Sender Felsberg-Berus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sender Felsberg-Berus
Die Hauptantenne des Senders Felsberg-Berus vor dem Umbau
Die Hauptantenne des Senders Felsberg-Berus vor dem Umbau
Basisdaten
Ort: Überherrn
Land: Saarland
Staat: Deutschland
Höhenlage: 385 m ü. NHN
Verwendung: Rundfunksender
Zugänglichkeit: Sendeanlage öffentlich nicht zugänglich
Besitzer: Broadcasting Center Europe
Daten der Sendeanlage
Anzahl der Türme/Masten: 5

(4 abgespannte Gittermasten und 1 Stahlbetonturm des ehemaligen Fernsehsenders Telesaar)

Höhe der Türme/Masten: 276 m, 59 m, 282 m, 234 m, 234 m
Bauzeiten der Türme/Masten: (1.) 1954–1955
(2.) 1957
(3.) 1964
(4.) 1975
(5.) 1975
Betriebszeiten der Türme/Masten: (1.) seit 1955
(2.) 1957–1958
(3.) seit 1964
(4.) seit 1975
(5.) seit 1975
Wellenbereich: LW-Sender
Rundfunk: LW-Rundfunk
Positionskarte
Sender Felsberg-Berus (Saarland)
Sender Felsberg-Berus
Sender Felsberg-Berus
49.286.678Koordinaten: 49° 16′ 48″ N, 6° 40′ 40,8″ O

Der Sender Felsberg-Berus ist ein Langwellensender des Broadcasting Center Europe (BCE), einer Tochtergesellschaft der RTL Group in der Gemeinde Überherrn im Landkreis Saarlouis im Saarland.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Sender befindet sich zwischen Felsberg im Nordosten, Altforweiler im Osten und Berus im Süden kuppennah auf der Westflanke des unbewaldeten Saubergs (377,3 m ü. NN). Die Grenze zur französischen Region Lothringen verläuft rund 750 m westlich. Etwas nördlich vorbei an der Sendeanlage verläuft die Bundesstraße 269, von der die den Sender direkt westlich passierende Landesstraße 351 in ihrem Abschnitt Ittersdorf–Berus nach Südsüdosten abzweigt. Der Gegenanflug der Platzrunde des Verkehrslandeplatzes Saarlouis-Düren (EDRJ) verläuft nur wenige 100 m leicht nördlich versetzt, parallel zur Hauptmastengruppe in 2000 ft MSL (Masten 2100 ft MSL). Durch die markante rot-weiße Farbe sind sie sehr gut erkennbar und ideale Anflugpunkte.

Senderbeschreibung[Bearbeiten]

Dieser Sender, der seine Entstehung dem besonderen Statut des Saarlands in den 1950er Jahren verdankt, ist mit 2000 kW Sendeleistung der stärkste Rundfunksender auf dem Territorium Deutschlands und eine der größten Rundfunksendeanlagen der Erde. Gesendet wird auf der Frequenz 183 kHz.

Allerdings war schon im Zweiten Weltkrieg geplant, an diesem Standort einen Rundfunksender zu errichten. Es war die Errichtung eines 170 Meter hohen Stahlrohrmasten geplant. Wegen der fortschreitenden Kriegsereignisse konnte dies nicht verwirklicht werden.[1]

Als Antenne kommt eine aus vier gegen Erde isolierten Masten bestehende Richtantenne (Abstrahlmaximum in südwestlicher Richtung) zum Einsatz. Durch die starke Richtcharakteristik der Antenne ist der Empfang nordöstlich des Senders (also im größten Teil Deutschlands) schlecht bzw. verzerrt. Die Masten sind 270 m, 276 m, 280 m und 282 m hoch, Die Masten 1 bis 3 wurden 1954/55 errichtet, 1964 kam Mast 4 hinzu. Dem Bau dieses Mastes musste der jahrhundertealte Karlshof weichen, der in einer Erzählung des saarländischen Dichters Johannes Kirschweng eine Rolle spielte.

Im Jahre 1958 wurde Mast 1 (270 m), der einzige auf Felsberger Gemarkung befindliche Sendemast, in lotrechtem Zustand um 102 m versetzt, um eine bessere Abstrahlleistung zu erreichen.

Daneben existiert seit 1975 eine Reserveantenne, die aus zwei 234 m hohen, gegen Erde isolierten abgespannten Stahlfachwerkmasten besteht (Masten 5 und 6). Diese befinden sich etwa einen Kilometer nordwestlich der Sendehalle.

Teilweise eingestürzter Sendemast

Am Morgen des 8. August 2012 gegen 10 Uhr brach ein ca. 80 Meter hohes Teil des 280 Meter hohen Sendemastes aufgrund eines abgerissenen Halteseils und schlug unmittelbar neben dem Mastfuß auf dem Sendegelände zu Boden. Verletzt wurde niemand.[2] Dadurch wurde die ursprüngliche Anlage unbrauchbar. Der beschädigte Sendemast wurde am 19. November 2012 mit gezielten Sprengladungen zum Einsturz gebracht, allerdings nicht entsorgt und liegt bis heute (Stand: Juli 2013) immer noch auf dem Sendergelände.[3] Bis zum Umbau im Sommer 2013 übernahm die Reserveantenne mit zwei 234 Meter hohen Masten die Übertragung.[4] Mast 1 wurde am 13. Juni 2013 gegen 16 Uhr im Zuge eines Umbaus gesprengt, bei dem der Betrieb mit den zwei noch vorhandenen Sendemasten der Hauptantenne, Mast 2 und Mast 4 ermöglicht wurde. Da zwischen Mast 1 und den beiden anderen Masten durch den Wegfall von Mast 3 im Sommer 2012 eine zu große Lücke entstand, war ein Betrieb der Restantenne mit Mast 1 nicht mehr möglich, sodass man sich dazu entschied, nur noch zwei Masten zu verwenden.[5] Im Mai 2014 wurde die Sendeanlage an die RTL-Tochter Broadcasting Center Europe übergeben, da der Europe-1-Eigentümer Lagardère eine Lösung suchte, um den weiteren Betrieb des Senders sicherzustellen. Hierzu möchte BCE den alten Röhrensender aus dem Jahr 1975 durch einen neuen mit Transistoren bestückten Sender ersetzen. Die Sendeanlage soll künftig nicht mehr ständig mit Technikern besetzt werden, sondern aus Luxemburg ferngesteuert werden.[6][7]

Sendehalle[Bearbeiten]

Sendergebäude mit ehemaligem Fernmeldeturm und 280 Meter hohem Gittermast

Das Gebäude, in dem die Sendegeräte untergebracht sind, ist eine architektonisch herausragende Spannbetonkonstruktion ohne Stützpfeiler, die heute unter Denkmalschutz steht. Es handelt sich um den weltweit ersten Großbau mit einem aus Beton gegossenen Dach, das auf vorgespannten Seilen hängt. Der Bau wurde am 15. Juni 1954 begonnen und darauffolgenden Jahr fertiggestellt. Er hat eine Länge von 86 m, eine Breite von 46 m, eine maximale Höhe von 16,22 m, eine Oberfläche von 2700 m² (hiervon 1770 m² Glasfläche) und ein Volumen von 31.000 m³.

Als man sich bei der Suche nach einem geeigneten Sender für den Saargau entschied, wählte man wegen des hier vorkommenden Muschelkalks für das Gebäude die Form einer Jakobsmuschel. Daher besitzt das Dach nur eine Symmetrieachse.

Der erste Architekt J. F. Guédy beging Suizid, als das Dach während der Bauausführung einstürzte und deswegen gegen ihn Vorwürfe erhoben wurden. Daraufhin übernahm im Oktober 1955 Eugène Freyssinet die Bauleitung; er ließ zur Verstärkung in Querrichtung sechs zusätzliche Zugbänder einbauen.

Die Heizung des Gebäudes erfolgt durch die Abwärme der Sendegeräte.

Vor diesem Gebäude befindet sich noch ein Fernmeldeturm aus Stahlbeton, der ursprünglich zur Verbreitung des Fernsehprogramms Telesaar dienen sollte.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Georg Skalecki, Staatliches Konservatoramt Saarbrücken (Hrsg.): Sendehalle Europe 1 in Felsberg.
  •  François Melcion: Notizen über Felsberg/Saar.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Longwave transmitter Europe 1 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe: Andreas Brudnjak: Die Geschichte der deutschen Mittelwellen-Sendeanlagen von 1923 bis 1945. Funk-Verlag Hein, Dessau-Roßlau 2010, ISBN 978-3-939197-51-5.
  2. Sender Felsberg-Berus: Halteseil gerissen, Sendemast umgeknickt saarbruecker-zeitung.de vom 9. August 2012
  3. Spezialisten sprengen abgebrochenen Sendemast in Berus saarbruecker-zeitung.de vom 20. November 2012
  4. Havarierter Felsberg-Mast gesprengt radioeins.de vom 20. November 2012
  5. Zweiter Sendemast wurde gesprengt saarbruecker-zeitung.de vom 15. Juni 2013
  6. Sender Felsberg mit neuer Antennenkonfiguration radioeins Medienmagazin vom 20. Mai 2014
  7. Pressemitteilung der BCE