Überherrn

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Überherrn
Überherrn
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Überherrn hervorgehoben
49.2427777777786.6983333333333192-377Koordinaten: 49° 15′ N, 6° 42′ O
Basisdaten
Bundesland: Saarland
Landkreis: Saarlouis
Höhe: 192-377 m ü. NN
Fläche: 34,31 km²
Einwohner:

11.601 (31. Dez. 2011)[1]

Bevölkerungsdichte: 338 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 66799–66802
Vorwahlen: 06836, 06837
Kfz-Kennzeichen: SLS
Gemeindeschlüssel: 10 0 44 119
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 101
66802 Überherrn
Webpräsenz: www.ueberherrn.de
Bürgermeister: Bernd Gillo (CDU)
Lage der Gemeinde Überherrn im Landkreis Saarlouis
Frankreich Frankreich Regionalverband Saarbrücken Landkreis Neunkirchen Landkreis St. Wendel Landkreis Merzig-Wadern Rehlingen-Siersburg Wallerfangen Überherrn Dillingen/Saar Saarlouis Wadgassen Bous (Saar) Ensdorf (Saar) Schwalbach (Saar) Saarwellingen Nalbach Schmelz (Saar) LebachKarte
Über dieses Bild

Überherrn ist eine Gemeinde im Landkreis Saarlouis im Saarland.

Inhaltsverzeichnis

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage und Landschaft[Bearbeiten]

Überherrn befindet sich im Südwesten des Saarlandes, direkt an der Grenze zu Frankreich (etwa 40 Kilometer bis Metz). Im Süden der Gemeinde liegt das ausgedehnte Waldgebiet des Warndts, im Nordwesten der Höhenzug des Saargaus mit seinen Ausläufern des Lothringischen Hügellandes. Im Osten befindet sich das weite Becken der Saar.

Die reizvoll gelegene Landschaft ist überwiegend bewaldet. Landwirtschaftliche Flächen befinden sich in der Bistniederung und in unmittelbarer Umgebung der Ortschaften. Charakteristische Elemente der Landschaft sind offengelassene Sandgruben, die allerdings teilweise zu Nutzflächen rekultiviert sind. Stellenweise sind auch noch dörfliche und Dorfrandstrukturen, wie Obstwiesen, offengehaltene Auen und alte Gemäuer erhalten. Ein großer Teil der Landschaft, insbesondere das ausgedehnte Waldgebiet des Warndt, ist auch als Vorrangfläche für Arten- und Biotopschutz ausgewiesen.[2]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Überherrn besteht insgesamt aus sechs Ortsteilen. Überherrn als größter Ortsteil der Gemeinde hat knapp 4000 Einwohner und ist das Zentrum von Handel, Wirtschaft, Gewerbe und auch Einkaufszentrum. Die Ortsteile der Gemeinde Überherrn und deren Einwohner (Stand 31. Dezember 2010):[3]

Ortsteil Einwohner Fläche
Altforweiler 2.197 04,80 km²
Berus 2.053 11,80 km²
Bisten 937 01,35 km²
Felsberg 1.409 05,11 km²
Überherrn 3.901 09,45 km²
Wohnstadt 2.131 01,80 km²
Insgesamt 12.628 34,31 km²

Geschichte[Bearbeiten]

Funde zeigen, dass die Gegend bereits in der Stein- und Eisenzeit bewohnt war. Weitere Funde stammen aus der Römerzeit (siehe Römische Ausgrabungen im Saarland). Die erste urkundliche Erwähnung von Überherrn stammt aus dem Jahre 1293 (Urkunde De Villa Bista), in der ein gewisser Wilhelm Armiger und seine Ehefrau Odilia eidesstattlich versichern, keine Rechtsansprüche gegenüber Personen in den Dörfern Bisten, Oberbisten, Überherrn usw. zu haben. Im frühen Mittelalter gehörte Überherrn zur Grafschaft Saarbrücken, die übrigen Ortsteile Bisten, Berus, Altforweiler und Felsberg gehörten zum Herzogtum Lothringen. Aus dieser Zeit ist die Ruine der Teufelsburg noch heute erhalten. Im 16. Jahrhundert fiel die Grafschaft Saarbrücken ebenfalls an das Herzogtum Lothringen.

Ludwig XV., König von Frankreich und Navarra, gemalt von Louis-Michel van Loo, erhob Überherrn 1767 zur Baronie

Entsprechend den Vereinbarungen des Wiener Präliminarfriedensvertrags[4] zwischen Frankreich und Österreich vom 3. Oktober 1735 fiel Lothringen nach dem Tod des polnischen Exilkönigs Stanislaus I. Leszczyński, dem das Herzogtum Lothringen überlassen war, 1766 an Frankreich. Im Vertrag von Bockenheim zwischen dem Königreich Frankreich und der Grafschaft Nassau-Saarbrücken vom 15. Februar 1766 werden ausdrücklich Überherrn und der Linslerhof[5] als an Frankreich abgetretene Gebiete aufgelistet.[6]

Ludwig XV. erhob das nunmehr zum Königreich Frankreich gehörende Überherrn durch Lettres Patentes du Roi du mois Octobre 1767 zu einer Baronie. Erster Baron von Überherrn war der Militärarzt des französischen Königs, François-Marie-Claude Richard.[7] Baron Richard war im Jahr 1712 in Obersierck, einer Annexe der Pfarrei Kerlingen an der Obermosel, geboren, studierte Medizin und erscheint 1743 als Docteur en médecine et Médecin du Roi à l’hôpital militaire et ville de Sarrelouis. Als Militärarzt in der Festungsstadt Saarlouis hatte er im Jahr 1744 den in Metz weilenden König Ludwig XV. von dessen Blatternerkrankung geheilt.[8] Für seine medizinischen Verdienste erhielt er von den Töchtern Ludwigs XV. vermutlich im Mai 1774 das von Pierre Mignard stammende Gemälde Hl. Johannes der Täufer.[9]

Nach den Wirren der Französischen Revolution und der Niederlage Napoleons ging Überherrn nach dem Zweiten Pariser Frieden 1815 an Preußen (Überherrn als der „südwestlichste Zipfel Preußens“), der Landkreis Saarlouis wurde dem Regierungsbezirk Trier eingegliedert. Ab 1870/1871 (Deutsch-Französischer Krieg) gehörten alle Überherrner Ortschaften dem deutschen Kaiserreich an - ebenso wie das zu dieser Zeit von Deutschland annektierte Reichsland Elsaß-Lothringen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Überherrn und das gesamte Saargebiet unter die Verwaltung des Völkerbundes gestellt - bis zur Volksabstimmung 1935, bei der sich die Bewohner des Saargebietes für einen Anschluss an Deutschland entschieden. Die Folgen des Zweiten Weltkriegs brachten für Überherrn eine abermalige Wiederholung der Grenzlandgeschichte mit sich: Der Annexion folgte die Besatzung, der Besatzung eine saarländisch-autonome Übergangszeit, und schließlich war es wieder eine Volksabstimmung, in der sich die Saarländer 1955 für die Zugehörigkeit zur Bundesrepublik Deutschland entschieden.[10]

Im Rahmen der saarländischen Gebiets- und Verwaltungsreform wurden zum 1. Januar 1974 die bis dahin eigenständigen fünf Gemeinden Altforweiler, Berus, Bisten, Felsberg und Überherrn zu einer neuen Gemeinde unter dem Namen Überherrn zusammengeschlossen. Im Jahr 1979 wurde Wohnstadt ein eigener Ortsteil.

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Das Überherrner Wappen hat vier Felder, die die wechselhafte Geschichte der Gemeinde widerspiegeln: Aus Sicht des Trägers oben rechts der rote lothringische Schrägbalken mit den drei silbernen Alerions auf goldenem Grund; oben links der goldene Löwe der Grafschaft Nassau-Saarbrücken auf blauem Grund; unten rechts die drei goldenen Lilien der französischen Könige auf blauem Grund; unten links ein rotes Wagenrad auf goldenem Grund mit sechs Speichen für die sechs Ortsteile, gleichzeitig Symbol für den ländlichen Charakter der Gemeinde und ihre Bedeutung als Grenzübergang. Der Wellenschnitt, der die oberen von den unteren Feldern trennt, steht für die Lage am Fluss Bist.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 56,3 %
 %
50
40
30
20
10
0
40,3 %
33,1 %
13,5 %
6,6 %
6,6 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-8,7 %p
-7,7 %p
+13,5 %p
+2,2 %p
+0,8 %p

Der Gemeinderat mit 33 Sitzen setzt sich nach der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 wie folgt zusammen:

  40,3 %  (–8,7)   14 Sitze
  33,1 %  (–7,7)   11 Sitze
  13,5 %  (neu)   4 Sitze
  6,6 %  (+0,8)   2 Sitze
  6,6 %  (+2,1)   2 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1999 bis 10. Februar 2011: Thomas Burg (* 5. September 1966), parteilos, Sohn des CDU-Altbürgermeisters Gerhard Burg (1925–1999).
    Bei der Bürgermeisterwahl am 23. September 2007 konnte sich Burg mit einer Mehrheit von über 80 Prozent der Stimmen gegen Bettina Altesleben von der SPD durchsetzen. Am 10. Februar 2011 ist Thomas Burg überraschend zurückgetreten.[11] Am 21. August 2011 wurde Bernd Gillo (CDU) zum Bürgermeister gewählt.

Partnerschaften[Bearbeiten]

  • Schnelles Minensuchboot „Herkules“ (Klasse 341) der Bundesmarine (1967 bis Außerdienststellung 1988).
  • Minenjagdboot „Überherrn“ der Bundesmarine (seit 1990 „Deutsche Marine“ (seit 1988 – Stapellauf am 30. August 1988). Die Indienststellung des Schnellen Minensuchbootes „Überherrn“ erfolgte am 19. September 1989 als das zweite von insgesamt zehn Booten der Klasse 343. Im zweiten Halbjahr 1999 wurde das Boot zum Minenjagdboot der Klasse 333 umgerüstet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

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Mit ihrem 33 Meter hohen Kirchturm ist die 1929 erbaute Bonifatiuskirche als Landmarke ein weithin sichtbares Wahrzeichen von Überherrn. Als musikalisches Glanzstück ist die große, von der Firma Haerpfer aus dem lothringischen Bouzonville erbaute Kirchenorgel zu nennen. Über dem westlichen Hauptportal blickt die über sechs Meter große, in Stein gehauene Statue des heiligen Bonifatius, des „Apostels der Deutschen“. Eines der ältesten Dorfkreuze der Gemeinde, das Guldnerkreuz, befindet sich vor dem südlichen Längsschiff der Kirche, das Peter Guldner zugeschrieben wird. Das Kulturhaus Überherrn mit 600 Sitzplätzen und Restaurant wurde 1967–1970 nach den Plänen des Architekten Karl Hanus erbaut. Das für seine hervorragende Akustik bekannte Haus birgt Werke der Künstler Leo Kornbrust (Relief an der Außenfassade, 1968) und Dorothea Zech (Bühnenvorhang aus gehäkeltem Sisal, 1970, Ausmaße 7 × 27 Meter).[12] Ein Kleinod ist die bereits 1154 als Wallfahrtsstätte erwähnte Antoniuskapelle auf dem Linslerhof, die im 18. Jahrhundert im Stile des Barock erweitert worden ist. Der Linslerhof samt Anlage ist im Besitz der Familie von Boch-Galhau. Neben dem Hotel- und Gastronomiebetrieb mit Biergarten sind auf dem über 330 Hektar großen Gelände eine Pferdepension, zahlreiche Scheunen, Keller und alte Stallungen sowie eine Falknerei angesiedelt.[13]

Bauwerke[Bearbeiten]

siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Überherrn

Sport[Bearbeiten]

Fußball[Bearbeiten]

Der erfolgreichste Fußballverein der Gemeinde ist der SSV Eintracht Überherrn, der in der Landesliga spielt. Der TuS Bisten spielt in der Bezirksliga Saarlouis, SG Altforweiler/Berus und SV Felsberg in der Kreisliga A Saar.

Tennis[Bearbeiten]

Tennis spielen kann man in der Gemeinde Überherrn beim Tennisclub Bisttal e.V. Überherrn. Der TC ist mit über 250 Mitgliedern einer der größten Sportvereine in Überherrn. Aktuell stellt der TC 14 Mannschaften, darunter sechs Jugendmannschaften aller Altersklassen, die in den letzten Jahren immer erfolgreicher wurden und besonders in der Spielklasse der „Bambinis“ in einer hohen Klasse mitspielen können.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Überherrn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Überherrn – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland nach Bevölkerung am 31.12.2011 auf Grundlage des Zensus 2011 und früherer Zählungen (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Bundesamt für Naturschutz, Landschaftssteckbrief 19104, Warndt und Bisttalweitung, www.bfn.de (7. November 2011)
  3. Überherrn in Zahlen
  4. Zur Bedeutung der Präliminarfriedensverträge s. Schmidt-Rösler, Prälimarfriedensverträge als Friedensinstrumente der Frühen Neuzeit, in: Heinz Duchhardt, Martin Peters (Hg.): Instrumente des Friedens. Vielfalt und Formen von Friedensverträgen im vormodernen Europa, Mainz 25. Juni 2008 (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Beiheft online 3), Abschnitt 64 (5. November 2011)
  5. Weitere Informationen zum Linslerhof s. www.linslerhof.de
  6. Johann Rebholz, Lothringen und Frankreich im Saarraum. Deutsch-französische Grenzverhandlungen 1735–1766 (Schriften des Wissenschaftlichen Instituts der Lothringer im Reich an der Universität Frankfurt Neue Folge 19, Frankfurt/M. 1938), S. 111
  7. Heimatbuch Überherrn, Band 3, S. 73 ff.
  8. www.warndt.eu, Der Wald der Baronie Überherrn, le bois Richard (8. November 2011)
  9. Michael Fetik, Das Kunstgeschenk der „Mesdames de France“ an den Baron d'Uberherrn, Düsseldorf 2o12
  10. ueberherrn.de
  11. Überraschung in Überherrn: Thomas Burg tritt zurück. Artikel der Saarbrücker Zeitung vom 11. Februar 2011
  12. kunstlexikonsaar.de
  13. linslerhof.de