Scheidegg

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für weitere Bedeutungen des Begriffs Scheidegg siehe Scheidegg (Begriffsklärung)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Scheidegg
Scheidegg
Deutschlandkarte, Position des Marktes Scheidegg hervorgehoben
47.5816666666679.8480555555556804Koordinaten: 47° 35′ N, 9° 51′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Lindau (Bodensee)
Höhe: 804 m ü. NHN
Fläche: 27,4 km²
Einwohner: 4074 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 149 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88175
Vorwahlen: 08381 (Scheidegg), 08387 (Scheffau)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: LI
Gemeindeschlüssel: 09 7 76 125
Adresse der
Marktverwaltung:
Rathausplatz 6
88175 Scheidegg
Webpräsenz: www.markt-scheidegg.de
Bürgermeister: Ulrich Pfanner (CSU)
Lage des Marktes Scheidegg im Landkreis Lindau (Bodensee)
Baden-Württemberg Österreich Schweiz Landkreis Oberallgäu Bodolz Gestratz Grünenbach Heimenkirch Hergatz Hergensweiler Lindau (Bodensee) Lindenberg im Allgäu Maierhöfen Nonnenhorn Oberreute Opfenbach Röthenbach (Allgäu) Scheidegg Sigmarszell Stiefenhofen Wasserburg (Bodensee) Weiler-Simmerberg Weißensberg BodenseeKarte
Über dieses Bild

Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Markt Scheidegg – Blick von Allmannsried in Richtung Süden
Scheidegg mit Pfarrkirche St. Gallus
Blick auf den Ortsteil Scheffau
Skisprunganlage Felsenschanze
Nahaufnahme Anlaufturm Felsenschanze
Kurhaus in Scheidegg

Scheidegg ist ein Markt im schwäbischen Landkreis Lindau (Bodensee), Bayern, staatlich anerkannter Kneippkurort und heilklimatischer Kurort.

Geographie[Bearbeiten]

Der in der Region Westallgäu gelegene Markt Scheidegg besteht aus den Hauptorten Scheidegg und Scheffau und 39 Ortsteilen, der größte davon ist Lindenau. Die Gemeinde Scheidegg grenzt im Nordwesten an die Gemeinde Sigmarszell, im Norden an Opfenbach, im Nordosten an Lindenberg und im Osten an Weiler-Simmerberg. Im Westen und Süden grenzt sie außerdem an das österreichische Bundesland Vorarlberg, und zwar an die Gemeinden Möggers, Langen bei Bregenz und Sulzberg im Bezirk Bregenz.

Naturräumlich liegt die Gemeinde am Hang eines Bergrückens, der aus gefalteter Südwassermolasse aufgebaut ist und sich vom Pfänder oberhalb von Bregenz bis über Lindenberg hinaus von Westsüdwest nach Ostnordost zieht. Das Gemeindegebiet befindet sich in einem Höhenbereich von 800 bis 1.000 Metern über Normalnull.

Siedlungsgeographisch hat sich der Ort aus einem Haufendorf entwickelt und diese Situation ist noch immer sichtbar, auch wenn heute eine ganze Reihe größerer ehemals landwirtschaftlich genutzter Anwesen im Ortskern zu Dienstleistungseinrichtungen, insbesondere Gasthöfen unterschiedlicher Art, umgewandelt ist, was dem Dorf ein etwas städtischeres Gepräge verleiht. Zu diesem trägt außerdem das erhöht liegende Schulgebäude bei.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Besiedelung des Gebietes um Scheidegg erfolgte wahrscheinlich im 6. und 7. Jahrhundert durch die Alemannen. Scheidegg wurde jedoch infolge Urkundenverlustes erstmals erst 1255 in St. Gallen erwähnt.

Das Dorf gehörte zusammen mit Weiler bis 1286 zum großen Besitz des Klosters St. Gallen, erneut von 1532 bis 1571. Das Reichsbenediktinerkloster St. Gallen förderte Christentum und Kultur. 1296 versetzte Abt Wilhelm Scheidegg an Graf Hugo von Montfort-Bregenz. In Scheidegg und Weiler bestanden Kellhöfe des Klosters, d. h. Verwaltungssitze für den Klosterbesitz im Westallgäu. Aus dieser Rolle – und aus der Lage an der Alten Salzstraße von München über Landsberg am Lech und Kempten nach Lindau bzw. Bregenz am Bodensee – entwickelte sich die Funktion Scheideggs als ländlicher zentraler Ort in Form eines Marktes. Das Gebiet, das 1571 von Habsburg erworben wurde, blieb bis zum Pressburger Frieden 1805 (Napoleon) bei Vorarlberg und kam dann zu Bayern. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Scheidegg (1634) durch schwedische Truppen niedergebrannt und von der Pest (1635) heimgesucht.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich aus Lindenberg kommend auch in Scheidegg die Herstellung von Strohhüten, die europaweit exportiert wurden. Anfang des 19. Jahrhunderts entstand daraus eine Hutfabrik.

Die Tradition von Scheidegg als Kur- und Erholungsort reicht bis zur Jahrhundertwende (zum 20. Jahrhundert) zurück. Als nach dem Bau der Eisenbahnlinie von Röthenbach nach Scheidegg im Jahr 1901 die ersten Sommerfrischler nach Scheidegg kamen, wurde bereits 1902 mit der Gründung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins der erste Versuch unternommen, den Fremdenverkehr zu organisieren. Als dann 1912 mit dem Bau der Prinzregent-Luitpold-Kinderklinik begonnen wurde, war dies der Grundstein für die Entwicklung von Scheidegg zum Kurort. 1936 wurde Scheidegg als Höhenluftkurort anerkannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war ein neuer Anfang erforderlich. Die Notwendigkeit, sich als Kurort zu qualifizieren, wurde bald erkannt, so entstand 1964 der erste „anerkannte Kneippkurbetrieb“.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurde im Zuge der kommunalen Neuordnung Bayerns die Gemeinde Scheffau eingegliedert.[2]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Marktgemeinderat von Scheidegg besteht aus dem Bürgermeister (CSU) und 16 Gemeinderäten. Bei den Wahlen zum Gemeinderat am 16. März 2014 erhielten die CSU 47,2 % (8 Sitze), die Freien Wählergruppen 33,2 % (5 Sitze) und die SPD 19,6 % (3 Sitze).[3]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei den Wahlen am 7. Oktober 2012 wurde Ulrich Pfanner (CSU) ohne Gegenkandidat mit 96,3 % zum Bürgermeister wiedergewählt.

Wappen[Bearbeiten]

Das 1956 zugeteilte Wappen ist Gespalten von Gold und Blau. Es zeigt vorne einen aufrecht stehenden, rot bewehrten schwarzen Bär, hinten über einem rotbezungten silbernen Stierkopf einen silbernen Spitzturm.

BW

Das Wappen des Gemeindeteils Scheffau wurde 1964 zugeteilt und zeigt über wellenförmigen, roten Schildfuß in Silber einen schwarzen Hahn mit einer blauen Weinrebe im goldenen Schnabel.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Scheidegg verfügt über rund 2.000 Gästebetten. Im Jahr 2007 wurden 334.920 Übernachtungen gezählt.[4] Damit gehört Scheidegg zu den 10 größten Kur- und Fremdenverkehrsorten im Verbandsgebiet Allgäu/Bayerisch-Schwaben.

Scheidegg ist ein traditioneller Wintersportplatz im Allgäu. Die Luggi-Leitner-Lifte (3 Schlepplifte und 1 Förderband) und ein ausgezeichnetes Loipennetz stehen dem Wintertourist zur Verfügung.

Scheidegg liegt an der Westallgäuer Käsestraße, die dort eingebundene Dorfsennerei im Ortsteil Böserscheidegg kann inkl. einer Käsprobe (u. a. Allgäuer Emmentaler) besichtigt werden. Weiterhin von gewisser touristischer Bedeutung sind der Baumwipfelpfad „skywalk allgäu“, der Reptilienzoo, das Heimatmuseum und einige Wasserfälle. Es gibt die „Original Scheidegger Wasserfälle“, mit Bewirtung und Parkplatz, sowie die nahe gelegenen Hasenreuter Wasserfälle, Schwedenhöhle und Rickenbachfälle. Siehe auch Wasserfälle in Deutschland.

Seit 2005 bieten viele Gastronomen, Gastgeber und Einzelhändler glutenfreie Ernährungsangebote für an Zöliakie erkrankte Menschen.

Scheidegg ist neben Lindenberg Sonnenreichster Ort Bayerns 2009. Mit 2057 Sonnenstunden, gemessen vom Deutschen Wetterdienst, kann die Marktgemeinde für sich werben.[5]

Bauwerke[Bearbeiten]

In der Ortsmitte befindet sich die 1797–1798 erbaute Katholische Pfarrkirche St. Gallus mit Malereien des Münchener Malers Ludwig Glötzle. Die 1963 erbaute Evangelischen Auferstehungskirche enthält ein begehbares Fußbodenlabyrinth (nach dem Muster der Kathedrale von Chartres mit 7 Umgängen, etwa 6 m Durchmesser, 130 m Weg). Die 1695 erbaute und 1798 erweiterte Katholische Pfarrkirche St. Martin im Gemeindeteil Scheffau enthält einen barocken Hochaltar und eine Figur der Madonna im Kranz der 15 Rosenkranzgeheimnisse.

In der Umgebung von Scheidegg gibt es 13 Kapellen, darunter eine ökumenische. Alle Kapellen sind mit den Kirchen und dem Kreuzberg mit seinem Höhenweg durch den kleinen und den großen Ökumenischen Kapellenweg miteinander verbunden:

  • Ökumenische St.-Hubertus-Kapelle, Forst, erbaut 1986–1988
  • Lourdesgrotte, Sonnenstraße, erbaut 1897
  • Annakapelle, Zollstraße, erbaut um 1500
  • Galluskapelle am Höhenweg, erbaut um 1635
  • Kruzifix auf dem Kreuzberg, errichtet 1898
  • Kriegergedächtniskapelle, Zollstraße, erbaut 1922
  • Kapelle St. Gallus und Magnus, Blieslings, erbaut um 1840
  • Wendelinskapelle, Kinberg, erbaut um 1670
  • Marienkapelle, Haus, erbaut 1981–1983
  • Kapelle St. Katharina und St. Antonius, Böserscheidegg, erbaut 1710
  • Filialkapelle St. Martina, Schalkenried, erbaut 1622 als Pestkapelle
  • Anna-und-Joachim-Kapelle, Unterstein, erbaut um 1628
  • Herz-Jesu-Kapelle, Ebenschwand, erbaut 1921–1922
  • Ulrichskapelle bei Möggers, erbaut um 1000

Friedenspreis der Gemeinde Scheidegg[Bearbeiten]

Der Friedenspreis der Gemeinde Scheidegg[6] wurde 2009 erstmals verliehen. Die Auszeichnung besteht aus einer Taube aus weißem Porzellan.

Vereine[Bearbeiten]

Die gut 4.000 Einwohner sind in etwa 40 Vereinen organisiert.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der Fremdenverkehr ist für Scheidegg von großer Bedeutung.

Scheidegg im Allgäu besitzt die Prädikate Heilklimatischer Kurort (seit 1981) mit Zusatz Premium-Class (seit 2002), Kneippkurort (seit 1973) mit Zusatz Premium-Class (seit 2006) sowie „WellVital-Ort in Bayern“. Das Kurangebot in zehn Fachkliniken reicht von ambulanter Badekur (früher: offene Badekur) und stationärem Aufenthalt in Rehabilitationsklinik oder Sanatorium über Kneippkur, Schrothkur, Mayr-Kur und Aslan-Kur bis hin zu Kinder- und Mutter-Kind-Kuren. Scheidegg bietet ein äußerst breit gefächertes Spektrum an Therapieverfahren, unter anderem im Bereich der Onkologie und Psychosomatik.

Etwa die Hälfte der Gemeindefläche wurde 2007 landwirtschaftlich als Wiesen und Mähweiden genutzt.[7] Bei der Tierhaltung dominieren Rinder, davon sind etwa die Hälfte Milchkühe.[8] Daneben werden Schafe und Pferde gehalten, während die Zahl der Legehennen zwischen 2003 und 2007 stark rückläufig war.

Das Handwerk ist mit verarbeitenden Gewerbebetrieben und Baugewerbe vertreten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Bauer, Karl Meisburger: Wege für Leib und Seele. Ökumenischer Kapellenweg Scheidegg. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2003, ISBN 3-89870-125-5.
  • Josef Spindler: Geschichte von Scheidegg. Selbstverlag, Scheidegg 1948.
  • Josef Spindler: Beiträge zur Geschichte von Scheidegg. Schnell & Steiner, München 1950.
  • Scheidegg. – In: Dr. Anton Gruber: Der Landkreis Lindau. Verlag des Heimatpflegers von Schwaben, Kempten 1956, S. 156–162.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Scheidegg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 513
  3. [1]
  4. Kommunalstatistik des Marktes Scheidegg bis 2008 (PDF, S. 12 (gezählte Seite 10)), abgerufen am 10. Juli 2010.
  5. Westallgäu: sonnenreichste Region in Bayern auf: all-in.de, 15. Januar 2010, abgerufen am 6. Februar 2010
  6. Peter Mittermeier: Scheidegg verleiht Friedenspreis auf: all-in.de, 23. September 2009, abgerufen am 6. Februar 2010
  7. Kommunalstatistik des Marktes Scheidegg bis 2008 (PDF, S. 9 (gezählte Seite 7), abgerufen am 10. Juli 2010: 1480 ha von 2739 ha.
  8. Kommunalstatistik des Marktes Scheidegg bis 2008 (PDF, S. 10 (gezählte Seite 8), abgerufen am 10. Juli 2010.