Westpfalz

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Rheinland-Pfalz mit der
  • Lage der Westpfalz

Die Westpfalz ist eine Teilregion im Westen der rheinland-pfälzischen Region Pfalz. Sie umfasst den westlichen Teil des Pfälzerwaldes, den mittleren Teil des Nordpfälzer Berglandes, die Westpfälzische Moorniederung und die Westricher Hochfläche. Die frühere Bezeichnung „Hinterpfalz“, die in der Zeit der bayerischen Verwaltung ab 1816 aufgekommen war und von den Bewohnern selbst als diskriminierend empfunden wurde, ist nur noch in der Vorderpfalz gebräuchlich.

Geografie[Bearbeiten]

Gemeindegliederung der Westpfalz

Folgende Landkreise und kreisfreie Städte liegen ganz oder teilweise in der Westpfalz:

Der Donnersbergkreis bzw die Altkreise Rockenhausen und Kirchheimbolanden werden im weiteren Sinne ebenfalls zur Westpfalz gerechnet, jedoch werden sie oftmals als eigenständige Region (Nordpfalz) betrachtet.

Eine abweichende Definition existiert auch für die Einteilung der Polizei, das Polizeipräsidium Westpfalz betreut neben den oben aufgezählten Kreisen nur den Westteil des Donnersbergkreises (ungefähr dem Altkreis Rockenhausen entsprechend) sowie die Verbandsgemeinde Meisenheim im Kreis Bad Kreuznach.

Bevölkerung[Bearbeiten]

In der Westpfalz leben knapp 520.000 Menschen, darunter ca. 30.000 Ausländer/innen. Hinzu kommen rund 50.000 im Großraum Kaiserslautern lebende US-Amerikaner/innen, die in der offiziellen Bevölkerungsstatistik nicht erfasst sind. Sie bilden die größte US-amerikanische Gemeinde außerhalb der USA. Die mit Abstand größte Stadt und das Oberzentrum der Region ist Kaiserslautern mit rund 97.000 Einwohnern/innen, gefolgt von Pirmasens und Zweibrücken.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Westpfalz ist bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt, Hügelgräber aus der Bronze- sowie keltische Befestigungswälle aus der Eisenzeit sind hierfür sichtbare Zeugnisse. Es folgten rund 500 Jahre römischer Präsenz, durch die Überreste von Römerwegen und Siedlungen bis heute dokumentiert. Die Zeit der Staufer hinterließ viele Burgen in der Pfalz, so auch die Kaiserpfalz, die Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1158 in Kaiserslautern errichten ließ. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) war die Region mehrfach Kriegsschauplatz. Weite Landstriche, unzählige Orte und zahlreiche Burgen wurden zerstört. 40 Jahre später führte der pfälzische Erbfolgekrieg erneut zu Zerstörungen weiter Teile der Pfalz. Dem Elend und Hunger entfliehend, wanderten 1709 die ersten Menschen aus der Region nach Amerika aus. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich langsam die Industrialisierung und gewann in der Mitte des 19. Jahrhunderts – unter anderem durch den Bau der Eisenbahnverbindung vom Saarland nach Ludwigshafen – deutlich an Dynamik. In Kaiserslautern entstanden die Kammgarnspinnerei und die Nähmaschinenfabrik Pfaff, in der Südwestpfalz um Pirmasens die Schuhindustrie. Zum Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts stand die Region unter französischer Herrschaft, ging nach Beschlüssen des Wiener Kongresses 1816 an Bayern und war seit 1870 Teil des neugegründeten Deutschen Reiches. Die Zeit nach dem – mit starken Zerstörungen verbundenen – Zweiten Weltkrieg war geprägt durch die starke Präsenz amerikanischer, aber auch französischer und kanadischer Streitkräfte. Nach Ende des Kalten Krieges wurde diese deutlich zurückgefahren. Der Großraum Kaiserslautern, mit dem Flugplatz Ramstein, dem Militärhospital Landstuhl sowie zahlreichen Depots und Kasernen, ist trotzdem weiterhin einer der wichtigsten Standorte des US-Militärs und der NATO in Europa.

Kultur und Freizeit[Bearbeiten]

Kultureller Mittelpunkt der Region ist Kaiserslautern mit dem Pfalztheater (Musiktheater, Schauspiel, Ballett), der Pfalzgalerie (Kunstausstellungen), der Fruchthalle (klassische Konzerte), dem Kulturzentrum Kammgarn und anderen kulturellen Einrichtungen sowie einer vielfältigen Kneipen- und Restaurantszene, die spürbar von der starken amerikanischen Präsenz und den über 13.000 Studierenden geprägt ist. Zahlreiche Burgen, darunter die Burg Lichtenberg bei Kusel, ziehen Besucher an, wie auch außergewöhnliche Museen, z. B. das Mitmachmuseum Dynamikum in Pirmasens. Ein Anziehungspunkt für Menschen aus Südwestdeutschland, Luxemburg und dem nördlichen Frankreich ist das Style-Outlet in Zweibrücken, das mit 120 Geschäften und über 3 Millionen Besuchern größte Outlet-Center in Deutschland. Herausragender Freizeitwert der Region ist jedoch die Natur, die Raum für vielfältige Outdooraktivitäten bietet. Der Pfälzerwald und der Donnersberg sind beliebte Wandergebiete und bieten auch Mountainbikern und Rennradfahrern hervorragende Bedingungen. Das Dahner Felsenland ist eines der beliebtesten Klettergebiete Deutschlands.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Region Westpfalz befindet sich seit Jahrzehnten in einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Strukturwandel. Traditionelle Schwerpunkte, wie die Schuhindustrie in Pirmasens und die Textilindustrie in Kaiserslautern, haben in den zurückliegenden Jahrzehnten massiv an Bedeutung verloren, ohne jedoch ganz an Bedeutung verloren zu haben. Durch die Ansiedlung von Forschungsinstituten und High-Tech-Unternehmen im Umfeld der Technischen Universität Kaiserslautern konnten in den vergangenen Jahren positive Impulse gesetzt und die Region Kaiserslautern als wichtiger IT-Standort etabliert werden. Die Stadt Kaiserslautern bezeichnet sich daher selbst auch als „Silicon Woods“, in Anlehnung an das bekannte „Silicon Valley“ in Kalifornien.

Zahlreiche erfolgreiche mittelständische Unternehmen, insbesondere Maschinenbauer und Automobilzulieferer, bilden das Rückgrat der regionalen Wirtschaft. Bedingt durch die engen Verflechtungen mit den USA haben darüber hinaus mehrere US-amerikanische Konzerne, z. B. der Landmaschinenproduzent John Deere, Produktions- und Entwicklungsstätten in der Region angesiedelt.

Wissenschaft[Bearbeiten]

Die Region beherbergt die Technische Universität Kaiserslautern und die Hochschule Kaiserslautern (mit Zweigstandorten in Zweibrücken und Pirmasens) mit insgesamt rund 20.000 Studierenden (2013) sowie zahlreiche renommierte Forschungseinrichtungen, darunter das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das Max-Planck-Institut für Softwaresysteme (MPI SWS) sowie die Fraunhofer-Institute für Experimentelles Software Engineering (IESE) und Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM).

Verkehr[Bearbeiten]

Die Ballungsräume Rhein-Main mit dem Frankfurter Flughafen, Rhein-Neckar, Saarbrücken sowie das Oberzentrum Trier liegen in einem Radius von rund 60 Autominuten. Autobahnen in der Region: A6 Saarbrücken-Mannheim A62 Pirmasens-Trier/Luxemburg A63 Kaiserslautern-Mainz A8 Pirmasens-Saarland-Luxemburg Das Oberzentrum Kaiserslautern liegt an der ICE-Strecke Paris-Saarbrücken-Mannheim-Frankfurt. Direkte regionale Verbindungen bestehen nach Saarbrücken, Bad Kreuznach/Bingen, nach Mainz und ins Rhein-Neckar-Gebiet.

Institutionen[Bearbeiten]

Die Westpfalz ist eine von fünf Planungsregionen in Rheinland-Pfalz. Träger der Regionalplanung ist die Planungsgemeinschaft Westpfalz mit Sitz in Kaiserslautern. Im Jahr 2012 haben zahlreiche Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft den Verein ZukunftsRegion Westpfalz gegründet. Dieser hat das Ziel, die Konkurrenzfähigkeit der Westpfalz im Wettbewerb der Regionen um Einwohner, Fachkräfte und Unternehmen zu verbessern. Weitere Einrichtungen innerhalb der Region tragen den Begriff „Westpfalz“ in ihrem Namen, darunter das Westpfalz-Klinikum (mit Standorten in Kaiserslautern und Kusel), die Westpfalzwerkstätten, das Polizeipräsidium Westpfalz und die Kreishandwerkerschaft Westpfalz.

Bekannte Westpfälzer[Bearbeiten]

Zahlreiche bekannte Sportler sind in der Region geboren oder aufgewachsen, darunter Fritz Walter und Ottmar Walter sowie Horst Eckel aus der Weltmeistermannschaft von 1954, aktuell unter anderem Raphael Holzdeppe (Stabhochsprung), Miriam Welte (Bahnradsport) sowie die Fußballer Nadine Keßler (Weltfußballerin des Jahres 2014) und Miroslav Klose (WM-Rekordtorschütze, in Kusel aufgewachsen). Erfolgreiche Unternehmer waren unter anderem Georg Michael Pfaff (Nähmaschinen), Gustav Rheinberger und Peter Kaiser (Schuhe), Christian Dingler (Druckpressen) und Ludwig Gienanth (Eisenindustrie). Auch die ehemaligen Landesminister Jochen Hartloff und Margit Conrad sind in der Region geboren, wie auch Axel Weber, ehemaliger Präsident der Bundesbank.

Weblinks[Bearbeiten]