Aurubis

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Aurubis AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0006766504
Gründung 1866 (als Norddeutsche Affinerie AG bis 2009)
Sitz Hamburg, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl 6.853[1]
Umsatz 10,76 Mrd. Euro (2018/19)[1]
Branche Rohstoffe
Website www.aurubis.com
Stand: 11. Dezember 2019

Standorte der Aurubis AG
Werk Hamburg – Luftaufnahme
Anodenschlammverarbeitung
Stranggusslager mit Blick auf die Harrisanlage
Aurubis-Kupfer nach dem Strangguss-Verfahren hergestellt

Die börsennotierte Aurubis AG (ehemals Norddeutsche Affinerie) mit Sitz in Hamburg ist einer der weltgrößten Kupferproduzenten sowie Kupferwiederverwerter. Nach der Übernahme des belgischen Kupferproduzenten Cumerio durch die Norddeutsche Affinerie AG im Jahr 2008 firmiert das Unternehmen seit April 2009 als Aurubis. Das Unternehmen produziert jährlich über eine Million Tonnen Kupferkathoden, stellt daraus diverse Kupferprodukte her und beschäftigt dazu rund 6.500 Mitarbeiter.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aurubis ging aus mehreren Zusammenschlüssen anderer Unternehmen hervor. Der früheste bekannte Vorläufer ist die Firma Beit, Marcus und Salomon, Gold- und Silberscheider, die 1783 zum ersten Mal im Hamburger Kaufmannsalmanach benannt wurde. Dieses Unternehmen verhüttete zunächst Münzen und Edelmetall-Legierungen. Im Laufe der Zeit verschob sich die Produktion zur Verhüttung von Erzen. Nachdem die Hamburger Reeder ab etwa 1830 begannen, auf den Rückfahrten ihrer Auswandererschiffe von Nord- oder Südamerika Kupfererz mitzubringen, ergab sich ein lukrativer Markt. Im Jahr 1846 beteiligte sich Joh. Ces. Godeffroy & Sohn unter Johan Cesar Godeffroy (1813–1885) an der Beit, Marcus und Salomon, Gold- und Silberscheider unter Ferdinand Beit (1817–1870).[2] Das gemeinsame Unternehmen nannte sich Elbkupferwerk. Es verarbeitete Kupfererze, die eigene und fremde Schiffe aus Südamerika, hauptsächlich aus Chile, im Hamburger Hafen anlandeten.[3]

Der Konjunkturaufschwung führte 1856 zur Gründung der Elbhütten-Affinier- und Handelsgesellschaft, wobei das Elbkupferwerk und das Beit'sche Stammwerk, ein Unternehmen von Marcus Solomon Beit[4], zusammengeführt wurden. Diese produzierte rund 3000 Tonnen Kupfer pro Jahr. Nachdem die Norddeutsche Bank das Beit'sche Stammwerk übernommen hatte, gründete sie am 28. April 1866 die Norddeutsche Affinerie AG.

Seit 1910 produziert die Norddeutsche Affinerie Kupfer auf der Peute, einem Industriegebiet in Hamburg-Veddel. Ihre Produktionsanlagen nehmen einen Großteil des dortigen Industriegebiets ein.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten mussten mit Richard Merton, Julius Levisohn und Heinrich Wohlwill drei Personen jüdischer Abstammung aus dem Vorstand zurücktreten.[5]:40 Die Norddeutsche Affinerie erlebte in diesen Jahren einen massiven Aufschwung: Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs deckte die Firma die Hälfte des deutschen Kupferverbrauchs und beschäftigte etwa 1450 Menschen.[5]:37 Ab 1940 war die Norddeutsche Affinerie an der Verarbeitung von Raubgold beteiligt, das im Rahmen der Leihhausaktion von jüdischen Besitzern erpresst worden war.[5]:40 Bereits ein Jahr zuvor übernahmen mit Wilhelm Avieny von der Metallgesellschaft und Hermann Schlosser von der Degussa zwei Personen leitende Funktionen im Aufsichtsrat, die auf enge Weise mit der nationalsozialistischen Politik verbunden waren.[5]:39 Während des Weltkriegs war die Norddeutsche Affinerie wichtiger Zulieferer für die Munitionsindustrie und setzte in der Produktion Zwangsarbeiter ein. Zu Höchstzeiten im Juli 1944 waren von insgesamt rund 1900 Beschäftigen 806 Zwangsarbeiter.[5]:41

Seit Mai 2007 ist Aurubis durch eine so genannte virtuelle Kraftwerksscheibe – eine gesellschaftsrechtliche Beteiligung in Höhe von 115 MW – am Kohlekraftwerk Moorburg, das Vattenfall Europe in Hamburg-Moorburg für importierte Steinkohle errichtet hat, beteiligt.[6] Durch einen langfristigen Liefervertrag, dessen Preisstellung sich an den Erzeugungskosten des entsprechenden Kraftwerks orientiert, wird Aurubis von Vattenfall bis 2040 pro Jahr eine Milliarde Kilowattstunden Strom beziehen.

Im Februar 2008 hatte die Norddeutsche Affinerie nach einer langen Auseinandersetzung mit A-Tec Industries über 91 % des belgischen Kupferbearbeiters Cumerio übernommen. Im April 2008 wurde durch einen Squeeze-out die Komplettübernahme von Cumerio vollzogen.[7] Im Februar 2009 beschloss die Hauptversammlung der Norddeutschen Affinerie AG mit Wirkung vom 1. April 2009 die Umbenennung der Gesellschaft in Aurubis AG. Der Name Aurubis wurde in Anlehnung an die lateinischen Wörter für Gold und Rot gewählt, um die Bedeutung des Kupfers als Metall von außergewöhnlichem Wert („rotes Gold“) hervorzuheben. Das Firmenlogo blieb dagegen unverändert.[8] Zeitgleich hat sich Prymetall GmbH & Co. KG in Aurubis Stolberg GmbH & Co. KG umbenannt.

2011 vollzog Aurubis die Akquisition der früheren Luvata Rolled Products Division. Aurubis verfügt nun über 16 Produktionsstandorte, vier Dienstleistungszentren und ein ausgedehntes Vertriebssystem für Kupferprodukte. Die Europäische Kommission hat nach der Fusionskontrolle am 6. Februar 2019 die geplante Übernahme der Walzproduktsparte von Aurubis und des Gemeinschaftsunternehmens Schwermetall Halbzeugwerk durch die Wieland Gruppe mit Sitz in Ulm untersagt. Die zuständige Kommissarin für Wettbewerb in der Europäischen Union, Margrethe Vestager, sieht, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb verringern und die Preise für die von europäischen Herstellern genutzten Kupferwalzprodukte nach oben treiben würde.[9]

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kerngeschäft ist die Kupferraffination zur Gewinnung von Kupferkathoden aus Kupferkonzentraten, Altkupfer und Recyclingstoffen. Daran schließt sich die Weiterverarbeitung zu Gießwalzdraht, Stranggussformaten, Walzprodukten und Kupferlegierungen an. Edelmetalle sind ebenfalls ein wichtiger Produktbereich von Aurubis. Als weitere Spezialprodukte erzeugt und vermarktet der Aurubis-Konzern alle wichtigen Begleitelemente aus der Kupfererzeugung. Daraus werden unter anderem Schwefelsäure und Eisensilikatgestein hergestellt. Zu den Kunden zählen Unternehmen der Kupferhalbzeugindustrie, der Elektro-, Elektronik- und der Chemieindustrie sowie Zulieferer für die Branchen Erneuerbare Energien, Bau- und Automobilindustrie.

Aktionärsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aktie der Aurubis gehört dem Prime-Standard-Segment der Deutschen Börse an und ist Bestandteil der Börsenindices MDAX, STOXX Europe 600 und Global Challenges Index (GCX). Mit einem Anteil von 25 % des Grundkapitals der Gesellschaft, ist die Salzgitter AG Ankerinvestor von Aurubis. Die übrigen 75 % der stimmberechtigten Aktien gelten als Streubesitz. Anteile aller meldepflichtigen Aktionäre siehe Tabelle:

Anteil
(in Prozent)
Anteilseigner[10]
25,00 Salzgitter AG
4,87 Allianz Global Investors
3,09 Silchester International Investors
3,01 Dimensional Holdings Inc.

Stand: 9. Mai 2019

Umweltbelastung und Gegenmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aurubis gilt als der stärkste Schwermetallemittent im norddeutschen Raum.

1985 kam es zum Arsenskandal, als bekannt wurde, dass sich im Osten Hamburgs, besonders in den landwirtschaftlich genutzten Bereichen, Schwermetalle in den Böden angereichert hatten. Zum Skandal wurde es durch die Verheimlichung der Hamburger Behörden. Die Umweltschutzgruppe Physik-Geowissenschaften zeigte mit eigenen Wasser- und Bodenproben, dass sich Arsen, Cadmium, Kupfer, Zink und andere Schwermetalle im Hafenschlick vor dem Werk stark angereichert hatten und noch 2005 aus Rissen und Spalten der Kaianlage in die Elbe gelangten. Auch wurden besonders Arsen und Cadmium in den Abwassereinleitungen und in der Abluft der Essen nachgewiesen.[11][12][13][14]

Im Anschluss an den Skandal schloss Aurubis mit der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt auf freiwilliger Basis fünf Verträge zur Verbesserung des Umweltschutzes und zur Steigerung der Energieeffizienz. Im Februar 2011 wurde eine sechste Emissionsminderungsvereinbarung zwischen Aurubis und der Stadt geschlossen, die Umweltschutzmaßnahmen mit Investitionen von rund 20 Millionen Euro und eine Laufzeit bis 2016 hatte.

Im Jahre 1989 kam es in Rastatt durch die mittlerweile geschlossene Tochter Fahlbusch zu einem Dioxinskandal. Auf dem Gelände und Umgebung wurden Dioxinkonzentration von mehr als 1000 ng/kg gemessen, die Höchstmengen reichten bis zu 7926 ng/kg. In jeder zehnten Probe fand sich das aus dem Sevesounglück bekannte 2,3,7,8-Tetrachlordibenzoparadioxin (TCDD) mit Konzentrationen von 19 bis immerhin 465 ng/kg, also mehr als seinerzeit in der "toten Zone" in Oberitalien.[15]

Seit dem Jahr 2000 betrugen die Maßnahmen zur Verbesserung des Umweltschutzes im Bereich der Kupfererzeugung mehr als 590 Mio. Euro.[16] Das sind 0,6 % des in diesem Zeitraumes erwirtschafteten Umsatzes und 39,25 % des in diesem Zeitraum erwirtschafteten Gewinns (99,155 Mrd. Gesamtumsatz und 1,503 Mrd. Gewinn).[17]

Organe der Aurubis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorstand setzt sich zusammen aus:[18]

  • Roland Harings (Vorstandsvorsitzender seit 1. Juli 2019)
  • Rainer Verhoeven (Vorstand Finanzen seit 1. Januar 2018)
  • Thomas Bünger (Technischer Vorstand seit 1. Oktober 2018)
  • Heiko Arnold (Vorstand Operations seit 15. August 2020)

Aufsichtsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Personen gehören zum Aufsichtsrat:[19]

  • Fritz Vahrenholt (seit 26. November 1999, Vorsitzender seit 1. März 2018)
  • Heinz Jörg Fuhrmann (seit 5. Januar 2009)
  • Karl Friedrich Jakob (seit 1. März 2018)
  • Stephan Krümmer (seit 1. März 2018)
  • Sandra Reich (seit 28. Februar 2013)
  • Andrea Bauer (seit 22. Juni 2018)
  • Stefan Schmidt (seit 1. März 2018, stellvertretender Vorsitzender seit 12. Juni 2019)
  • Deniz Acar (seit 3. Mai 2019)
  • Jan Koltze (seit 3. März 2011)
  • Elke Lossin (seit 1. März 2018)
  • Christian Ehrentraut (seit 3. Mai 2019)
  • Melf Singer (seit 1. März 2018)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aurubis AG (Hrsg.): Cu 150.0 Tradition · Kompetenz · Innovation. 1866–2016. Die Geschichte des Kupferkonzerns. August-Dreesbach-Verlag, München, ISBN 978-3-944334-70-7. (online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Aurubis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Aurubis AG: Geschäftsbericht 2018/19. Abgerufen am 13. Mai 2020.
  2. Ferdinand Beit war Mitbegründer der BASF und Onkel von Alfred Beit.
  3. Eric Zinnow: Die Beit-Chronik. Würzburg 1995, Handschrift Staatsarchiv Hamburg.
  4. Norddeutsche Affinerie AG Von der Peute in alle Welt, Handelskammer Hamburg, abgerufen am 6. Januar 2012.
  5. a b c d e Aurubis AG: Cu 150.0 Tradition, Kompetenz, Innovation : 1866-2016, die Geschichte des Kupferkonzerns. August Dreesbach Verlag, München 2016, ISBN 978-3-944334-70-7 (aurubis.com [PDF; abgerufen am 15. Mai 2020]).
  6. Gemeinsame Pressemitteilung NA, Hamburg, Berlin, den 4. Mai 2007 (Memento des Originals vom 21. Februar 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.aurubis.com
  7. Cumerio verlässt die Börse. In: Manager-Magazin. 15. April 2008.
  8. Aus Norddeutsche Affinerie und Cumerio wird Aurubis. Abgerufen am 11. Dezember 2018.
  9. Fusionskontrolle: Kommission untersagt geplante Übernahme der Aurubis-Walzproduktsparte und des Gemeinschaftsunternehmens Schwermetall durch Wieland. In: europa.eu. 6. Februar 2019, abgerufen am 6. Februar 2019 (deutsch).
  10. BaFin - Bedeutende Stimmrechtsanteile nach § 33, § 38 und § 39 des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG). Abgerufen am 14. Juni 2019.
  11. Umweltschutzgruppe Physik-Geowissenschaften: Wasser in Hamburg – Giftig Salzig Dreckig Stinkig. Hamburg 1981.
  12. Umweltschutzgruppe Physik-Geowissenschaften: Wasser in Hamburg 2. Hamburg 1983.
  13. Umweltschutzgruppe Physik-Geowissenschaften: Glänzende Geschäfte, Umwelt hin – Geld her. Hamburg 1985.
  14. Umweltschutzgruppe Physik-Geowissenschaften: Wasser in Hamburg 3. Hamburg 1988.
  15. Dioxin - Tote Zone. In: Der Spiegel. Band 23/1989. Spiegel GmbH, 5. Juni 1989 (Online [abgerufen am 11. Juli 2018]).
  16. Aurubis Umwelterklärung 2019. (PDF) Abgerufen am 3. Juli 2020.
  17. Akkumulierte Daten aus Geschäftsberichten der Aurubis AG 2019/2018, 2013/2014, 2011/2012, 2009/2010, Seite 167, 2004|2005, Seite 123-124. Abgerufen am 3. Juli 2020.
  18. Der Vorstand der Aurubis AG. Abgerufen am 14. Mai 2019.
  19. Management von Aurubis. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.aurubis.com. Archiviert vom Original am 5. August 2016; abgerufen am 23. März 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.aurubis.com

Koordinaten: 53° 31′ 7″ N, 10° 2′ 27″ O