubling Nittendorf Obertraubling Pentling Pettendorf Pfakofen Pfatter Pielenhofen Riekofen Regenstauf Schierling (Oberpfalz) Sinzing Sünching Tegernheim Thalmassing Wenzenbach Wiesent (Gemeinde) Wörth an der Donau Wolfsegg (Oberpfalz) ZeitlarnKarte
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Kallmünz ist ein Markt im Oberpfälzer Landkreis Regensburg und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Kallmünz.

Auf einem Felsvorsprung befinden sich die Ruinen einer alten Burg Kallmünz. Über die Naab führt die spätmittelalterliche Steinerne Brücke (1549 bis 1558 erbaut), die im 18. Jahrhundert durch einen Eisgang beschädigt und 1945 durch die Wehrmacht gesprengt wurde. Das malerische, mittelalterliche Ortsbild wird durch alte Häuser geprägt, die unter einem Felsvorsprung an den Burgfels gebaut sind. Aufgrund seiner Lage zwischen zwei Flüssen und dem steil aufragenden Burgberg wird der Ortskern regelmäßig von Überflutungen heimgesucht. Die Maler Wassily Kandinsky und Gabriele Münter wurden hier während der Sommerfrische 1903 zu einem Paar. Der Ort ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts ein Anziehungspunkt für eine kleine Künstlerkolonie.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Der Markt liegt am Zusammenfluss von Naab und Vils, etwa 25 km nördlich und naabtalaufwärts von Regensburg an einer alten Handelsroute nach Osten.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Kallmünz hat 31 amtlich benannte Ortsteile[2]:

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsansicht mit Pfarrkirche St. Michael und Burgruine
Kirche und Burg
Kallmünz 2011.JPG

Eine aus der Bronzezeit (ca. 2000-1900 v. Chr.) stammende, ausgedehnte vorgeschichtliche Anlage (ca. 50 ha) belegt mit Siedlungszeugnissen aller Perioden die Attraktivität dieses Felssporns zwischen Naab- und Vilstal.

Vor der Burgruine ragt ein weiterer Wall (ca. 1200 v. Chr.) auf, der im Volksmund „Ungarnwall“ genannt wird und damit vermutlich der Bevölkerung der Umgebung bei den Ungarneinfällen im 10. Jahrhundert als Rückzugspunkt diente.

Erstmals schriftlich erwähnt wurde Kallmünz in einer Urkunde des Bischofs Wolfgang im Jahre 983. 1271 ist ein bayerischer Ministerialer namens Hugo von Kallmünz urkundlich feststellbar. Im Hausvertrag von Pavia 1329 wird die mittelalterliche Burg aber erstmals als Besitz der Wittelsbacher genannt. Erbauer und Bauzeit bleiben im Dunkeln, anhand der auffindbaren Baustile kann sie in die Zeit des Übergangs von der Spätromanik zur Frühgotik (ca. 1230-1250) datiert werden.

Diese Burg wurde von Ludwig dem Bayern 1344 zunächst an Regensburg, später an Thüringen, sodann an Hessen verpfändet. Wenige Jahre danach gelangten wechselnde Zweige der Familie der Wittelsbacher (Pfalz, Oberbayern, Pfalz-Neuburg) wieder in den Besitz der Burg. Während des Landshuter Erbfolgekriegs setzten pfälzische Truppen die Burg 1504 in Brand.

Herzog Wolfgang Wilhelm (1578–1653) machte Kallmünz zur pfalz-neuburgischen Hauptmünzstätte.

Nach ihrem Wiederaufbau wurde die Burg im Dreißigjährigen Krieg zunächst von den kaiserlichen Truppen geplündert. Schwedische Truppen setzten sie 1641 in Brand und zerstörten sie endgültig.

Seit über 100 Jahren befindet sich im Schlossberg die einzige heute noch eingerichtete Höhlenwohnung Deutschlands, das „Haus ohne Dach“, Wohnhöhle.
Siehe auch: Burgstall Rohrbach, Burgruine Kallmünz

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurden Krachenhausen und Teile der bisherigen Gemeinde See eingegliedert.[3] Am 1. Mai 1978 folgten Dinau, Rohrbach und Traidendorf sowie Teile der Gemeinde Fischbach an der Naab (Landkreis Schwandorf), die am 5. September 1972 umbenannt wurde (vorher Fischbach).[4]

Politik[Bearbeiten]

Der Kallmünzer Marktgemeinderat besteht aus 14 Mitgliedern, darunter zwei Frauen. Im Marktgemeinderat sind nach der Kommunalwahl 2008 die Parteien CSU mit sechs, SPD mit drei, Die Grünen und ökologische Wählergemeinschaft mit einem, die Gruppierung Freie Wähler "Einigkeit" mit drei und die Freie Liste Kallmünzer Umland mit einem Mitglied/ern vertreten. Wahlberechtigt waren 2356 Einwohner. Bei der Bürgermeisterwahl am 9. Oktober 2011 löste Ulrich Brey (CSU) den Amtsvorgänger Siegfried Bauer (SPD) ab, der aus Altersgründen nicht mehr kandidieren konnte.

Wappen[Bearbeiten]

Die Originalbeschreibung in der Urkunde zur Verleihung des Wappens 1455 durch Herzog Albrecht III. lautet: „In einem Brief gemaltes Wappen mit einem roten Schilt und darin drey Weckhen vom Bayerland, nemlich zwei blaue und in der Mitte einen weißen, welche rund auf denselben dreyen Weckhen eine gelbe Krone haben. [...] Am Sonntag nach Georgentag 1455“.

Künstlerkolonie in Kallmünz[Bearbeiten]

Der aus München angereiste Maler und Professor Charles Johann Palmié erkor 1901 einen neu eröffneten Gasthof in Kallmünz zu seinem Domizil während der Sommerfrische. Dem Wirtshaus gab er auch selbst den Namen „Zur Roten Amsel“ und illustrierte seine Außenfassade mit seinen Münchner Freunden al fresco. Palmié nannte Kallmünz die "Perle des Naabtals". Kallmünz wurde alsbald zu einem landschaftlich inspirierenden Anziehungspunkt für Maler, die sich hier in immer größerer Zahl einfanden und teilweise auch dauerhaft niederließen. Schon 1901 zählte die Künstlerkolonie 38 Maler. Am bekanntesten wurde Kallmünz durch den mehrwöchigen Aufenthalt Wassily Kandinskys und Gabriele Münters im Sommer 1903. Kandinsky entwickelte danach einen neuen Malstil, mit dem er sich von der gegenständlichen Malerei ab- und der abstrakten Kunst der „Farbklänge“ (wie er sich ausdrückte) zuwandte.

Weniger bekannt ist, dass auch berühmte Berliner Maler Kallmünz besuchten. Genannt seinen Franz Skarbina, ein Freund von Palmie, der 1901 vor Ort war. Magnus Zeller, ein Schüler von Lovis Corinth, war während des dritten Reiches mehrere Male in Kallmünz. Der heute bekannteste der Berliner Maler Karl Schmidt-Rottluff war im Herbst 1936 in Kallmünz und mindestens zwei Wochen in Kallmünz.

Von 1944 bis zu seinem Tod durch einen Verkehrsunfall lebte der bedeutende spätexpressionistische Maler Josef Georg Miller in Kallmünz. Mit seiner Frau Erna geb. Feneberg übernahm er 1944 eine Töpferei. Nach dem Zweiten Weltkrieg betrieben die Künstler ein Kinderheim.

Ab 1979 lebte und arbeitete der Maler Hans Geistreiter bis kurz vor seinem Tod in Kallmünz. Ab Herbst 1984 hatte er ein eigenes Atelier für große Arbeiten. Heute gibt es zahlreiche Galerien, die die Werke der heimischen Künstler ebenso wie die von Gastkünstlern zeigen. Die Künstlergruppe MOSAIK ist Heimat von rund 20 Künstlern.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Oldtimertreffen (eines der größten Süddeutschlands mit rund 700 teilnehmenden Fahrzeugen aller Kategorien), jährlich, 1. Wochenende im Juni, Veranstalter: Oldtimer-Freunde Kallmünz 1995 e. V.
  • dreijährliches Brückenfest im Juli (nächster Termin: 2015), Veranstalter 2012: Kultureck e. V.
  • Kirchweih, jährlich, Ende September, Veranstalter: wechselnd
  • Weihnachtsmarkt am 2. Adventswochenende
  • Backofenfest, jährlich, Fronleichnam, Veranstalter: Freiwillige Feuerwehr Kallmünz
  • 1. Mai-Fest, jährlich, Veranstalter: Heimat- und Volkstrachtenverein Kallmünz e. V.
  • Kallmünzer Frühlingslauf (Mai), Triathlon (Olympiastrecke) Juni/Juli (ATSV-Kallmünz)
  • im zweijährigem Abstand KUNST-SCHAU-NACHT April/Mai, 2011/2013 (KulturEck Kallmünz, e.V.)

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Grund- und Hauptschule

Vereine[Bearbeiten]

  • ATSV Kallmünz: Allgemeiner Turn- und Sportverein mit mehr als 1000 Mitgliedern
  • Kultureck e. V.: Verein zur Förderung der Kultur, Veranstalter des Brückenfestes (im dreijährigen Turnus) und des Graphikmarktes
  • Bergverein Kallmünz e.V.: Verein zur Erhaltung und Erforschung der Burg und des Schlossberges
  • Krieger- und Reservistenkameradschaft Kallmünz
  • Burgschützen Kallmünz
  • Burschenverein Naabtal Kallmünz
  • Bund Naturschutz Ortsgruppe Kallmünz
  • Freiwillige Feuerwehr Kallmünz e. V.
  • Freiwillige Feuerwehr Traidendorf
  • SSC Traidendorf
  • "Die Treuen 1980" FC Bayern München Fanclub
  • TTC 1960 Kallmünz e. V.
  • "Kallmuenzer Reichsorden" Altertums- und Mittelalterverein
  • Oldtimer-Freunde Kallmünz 1995 e. V.
  • Freunde von Alt-Kallmünz e. V.
  • Kultur- und Fremdenverkehrsverein Kallmünz e. V.
  • Heimat- und Volkstrachtenverein Kallmünz e. V.
  • Verein zur Förderung der Gemeindepartnerschaften Kallmünz e. V.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 1983 besteht eine Partnerschaft zwischen Kallmünz und St. Genès-Champanelle (Region Auvergne, Département Puy-de-Dôme) in Frankreich. Seit 2002 bestehen darüber hinaus mit der weiteren Partnergemeinde von St. Genès-Champanelle, nämlich Monterosso al Mare (Ligurien, Provinz La Spezia) in Italien, sehr enge Beziehungen. Die Partnerschaft wird vom Verein zur Förderung der Gemeindepartnerschaften Kallmünz e.V. betreut.

Kuriositäten[Bearbeiten]

Jeder, der in Kallmünz das Bürgerrecht hatte, durfte auch sein eigenes Bier brauen (Zeugl-Recht). Der bekannteste touristische Anziehungspunkt ist das „Haus ohne Dach“ in der Vilsgasse. Dies ist eine kleine Höhlenwohnung, deren Eingang mit einer Mauer mit Tür- und Fensteröffnungen verschlossen ist.

Domenico Quaglio war im Auftrag des bayerischen Königs Ludwig I. auf der Suche nach einem geeigneten Standort für die Befreiungshalle in Kallmünz und nahm eine Anhöhe gegenüber der Burgruine in die engere Auswahl.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alois Knauer: Ortsgeschichte Kallmünz. Kallmünz: Verlag Michael Laßleben, 1961. Nachdruck 1994. ISBN 3-7847-1110-3
  • Kallmünz, die Perle des Naabtales. Ein Führer durch Kallmünz, seine Geschichte und Kulturgeschichte. Kallmünz: Verlag Michael Laßleben, 1998. ISBN 3-7847-1164-2
  • Erna Miller: Mehr als 50 Kallmünzer Jahre Kallmünz: Verlag Michael Laßleben, 1997. ISBN 3-7847-8166-7
  • Ruth Sandner: Siedlungsarchäologische Untersuchungen auf dem Schloß-, Kirchen- und Hirmesberg oberhalb Kallmünz. Universitätsverlag Regensburg, 2005. ISBN 3-9304-8047-6

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Luftbildbände[Bearbeiten]

  • Das Tal von Vils und Lauterach. Pustet-Verlag, Regensburg, 112 Seiten; ISBN 3-7917-1755-3
  • Die Naab – mit Waldnaab, Fichtelnaab, Haidenaab. Pustet Regensburg, ISBN 3-7917-1915-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kallmünz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111215/212428&attr=OBJ&val=1016
  3.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 438.
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 657, 659 und 667.