Gerresheimer

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Gerresheimer AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000A0LD6E6
Gründung 1864
Sitz Düsseldorf, Deutschland

Leitung

  • Rainer Beaujean, Sprecher des Vorstands und Finanz-Vorstand[1]
Mitarbeiter 9.749 (31. November 2017)[2]
Umsatz 1.348,3 Mio. (2017)[3]
Branche Verpackungsmittelhersteller
Website gerresheimer.de
Stand: 22. Februar 2018

Die Gerresheimer AG (vormals Gerresheimer Glas AG) mit Sitz in Düsseldorf ist ein börsennotierter deutscher Hersteller von Primärverpackungen aus Spezialglas und Kunststoffen für die Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie. Das Unternehmen hat Standorte in Europa, Amerika und Asien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gerresheimer Glas AG wurde 1864 von Ferdinand Heye, Sohn des Kaufmannes Caspar Hermann Heye (1792–1864), gegründet. Er führte das Unternehmen in Eigenverantwortung bis 1888. In diesem Jahr erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Der Unternehmensname wurde von „Ferd. Heye, Glas-Fabrik, Gerresheim bei Düsseldorf“ in „Actien Gesellschaft der Gerresheimer Glashüttenwerke, vorm. Ferd. Heye, Gerresheim bei Düsseldorf“ umbenannt. Als Heye 1889 starb, trat sein Sohn Hermann im Alter von 23 Jahren in den Vorstand des Unternehmens ein und übernahm 1891 die Geschäftsleitung. 1907 gründete Hermann Heye den „Europäischen Verband der Flaschenfabriken GmbH“. Dieser kaufte die Patentrechte an der Owens-Maschine, der ersten vollautomatischen Flaschenblasmaschine, für Europa auf. Sie kam ab 1908 in Gerresheim zum Einsatz. Hermann leitete das Unternehmen bis zu seinem Tod in 1941. Von da an übernahm sein Schwiegersohn Niels von Bülow die Geschäftsleitung des Glashüttenwerkes, da er nun das älteste Mitglied des Vorstandes war.

1959 übernahm die US-amerikanische Owens-Illinois mit Sitz in Toledo (Ohio) 50,1 % der Aktien und 1971 die qualifizierte Mehrheit an der Gerresheimer Glas AG. Ein Jahr später, im Jahre 1972, wurde die Firma umbenannt in „Gerresheimer Glas AG.“ Ab November 1985 wurde die Gerresheimer Glas AG wieder ein konzernfreies Unternehmen. Neuer Mehrheitseigner wurde die Westdeutsche Landesbank (WestLB), die der Owens Illinois rund 58 % an der Gerresheimer Glas AG abkaufte. Ab 1990 erwarb dann die VIAG eine Mehrheit am Kapital der WestLB. Im April 2000 verkaufte die VIAG im Zuge ihrer Fusion mit VEBA zur Gründung von E.ON ihre Mehrheitsbeteiligung an der Gerresheimer Glas AG an ein von dem Private-Equity-Investor Investcorp[4] geführtes Konsortium. Diese nahm die Gerresheimer Glas schließlich 2003 von der Börse und verkaufte ihre Beteiligung Ende 2004 an die US-Investorengruppe Blackstone.

Ab den 1990er Jahren wurde Gerresheimer schrittweise strategisch neu ausgerichtet. Zuvor war Gerresheimer einer der größten europäischen Hersteller von Bier- und Wasserflaschen. Dieser Geschäftsbereich wurde aufgegeben und das Unternehmen fokussierte sich auf Spezialverpackungen für die Pharma-, Healthcare und Kosmetikindustrie.

1999 verkaufte die Gerresheimer Glas AG die Glashütte Gerresheim zusammen mit fünf anderen Produktionsstandorten an das französische Unternehmen BSN glasspack, einer Tochter des französischen Danone-Konzerns. Im Dezember 2004 erwarb Owens Illinois die BSN glasspack und damit auch die Glashütte Düsseldorf erneut. Im August 2005 schloss das US-Unternehmen Owens Illinois (O-I) die Gerresheimer Glashütte, die vormals der weltgrößte Flaschenproduzent war, nach 141 Jahren.[5] Im Jahre 2012 erwarb die Patrizia Immobilien das Gelände der ehemaligen Glashütte. Die Stadt Düsseldorf und die Patrizia Immobilien setzen auf Wohnungsbau im Glasmacherviertel Düsseldorf.[6]

Im Juni 2007 erfolgte die (Wieder)einführung an die Börse unter dem gekürzten Namen „Gerresheimer AG“. Seit Dezember 2008 ist das Unternehmen im MDAX vertreten.[7] Sitz des Unternehmens ist unverändert Düsseldorf.

2007 erwarb das Unternehmen die Wilden-Gruppe[8], die heute unter dem Namen Gerresheimer Regensburg GmbH und als Medical Plastic Systems zum Geschäftsbereich Plastic & Devices gehört. 2011 erwarb Gerresheimer in Brasilien das Unternehmen Tampas Herméticas Védat, welche heute den Namen Gerresheimer Plásticos São Paulo Ltda.[9] trägt. Im April 2012 übernimmt Gerresheimer das indische Unternehmen Neutral Glass & Allied Industries Pvt. Ltd.[10] mehrheitlich und im Dezember folgt Triveni Polymers Ltd. Pvt., einem Hersteller von Kunststoffverpackungen für den regulierten indischen Markt.[10] Mit fünf Werken in Südamerika, sechs in China, zwei Werken in Indien ist Gerresheimer nun in den schnell wachsenden Schwellenländern vertreten.

Im September 2015 kaufte Gerresheimer Centor.[11]

Im November 2015 verkaufte Gerresheimer sein Röhrenglasgeschäft an das amerikanische Unternehmen Corning Inc. Zusätzlich haben Gerresheimer und Corning ein Joint-Venture gegründet.

Zum 1. November 2016 verkaufte Gerresheimer seine Laborglassparte Kimble Chase (Joint Venture zwischen Gerresheimer und Chase Scientific Inc) mit Verwaltungssitz in Rockwood, Tennessee/USA an die Duran Gruppe, eine Beteiligungsgruppe von One Equity Partners.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerresheimer fertigt Spezialprodukte aus Glas und Kunststoff für internationale Pharma-, Healthcare-, Kosmetik- und Lebensmittelhersteller. Dazu gehören Arzneimittelfläschchen, Medikamenten-Verabreichungs-Systeme, Spritzensysteme, Insulin-Stifte, Inhalatoren, Parfüm-Flakons, Cremetiegel und Spirituosenfläschchen. Die Unternehmensgruppe erwirtschaftete 2016 an ihren Standorten in Europa, Amerika und Asien einen Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro und beschäftigte rund 10.000 Mitarbeiter.

Zielgruppe von Gerresheimer ist die Pharma- und Healthcare-Industrie, die es als Komplettanbieter mit Primärverpackungsmitteln aus Glas und Kunststoff sowie mit Produkten zur Verabreichung von Medikamenten beliefert. Außerdem stellt Gerresheimer Kosmetikverpackungen sowie Glasbehälter für Spezialsegmente der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie her.

Der Umsatz sank im Geschäftsjahr 2017 (1. Dezember 2016 bis 30. November 2017) um 1,8 Prozent auf 1.348,3 Mio. Euro.

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerresheimer ist ein international agierendes Unternehmen mit zahlreichen Standorten. Gerresheimer besitzt Werke in Amerika, Asien und Europa.

Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Umsatz* Adjusted EBITDA Jahresüberschuss* Mitarbeiter
2008 1.060,1 206,4 4,5 10.177
2009 1.000,2 185,9 7,0 9.343
2010 1.024,8 204,5 46,7 9.475
2011 1.094,7 217,3 54,4 10.212
2012 1.219,1 239,9 68,3 10.952
2013 1.265,9 249,8 68,5 11.239
2014 1.290,0 253,4 72,9 11.096
2015 1.282,9 262,6 112,7 10.684
2016 1.375,5 307,8 168,2 9.904
2017 1.348,3 310,8 103,1 9.749 * in Mio. EUR

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Funktion Geschäftsbereich Mitglied seit
Rainer Beaujean Sprecher des Vorstands Finanz-Vorstand 2012
Andreas Schütte Vorstandsmitglied Plastics & Devices 2009
Lukas Burkhardt Vorstandsmitglied Primary Packaging Glass 2018

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruno Kammann: Gerresheimer Glas, Geschichte einer Weltfirma (1864–2000). Ein Beitrag zur Wirtschafts-, Sozial- und Stadtgeschichte Düsseldorfs. Klartext Verlag, Essen 2007, ISBN 978-3-89861-782-6.
  • Peter Henkel: Industriepfad Düsseldorf-Gerresheim. Droste, Düsseldorf 2009, ISBN 978-3-7700-1318-0.
  • Peter Henkel: 150 Jahre Glashütte Gerresheim. Droste, Düsseldorf 2014, ISBN 978-3-7700-1533-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dr. Christian Fischer tritt als Vorstandsvorsitzender der Gerresheimer AG zurück. In: Gerresheimer.com. Vom 5. Februar 2018, abgerufen am 6. Februar 2018.
  2. Geschäftsbericht 2017
  3. Gerresheimer AG: Geschäftsbericht 2017. Abgerufen am 22. Februar 2017 (PDF).
  4. siehe auch: Investcorp auf der englischen Wikipedia
  5. Glashütte Gerresheim: Totgesagte leben länger auf vdi-nachrichten.com.
  6. Ehemalige Glashütte – 1400 Wohnungen auf rp-online.de.
  7. Gerresheimer AG: Gerresheimer steigt in den MDAX auf. 4. Dezember 2008, archiviert vom Original am 12. März 2014; abgerufen am 10. April 2010. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gerresheimer.com
  8. Gerresheimer kauft Wilden Gruppe auf neue-verpackung.de.
  9. Gerresheimer acquires Brazilian pharmaceutical plastic packaging company Védat (Memento des Originals vom 15. August 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gerresheimer.com auf gerresheimer.com.
  10. a b Gerresheimer erwirbt den indischen Hersteller von pharmazeutischen Kunststoffverpackungen Triveni (Memento des Originals vom 12. März 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gerresheimer.com auf gerresheimer.com.
  11. https://www.gerresheimer.com/news-events/corporate-news/show/gerresheimer-mit-gutem-drittem-quartal-centor-uebernahme-abgeschlossen-1.html