Lucia di Lammermoor

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Werkdaten
Titel: Lucia di Lammermoor
Originalsprache: italienisch
Musik: Gaetano Donizetti
Libretto: Salvadore Cammarano
Literarische Vorlage: The Bride of Lammermoor von Walter Scott
Uraufführung: 26. September 1835
Ort der Uraufführung: Neapel, Teatro San Carlo
Spieldauer: ca. 2 1/2 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Schottland, Ende des 16. Jahrhunderts
Personen
  • Lord Enrico Ashton (Bariton)
  • Lucia, seine Schwester (Sopran)
  • Sir Edgardo di Ravenswood, ihr Geliebter (Tenor)
  • Lord Arturo Bucklaw (Tenor)
  • Raimondo Bidebent, Erzieher und Vertrauter Lucias (Bass)
  • Alisa, Lucias Vertraute (Mezzosopran)
  • Normanno, Hauptmann der Truppen von Ravenswood (Tenor)
  • Ritter und Edeldamen, Jäger, Soldaten, Bewohner von Lammermoor und Ravenswood etc. (Chor)

Lucia di Lammermoor ist eine Oper in drei Akten von Gaetano Donizetti. Die Uraufführung erfolgte am 26. September 1835 am Teatro San Carlo in Neapel. Eine von Donizetti überarbeitete französische Version hatte im Théâtre de la Renaissance in Paris am 6. August 1839 Premiere. Das Libretto schrieb Salvadore Cammarano, nach dem Roman Die Braut von Lammermoor (The Bride of Lammermoor) von Walter Scott. Die Oper handelt von zwei Liebenden aus den beiden verfeindeten Adelsfamilien Ashton und Ravenswood, die erst im Tode vereint werden. Donizettis Werk gilt als einer der Höhepunkte in der Epoche des Belcanto und als Idealtypus der romantischen Sängeroper mit der so genannten Wahnsinnsarie (Il dolce suono) als Höhepunkt.

Wirkungsgeschichte[Bearbeiten]

Lucia di Lammermoor war von der triumphalen Uraufführung (mit Fanny Tacchinardi-Persiani, Gilbert Duprez und Domenico Cosselli) an ein großer Erfolg. In den folgenden Jahren übernahmen die führenden Bühnen in Europa das Werk: 1836 wurde die Oper in Rom gespielt, 1837 folgten Wien und Paris, 1838 London und 1839 die Mailänder Scala. Lucia di Lammermoor gehört mit Don Pasquale zu den wenigen Opern Donizettis, die seit der Uraufführung eine lückenlose Aufführungstradition verzeichnen können. Die Beliebtheit des Werks schlägt sich auch in einer äußerst umfangreichen Diskographie nieder, in der für die Zeit zwischen 1929 und 2009 über 176 Einspielungen verzeichnet werden.[1]

Der Erfolg des Werks ist mit einer Verschiebung in dessen Interpretation verbunden, die sich bereits ab der Uraufführung und verstärkt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts abzeichnete: "Die Aufführungstradition von Lucia war von Anfang an durch Missverständnisse über den Stimmtyp der Titelrolle gekennzeichnet. Vom Komponisten als zwar koloraturbeweglicher, aber dem Charakter nach dramatischer Sopran ohne extreme Höhe konzipiert (…) entsprach die Rolle bereits nicht voll dem Stimmtyp der Uraufführungsinterpretin Tacchinardi-Persiani, einer Spezialistin des virtuosen Ziergesangs. Mit ihren zahlreichen Lucia-Auftritten überall in Europa prägte und festigte sie in den folgenden Jahren das falsche Rollenbild der Lucia als eines hohen Koloratursoprans." [2] In die Partie wurden nicht nur Kadenzen und Triller eingefügt, sondern auch Teile davon beispielsweise um einen halben oder einen ganzen Ton nach unten transponiert, um der jeweiligen Sängerin Spitzentöne zu erleichtern. Die Partie wurde so mehr und mehr zu einem reinen Bravourstück für Primadonnen wie Jenny Lind, Adelina Patti, Emma Albani, Nellie Melba, Selma Kurz, Frieda Hempel, Luisa Tetrazzini, Toti dal Monte oder Lily Pons. Diese Ausrichtung wirkte sich auf das gesamte Werk aus, an dem im Laufe der Zeit umfangreiche Kürzungen und Änderungen vorgenommen wurden, teilweise wurden ganze Szenen weggelassen.

Erst in den 1950er-Jahren setzte eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche dramatische Konzeption ein. Meilensteine dafür waren insbesondere die Interpretationen von Maria Callas (1954-55 an der Mailänder Scala und in Berlin unter Herbert von Karajan, wobei nach wie vor deutliche Kürzungen beibehalten wurden, so das gesamte 1. Bild des III. Akts) und von Joan Sutherland (etwa 1959 am Royal Opera House Covent Garden). Sängerinnen wie Leyla Gencer, Anna Moffo, Beverly Sills, Luciana Serra, Renata Scotto, Lucia Aliberti, Edita Gruberová, Mariella Devia, June Anderson, Stefania Bonfadelli und zuletzt auch Anna Netrebko setzten diese Tradition fort. Ab 1960 wurden dann nach und nach die Striche wieder geöffnet. Mit der Schallplattenaufnahme von 1976 unter Jesús López Cobos (mit Montserrat Caballé, José Carreras, Vicente Sardinero und Samuel Ramey) fand diese (Rück-)Entwicklung einen Abschluss. [3]

Handlung[Bearbeiten]

Die Handlung spielt in Schottland gegen Ende des 16.Jahrhunderts vor dem Hintergrund der Fehden zwischen Katholiken und Protestanten. Die Familie Ashton hat seit einiger Zeit die gegnerische Familie der Ravenswood (Anhänger Maria Stuarts) verdrängt und ihr in der Gegend des Dorfes Lammermoor gelegenes Schloss eingenommen.

1. Akt[Bearbeiten]

1. Bild: Enrico Ashton und seine Gefolgsleute durchsuchen die Gegend nach einem Unbekannten. Enrico erfährt, dass seine Schwester Lucia seinen Erzfeind Edgardo liebt. Die Männer bestätigen, Edgardo in der Nähe gesehen zu haben. Enrico schwört Rache. (Cruda, funesta smania)

2. Bild: Lucia wartet nachts mit ihrer Begleiterin Alisa im Wald auf Edgardo. Lucia ist beunruhigt: Ihr erschien der Geist einer Frau, die von ihrem Geliebten, einem Ravenswood, an diesem Ort aus Eifersucht erstochen wurde (Regnava nel silenzio). Alisa bittet ihre Herrin, der unglückseligen Liebe zu entsagen. Edgardo erscheint, um sich von Lucia zu verabschieden. Vorher möchte er sich mit Enrico versöhnen und ihn um Lucias Hand bitten. Als diese ihn davon abzubringen versucht, bricht sein alter Hass gegen die verfeindete Familie wieder durch. Zum Abschied schwören sich die Liebenden ewige Treue. (Sulla tomba che rinserra)

2. Akt[Bearbeiten]

3. Bild: Normanno und Enrico haben alle Briefe Edgardos und Lucias abgefangen. Sie verunsichern die junge Frau und versuchen, sie zur Hochzeit mit Arturo zu drängen, der dafür Enrico politisch unterstützen will. Ein gefälschter Brief, der Edgardos Untreue belegen soll, soll sie gefügig machen. Enrico und Raimondo setzen sie unter Druck.

4. Bild: Hochzeitsfeier. Die Gäste begrüßen Enrico und Arturo. Lucia wird hereingeführt und dazu gedrängt, den Ehevertrag zu unterzeichnen. Als Edgardo plötzlich hereinstürzt und sein Recht fordert, bricht sie zusammen. Zornig verflucht er sie wegen ihrer vermeintlichen Untreue. (Chi mi frena in tal momento)

3. Akt[Bearbeiten]

5. Bild: Während eines Gewitters sucht Enrico Edgardo in dessen verbliebener Turmbehausung auf. Er schürt Edgardos Eifersucht und will sich an seinem Feind rächen. Sie verabreden sich für den nächsten Morgen zum Duell bei den Gräbern der Ravenswoods.

6. Bild: Die fröhliche Hochzeitsfeier wird unterbrochen: Raimondo berichtet, Lucia habe ihren Bräutigam Arturo erstochen und sei wahnsinnig geworden. Lucia erscheint in blutüberströmtem Kleid mit einem Messer in der Hand. In Gedanken erlebt sie eine kirchliche Trauung mit Edgardo (Wahnsinnsarie Il dolce suono – Spargi d'amaro pianto, in der Originalfassung begleitet von einer Glasharmonika, schon früh ersetzt durch eine Flöte, erstmals wieder verwendet in München 1991, Dirigent Michel Plasson).

7. Bild: Edgardo erwartet Enrico zum Duell. (Tombe degli avi miei) Er erfährt, dass Lucia wahnsinnig geworden ist und im Sterben liegend nach ihm verlangt. Da erklingt die Totenglocke. Edgardo folgt seiner Geliebten in den Tod und ersticht sich. (Tu che a Dio spiegasti l'ali)

Trivia[Bearbeiten]

Musik aus Lucia di Lammermoor wurde immer wieder zitiert, so etwa in Filmen wie Engel und Narren (Where Angels Fear to Tread, 1991). Zu Beginn des 1944 entstandenen Filmes Das Haus der Lady Alquist singt Ingrid Bergman die Wahnsinnsarie (Il Dolce Suono) der Lucia, und in Das fünfte Element wie auch in 22 Bullets singt die Diva Plavalaguna (beidmals gesungen von Inva Mula) diese Arie. In Departed – Unter Feinden sind Teile der Oper als Klingeltöne von Costellos Handy zu hören.

Im Roman Madame Bovary von Gustave Flaubert besuchen Emma und Charles Bovary eine Aufführung der Oper (Teil 2, Kapitel 15).[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Diskographie bei Operadis
  2. Norbert Miller, in Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, München, Zürich 1986, Band 2 S. 7
  3. Norbert Miller, in Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, München, Zürich 1986, Band 2 S. 8
  4. Gustave Flaubert, Madame Bovary, Gallimard, 2001, p. 300-10.

Quellen[Bearbeiten]

  • Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, München, Zürich 1986.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lucia di Lammermoor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien