Brenntag

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Brenntag AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000A1DAHH0
Gründung 1874
Sitz Essen, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl 15.172[1]
Umsatz 11,7 Mrd. € (2017) [1]
Branche Chemie
Website www.brenntag.com
Stand: 14. März 2018

Die Brenntag AG ist die Dachgesellschaft für die Brenntag Gruppe, die Weltmarktführer[2] im Chemiehandel ist. Sitz des Unternehmens ist Essen.

In den Forbes Global 2000 der weltgrößten börsennotierten Unternehmen belegt die Brenntag AG Platz 1403 (Stand: Geschäftsjahr 2017). Das Unternehmen kam Mitte 2018 auf einen Börsenwert von ca. 9,2 Mrd. US-Dollar.[3]

Geschäftstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschäftstätigkeit der Brenntag AG umfasst im Wesentlichen die Distribution sowie das Verarbeiten von Chemikalien wie Spezialchemie. Dabei verbindet Brenntag Chemieproduzenten und weiterverarbeitende Industrie, es handelt sich demnach um ein Business-to-Business-Unternehmen. Dabei betreibt Brenntag ein weltweites Netzwerk von 530 Standorten in 74 Ländern mit über 15.000 Mitarbeitern.[1]

Hauptsitz der Brenntag AG ist Essen, Sitz der deutschen Landesgesellschaft ist Duisburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1874 gründete Philipp Mühsam in Berlin zunächst einen Eiergroßhandel, der die Grundlage der späteren Brenntag wird. Die Firma brachte schnell eine ordentliche Rendite ein und agierte schon bald als Aktiengesellschaft. Aber schon in der Gründungsphase wiesen einzelne Kleinbeträge in den Bilanzen bereits gegen Ende der 1870er Jahre einen kleinen Nebenverdienst im Medikamentenhandel aus. Im Jahr 1912 trat die Firma Mühsam AG in den Chemiedistributionsmarkt ein und gründet eine eigene Chemieproduktion. Als der Firmengründer im Jahr 1914 starb, übernahm sein Sohn Kurt Mühsam, zusammen mit Julius Herz, die Leitung des Unternehmens.[4]

Durch die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg und die schwierigen Arbeitsbedingungen in den 1920er Jahren konnte Mühsam nur langsam wachsen. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 stand die Chemiefirma vor dem weiteren Problem, dass der Name „Mühsam“ von den Nazis als jüdisch eingestuft wurde. Es kam deshalb zu Boykottaufrufen und Verfolgungen der Vorstandsmitglieder.

Im Dezember 1936 entschloss sich die Familie Mühsam daher, das Unternehmen an den Berliner Unternehmer Hugo Stinnes jr. zu verkaufen. Julius Herz, der Vorstandsvorsitzender der Philipp Mühsam AG, kam damit der zwangsweisen Arisierung des Unternehmens zuvor. Die Familie Stinnes übernahm im Februar 1937 die Mehrheit an der Philipp Mühsam AG von der Familie Mühsam, die in die Vereinigten Staaten emigrierte. Hierzu wurden Aktien im Wert von 612.000 Reichsmark gekauft und das Unternehmen in den Privatbesitz von Stinnes eingegliedert. Im Juli 1937 wird aus der Philipp Mühsam AG die BRENNTAG Brennstoff-Chemikalien und Transport AG.[5] Fünf Jahre später, 1943/44, wird der Hauptsitz von Berlin nach Mülheim an der Ruhr verlegt.

Brenntag's House of Elements, Firmensitz in Essen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs startet Brenntag mit fünf Mitarbeitern in Mülheim einen Neubeginn. 1966 wurde die Brenntag erstmals außerhalb Deutschlands aktiv und Anfang der 1970er Jahre trat man in den US-amerikanischen Markt ein. In den 1980er Jahren schritt die Expansion in den USA durch Übernahmen diverser Distributionsunternehmen voran. Im folgenden Jahrzehnt folgte die Ausdehnung durch Zukäufe und Joint Ventures in Europa. Durch die Übernahme von Holland Chemical International, dem damals fünftgrößten Chemiehandelsunternehmen der Welt, gewann Brenntag im Jahr 2000 wesentliche Marktanteile in Skandinavien, Osteuropa und den USA hinzu und wurde Marktführer in Lateinamerika. In den folgenden zehn Jahren erwarb Brenntag weltweit weitere Unternehmen und baute seinen Marktanteil aus. Parallel wurden neue Distributionszentren an strategischen Orten erbaut.[6]

Im Februar 2003 kaufte die Deutsche Bahn die Stinnes AG und mit ihr die Brenntag. Im März 2004 übernahm das US Private-Equity-Unternehmen Bain Capital die Brenntag von der Bahn AG. Im Juli 2006 übernahm das britische Private-Equity-Unternehmen BC Partners von Bain Capital die Brenntag im Rahmen eines secondary buy-outs. Durch die Übernahmen des asiatisch-pazifischen Geschäfts von Rhodia (2008) und EAC Industrial Ingredients Ltd. A/S (2010) trat Brenntag in den asiatisch-pazifischen Markt ein und baute seine Präsenz vor Ort maßgeblich aus.[6]

Seit dem 29. März 2010 ist die Aktie der Brenntag AG im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse notiert.[7] Am 21. Juni 2010 wurde Brenntag in den MDAX aufgenommen.[8] Seit Juli 2012 befinden sich 100 % der Aktien des Unternehmens in Streubesitz.[9]

Im Mai 2011 erwarb Brenntag in den USA den Industriechemikalienhändler G. S. Robins & Company, St. Louis, mit 96 Mio. US-Dollar Umsatz.[10] Am 17. September 2013 wurde bekannt, dass Brenntag sein Indien-Geschäft ausbaut. Die Firmengruppe erwarb den Bereich Handel mit Zusatzstoffen für Nahrungsmittel von der Biotechnologie-Gruppe Zytex zum Preis von zehn Millionen Euro. Er wird Teil von Brenntag India mit Hauptsitz in Mumbai.[11][12] Am 28. April 2015 teilte der Konzern mit, dass er Ende 2017 seinen Hauptsitz nach Essen verlegen wird.

Ehemaliger Hauptsitz der Brenntag AG in Mülheim an der Ruhr

Im Rahmen des PIP-Skandals um Brustimplantate mit nicht für medizinische Anwendungen vorgesehenem Silikon wurde bekannt, dass Brenntag das betreffende Material „Baysilone“ vom Hersteller Momentive Performance Materials an das französische Unternehmen Poly Implant Prothese (PIP) geliefert hatte.

Dieses Silikonöl ist ein Standardprodukt, welches in vielen verschiedenen industriellen Anwendungsbereich eingesetzt wird. Beispielsweise dient das Silikonöl in Produktionsprozessen als Trennmittel, in der Körperpflegebranche wird es bei Shampoos und Hautcremes verwendet und in der Bauindustrie kommt es in Dichtungsmassen zum Einsatz.[13][14][15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c https://www.brenntag.com/media/documents/investor_relations/2017_1/brenntagag_geschaeftsbericht_2017.pdf
  2. Geschäftsbericht 2016. In: brenntag.com. 2017, abgerufen am 9. März 2017.
  3. The World’s Largest Public Companies. In: Forbes. (forbes.com [abgerufen am 17. Juli 2018]).
  4. Geschichte auf brenntag.lv, abgerufen am 14. November 2014
  5. European Coatings: 125 Jahre Brenntag, abgerufen am 14. November 2014
  6. a b Brenntag AG: Historie. Archiviert vom Original am 10. März 2012; abgerufen am 17. März 2011. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.brenntag.com
  7. Brenntag AG: Basisinformationen zur Aktie des Unternehmens. 27. März 2010, archiviert vom Original am 23. Oktober 2010; abgerufen am 17. März 2011. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.brenntag.com
  8. Dax-Neuordnung: Teure Einkäufe für Indexfonds. WirtschaftsWoche, 21. Juni 2010, abgerufen am 17. März 2011.
  9. Nach Brachem-Ausstieg ein DAX-Kandidat? Bericht in Wallstreet online vom 6. Juli 2012 abgerufen am 26. Dezember 2017
  10. B. K.: Brenntag kauft weiter zu. In: F.A.Z., 31. Mai 2011
  11. Brenntag baut Distribution im indischen Markt aus@1@2Vorlage:Toter Link/www.brenntag.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 18. September 2013
  12. Preis lt. WAZ vom 18. September 2013
  13. FAZ online: Billigimplantate, Gefährliche Brüste 4. Januar 2012
  14. Spiegel online: Gefährliche Brustimplantate 3. Januar 2012
  15. Handelsblatt online: PIP bestreitet Verwendung von Industrie-Silikon 3. Januar 2012