Tor des Monats

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Tor des Monats ist eine Auszeichnung des deutschen Fernsehsenders Das Erste für einen gültigen Treffer im Fußball, der innerhalb des Auszeichnungsmonats erzielt wurde. Die Wahl wird im Internet und per TED durchgeführt. Die Auszeichnung wird seit März 1971 monatlich verliehen. Eine ähnliche Auszeichnung wird von der BBC vergeben, die seit 1970 das Goal of the Month ermittelt. Entsprechungen in anderen Ländern sind nicht bekannt.

Nach der ersten Ausstrahlung erhielt der WDR 600.000 Zuschriften. Um diese auszuwerten wandte man sich an die Leitung des Kölner Gefängnisses Klingelpütz.[1]

Neben dem Tor des Monats prämiert Das Erste ebenfalls das Tor des Jahres. Nach der Wiederaufnahme der Bundesligaberichterstattung in der Sportschau im Jahr 2003 wurde außerdem in jeder Sendung ein Tor der Woche gewählt, diese wurden auch montags bis freitags vor der 20-Uhr-Tagesschau gezeigt und bildeten dann die Grundlage für die Wahl zum Tor des Monats. Die Ausstrahlung wurde mit einem kurzen Werbefilm über das zu gewinnende Auto ergänzt, wodurch die Kosten für die Ausstrahlungsrechte der Bundesligaspiele teilweise finanziert wurden. Zuvor wurde am Ende der Sendung ein von der Redaktion ausgewähltes Tor des Tages präsentiert.

Eine vollständige Liste aller Tore des Monats ist im Artikel Liste der Tore des Monats zu finden.

Modus[Bearbeiten]

Bei der Wahl können fünf durch die Redaktion vorausgewählte Treffer gewählt werden. Zunächst wurde per Post und später dann per Telefon abgestimmt. Inzwischen ist auch online eine Stimmabgabe möglich[2]. Der Schütze des Tors des Monats erhält eine Medaille. Aus allen Teilnehmern an der Abstimmung wird ein Gewinner ermittelt, der einen Preis erhält.

Auswahlkriterien[Bearbeiten]

Bei den vorausgewählten Treffern kann es sich um Tore aus Partien unterschiedlicher Wettbewerbe oder aus Freundschaftsspielen handeln. In den meisten Fällen handelte es sich aber um Tore, die in Bundesliga-Spielen fielen. So wurden 42 % der Tore des Monats in Spielen der 1. Bundesliga erzielt. Lediglich in den Zwischenzeiten ohne Bundesligaspiele werden häufiger Tore in unterklassigen Ligen und Länderspielen (unter anderem 45 Tore in Länderspielen der deutschen Männernationalmannschaft) nominiert. Zunächst wurden die Treffer ohne Kommentar gezeigt, um zu vermeiden, dass Tore aus Sympathie für den Schützen oder dessen Team gewählt werden. Inzwischen werden dagegen der Name des Spielers und die beteiligten Mannschaften genannt.

Rekorde[Bearbeiten]

Gerhard Faltermeier, erster Preisträger 1971 (hier 1968 im Dress der Bayerischen Verbandsauswahl)

Erstes Tor des Monats[Bearbeiten]

Erster Schütze des Tor des Monats war Gerhard „Gerd“ Faltermeier. Der seinerzeitige Mittelfeldspieler des SSV Jahn Regensburg jagte am 28. März 1971 im Regionalligaspiel (damals zweitklassig) gegen den VfR Mannheim einen 20-Meter-Freistoß so in den Winkel, dass der Ball oben im Netz hängen blieb. 71.000 von 250.000 Einsendungen wählten diesen Treffer zum ersten Tor des Monats. Sportschau-Gastgeber Oskar Klose überreichte die erste Auszeichnung an Faltermeier im Studio.[3]

Erstes Tor des Monats durch eine Frau[Bearbeiten]

Im September 1974 erzielte erstmals eine Frau das Tor des Monats. Bärbel Wohlleben vom TuS Wörrstadt erzielte den Treffer im ersten Finale um die deutsche Frauenfußballmeisterschaft. Insgesamt zwölf Mal erzielten Frauen ein Tor des Monats: Bärbel Wohlleben 1974, Beverly Ranger 1975, Silvia Neid 1988, Ursula Lohn 1989, Heidi Mohr 1991, Kerstin Elger 1996, Renate Lingor 1999, Birgit Prinz 2001, Nia Künzer 2003, Simone Laudehr 2007, Melanie Behringer 2009 und als bisher jüngste Torschützin Leonie Maier 2013.

Einziger Spieler der DDR-Oberliga[Bearbeiten]

Jörg Burow vom FC Carl Zeiss Jena war der einzige Spieler der DDR-Oberliga, der die Auszeichnung erhielt. Am 12. September 1986 erzielte er ein Freistoßtor gegen die BSG Stahl Brandenburg. Da er nicht zur Verleihung der Medaille ausreisen durfte, erhielt er diese erst vier Jahre später nach dem Mauerfall.

Häufigste Auszeichnungen[Bearbeiten]

Lukas Podolski, zehnmaliger Schütze des Tor des Monats

Am häufigsten, zehnmal, ausgezeichnet wurde Lukas Podolski (2004–2011).[4] Podolski erreichte seine ersten acht Auszeichnungen in nur 27 Monaten (Januar 2004 bis April 2006). Es folgt Jürgen Klinsmann mit sieben Treffern (1986–1999). Mit je sechs Toren folgen Karl-Heinz Rummenigge (1979–1984), Mario Basler (1992–1999) und Klaus Fischer (1975–2003). Gerd Müller (1972–1976) und Rudi Völler (1987–1990) erhielten jeweils fünf Auszeichnungen.

Am häufigsten erhielten Spieler von Bayern München die Medaille, gefolgt von Spielern der deutschen Männer-Nationalmannschaft, Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln.

Bis heute unübertroffene sechs Medaillen innerhalb eines Jahres erhielten Spieler von Borussia Mönchengladbach 1973.

Aufeinander folgende Auszeichnungen[Bearbeiten]

Bernd Rupp ist der erste, der in zwei aufeinander folgenden Monaten gewählt wurde: Im September und Oktober 1973, jeweils für Borussia Mönchengladbach. Danach gelang dies noch Gerd Müller (September/Oktober 1976), Allan Simonsen (September/Oktober 1977), Stefan Kuntz (November/Dezember 1993), Jürgen Klinsmann (Juni/Juli 1994), Arjen Robben (März/April 2010) und Raúl (März/April 2012). Jürgen Klinsmann schaffte es dabei, bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 zwei Tore des Monats innerhalb von nur fünf Tagen zu erzielen: Am 27. Juni das Tor zum 1:0 gegen Südkorea und am 2. Juli im Achtelfinale gegen Belgien das Tor zum 2:1 (Endstand jeweils 3:2). Arjen Robben gelangen dabei 2010 für den FC Bayern München innerhalb von nur 74 Tagen drei Tore des Monats in drei verschiedenen Wettbewerben: am 23. Januar in der Bundesliga gegen Werder Bremen, am 24. März im DFB-Pokal gegen Schalke 04 und am 7. April in der Champions League gegen Manchester United.

Größter Abstand zwischen zwei Auszeichnungen für einen Spieler[Bearbeiten]

Im Nostalgie-Derby der Altstars der Vereine FC Bayern München und TSV 1860 München am 30. Juli 2003 gelang es dem ehemaligen Mittelstürmer Klaus Fischer mit 53 Jahren und fast 28 Jahre nach seiner ersten Auszeichnung erneut das Tor des Monats in der 6. Minute zum 0:1 (Endstand 4:4) mit einem Fallrückzieher zu erzielen.

Der älteste Preisträger[Bearbeiten]

Der älteste Preisträger ist Kurt Meyer. Im Alter von 79 Jahren lupfte er am 20. Januar 2001 in einem Altherrenspiel von Blau-Weiß Post Recklinghausen den Ball ins Tor. Sein Treffer wurde in diesem Jahr auch zum Tor des Jahres gewählt.

Der jüngste Preisträger[Bearbeiten]

Der jüngste Preisträger ist Lukas Scepanik (1. FC Köln U17). Im Alter von 17 Jahren schoss er am 5. Juni 2011 im Finale der U17-Meisterschaft gegen Werder Bremens U17 in der 85. Minute das Tor zum 3:2-Endstand.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Eigentore[Bearbeiten]

Ein kurioses Tor des Monats erzielte Helmut Winklhofer in seinem ersten Spiel für Bayern München bei Bayer Uerdingen am 10. August 1985. Aus etwa 30 Metern schoss er den Ball unhaltbar für Jean-Marie Pfaff in das eigene Tor zum 1:0-Endstand.[5] Jedoch hat die Vereinsführung von Bayern München den nominierten Spielern Jean-Marie Pfaff und Helmut Winklhofer verboten, den Preis entgegenzunehmen.

Ein weiteres Eigentor wurde im Juli 1993 ausgezeichnet: Am 1. Spieltag der Zweitligasaison 1993/94 verfehlte im Spiel von Hertha BSC beim FC Carl Zeiss Jena der Hertha-Torhüter Walter Junghans einen Rückpass seines Liberos Frank Rohde, als der Ball auf dem schlechten Untergrund einen unerwarteten Hüpfer machte.

Mittlerweile werden Eigentore nicht mehr für die Kandidatenauswahl berücksichtigt.[6]

Torhüter als Torschützen[Bearbeiten]

Bisher wurden acht Torhüter zum Torschützen des Monats gewählt. Der bekannteste von ihnen ist Jens Lehmann, der am 19. Dezember 1997 ein Kopfballtor für Schalke 04 im Bundesligaspiel gegen Borussia Dortmund erzielte und damit der erste Torhüter war, der in der Bundesliga ein Tor aus dem Spiel heraus schoss. Weitere Gewinner waren Dieter Paucken, dem im September 2006 in der Nachspielzeit des Spiels 1. FC Köln II gegen SSVg Velbert ein Tor per Seitfallzieher gelang, sowie Gerald Hillringhaus, der im September 1989 für SV Türk Gücü München ein Tor gegen MTV Ingolstadt per Fallrückzieher erzielte.

Außerdem gewannen die Auszeichnung fünf weitere Torhüter, denen jeweils ein Tor per Abschlag gelang:

Koproduktionen[Bearbeiten]

Viermal ging das Tor des Monats für eine Koproduktion an jeweils zwei Spieler: Im April 1972 an Klaus Scheer und Reinhard Libuda (Schalke 04), im November 1972 an Günter Netzer und Gerd Müller, im Juni 2002 an Marco Bode und Miroslav Klose (alle Deutsche Nationalmannschaft) sowie im Juli 2013 an Julian Draxler und Raúl (FC Schalke 04).

Golden Goal[Bearbeiten]

Zweimal wurden Tore ausgezeichnet, die als Golden Goal das jeweilige Spiel entschieden und beendeten. Beide Treffer wurden in einem Finale erzielt und sicherten somit den Titelgewinn für eine deutsche Nationalmannschaft. Die Torschützen waren Oliver Bierhoff im Finale der Europameisterschaft 1996 gegen Tschechien (Juni 1996) und Nia Künzer im Finale der Frauen-Weltmeisterschaft 2003 gegen Schweden (Oktober 2003).

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ernst Huberty in "50 Jahre Sportschau - Die lange Nacht", ausgestrahlt auf WDR3 am 4. Juni 2011
  2. sportschau.de
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTreffer fürs Leben. In: www.mittelbayerische.de. 24. März 2006, abgerufen am 2. Januar 2008.
  4. Tor des Monats: Einzelwertung. In: sportschau.de. Westdeutscher Rundfunk, abgerufen am 22. Januar 2013.
  5. Helmut Winklhofers Eigentor; Video auf YouTube
  6. Aussage von Matthias Opdenhövel in der Sportschau vom 9. November 2013

Weblinks[Bearbeiten]