Rauris

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Rauris
Wappen von Rauris
Rauris (Österreich)
Rauris
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Salzburg
Politischer Bezirk: Zell am See
Kfz-Kennzeichen: ZE
Fläche: 253,33 km²
Koordinaten: 47° 14′ N, 13° 0′ O47.22916666666712.994444444444950Koordinaten: 47° 13′ 45″ N, 12° 59′ 40″ O
Höhe: 950 m ü. A.
Einwohner: 3.031 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 12 Einw. pro km²
Postleitzahl: 5661
Vorwahl: 06544
Gemeindekennziffer: 5 06 17
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktstraße 30
5661 Rauris
Website: www.rauris.net
Politik
Bürgermeister: Peter Loitfellner (SPÖ)
Gemeinderat: (2014)
(19 Mitglieder)
8
4
7
Von 19 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Rauris im Bezirk Zell am See
Bramberg am Wildkogel Bruck an der Großglocknerstraße Dienten am Hochkönig Fusch an der Großglocknerstraße Hollersbach im Pinzgau Kaprun Krimml Lend Leogang Lofer Maishofen Maria Alm am Steinernen Meer Mittersill Neukirchen am Großvenediger Niedernsill Piesendorf Rauris Saalbach-Hinterglemm Saalfelden am Steinernen Meer Sankt Martin bei Lofer Stuhlfelden Taxenbach Unken Uttendorf Viehhofen Wald im Pinzgau Weißbach bei Lofer Zell am See Salzburg (Bundesland)Lage der Gemeinde Rauris im Bezirk Zell am See (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Blick ins Raurisertal Richtung Süden
Blick ins Raurisertal Richtung Süden
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Rauris ist eine Marktgemeinde im Salzburger Land im Bezirk Zell am See in Österreich mit 3031 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014).

Geografie[Bearbeiten]

Rauris
Rauriser Kirche

Die Gemeinde liegt im Pinzgau im Salzburger Land an der Rauriser Ache unterhalb der Sonnblickgruppe im Herzen des Nationalparks Hohe Tauern und erstreckt sich über das Raurisertal. Rauris ist die flächenmäßig größte Gemeinde in Salzburg. Bis Ende 2002 gehörte die Gemeinde zum Gerichtsbezirk Taxenbach, seit 2003 ist sie Teil des Gerichtsbezirks Zell am See.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende 12 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[1]):

  • Bucheben (174)
  • Fröstlberg (68)
  • Grub (62)
  • Hundsdorf (195)
  • Marktrevier (52)
  • Rauris (1149)
  • Seidlwinkl (340)
  • Unterland (87)
  • Vorstanddorf (101)
  • Vorstandrevier (308)
  • Wörth (318)
  • Wörtherberg (210)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Bucheben, Rauris, Seidlwinkl, Unterland, Vorstandrevier und Wörtherberg.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Überblick über Historische Entwicklung[Bearbeiten]

Das Raurisertal ist eines der wenigen dauernd besiedelten Tauerntäler. Dass die Wege über den Rauriser Tauern (Hochtor) schon sehr früh begangen waren, zeigen verschiedene Funde, wie der eines massiven, vergoldeten Halsringes auf der Maschlalm, der aus der Latènezeit um 400 v. Chr. stammt. Im Markt wurden sechs Silbermünzen gefunden, von denen drei den Kopf König Philipps von Makedonien, der 360 bis 336 v. Chr. auf dem Balkan regierte, zeigen. Weitere Funde sind eine kleine Herkulesstatue aus der Römerzeit, bedeutende noch ältere Funde ein Bronzeschwert aus der Zeit 1300 v. Chr., sowie ein Skarabäus aus der Zeit Ramses II. um 1200 v. Chr.

Die Besiedelung[Bearbeiten]

Die Besiedlung des Tales erfolgte von Süden her. Sie begann mit dem Anlegen von Schwaigen im 12. Jahrhundert. Der heutige Ort Rauris wurde früher nach dem Gaisbach, auf dessen Schwemmkegel er errichtet wurde, benannt und ist bereits 1120 urkundlich erwähnt. 1122, als Bischof Heinrich von Freising seinem Bruder Graf Friedrich von Peilstein hier zwei Höfe übergab, scheint erstmals der Name Rurise auf und bezeichnete das ganze Tal.

Die Etymologie des Namens ist ungeklärt, und wird, wie beim benachbarten Gastein, auf sicherlich vorbairische Herkunft zurückgeführt. Möglich erscheint etwa die gemeinsame indogermanische Wurzel *ru/*reu für Flüsse, die hier wie in den Nachbartälern ebenfalls slawisch oder direkt romanisch vermittelt ist.[2]

Fuhrwerks- und Saumverkehr[Bearbeiten]

Bereits 1230 ist Wörth als wichtiger Umschlagplatz für Fuhrwerk- und Saumverkehr über die Tauern nach Süden (Seidlwinkl) und ins Bergbaugebiet (Hüttwinkl) nachweisbar.

Das Seidlwinkltal bildete den östlichen Zugang zum Heiligenbluter Tauern (Hochtor), der gegenüber allen anderen Tauernübergängen den Vorteil hatte, länger offen zu sein. Dies führte dort auch zur Errichtung des bis heute erhaltenen Rauriser Tauernhauses, das wie die übrigen Tauernhäuser in anderen Tälern Versorgungs- und Betreuungspflichten für die Handel treibenden Säumer hatte und bereits 1491 das Schankrecht bekam.

Pass Rauris[Bearbeiten]

In Rauris befand sich das Pass- und Schrankenhaus in der Rauris. Diese Passstelle diente vorwiegend der Lebensmittel- und Seuchenkontrolle für die Bergwerke in Rauris, zudem war es gegen den Alkoholschmuggel über den Tauern eingerichtet. Durch das Rauriser Tal führte der einzig auch über den Winter offene Tauernübergang. Es liegt deshalb die Vermutung nahe, dass es neben der Passstation in Rauris auch eine Befestigungsanlage gegeben habe. Diese wird in 1100 m Seehöhe auf einem Geländevorsprung des Wörthberges bei dem heutigen Bauernhof Burgstall vermutet.[3]

Bereits 1706 war das Schrankenhaus stark baufällig. Nach der Protestantenausweisung 1731-1733 unter Fürsterzbischof Leopold Anton von Firmian wurde die Missionstätigkeit durch die Franziskaner vorangetrieben, um ein Wiedererstarken des Protestantismus im Land zu verhindern. 1744 versuchten sie von Hundsdorf aus, in Rauris ein Wachthaus zu errichten, um das „heimliche Einschleichen“ von Protestanten aus Heiligenblut in Kärnten zu verhindern, da der Schranken in Rauris diese Funktion nicht übernehmen konnte, da er leicht zu umgehen war. Zudem sollte das gemauerte Schrankenhaus dem Gerichtsdiener übergeben und dort ein Gefängnis eingerichtet werden. Obwohl der Landschaft durch die Militär-Patrouillen hohe Kosten entstanden, wurde der Neubau des Passstation jedoch abgelehnt.

Entstehung der Pfarre Rauris[Bearbeiten]

1203 erbaute Chrysant von Einöd eine Kapelle zu Ehren des hl. Michael. 1339 wird der Neubau der Kirche beantragt und 15 Jahre später bereits fertiggestellt. Die Wiederherstellung und der Neubau der Kirche finden 1411 abermals urkundliche Erwähnung. Erst seit 1858 besteht eine eigene Pfarre in Rauris. Die Pfarrkirche von Rauris ist dem Hl. Martin und dem Hl. Jakob geweiht.

Der Goldbergbau[Bearbeiten]

Bedeutung erlangte das Tal durch den Goldbergbau, der schon 1354 urkundlich belegt werden kann. Von 1377 bis 1802 hatte Rauris ein eigenes Land- und Berggericht. Der Bergbau erlebte seine Blütezeit im 15. und 16. Jahrhundert. Vom Wohlstand dieser Zeit zeugen noch die Gewerkenhäuser mit Kielbogentoren und Erkern. Um 1500 hatte das Tal mehr als 3.000 Bewohner.

Ab 1636 wurde der Goldbergbau von den Erzbischöfen aus Salzburg betrieben.

Der Markt[Bearbeiten]

1478 scheint für Rauris erstmals die Bezeichnung "Markt" auf. 1884 bestätigte Kaiser Franz Josef das Marktrecht. 1928 wurde dieses neuerlich verliehen.

Im Zuge der Protestantenvertreibung im Jahr 1732 mussten 166 Protestanten das Raurisertal verlassen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Rauris

Errichtung Wetterwarte Sonnblick[Bearbeiten]

Der Gewerke Ignaz Rojacher belebte im 19. Jahrhundert abermals den Goldbergbau. Er errichtete 1886 unter sehr schwierigen Umständen die Wetterwarte auf dem Hohen Sonnblick als weltweit erste und höchstgelegene meteorologische Beobachtungsstation.

Die Materialseilbahn auf den Sonnblick zur Versorgung der Wetterwarte wurde 1954 fertiggestellt. Bis dahin musste alles, was benötigt wurde, vom Tal auf den Gipfel getragen werden.

Das 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Nachdem zu Beginn dieses Jahrhunderts der Goldbergbau im Gasteiner- und Raurisertal fast völlig zum Erliegen gekommen war, versuchte OBR Dipl. Ing. Imhof, und nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich die Preußische Bergwerks- und Hütten AG (Preussag), den Goldbergbau wieder zu beleben. Er wurde jedoch 1944 wieder eingestellt.

In der jüngsten Zeit wurde eine mögliche Wiederaufnahme des Goldabbaues in der Öffentlichkeit ausführlich diskutiert, jedoch von der Marktgemeinde Rauris und den Gemeinden des Gasteinertales als umwelt- und fremdenverkehrsgefährdend abgelehnt.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Gemeindevertretung von Rauris hat 19 Mitglieder und setzt sich seit der Gemeindevertretungswahl 2014 wie folgt zusammen:

  • 8 ÖVP
  • 4 Wählergemeinschaft Rauris (WGR)
  • 7 SPÖ

Direkt gewählter Bürgermeister ist Peter Loitfellner (SPÖ).

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen ist ein von rot-gold schräglinks geteiltes Schild, wo oben aus der Teilungslinie eine Ziege wächst und unten zwei gekreuzte, schwarze Bergwerkshämmer abgebildet sind.

Im Wappen stellt die Ziege eine Anspielung an den ehemaligen Namen des Marktes Rauris, der früher "Gaisbach" hieß, dar, während die Bergwerkhämmer an den einstigen Goldbergbau im Tal und an die Bedeutung des Ortes als Sitz von Gewerken erinnern.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Rauris ist ein zweisaisonaler Fremdenverkehrsort mit über 420.000 Übernachtungen pro Jahr.

Des Weiteren werden in Rauris Marmor und Quarzit gebrochen. Das in Familienbesitz befindliche Rauriser Natursteinzentrum baut in zwei Steinbrüchen laut eigenen Angaben jährlich 50.000 Tonnen Gestein ab.[4]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter

Kultur[Bearbeiten]

Rauris ist Sitz der Rauriser Literaturtage.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rauris – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  2. vergl. Jürgen Udolph: Ruhr, Rhume, Rumia, Ruthe, Ryta und Verwandtes. In: Hydronomia Slowiańska 2, Kraków 1996, S. 93–115 (online, prof-udolph.com). Udolph gibt dort die verwandte Bedeutunggruppe reißen, rupfen, roh, roden, rotten, also etwa eine Bedeutung im Sinne ‚Wildbach‘
  3. Friederike Zaisberger & Walter Schlegel, 1978, S. 120.
  4. Rauriser Natursteinzentrum}, abgerufen am 10. Juni 2011