Diskussion:Identitätspolitik

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Fragen[Quelltext bearbeiten]

Erstens: Was bedeutet der Satz "Oft wird die Geltungskraft sozialer Unterscheidungsmerkmale (wie etwa Geschlecht oder Hautfarbe) von der Identitätspolitik verstärkt, indem sie aus den zugeschriebenen negativen Identitäten heraus operiert und damit die unterdrückende gesellschaftliche Hierarchie und die Opferrolle bestätigt (Tokenismus)"? Trotz intensiver soziologischer Schulung habe ich ihn nicht verstanden. Die Kritik, dass Identitätspolitik die "Geltungskraft sozialer Unterscheidungsmerkmale verstärkt", ist mir geläufig. Was aber bedeutet es, dass "sie aus den zugeschriebenen negativen Identitäten heraus operiert"? Ist damit gemeint, dass sie die "zugeschriebenen negativen Identitäten" zur Basis ihrer Wortmeldungen und Interventionen macht? Oder ist hier irgendwas im Sinne von "Herausoperieren" gemeint? Im ersten Fall kann ich mir ungefähr vorstellen, was gemeint ist, im zweiten nicht. Und mir scheint hier auch was zu fehlen. Die Frage ist m.E., ob man mit dieser Übernahme der "negativen Identitäten" unter Umkehrung der Bewertung nicht dafür sorgt, dass diese bestehen bleiben, ja noch aktualisiert werden. Das wird in dieser Formulierung leider nicht deutlich.

Zweitens: Lillas vielbeachtete (und vielkritisierte) Polemik ist sicherlich ein ganz gutes Beispiel für eine Stellungnahme seitens des "klassischen Linksliberalismus", wie er selbst es nennt, des Rorty'schen Wir-Liberalismus. Damit aber ein ganz exponierter Standpunkt, der meines Erachtens als ein Extrem der Rezeption angeführt werden kann (und so auch eingeführt werden sollte). Mehr aber auch nicht. Das "Wir", auf das sich Lilla berufen möchte, ist eben brüchig und fragwürdig geworden, und das ist weniger ein Resultat linker Identitätspolitik als vielmehr eine ihrer Voraussetzungen.--Mautpreller (Diskussion) 11:59, 21. Aug. 2017 (CEST)

Erstens: Ich war (sinngemäß, nicht wörtlich) sehr dicht am Lexikon-Artikel. Ich finde die Formulierung dass "sie aus den zugeschriebenen negativen Identitäten heraus operiert" verständlich, fast banal. Hm, ich finde, genau das, was Du nicht deutlich findest, steht doch drin: die unterdrückende gesellschaftliche Hierarchie und die Opferrolle bestätigt. Formulierung vereinfachen und dadurch noch deutlicher machen?
Zweitens: Stimmt, Lillas Kritik ist ein Extrem der Rezeption. Es muss mehr Material her. Der stub schreit nach Ergänzungen.--Jürgen Oetting (Diskussion) 13:04, 21. Aug. 2017 (CEST)
Zu 1.: Ich tu mir schwer, die Formulierung zu verstehen, dass jemand "aus einer Identität heraus operiert". Nach deiner Erklärung vermute ich, dass damit etwa das gemeint ist, was Sonia Kruks im Stanford-Artikel beschreibt: "What makes identity politics a significant departure from earlier, pre-identarian forms of the politics of recognition is its demand for recognition on the basis of the very grounds on which recognition has previously been denied: it is qua women, qua blacks, qua lesbians that groups demand recognition." Was ich hier besonders interessant finde, ist der Begriff der Anerkennung (recognition).--Mautpreller (Diskussion) 13:51, 21. Aug. 2017 (CEST)
Auf Anerkennung weist auch Christoph Jünke hin, dessen allgemeine Aussagen zur Identitätspolitik ich inzwischen eingefügt habe. --Jürgen Oetting (Diskussion) 14:21, 21. Aug. 2017 (CEST)

Definition[Quelltext bearbeiten]

Ich bin auch nicht ganz überzeugt, dass diese Definition nicht zu eng ist. Identitätspolitik gibt es doch auch (schon lange) "von rechts". Lilla nennt explizit den KuKluxKlan, man könnte auch auf die Identitäre Bewegung verweisen. Das Lemma ist nicht leicht vernünftig zu definieren.--Mautpreller (Diskussion) 12:29, 21. Aug. 2017 (CEST)

Die Definition ist doch sehr offen - und sie ist belegt. Ganz im Gegensatz zu den Aussagen die unter Identität#Politische und soziologische Identitätsbegriffe, wohin bisher von hier weitergeleitet wurde. Bezeichnet denn der KuKluxKlan sein Agieren als Identitätspolitik? Oder wird das nachträglich so bezeichnet? Auf die Identitäre Bewegung kann man verweisen, wenn belegbar ist, dass die "ihrs" als Identitätspolitik bezeichnen oder ihr Agieren als solche bezeichnet wird. Bei diesem heiklen Thema ist das Belegen besonders wichtig. Die Definition, die ich zu Grunde legte, stammt aus dem Lexikon zur Soziologie. 5. Auflage, 2011 und ist von einer, die aus dem Umfeld der Kritischen Kriminologie kommt, Daniela Klimke. Gibt es eine aktuellere? Weitere Definitionen wären nützlich, keine Frage. --Jürgen Oetting (Diskussion) 12:54, 21. Aug. 2017 (CEST)
Ich weiß nicht, hab auch das Lexikon nicht parat. Vielleicht wär dies hier nützlich. Kann sein, der Begriff ist von seiner Genese und Verwendung her "links besetzt" (ursprünglich als Selbstbezeichnung?) und wird erst nachträglich in der Kritik auf die Rechte bezogen. Gut denkbar, müsste man erforschen.--Mautpreller (Diskussion) 13:04, 21. Aug. 2017 (CEST)
Danke für den Hinweis. Einerseits ist (oder war) der Begriff wohl "links besetzt", andererseits findet man über "spezielle Identitätspolitiken" (auch wenn sie nicht so genannt werden) viel Material, über den allgemeinen Begriff dagegen wenig. Muss man also weitersuchen. Ich lese gerade das, Seiten 57-78. --Jürgen Oetting (Diskussion) 13:37, 21. Aug. 2017 (CEST)
Sehr interessant. Wirklich ein verdienstvoller Versuch, hier einen brauchbaren Kurzartikel hinzukriegen. Wird nicht einfach.--Mautpreller (Diskussion) 13:46, 21. Aug. 2017 (CEST)

Den Artikel habe ich nun mit denen anderssprachiger Wikis verbunden. Ein Blick in en.Wiki und fr.Wiki könnte für die Weiterarbeit hilfreich sein.--Fiona (Diskussion) 14:17, 21. Aug. 2017 (CEST)

Aber fr:Identité politique scheint mir ein anderes Thema zu haben: nicht Identitätspolitik, sondern politische Identität.--Mautpreller (Diskussion) 14:22, 21. Aug. 2017 (CEST)
Müsste das französische Lemma politique de l'identité lauten? --Fiona (Diskussion) 14:34, 21. Aug. 2017 (CEST)
Ich vermute das (oder politique identitaire?). Jedenfalls ist unter identité politique ein Kapitel "Comportement de vote" (Wahlverhalten) zu finden, das nach meinem Eindruck nicht recht zu "Identitätspolitik" zu passen scheint. Bin aber kein Experte.--Mautpreller (Diskussion) 14:54, 21. Aug. 2017 (CEST)
Den französischen Artikel habe ich aus der Liste entfernt.--Fiona (Diskussion) 15:59, 21. Aug. 2017 (CEST)

"Identity politics refers to political positions based on the interests and perspectives of social groups with which people identify." Bringt es das nicht auf den Punkt? --Fleritarus (Diskussion) 17:52, 22. Aug. 2017 (CEST)

Identitätspolitik von rechts?[Quelltext bearbeiten]

Moin Mautpreller, weiter oben schriebst Du: Identitätspolitik gibt es doch auch (schon lange) "von rechts". Könnte man so sagen, sagt man aber in der wissenschaftlichen Literatur nicht. Bei meinen Internetrecherchen bin ich nur an "linke Identitätspolitik" geraten. Wenn man so will, sind natürlich auch Reaktionen "alter weißer Männer" identitätspolitisch, nur wer nennt das so, außer Lilla? Nur bei Ole Meinefeld habe ich Hinweise gefunden, er schreibt in einem Text der Böll-Stiftung: Rechte und linke Identitätspolitik unterscheiden sich schließlich deutlich darin, ob die jeweilige Bezugsgruppe einer „Identität“ gesellschaftlich eher dominant oder eher marginalisiert ist. Was den Umgang mit Theorien im Spektrum der Identitätspolitik angeht, hat es jedoch fast den Anschein, als nutzten manche die Gunst der Stunde, um alte Rechnungen zu begleichen, einen endscheidenden Stich z.B. gegen die ungeliebten Theoreme des Poststrukturalismus sowie der Dekonstruktion zu machen, die dann gar zur Ursache des Rechtspopulismus erklärt werden sollten. Das überschätzt nicht nur den Einfluss solcher Theorien ungemein, es wäre auch eine einseitige Einschätzung ihrer Rezeption. Vielmehr dürfte die Konjunktur von Identitätspolitiken aus der Struktur gegenwärtiger Gesellschaften zu verstehen sein. Das gleichzeitige Bestehen von identitätspolitischen Bewegungen sowohl auf der politischen Linken als auch auf der politischen Rechten legt diesen Schluss zumindest nahe.(Hier). Das erinnert an den (leider völlig unbelegten) Text, von dem bisher von hier weitergeleitet wurde, hier. Beste Grüße --Jürgen Oetting (Diskussion) 16:33, 21. Aug. 2017 (CEST)

Okay, das ist ja schon mal eine Feststellung: Wenn von Identitätspolitik gesprochen wird, ist gewöhnlich "linke" Identitätspolitik gemeint. Das ist interessant. Klimkes Definition, die Du verwendet hast, trägt dem insofern Rechnung, als sie von "emanzipatorischen" Bewegungen "diskriminierter" und "stigmatisierter" sozialer Gruppen spricht. Ganz einfach ist die Sache freilich trotzdem nicht, denn auch die Zuschreibungen der Diskriminierung und Stigmatisierung werden sicher nicht ganz widerspruchslos "gefressen". Und die Gegenüberstellung mit dem (offenbar hier oft emphatisch "links" konnotierten) Universalismus zeigt m.E. schon, dass es ein kompliziertes Feld ist. Was mir an Meinefelds Text einleuchtet, ist die "Vorgeschichte" der Streitigkeiten um den Kommunitarismus, die mit recht ähnlichen Argumenten ausgetragen wurden. Und was mir zu denken gibt, ist die Gegenposition, an der identitätspolitische Positionen gemessen und kritisiert werden. Mir scheint es theoretisch wie praktisch ein wenig schwach, sich allein auf ein (scheinbar) solides humanistisches Fundament der abstrakten allgemeinen Gleichheit "als Menschen" zu verlassen. Ich habe den Eindruck, die "identitätspolitische Herausforderung" setzt gerade an dieser Abstraktion an. Ich gucke gern mal, ob ich was dazu finde; Du hast sicher in dem Punkt recht, dass hier Belege und auch eine gewisse Distanz besonders wichtig sind, weil das Thema so meinungsstark diskutiert wird.--Mautpreller (Diskussion) 17:57, 21. Aug. 2017 (CEST)

Materialien[Quelltext bearbeiten]

Andreas Reckwitz verwendete in einem Gastbeitrag für Die Zeit einen erweiterten Begriff von Identitätspolitik: Ob es um die Positionierung der eigenen Nation gegen die anderen geht wie im Nationalismus, um den Kampf der Gläubigen gegen die Ungläubigen wie im Fundamentalismus oder des Volks gegen die Eliten und Migranten wie im Rechtspopulismus – das Wertvolle der Kultur bewegt sich hier nicht auf mobilen Märkten, sondern soll in bestimmten nationalen, religiösen oder ethnischen Praktiken, Ideen und Herkünften auf Dauer gestellt werden. Es handelt sich um eine Kultur der Identitäten, um identity politics im weitesten Sinne. (im ersten Absatz der Seite 2 des Textes). Das ist eine Definition, die mir zu "frei" erscheint, weshalb ich sie nicht verwenden möchte. --Jürgen Oetting (Diskussion) 18:30, 21. Aug. 2017 (CEST)

Thomas Meyer, geht in Identitätspolitik. Vom Missbrauch kultureller Unterschiede (Suhrkamp 2002) die Identitätspolitik (so man aus dem Inhaltsverzeichnis ableiten kann, in dem es viel Wahn gibt) aggressiv an und subsumiert auch Ethnopluralismus unter Identitätspolitik. Hier eine Besprechung seines Buches auf dem Portal für Politikwissenschaft. --Jürgen Oetting (Diskussion) 18:49, 21. Aug. 2017 (CEST)

Auf der Website von Bayern 2 heißt es: rechte identitäre Politik unterscheidet sich grundsätzlich von linker Identitätspolitik. Sie gesteht das Versprechen auf Ausdruck nicht allen zu, sondern nur denen, die eine Großidentität teilen: Nation, Rasse, Kulturtradition oder Religion. Und diese Identitäten werden als fest definiert und als vorpolitisch ausgegeben. Wenn dagegen Genderaktivisten zum Beispiel für Homosexuelle streiten, dann nicht, weil Homosexualität als solche irgendwie auch mal zur Geltung kommen soll, sondern weil man gleiche Rechte für alle einfordert. Das ist keine kulturelle, sondern eine genuin politische Argumentation. Es sind also zwei verschiedene Strategien am Werk, nicht einfach verschiedene Milieus oder Themen im Fokus. (Hier). Vielleicht unwichtig, vielleicht auch nicht: Identitäre Politik wir nicht Identitätspolitik genannt. --Jürgen Oetting (Diskussion) 18:58, 21. Aug. 2017 (CEST)

-1 Ich bezweifle, dass Beate Meierfrankenfelds Interpretation von Walter Benjamin auf das 21 Jahrhundert ohne weiteres in der Lage ist, Trump oder Gender-Identität zu deuten. "Rechtspopulisten praktizieren eine Politik des Ausdrucks, die Sorgen, Ängste und Existenznöte aufnimmt und deren Dynamik nutzt, ohne unbedingt ihre Ursachen anzugehen." - Trifft das nicht fast immer zu? Alexpl (Diskussion) 22:02, 5. Sep. 2017 (CEST)
Der Artikel im Falter (Das Schweigen der Hämmer) ist als Quelle und Beleg nicht weiterführend. Der Autor (Matthias Dusini) thematisiert ein Verschwinden der Arbeiterklasse, verfolgt die These Die Identitätspolitik löste den Klassenkampf ab und greift dabei auf Didier Eribon (Rückkehr nach Reims) und J. D. Vance (Hillbilly Elegie. Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise) zurück. Schließlich landet über Nancy Fraser bei Mark Lila und referiert kurz dessen Kritik an der Identitätspolitik (Die Linke hat sich selbst zerstört), die er übernimmt. Diese Kritik ist aber schon im Artikel dargestellt. Wie Lila umkreist Dusini der Begriff Identitätspolitik in seiner Argumentation, ohne ihn exakt zu definieren. --Jürgen Oetting (Diskussion) 09:57, 16. Sep. 2017 (CEST)

Erklärung Identitätspolitik[Quelltext bearbeiten]

Bin ich der Einzige, der die Erklärung von Identitätspolitik für absolut falsch hält? --Fleritarus (Diskussion) 19:57, 21. Aug. 2017 (CEST)

Hm? Was findest Du "falsch"? Warum? Geht es darum, dass Du was anderes drunter verstehst? Das ist aber nicht besonders relevant. Es geht darum, was darunter üblicherweise verstanden wird. Es ist immerhin eine Definition aus einem Sozologiehandbuch, also mit einem sehr einschlägigen Beleg.--Mautpreller (Diskussion) 20:26, 21. Aug. 2017 (CEST)
Nein. Schau dir mal die Erklärung in wp:en an. Wirkt auf wp:de so, als ob Identitätspolitik nur eine Art Aktivismus ist. Aus ihr resultiert zwar so gut wie immer Aktivismus, aber prinzipiell ist sie keine. --Fleritarus (Diskussion) 20:45, 21. Aug. 2017 (CEST)
Weißt du was ich meine? Liebe Grüße --Fleritarus (Diskussion) 20:47, 21. Aug. 2017 (CEST)
Nein, eigentlich nicht.--Mautpreller (Diskussion) 21:26, 21. Aug. 2017 (CEST)
Hm, hast du die englische Einleitung gelesen? --Fleritarus (Diskussion) 21:28, 21. Aug. 2017 (CEST)
Ja, aber die ist ja total wolkig. "refers to political positions based on the interests and perspectives of social groups with which people identify" sagt mir ehrlich gesagt überhaupt nichts. Zumal dann auch noch eine elend lange Liste kommt: "Examples include social organizations based on age, religion, social class or caste, culture, dialect, disability, education, ethnicity, language, nationality, sex, gender identity, generation, occupation, profession, race, political party affiliation, sexual orientation, settlement, urban and rural habitation, and veteran status." Dann würden Gewerkschaften, Kriegervereine oder die IRA oder die ETA auch "Identitätspolitik" betreiben. Das scheint mir schlicht zu wenig spezifisch.--Mautpreller (Diskussion) 22:03, 21. Aug. 2017 (CEST)
Wenn ich so darüber nachdenke, hast du Recht... --Fleritarus (Diskussion) 08:03, 22. Aug. 2017 (CEST)
Und wieso soll eine Gewerkschaft keine Identitätspolitik betreiben können? Alexpl (Diskussion) 16:22, 2. Sep. 2017 (CEST)
Das könnte natürlich sein, ich kenne aber kein Beispiel dafür, dass der Begriff so verwendet würde. Das Problem ist freilich, dass bei einer so vagen Definition alle Gewerkschaftsaktivitäten unter Identitätspolitik fallen könnten, solange sich ihre Träger mit der Gruppe der Arbeitnehmer "identifizieren". Dann wäre der Begriff völlig unspezifisch und würde auch das einbegreifen, was man sonst Interessenvertretung nennt. Das scheint mir weder hilfreich noch kenne ich einen Beleg dafür.--Mautpreller (Diskussion) 18:58, 2. Sep. 2017 (CEST)

Gibt es Literatur, die Identitätspolitik eigentlich beschreibt bzw. definiert was sie ist und nicht was ihr Ziel war? ( "...diskriminierter sozialer Gruppen..." ) . Identitätspolitik können auch Weiße in Form des rechtsextremen Flügels der Alt-Right betreiben.Das tun sie ja auch seit geraumer Zeit. Eigentlich istIdentitätspolitik die fokusieren auf ein äußeres Merkmal (Frau, Mann, Schwarz, Braun, Weiß etc.) Ich ziele da vorallem auf englischsprachige Literatur, da Identitätspolitik in Europa nicht soo ein großes Thema ist. --Fleritarus (Diskussion) 19:33, 5. Sep. 2017 (CEST) Zur Belustigung (das hat wohl Mark Lilla gemeint) --Fleritarus (Diskussion) 20:01, 5. Sep. 2017 (CEST)

Das Problem der enzyklopädischen Darstellung ist, dass es nur wenigie wissenschaftliche Definitionen von Identitätspolitik gibt, eine davon steht am Anfang des Artikels. Dass es Reaktionen auf die vermeintliche Überbetonung der "linken" Identitätspolitik von "rechts" gibt, die dann auch aussehen, wie Identitätspolitik ist offenkundig, dazu gibt es aber wenige zitierfähige Definitionen. Patricia Purtschert definiert in ihrem Aufsatz Es gibt kein Jenseits der Identitätspolitik (In: Widerspruch, 69, 1. Halbjahr 2017, S. 15-22, hier S. 15 f.): Der Begriff Identitätspolitik wird seit den 1970er Jahren für das politische Engagement von Kollektiven verwendet, die von gemeinsamen Unterdrückungserfahrungen ausgehen. Die Idee ist, dass erlebtes Unrecht (etwa in Consciousness-Raising-Groups) gemeinsam erkannt und in eine gesellscaftlich relevante Kritik überführt werden kann. Diese wird einem dominanten Verständnis von Politik entgegengesetzt, das dieses Unrecht negiert oder banalisiert. Ich halte die Definition für so offen (die im Intro des Artikels übrigens auch), dass man alle Kollektive drunter subsumieren kann, die sich im Unrecht sehen. --Jürgen Oetting (Diskussion) 20:55, 5. Sep. 2017 (CEST)
Ach, vergessen: Patricia Purtschert beruft sich bei ihrer Definition per Anmerkung auf den Lexikon-Artikel Identity Politics, der im Text unter Weblinks aufgeführt ist. --Jürgen Oetting (Diskussion) 21:03, 5. Sep. 2017 (CEST)

Identitätspolitik als Zuschreibung[Quelltext bearbeiten]

Moin!

Mir fehlt irgendwie, dass es keine bewusste Identitätspolitik gab, die sich politiker, wissenschaftler etc. ausgedacht haben, sondern die verbesserungen von minderheiten rückwirkend als Identitätspolitik bezeichnet worden ist. Oder liege ich komplett falsch? Gruß --ot (Diskussion) 09:36, 18. Sep. 2017 (CEST)

Wenn du dem Begriff umbedingt eine positive Konnotation geben willst, hast du vielleicht recht. Ansonsten nimm einfach eine naheliegende "Bewegung" deren Vorgehen vor ihrem Erfolg schriftlich kodifiziert wurde. Alexpl (Diskussion) 09:59, 18. Sep. 2017 (CEST)
Ich will es verstehen, mehr nicht. Hat sich die situation von minderheiten nicht verbessert? Oder hat sich die situation der mehrheit verschlechtert? Gruß --ot (Diskussion) 10:19, 18. Sep. 2017 (CEST)
Moin ot, stimmt, der Begriff Identitätspolitik ist eine (meist nachträgliche) Zuschreibung von Sozialwissenschaftlern und Journalisten. Als Selbstbeschreibung deutet sich der Begriff allenfalls bei der Identitären Bewegung an. Vielleicht wird es durch eine kleine Änderung des ersten Satzes deutlicher. Beste Grüße --Jürgen Oetting (Diskussion) 12:27, 18. Sep. 2017 (CEST)
Moin. Okay, aber kann man dann auch "ist eine nachträgliche Zuschreibung für politisches Handeln, ..." schrieben? Oder ist das dann doppeltgemoppelt? Gruß --ot (Diskussion) 18:32, 18. Sep. 2017 (CEST)
Gaaanz genau genommen kann es nur nachträgliche Zuschreibungen geben, auch aktuelle Zuschreibungen kommen ja immer erst einen Moment nach der Aktion. Ich nehme das Wort raus, entscheidend ist Zuschreibung. Beste Grüße --Jürgen Oetting (Diskussion) 18:57, 18. Sep. 2017 (CEST)
Musste ich nicht rausnehmen, war gar nicht drin. --Jürgen Oetting (Diskussion) 19:04, 18. Sep. 2017 (CEST)
In diesem aktuellen PROKLA-Aufsatz von Emma Dowling, Silke van Dyk und Stefanie Graefe ist auf Seite 416 übrigens ausdrücklich die Rede von Zuschreibung (Labeling): Der Vorwurf, Identitätspolitik sei partikularistisch und würde damit den Universalismus der Kämpfe um soziale Gerechtigkeit unterminieren, verkennt den ursprünglichen Impuls vieler sozialer Bewegungen, die heute als „identitätspolitisch“ gelabelt werden: aufzuzeigen, dass und wo sich universale Versprechen als machtvolle Verallgemeinerungen der partikularen Interessen bestimmter sozialer Gruppen erweisen. --Jürgen Oetting (Diskussion) 19:28, 18. Sep. 2017 (CEST)

Notiz[Quelltext bearbeiten]

„Je länger die Demokraten über Identitätspolitik sprechen, desto früher kriege ich sie“, spottete Bannon gegenüber Kuttner. „Ich will, dass sie jeden Tag über Rassismus sprechen. Wenn die Linke sich auf die Themen Rasse und Identität konzentriert und wir uns auf ökonomischen Nationalismus, dann können wir die Demokraten zermalmen.“Amerika unter Trump + original von James Kirchick, en:James Kirchick. --ot (Diskussion) 12:48, 2. Sep. 2017 (CEST)

In anderer Form hat das ja Mark Lilla auch gesagt. Wüsste nicht, was Bennon hier im Artikel zu suchen hat --Fleritarus (Diskussion) 15:31, 2. Sep. 2017 (CEST)

Weiterleitung von "Anerkennungspolitik"?[Quelltext bearbeiten]

Besonders in Texten von und über Nancy Fraser ist häufig die Rede von Anerkennungspolitik, sinngemäß ist damit Identitätspolitik gemeint, so wie hier. Ist eine Weiterleitung vom Begriff hierher zweckdienlich? Zu beachten wäre, dass auch außenpolitische Aktionen, bei denen es um die diplomatische Anerkennung von Staaten geht, Anerkennungspolitik genannt wird.--Jürgen Oetting (Diskussion) 13:27, 29. Nov. 2017 (CET)

Material[Quelltext bearbeiten]

@Jürgen Oetting: nach diesem kurzen Text ist die Einleitung fehlerhaft bzw. nicht vollständig. Ich weiß zwar nicht, ob Ende des 18 Jahrhunderts der Begriff "Identitätspolitik" benutzt wurde, aber vielleicht sollte man sich das mal genauer anschauen. Man könnte auch den Artikel so verändern, dass nicht nur der Begriff thematisiert wird, sondern auch auf die Anfänge einer Identitätspolitik, auch wenn es damals noch nicht so genannt wurde. --Fleritarus (Diskussion) 18:03, 5. Jan. 2018 (CET)
Moin Fleritarus, das deute ich anders. Frank Furedi bestätigt ja die Aussage der Einleitung, hält aber eine solche etablierte Sichtweise, wie sie im Lexikon zur Soziologie (Beleg im Artikel) oder im Lexikon zur Politikwissenschaft dargestellt wird, für irreführend, denn sie blende aus, in welchem Mass sich die Akteure und die Anliegen der Identitätspolitik über die Dekaden hin gewandelt haben. Der Furedi-Text ist ein interessanter Diskussionsbeitrag, mehr nicht. Beste Grüße --Jürgen Oetting (Diskussion) 19:08, 6. Jan. 2018 (CET)
Mir ist es eher darum gegangen, dass sich vlt. mal jemand hinsetzt und Lektüre zu Identitätspolitik suchst oder findet, die den historischen Kontext dazu beleuchtet, da es anscheinend einen gibt. Ein Feuilleton Beitrag reich dazu natürlich nicht aus. --Fleritarus (Diskussion) 13:06, 9. Jan. 2018 (CET)

Geänderte Einleitung[Quelltext bearbeiten]

Ich spreche mich für folgenden ergänzten/geänderten Einleitungstext aus:

  • Der Begriff Identitätspolitik (englisch identity politics) bezeichnet ein politisches Handeln, bei dem Auffassungen über die Identität einer sozialen Gruppe verbreitet werden, um ihr Selbstbild bzw. ihre Fremdbilder (Othering) zu beeinflussen. Angestrebt wird oft eine höhere oder niedrigere Anerkennung der angesprochenen Gruppe, die Verbesserung oder die Verschlechterung ihrer gesellschaftlichen Stellung und die Stärkung oder Schwächung ihres Einflusses. Um die Mitglieder einer solchen Gruppe zu identifizieren, werden kulturelle, ethnische, soziale oder sexuelle Merkmale verwendet. Menschen, die diese Eigenschaften haben, werden zu der Gruppe gezählt und häufig als homogen betrachtet. Menschen, denen diese Eigenschaften fehlen, werden aus der Gruppe ausgeschlossen. Der Begriff wurde ursprünglich für linke soziale Bewegungen verwendet. Er wird aber inzwischen auch für Argumentationen und Aktionsformen der Neuen Rechten gebraucht, wie etwa die der Identitären Bewegung. Identitätspolitik ist gleichwohl nicht nur in extremen politischen Richtungen vertreten.

Der jetzige Text definiert Identitätspolitik nicht klar genug und zu eng:

  • Der Begriff Identitätspolitik (englisch identity politics) ist eine Zuschreibung für politisches Handeln, bei dem Bedürfnisse einer jeweils spezifischen Gruppe von Menschen im Mittelpunkt stehen. Angestrebt werden höhere Anerkennung der jeweiligen Gruppe, die Verbesserung ihrer gesellschaftlichen Position und die Stärkung ihres Einflusses. Um die Mitglieder einer solchen Gruppe zu identifizieren, werden kulturelle, ethnische, soziale oder sexuelle Merkmale verwendet. Menschen, die diese Eigenschaften haben, werden zu der Gruppe gezählt und häufig als homogen betrachtet. Menschen, denen diese Eigenschaften fehlen, werden ausgeschlossen. Der Begriff wurde ursprünglich für linke soziale Bewegungen verwendet, wird aber inzwischen auch für Argumentationen und Aktionsformen der Neuen Rechten gebraucht, wie etwa die der Identitären Bewegung.

Identitätspolitik kann sowohl als Aufwertung der Eigengruppe/des Selbstbildes als auch als Abwertung der Fremdgruppe/der Fremdbilder betrieben werden. Oft besteht Identitätspolitik aus der Konstruktion eines Othering bzw. eines sozialen Panoramas, in dem mehrere Gruppen bewertet und angeordnet werden werden. Dies alles berücksichtigt mein Änderungsvorschlag besser.--Tfjt (Diskussion) 17:39, 9. Sep. 2018 (CEST)

Ich bin da deutlich anderer Meinung. Erstens hast Du einen sehr wesentlichen Bestandteil der Definition entfernt, nämlich den der Attribution oder Zuschreibung. Identitätspolitik ist eben gewöhnlich eine Fremdzuschreibung für ein bestimmtes politisches Handeln, nicht eine Selbstbeschreibung. Zweitens wird bei den Formen politischen Handelns, die man als Identitätspolitik bezeichnet, gewöhnlich die Aufwertung der Eigengruppe beabsichtigt. Dass dies mit einer Abwertung der "anderen" einhergehen kann, kann man sich zwar vorstellen. Ein Beispiel für eine Abwertung der Eigengruppe kenne ich nicht. Historisch ist das ein Begriff für Politikformen von Bewegungen wie der Bürgerrechtsbewegung, der Schwulenbewegung usw., bei denen Abwertungen ganz sicher nicht angestrebt wurden. Dass "Auffassungen" (verlinkt auf "Meinung") verbreitet werden, scheint mir ebenfalls eine sehr unglückliche Begriffsverwendung, ebenfalls, dass sich die Bewegungen (lediglich) auf eine Veränderung ihres Bildes richteten (das dürfte praktisch alle genannten bewegungen ausschließen).
Entscheidend ist aber: Du veränderst die Definition wesentlich (in Intension, Extension und Zielrichtung), gibst aber nicht an, woraus Du Dein Wissen schöpfst. Die derzeitige (meines Erachtens sehr brauchbare) Definition kann sich hingegen auf die im folgenden Abschnitt genannten Darstellungen stützen.--Mautpreller (Diskussion) 18:13, 9. Sep. 2018 (CEST)
Es mag sein, dass Identitätspolitik oft als Merkmal der Politik (insbesondere der des politischen Gegners) „zugeschrieben“ wird. Jedoch definiert das häufig vorkommende Merkmal der Fremdzuschreibung sie nicht. Ich kann meine eigene Identitätspolitik als Identitätspolitik benennen. Der Begriff ist nämlich nicht pejorativ. Es gibt auch eine Identitätspolitik, die sich selbst so bezeichnet. Beispielsweise ist die Schwarze Identitätspolitik eine solche. Die Verfechter dieser Identitätspolitik verstehen sich positiv/emanzipatorisch und benennen ihre Politik als Schwarze Identitätspolitik (vgl. etwa Von Black Power bis Ta-Nehisi Coates. Schwarze Identitätspolitik in den USA). Auch etwa Queer-Aktivisten sprechen ganz offen – und ohne Fremdzuschreibung – von „schwuler und lesbischer Identitätspolitik“ (vgl. „Die Frage war doch, warum Identitätspolitik aktuell ist“).
Den Relativsatz im ersten Satz finde ich sehr schwach bzw. er gibt für eine Definition so gut wie gar nichts her: „bei dem Bedürfnisse einer jeweils spezifischen Gruppe von Menschen im Mittelpunkt stehen“.
Bereits die Erläuterung der Identitätspolitik, wie sie unter den Weblinks auf der Webseite Kulturglossar zu finden ist, behandelt den Zusammenhang zwischen der Identitätskonstruktion des „Eigenen“ und des „Fremden“ besser, als die jetzige Einleitung. Jedenfalls bezieht sich Identitätspolitik nicht nur auf ein politisches Handeln zur Beeinflussung des Selbstbildes einer Gruppe, sondern sie thematisiert auch die Bilder über andere Gruppen, indem sie Fremdbilder über Fremdgruppen konstruiert, oft (aber nicht immer) mit abwertender Bedeutung (Othering, soziales Panorama). Dass Identitätspolitik oft ein politisches „Spiel“ von Aufwertung bzw. Abwertung mit Konzepten/Konstruktionen über Eigengruppe und Fremdgruppe ist, ist in der alten Einleitung, deren Begriffsdefinition zu eng geraten ist, völlig außer Acht gelassen worden. Identitätspolitik ist eigentlich ein wertneutraler Begriff, in jedem Fall will sie die Identität durch Konstruktion/Veränderung von Selbst- und Fremdbildern beeinflussen, dabei kann sie sowohl auf Spaltung als auch auf Vereinheitlichung ausgerichtet sein.
Eine ausreichend offene Definition für Identitätspolitik habe ich hier gefunden. Von „Zuschreibung für politisches Handeln“ ist hier übrigens auch nicht die Rede.
Wie „vielseitig“ und „umfassend“ der Begriff Identitätspolitik zu verstehen ist, wird etwa aus diesen Beiträgen deutlich: Identitätspolitik und Populismus, Zur Unmöglichkeit und Notwendigkeit kollektiver Identität, Definition von Identitätspolitik. Es gibt demnach viele Varianten und Möglichkeiten von „Identitätspolitiken“, auch die „eigene Identitätspolitik“ als Selbstbezeichnung für eine eigene Politik, die das Ziel verfolgt, eine Gruppenidentität zu bilden oder zu beeinflussen.--Tfjt (Diskussion) 19:36, 9. Sep. 2018 (CEST)
Ich denke, dass diese Definition sowohl zu weit als auch zu unhistorisch ist. Diese Definition ist so weit, dass sie praktisch alle Bewegungen unter sich fassen könnte. Identitätspolitik war auf jeden Fall zunächst ein Label, mit dem Bewegungen (nachträglich) etikettiert wurden. Und der Begriff wurde geschaffen, um ganz bestimmte Bewegungen, die sich von anderen (etwa der Arbeiterbewegung) gerade unterscheiden, in ihrer Besonderheit zu fassen (was gar nicht selten eine pejorative Note hat, insbesondere von liberaler Seite). Davon ist der Begriff geprägt. Wie Du durchaus überzeugend argumentierst, gibt es Versuche, diesen Begriff von seiner historischen Grundlage abzulösen und zu verallgemeinern. Das sind aber eben Versuche, die noch nicht zu so etwas wie einer stabilen Defintion geführt haben, und das sollte man dann auch merken. Was mich besonders irritiert, ist aber die Fixierung auf Bilder. Keine der Bewegungen, deren politisches Handeln als identitätspolitisch beschrieben wurde, hat sich auf den Kampf um (Selbst- und Fremd-)Bilder beschränkt.--Mautpreller (Diskussion) 20:28, 9. Sep. 2018 (CEST)
Dies merkt man übrigens den von Dir zitierten Texten deutlich an. Was Identitätspolitik eigentlich allgemein ist und ausmacht, das schreiben sie durchgängig und durchweg, ist keineswegs klar, sondern diffus und strittig (und häufig interessegeleitet). Viel Material dagegen gibt es zu bestimmten, konkreten Politiken (Black Power bspw.). Darüber sollte man nicht einfach in einer generalisierenden Definition hinweggehen. Bitte guck Dir auch mal die obigen Diskussionen an (Jürgen Oetting ist Hauptautor), besonders "Definition" und "Zuschreibung".--Mautpreller (Diskussion) 20:48, 9. Sep. 2018 (CEST)
Ich stimme dir zu, eine allgemein anerkannte Definition ist noch nicht gegeben. Eine sachgerechter Versuch zur Definition von Identitätspolitik muss sehr weit fassen, weil viele Politiken – mehr oder weniger, intentional oder unbeabsichtigt, ausdrücklich oder eher versteckt – auf die Identitätskonstruktion einwirken. Eigentlich passiert so etwas ständig. Wenn etwa Markus Söder sich dafür ausspricht, Kreuze in öffentlichen Gebäuden Bayerns aufzuhängen, dann ist das auch Identitätspolitik.--Tfjt (Diskussion) 20:55, 9. Sep. 2018 (CEST)
Genau das ist die Frage. Genauer gesagt: Gilt das als Identitätspolitik? Schreibt man in einer sozialwissenschaftlichen Arbeit von Söders, Stoibers, Schönhubers "Identitätspolitik"? Ich habe nicht den Eindruck. Man kann versuchen, einen Begriff zu entwickeln, der auf Söders Kreuzzug ebenso anzuwenden wäre wie auf Black Power. Aber das entspricht nicht der realen Begriffsverwendung. Ich habe ja weiter oben in diesem Punkt ähnlich argumentiert, aber Jürgen Oettings Antwort fand ich überzeugend: Man könnte den Begriff so fassen, aber er wird eben gewöhnlich weder so verwendet noch so definiert.--Mautpreller (Diskussion) 21:11, 9. Sep. 2018 (CEST)
Ich denke schon, dass Identitätspolitik heute früher erkannt und breiter aufgefasst wird (als von dir und Jürgen Oetting wahrgenommen), etwa bei Patrick Bahners, der nach Lektüre von einem Beitrag von Mark Lilla schreibt: „Wenn politische Forderungen dann Aussicht auf Durchsetzung haben, wenn sie im Namen einer Gruppe formuliert werden, wird jeder Bürger, dessen Stolz es war, ein Individuum zu sein, dafür belohnt, sich als Vertreter einer Gruppe zu verstehen. Alle unsere politischen Projekte wurden so über die Jahre identitätspolitisch eingefärbt.“ (vgl. Die liberale Gesellschaft und die irre Suche nach ihren Feinden).--Tfjt (Diskussion) 21:34, 9. Sep. 2018 (CEST)
Das ist nicht Bahners, sondern Ijoma Mangold, der Bahners hier rund macht, weil dieser Lilla nicht mag. Ehrlich, Tfjt, dass man den Begriff der "Identitätspolitik" zum entgrenzten Bashing hernehmen kann, zeigt gerade dieser Artikel ganz gut. Das scheint mir aber für einen Artikel über den Begriff gerade sekundär. Der müsste doch vielmehr sagen, was normalerweise (und nicht in aktuellen Entgrenzungen) mit diesem Begriff bezeichnet wurde und wird. Da hat man vom "Lexikon der Soziologie" oder der "Stanford Encylopedia of Philosophy" doch mehr als von aktuellen Zeitungsfehden. Zum beispiel: "What makes identity politics a significant departure from earlier, pre-identarian forms of the politics of recognition is its demand for recognition on the basis of the very grounds on which recognition has previously been denied: it is qua women, qua blacks, qua lesbians that groups demand recognition."--Mautpreller (Diskussion) 21:47, 9. Sep. 2018 (CEST)
Sorry, ich hatte die Autoren durcheinandergebracht. Was Mangold gegen Bahners vorträgt, vermag ich nicht als „entgrenztes Bashing“ zu brandmarken. Für mich ich das eher eine zwar scharf geführte, aber zulässige Debatte, die zeigt, dass dem Begriff „Identitätspolitik“ eine besondere Aktualität und vielseitige Verwendung innerhalb eines breiteren, international mit Aufmerksamkeit verfolgten Diskurses innewohnt, insbesondere ausgelöst durch Phänomene wie neue Formen von identitär begründeter Interessenvertretung sozialer Gruppen/Parteien innerhalb einer Gesellschaft, verschiedene Spielarten populistischer Politik und Identitäre Bewegungen. Was den lexikalischen Umgang mit den Begriff „Identitätspolitik“ erschwert, ist der Umstand, dass es eine Identitätspolitik zwar schon seit Urzeiten gibt, nämlich seitdem politische Führer/Politiker mit der Konstruktion oder Beeinflussung einer Gruppenidentität arbeiten, der Begriff zur Benennung einer solchen Politik erst aber in jüngerer Zeit geprägt wurde.--Tfjt (Diskussion) 05:20, 10. Sep. 2018 (CEST)
Ich denke, hier liegt das Problem. Du möchtest Identitätspolitik als systematischen Oberbegriff für eine Politik definieren, die "mit der Konstruktion oder Beeinflussung einer Gruppenidentität" arbeitet. Ein solcher Oberbegriff sollte dann auf alle Politiken "seit Urzeiten" passen, die dieses Kriterium erfüllen. Der Artikel ist aber anders angelegt. Er versucht die konkrete Begriffsbildung zu erfassen: Was wird in der relativ kurzen Zeit, seitdem der Begriff Identitätspolitik überhaupt im Diskurs ist, unter "Identitätspolitik" eigentlich verstanden oder damit gemeint? Ich meine, dass nur diese zweite Variante für einen Wikipedia-Artikel wirklich praktikabel ist. Es gibt eben diesen systematischen Oberbegriff in der Literatur nicht, obwohl es offensichtlich unterschiedliche Versuche gibt, einen solchen zu reklamieren oder auch zu entwickeln.
Auch inhaltlich überzeugt mich das recht wenig. Es fehlt dem die historische Dimension: Kann man wirklich sagen, dass Politiken "seit Urzeiten" dasselbe sind wie die modernen Politiken von sozialen Bewegungen, für deren Besonderheit er geprägt wurde? Selbst in der Gegenwart ist das nicht einfach: Zweifellos arbeiten auch und gerade rechtspopulistische und rechtsradikale Bewegungen mit dem Begriff der Identität. Sind sie deswegen wirklich "Identitätspolitik" ebenso wie emanzipatorische Bewegungen der Frauen, Schwarzen, Schwulen, Lesben? Eine Begriffsbildung, die so vorgehen will, sieht sich vor enormen Spannbreiten und vor allem Schwierigkeiten, die in den von Dir zitierten Texten auch sehr deutlich werden. Eine klare Definition des allgemeinen Begriffs fehlt auch dort weitestgehend, hier geht es zentral um einzelne Bewegungen und die Frage, ob man sie als "identitätspolitisch" betrachten kann. Die Begriffsdefinitionen in den Standardwerken sind da deutlich weiter (wenn sie auch recht offen bleiben), gerade weil sie sich auf die historische Besonderheit konzentrieren.
Letztlich ist das eine Frage der Artikelkonzeption, die man dann erstmal diskutieren müsste. Das ist nicht nur eine Frage der Einleitung. Für die derzeitige Artikelkonzeption spricht, dass sie sich weitaus besser mit wissenschaftlicher Literatur belegen lässt. Man kann sie erweitern um diese neueren Versuche, das fand ich von Anfang interessant. Ein wirklich überzeugendes Argument für einen Umbau in der von Dir angestrebten Richtung finde ich nicht.--Mautpreller (Diskussion) 10:11, 10. Sep. 2018 (CEST)
Ich habe nichts dagegen, wenn der Begriff im weiteren Verlauf des Artikels etwa hinsichtlich seiner Geschichte „aufgedröselt“ wird (Diskursanalyse). An den Anfang des Artikels würde ich allerdings – nicht zuletzt um den Einstieg zu erleichtern – eine eher knapp formulierte, jedoch weite und viele Bedeutungsmöglichkeiten abdeckende Definition setzten. Der Begriff Identitätspolitik (identity politics) ist – wie jedes Google-Resultat schnell zeigt – ein „Containerbegriff“, der daher einer entsprechend weit gefassten Erläuterung in der Einleitung bedarf, etwa so weit gefasst wie die Definition in diesem Online-Wörterbuch.--Tfjt (Diskussion) 17:59, 10. Sep. 2018 (CEST)
Auf Google-Resultate würde ich da lieber nicht bauen. Da scheint mir ein Fachlexikon doch geeigneter.--Mautpreller (Diskussion) 20:29, 10. Sep. 2018 (CEST)

Herkunft des Begriffs[Quelltext bearbeiten]

Hier heißt es: Den Begriff „Identitätspolitik“ hat das Combahee River Collective 1977 geprägt. In einem programmatischen Statement verkündete dieses Kollektiv schwarzer, lesbischer Frauen: „Wir glauben, dass die tiefgreifendste und potenziell radikalste Politik direkt aus unserer eigenen Identität kommt.“ Dem sollten wir mal nachgehen. --Jürgen Oetting (Diskussion) 14:38, 10. Feb. 2019 (CET)

Ausführlicher ist die Argumentation vermutlich in Lea Susemichel und Jens Kastner: Identitätspolitiken. Konzepte und Kritiken in Geschichte und Gegenwart der Linken. Unrast-Verlag, Münster 2018, ISBN 978-3-89771-320-8. --Jürgen Oetting (Diskussion) 14:56, 10. Feb. 2019 (CET)

Gut zugängliches und brauchbares Material gibt es ..[Quelltext bearbeiten]

.. jetzt hier. Und dazu eine kritische Rezension. Außerdem Vom Stolz, Arbeiter zu sein Linke Politik war auch im 19. Jahrhundert schon "Identitätspolitik" – im Namen der arbeitenden Klasse. Anmerkungen zu einer geschichtsvergessenen Debatte sowie eine Antwort darauf:„Karl Marx war auch nur ein alter weißer Mann“. Es raschelt mal wieder zum Thema im Blätterwald. Sollten wir dann mal auswerten, Francis Fukuyama neues Buch dann gleich mit. Es ist aber inzwischen so viel Material, dass ich nicht weiß, wie man die Sache angeht. -- --Jürgen Oetting (Diskussion) 19:40, 15. Apr. 2019 (CEST)

Ich denke, dass man im Einleitungssatz mit einer weit genug gefassten Definition/Erläuterung des Begriffs Identitätspolitik (als eine Politik, die Gruppenidentitäten konstruiert oder sie beeinflusst) anfängt. Danach könnte man historische Beispiele von Identitätspolitik darstellen, auch Beispiele von Identitätspolitik, die in Zeiten zurückreichen, als es dafür noch nicht die Bezeichnung Identitätspolitik gab.--Tfjt (Diskussion) 20:22, 15. Apr. 2019 (CEST)
Moin Tfjt, mal sehen. Vielleicht versuche ich einen Artikelausbau bzw. auch Umbau in meinen Benutzernamensraum und kopiere dann das Ergebnis als neue Version rein. Erst will ich aber noch das Fukuyama-Buch ganz durchlesen. Mit dem Gedanken historische Bespiele von Identitätspolitik darstellen, auch Beispiele von Identitätspolitik, die in Zeiten zurückreichen, als es dafür noch nicht die Bezeichnung Identitätspolitik gab habe ich Schwierigkeiten. Sie müssten ja zumindest nachträglich in der Literatur als solche bezeichnet werden, sonst wäre es doch Theoriefindung. Beste Grüße --Jürgen Oetting (Diskussion) 20:29, 15. Apr. 2019 (CEST)
Finde gut, was du vorhast. Der Artikel kann dadurch nur besser werden. Hier für deine Arbeit noch ein interessanter Beitrag zur „Geschichte der Identitätspolitik“ vom Soziologen Jens Petz Kastner (* 1970). Liebe Grüße--Tfjt (Diskussion) 20:37, 15. Apr. 2019 (CEST)
Arranca! wird eventuell nicht als „reputable“ Quelle akzeptiert. Aber Jens Kastner hat auch an anderer Stelle zum Thema publiziert. Das werde ich auswerten. Inzwischen gibt es ja mehr Material zur Sache als zum Zeitpunkt meiner Artikelanlage (überschriebene Weiterleitung am 21. August 2017). Wird dann wohl eine weitgehende Neuformulierung. --Jürgen Oetting (Diskussion) 18:16, 17. Apr. 2019 (CEST)
Und Sammelband direkt zum Thema wird Ende Mai erscheinen: klick. Es ist also mehr als gut, wenn der Artikel von dir ausgearbeitet wird, Jürgen. Louis Wu (Diskussion) 17:36, 21. Apr. 2019 (CEST)
Ohauerha, hab' mich jetzt schon fast fest gelesen. Ist inzwischen viel, was drüber publiziert wird und wurde. Lässt sich kaum noch alles auswerten. Aber die Kritik an der Identitätspolitik ähnelt sich, auch wenn sie nicht immer so drastisch daher kommt, wie schon vor 20 Jahren von Slavoj Žižek: „Identitäts-Politik“ kann jedem Machthaber nur recht sein – sie läßt die wahren Machtverhältnisse unangetastet, ja unerwähnt. --Jürgen Oetting (Diskussion) 17:45, 21. Apr. 2019 (CEST)

Nach den letzten Bearbeitungen ..[Quelltext bearbeiten]

.. durch mich, wirkt der Artikel ein wenig wie eine Collage von Einschätzungen. Aber immerhin sind nun weitere Aspekte genannt. Man kommt kaum nach, der Berg verwertbarer Texte wächst. Unter den Zeitschriftenaufsätzen findet sich viel online zugängliches Material. Mir scheint, dass die kritischen Betrachtungsweisen zunehmen. Was noch fehlt, ist aktuelle europäisch-völkische Identitätspolitik. Wird sich finden. Nur eine Zwischenbemerkung jetzt. Der Artikel wird weiter wachsen. --Jürgen Oetting (Diskussion) 18:09, 22. Apr. 2019 (CEST)