Richard Branson

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Richard Branson

Sir Richard Charles Nicholas Branson OBE (* 18. Juli 1950 in Blackheath,[1] London) ist ein britischer Unternehmer und Ballonfahrer. Er lebt in London, auf seinem Landsitz in Oxfordshire und auf seiner 30 Hektar großen Privatinsel Necker Island, die zu den Britischen Jungferninseln gehört. Branson, der mit einem Vermögen von 4,2 Milliarden US-Dollar (Stand: 15. März 2012) von Forbes Magazine als Milliardär gelistet wird[2], ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Unternehmerische Tätigkeit[Bearbeiten]

Nach der Mittelschule, in der er wegen seiner Legasthenie große Probleme hatte, gab Branson mit einigen Mitstreitern ab 1967 eine Schülerzeitung namens Student heraus, die jedoch trotz der Unterstützung namhafter Autoren wie John le Carré oder Jean-Paul Sartre ein wirtschaftlicher Misserfolg war. Er verließ die Schule ohne Abschluss.

1970 gründete er sein erstes Unternehmen, das den Namen Virgin trug und Schallplatten versandte, später aber auch Plattenläden betrieb.

1971 kam er mit dem Gesetz in Konflikt, als er durch Zufall herausbekam, dass man die Steuer umgehen konnte, wenn man Schallplatten nach Belgien exportierte, sie aber sofort wieder einführte. Dies brachte ihm eine Nacht im Gefängnis und eine hohe Geldstrafe ein.

1972 folgte die Gründung der Manor Studios in Oxfordshire. Branson nahm den bis dahin relativ unbekannten Bassisten der „Kevin Ayers Group“, Mike Oldfield, unter Vertrag. Dessen erste Schallplatte „Tubular Bells“ erschien 1973 und wurde über 5 Millionen Mal verkauft. Dieser finanzielle Erfolg war der Grundstein für sämtliche weiteren unternehmerischen Tätigkeiten von Branson. Er gründete weitere Unternehmen, die alle unter der Marke Virgin firmierten, so zum Beispiel die Virgin Sun Airlines. Der Gesamtumsatz der Virgin Group im Jahr 2002 betrug 4 Milliarden Pfund Sterling. Im Februar 2007 gab er bekannt, dass Virgin mit dem britischen Unternehmen Game Domain International (GDI) eine 3-D-Spielewelt namens A World Of My Own (AWOMO) ins Netz setzen werde, die den PC-Spiele-Markt revolutionieren sollte. Anfang Februar 2008 gab Branson ein Angebot für die angeschlagene britische Bank Northern Rock ab.[3] Im Dezember 2009 stellte er das SpaceShipTwo vor, ein Raumschiff für private Kurzausflüge ins All.[4]

Ende 2009 beteiligte sich Branson an dem britischen Rennstall Manor Grand Prix, der einen Startplatz für die Formel-1-Saison 2010 erhalten hatte. Der Rennstall trat 2010 unter der Bezeichnung Virgin Racing und 2011 als Marussia-Virgin an. In beiden Jahren beendete das Team die Weltmeisterschaft auf dem letzten Platz der Konstrukteurswertung.

Soziales und ökologisches Engagement[Bearbeiten]

Neben den kommerziellen gründete Richard Branson auch karitative Unternehmen wie die Virgin Healthcare Foundation, die sich insbesondere für AIDS-Prophylaxe und für die Einschränkung von Werbung und Sponsoring von Tabakfirmen im Sport engagiert.

Für seine Leistungen als Unternehmer („services to entrepreneurship“) wurde Branson im Dezember 1999 zum Knight Bachelor ernannt und von Königin Elisabeth II. zum Ritter geschlagen. Er darf seither den Titel „Sir“ im Namen führen.

Am 21. September 2006 kündigte Branson an, dass er künftig rund drei Milliarden Dollar in erneuerbare Energien investieren will.[5] 2010 stellte seine Non-Profit-Organisation Carbon War Room die Datenbank Shippingefficiency vor, die Treibhausgase vermeiden helfen soll.

Im Frühling 2011 stellte Branson das Tauchboot Virgin Oceanic vor, mit dessen Hilfe bis zu den tiefsten Stellen der irdischen Ozeane – wie etwa dem Marianengraben – hinabgetaucht werden soll. Er selbst will den Puerto-Rico-Graben besuchen, den tiefsten Ort im Atlantik.[6][7]

Für seine Unterstützung der Präsidentin von Costa Rica bei der Verbesserung des Schutzes von Haien in Mittelamerika wurde ihm 2013 durch die Organisation Sharkproject der Award "SharkGUARDIAN of the Year" verliehen.

Freizeit[Bearbeiten]

Darüber hinaus unternahm Branson auf der Suche nach dem „ultimativen Abenteuer“ mehrere Weltrekordversuche in verschiedenen Disziplinen:

  • 1986: Schnellste Atlantiküberquerung per Schiff mit der „Virgin Atlantic Challenger II“
  • 1987: Erste Heißluftballonüberquerung des Atlantiks mit dem „Virgin Atlantic Flyer“
  • 1991: Erste Heißluftballonüberquerung des Pazifiks mit dem „Virgin Pacific Flyer“
  • 1995–1998: Mehrere Versuche, die Erde per Ballon zu umrunden. 1998 gelang ihm schließlich ein Rekordflug von Marokko ostwärts bis nach Hawaii, er musste den Flug aber dort wegen schlechten Wetters abbrechen. Im Rennen um die Welt unterlag er 1999 schließlich Bertrand Piccard und Brian Jones, half diesen aber in sehr sportlicher Manier, als sie Probleme mit Überfluggenehmigungen für Iran, Irak und China bekommen hatten; Branson hatte seinen Versuch bereits beim Start in der marokkanischen Wüste abbrechen müssen.
  • 2004: Schnellste Überquerung des Ärmelkanals mit einem Amphibienfahrzeug.
  • 2012: Ältester, der den Ärmelkanal mittels Kitesurfen überquert (sein Sohn war der schnellste Kitesurfer).

Auch startete er 2004 die Fernsehrealityshow The Rebel Billionaire, die ein ähnliches Konzept hatte wie The Apprentice von Donald Trump. Die Bewerber in seiner Show konkurrierten um einen Job im „Virgin Empire“.

In der Serie Friends spielte er einen Andenkenhändler in London (4. Staffel, 23. Folge). Er spielte sich selbst in einer Folge von Baywatch. 2004 hatte er einen Cameo-Auftritt in dem Film In 80 Tagen um die Welt (in Paris wird ihm ein Heißluftballon entwendet), ebenso 2006 als Co-Sponsor in dem James-Bond-Film Casino Royale als Passagier an der Fluggastkontrolle. 2010 spielte er sich selbst in der TV-Serie Entourage.

Im Juli 2011 ging Richard Branson beim London Triathlon, der von Virgin Active gesponsert wurde, als Staffelteilnehmer im Schwimmen an den Start.[8]

Am 22. August 2011, als der Hurrikan Irene tobte, wurde Bransons „Great House“ auf Necker Island vom Blitz getroffen; es brannte bis auf die Grundmauern nieder, Anwesende kamen nicht zu Schaden. Die für Dezember geplante Hochzeit seiner Tochter mit Freddie Andrewes fand wie geplant auf Necker Island statt.[9]

Infolge einer verlorenen Wettschuld servierte Branson am Samstag, den 11. Mai 2013 während des AirAsia-Fluges von Perth nach Kuala Lumpur Getränke. Dazu ließ er sich die Beine rasieren, zog eine rote Stewardess-Uniform an und erhielt ein auffälliges Make-up. Der Erlös aus dem Flug wurde der australischen "Starlight Foundation" gespendet, die kranke Kinder unterstützt. [10]

Trivia[Bearbeiten]

Auf dem Album Amarok des Musikers Mike Oldfield findet sich ein gemorster „Abschiedsgruß“ an den Inhaber seiner bisherigen Plattenfirma: „Fuck off rb“. Mit RB ist Richard Branson, der Besitzer von Virgin Records, gemeint.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Branson veröffentlichte auch einige Bücher:

  • Business ist wie Rock 'n' Roll. Die Autobiographie des Virgin-Gründers. (Original Losing my Virginity.) Aus dem Englischen von Patricia Künzel. Campus-Verlag, Frankfurt/Main 1999, ISBN 3-593-36169-8
  • Sir Richard Branson, the Autobiography. Aufgezeichnet von Karen Holmes. Pearson Education, Harlow 2002, ISBN 0-582-51224-7
  • Screw it, let's do it. Lessons in life. Virgin, London 2006, ISBN 0-7535-1099-5
    • Geht nicht, gibt's nicht. Börsenmedien, Kulmbach 2009, ISBN 978-3-938350-89-8 (Übersetzung von Screw it, let's do it durch Christina Jacobs)
  • Business Stripped Bare. Virgin Books, London 2008, ISBN 978-0-7535-1502-0
  • Screw Business as Usual. Random House UK, London 2011, ISBN 978-0-7535-3979-8

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Richard Branson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Blackheath Nursing Home: Services: Contact
  2. #295 Richard Branson
  3. Gezerre um Northern Rock: Branson bietet mit – Artikel bei N-TV, vom 4. Februar 2008
  4. Shuttle für Kurzausflüge ins All vorgestellt (Version vom 10. Oktober 2010 im Internet Archive)
  5. Branson makes $3bn climate pledge (englisch) – Artikel bei BBC News, vom 21. September 2006
  6. Virgin Oceanic (englisch) – offizielle Webseite; Stand: 12. April 2011
  7. Virgin Oceanic: Richard Branson taucht ab – Artikel bei Golem.de, vom 6. April 2011
  8. Richard Branson Leads The Way As Celebs Tackle London Triathlon
  9. Fire on Necker Island. Im: Island Life: the Necker Island blog vom 23. August 2011, englisch mit Abb., abgerufen am 3. September 2011.
  10. Stewardess für einen Tag, abgerufen am 13. Mai 2013