Geschichte der Jungdemokraten

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Die Jungdemokraten sind ein radikaldemokratischer Jugendverband, der 1919 gegründet wurde, in der Nachkriegszeit bis 1982 den Jugendverband der FDP darstellte und seitdem parteiunabhängig arbeitet.

Im ersten Halbjahr 2018 löste sich der Bundesverband JD/JL auf,[1] nachdem es in den Jahren zuvor zu einem deutlichen Rückgang an Aktiven und Mitgliedern gekommen war.

Weimarer Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lilo Linke bei einem Ausflug der Berliner Jungdemokraten zum Wannsee, Sommer 1928

Die Jungdemokraten wurden auf dem Demokratischen Jugendtag vom 25. bis 27. April 1919 als Reichsbund der Deutschen Demokratischen Jugendvereine gegründet. 1928 nannten sie sich dann in Reichsbund der Deutschen Jungdemokraten um. Die Jungdemokraten wurden damals als ein der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) nahestehender Jugendverband gegründet.

Die DDP verlor jedoch zunehmend Wähler und rückte zum Ende der Weimarer Republik immer weiter nach rechts. 1930 fusionierte die DDP schließlich mit dem rechten Jungdeutschen Orden (JungDO) zur Deutschen Staatspartei. Die Linken innerhalb der DDP widersetzten sich erbittert der Vereinigung und gründeten im gleichen Jahr die Radikaldemokratische Partei. Dort arbeiteten führende Jungdemokraten dieser Zeit mit, jedoch mit wenig Erfolg. Unterstützt wurde die Radikaldemokratische Partei unter anderem von Ludwig Quidde. Weitere bekannte Mitglieder der Jungdemokraten waren damals Ernst Lemmer, Julie Meyer, Erich Lüth, Thomas Dehler, die Schriftstellerin Lilo Linke, die Schauspielerin Inge Meysel, die späteren Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Ernst Strassmann und Hans Robinsohn und der spätere deutsche Bundespräsident Gustav Heinemann. Um einer Zwangsvereinigung mit der Hitlerjugend zu entgehen, beschlossen die Jungdemokraten 1933 ihre Selbstauflösung.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1947 gründeten sich die Jungdemokraten unter dem Namen „Deutsche Jungdemokraten“ (DJD) als Jugendverband der FDP neu. Es war damals die Idee Thomas Dehlers, wieder den Namen Jungdemokraten zu verwenden. Es sollte so direkt an die Geschichte der linksliberalen Jungdemokraten der Weimarer Republik angeknüpft werden. Im ersten Jahrzehnt nach dem Krieg waren die Jungdemokraten in einigen Landesverbänden weniger fortschrittlich als der LSD (Liberaler Studentenbund Deutschlands) positioniert.

Während die baden-württembergischen, bayerischen, Hamburger, Berliner und Bremer Jungdemokraten sehr früh Einfluss auf eine sozialliberale Orientierung der FDP nahmen, kämpften die DJD in Nordrhein-Westfalen in den sechziger Jahren bis vor Gericht mit alten Nationalsozialisten und Nationaldemokraten um den Kurs der Partei. Während Teile der Jungdemokraten noch 1961 zur Sonnenwendfeier am Hermannsdenkmal nationalistische Reden führten, stützten Gerhart Baum, Günter Verheugen und andere ab den sechziger Jahren nachdrücklich jene Öffnung der FDP nach links, die schließlich zur Bildung der sozial-liberalen Koalition im Jahr 1969 und den maßgeblich von Werner Maihofer erstellten Freiburger Thesen führte, welche die Partei 1971 beschloss. Die Jungdemokraten waren entscheidend an der Formulierung fortschrittlicher Programmatik der FDP beteiligt, einer Reform des Erbrechts und Bodenrechts, den „Stuttgarter Leitlinien einer liberalen Bildungspolitik“ mit der „offenen Gesamtschule“ von 1972, formulierten das „Liberalen Manifest für Emanzipation“ (1973) und setzten das sogenannte „Kirchenpapier“ zur Trennung von Kirche und Staat (1974) durch. Mit einer Stimme unterlagen sie bei der Entscheidung über eine Mitbestimmung mit einem entscheidenden Stimmrecht für die leitenden Angestellten.

Ein besonders wichtiges Thema war für die Jungdemokraten die Ostpolitik. So nahm der Bundesvorsitzende Wolfgang Mischnick bereits 1954 am „Deutschlandtreffen“ der FDJ in Berlin teil und führte politische Gespräche. 1959 nahm der LSD an den Weltjugendfestspielen in Wien teil. 1962 forderten die Jungdemokraten die Aufgabe der Hallstein-Doktrin, nach der die Bundesrepublik mit jedem Staat die diplomatischen Beziehungen aufkündigte, der solche zur DDR aufnahm. 1963 forderten die Jungdemokraten normale politische Beziehungen zu allen Ostblockstaaten, die Zulassung von Zeitschriften aus der DDR und nahmen an den Weltjugendfestspielen 1965 teil. Unter dem Bundesvorsitzenden Baum nahmen sie offiziell Kontakte mit dem sowjetischen Jugendverband KMO auf. Wesentliche Prinzipien der Ostpolitik der späteren sozialliberalen Koalition wie „Wandel durch Annäherung“ wurden von den Jungdemokraten entwickelt und von Walter Scheel als Außenminister ab 1969 umgesetzt.

Unter dem Einfluss der Studentenbewegung bewegten sich die Jungdemokraten für ihre Verhältnisse vergleichsweise radikal nach links. Im Gegensatz zu den damaligen Jungsozialisten gab es in der DJD-Satzung keine Koppelung an Parteimitgliedschaft, die FDP wurde als lediglich „parlamentarischer Ansprechpartner“ festgehalten. Dies führte dazu, dass weniger als die Hälfte der Mitglieder auch der FDP angehörten.

Parallel dazu orientierte sich der FDP-nahe Liberale Studentenbund Deutschlands (LSD) während der Studentenbewegung nach links, trennte sich von der FDP, zerbrach jedoch schon 1969 an den inneren Widersprüchen, weil er als Verband bürgerlicher Intellektueller mit Forderungen nach grundlegender Umgestaltung des Wirtschafts- und Gesellschaftssystems nicht übereinstimmte. Der Liberale Hochschulverband (LHV) gründete sich als Nachfolgeverband 1972 und wurde auf dem Bundesparteitag der FDP 1978 in Mainz als Studentenorganisation in der Parteisatzung verankert. Wie die Jungdemokraten kämpfte der LHV gegen die 1977 durch die „Wirtschaftskommission“ unter Otto Graf Lambsdorff eingeleitete programmatische Rückwärtsentwicklung der FDP vom sozialen zum Wirtschaftsliberalismus. In den Vereinigten Deutschen Studentenschaften (VDS), der Dachorganisation der politischen Studentenverbände, bildete der LHV mit den JuSo-Hochschulgruppen wechselnde Koalitionen mit den undogmatisch linken „Basisgruppen“ und den marxistisch orientierten und DKP-nahen MSB Spartakus und dem Sozialistischen Hochschulbund, der von der SPD durch die JuSo-Hochschulgruppen ersetzt wurde und organisierte Streiks und dezentrale Aktionen gegen Studienverschärfungen, Numerus clausus, Berufsverbote und Stellenabbau an den Hochschulen.

Schon in den 1970er Jahren kam es zu einzelnen Versuchen, gegen die Jungdemokraten „Junge Liberale“ als parteikonforme Konkurrenzorganisation zu gründen. Splittergruppen nannten sich auch der Sozial Liberale Jugend (SLJ) oder Sozialliberaler Hochschulverband (SLH), der in Tübingen vom Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) finanziert wurde.

Sozialliberale Koalition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jungdemokraten arbeiteten seit der Regierungsablösung von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger durch Willy Brandt („mehr Demokratie wagen“) und Walter Scheel auch im parlamentarischen Bereich verstärkt mit. Diese wenigen Jahre prägten das neue Selbstverständnis der DJD. In ihrem „Leverkusener Manifest“ hatten sie festgeschrieben, dass Macht und Herrschaft gebrochen bzw. kontrolliert werden müssen, dabei marxistische Ansätze entwickelt und einbezogen.

Die Jungdemokraten vertraten seit 1967 zunehmend die „Strategie der beiden Wege“: Bei den Jusos wurde diese Strategie später als „Doppelstrategie“ bekannt. Das bedeutete: Auf parlamentarischer Ebene präsent sein, jedoch gleichermaßen "Basisarbeit" zu betreiben, um Machtverhältnisse grundlegend zu knacken. Danach sollte einerseits in den Institutionen – also FDP, Gewerkschaften etc. – gehandelt und andererseits im außerparlamentarischen Raum (APO) gewirkt werden.[2] 1970 wird im Bonner Manifest der DJD „… die Strategie der beiden Wege“ kritisiert, denn sie habe „nur den praktizierenden Vorrang der Bemühungen um die F.D.P. verschleiert“ „und der andere Weg beschränke sich im Wesentlichen auf verbalradikale Proteste.“[3] Im Bonner Manifest wird der Kapitalismus abgelehnt und dem „Sozialismus gegenüber dem Liberalismus“ – der Idee aber nicht der Praxis nach – der Vorzug eingeräumt. Bundesvorsitzender Heiner Bremer fordert moderat: „Es darf den Rückzug der DJD aus den täglichen sozialen Konflikten nicht geben, weil die DJD dadurch die Möglichkeit verlieren, sich größere Gruppen als Verbündete im Kampf um auch nur geringfügige Verbesserungen vertraut zu machen und weil sie sich dadurch letztlich isolieren.[4] Umso mehr die FDP sich in den folgenden Jahren zu einer liberalen Wirtschaftspartei wandelte, trat ebenfalls diese Isolierung dann auch ein.

In diese Zeit fiel der Parteiausschluss des damaligen Juso-Bundesvorsitzenden Benneter, der die Gesellschaftsordnung als „staatsmonopolistischen Kapitalismus“ (Stamokap) klassifizierte. Just hatten 1972 die DJD erstmals eine Frau zur Bundesvorsitzenden gewählt: Ingrid Matthäus. Matthäus’ Nachfolger machten es der FDP nicht leichter, insbesondere Christoph Strässer. Für ein bundesweites Echo sorgten die Berliner Judos 1977 mit dem Abdruck des sog. Buback-Nachrufs in ihrem Verbandsorgan Blatt[5] (das sie dann ab 1999 gemeinsam mit der Marxistischen Jugendvereinigung Junge Linke herausgaben)[6]. Schon Ende der 1970er Jahre war den Jungdemokraten klar, dass die damalige FDP geprägt von Graf Lambsdoff, Josef Ertl und Hans-Dietrich Genscher mit Kanzler Helmut Schmidt nicht weitermachen wollte. Auch den DJD gefiel die Regierungspolitik unter Schmidt nicht besonders (etwa der berüchtigte Pershing-Nachrüstungsbeschluss). Die Jungdemokraten bereiteten sich deshalb schon Jahre zuvor auf eine Trennung von der FDP vor.

Der in der Parteibasis nicht abgesprochene Koalitionswechsel der FDP am 1. Oktober 1982 (Sturz der SPD/FDP-Regierung durch CDU/CSU/FDP) war das längst erwartete Signal. Daraufhin beschloss die Bundeskonferenz der Jungdemokraten in Bochum am 27. November 1982 einstimmig die Trennung von der FDP – durch Streichung der FDP als parlamentarischen Ansprechpartner aus der eigenen Satzung.

Schon zwei Jahre zuvor hatte sich ein konkurrierender, frisch gegründeter Jugendverband vergeblich darum bemüht, von der FDP als Ersatz-Jugendverband anerkannt zu werden: Die Jungen Liberalen. Hier sammelten sich zuerst auffällig junge Menschen mit Nationalpathos. Ihr nächster Bundesvorsitzender, eine Karriere in der FDP absolvierend, hieß dann Guido Westerwelle. Er und die „Julis“ wurden von der FDP begrüßt, als diese ihren Jugendverband DJD verloren hatte.

Die Jungdemokraten initiierten zunächst die Gründung der Liberalen Demokraten (LD). Die bisherigen linksliberalen Mandatsträger der FDP, ebenfalls über die FDP-Wende empört, konnten sich aber nicht zum Schritt einer alternativen Parteigründung entschließen. Der ehemalige Innenminister Gerhart Baum, Hildegard Hamm-Brücher oder Friedrich Hölscher verblieben in der FDP. Sie setzten auf eine erhoffte „Rückbesinnung“ in der FDP, auch wenn die beim folgenden Berliner Bundesparteitag der FDP gründlich misslang: Da wurde die Wende zu und mit Helmut Kohl nach erbitterten Diskussionen mehrheitlich anerkannt.

Stattdessen glaubten die meisten linksliberalen Parlaments-Mandatsträger, mit einer „Liberalen Vereinigung“ die FDP retten zu können, darunter auch der ehemalige nordrhein-westfälische Jungdemokrat Günter Verheugen. So versuchten die DJD ohne deren Unterstützung die Liberalen Demokraten zu etablieren, als gezielter Versuch, die FDP zu spalten und deren fortschrittlichen Teil der Mitglieder und Wähler abzugraben. Erster Bundesvorsitzender der LD wurde Ulrich Krüger. Bald wurde klar, dass die Liberalen Demokraten, trotz ihrer überregionalen Prominenz, bei den nächsten Bundestagswahlen kaum über den Status einer Splitterpartei hinaus kämen.

Mitte der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre arbeiteten die Jungdemokraten relativ eng mit Grünen zusammen. Mit dauerhafter Unentschlossenheit dieser Partei, der zunehmenden Professionalisierung grüner Parteiarbeit wuchs die Sehnsucht nach einer eigenen Parteijugendorganisation, die in die Gründung der Grünen Jugend mündete. Diese Etablierung lockerte die Zusammenarbeit mit den Jungdemokraten. Einige Jungdemokraten, wie z. B. Claudia Roth, und Roland Appel konnten bei den Grünen später zu hauptberuflichen Politikern aufsteigen. Andere, wie etwa der damalige baden-württembergische DJD-Landesvorsitzende Jürgen Gneitig, betrieben die Auflösung des Verbandes zugunsten der Grünen.

Wendezeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wende in der DDR kam es ab Frühjahr 1990 zur Zusammenarbeit mit der Marxistischen Jugendvereinigung Junge Linke. Zusammen entwickelte man das Konzept eines parteiunabhängigen, radikaldemokratischen linken Jugendverbandes und strebte eine Fusion an. Auf einer gemeinsamen Bundesdelegiertenkonferenz im März 1992 schlossen sich die DJD und die MJV Junge Linke schließlich unter dem Namen Jungdemokraten/Junge Linke (JD/JL) zusammen. Im Zuge dessen wurde für eine Übergangszeit eine Ost-West-Parität in allen Gremien festgeschrieben. Zu gleichberechtigten Vorsitzenden wählten die Delegierten Steffen Gerbsch (Bad Kreuznach) und Alexander Weiß (Berlin-Ost).[7]

Zwischen 1990 und 1994 gehörten mehrere Mitglieder des MJV Junge Linke als Teil der Fraktion Linke Liste/PDS dem Sächsischen Landtag an. Später waren einige ehemalige Mitglieder von JD/JL über die PDS bzw. Die Linke in verschiedenen Landtagen vertreten, darunter z. B. Benjamin-Immanuel Hoff, Steffen Zillich (beide Berlin) oder Heike Werner (Sachsen). Dem 19. Deutscher Bundestag gehören mit Matthias W. Birkwald, Pascal Meiser (beide Die Linke), Claudia Roth (B’90/Grüne) und Wolfgang Kubicki (FDP) vier ehemalige Jungdemokraten an, wobei letztere das Amt des Vizepräsidenten bekleiden.

Heute sind JungdemokratInnen/Junge Linke parteiunabhängig bzw. -übergreifend im linken Spektrum positioniert und stehen politisch inzwischen links der Linkspartei. Von rein sozialistischen Positionen grenzen sie das Bekenntnis zur Radikaldemokratie ab.

Abspaltung der Antinationalen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1990er Jahren beherrschte die Debatte zwischen dem radikaldemokratischen und dem antinationalen Flügel die Verbandsarbeit. 1999 verließen schließlich die Antinationalen den Verband und gründeten die Junge Linke gegen Kapital und Nation, die anfangs vor allem in Niedersachsen, Berlin, Bremen, Hamburg und Thüringen aktiv war.

Reichs- und Bundesvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amtszeit Vorsitzende(r)
Weimarer Republik
1919–1920 Max Wiessner
1920–1923 Heinrich Landahl
1923 Werner Fischl
1923–1930 Ernst Lemmer
1930–1933 Hellmuth Jäger
Bundesrepublik
1947–1949 Nicolaus Schücking
1949–1952 Theodor Barfuß
1952–1954 Arnold Hoffmeister
1954–1957 Wolfgang Mischnick
1957–1958 Hermann Dürr
1958–1962 Gerhard Daub
1962–1964 Günther Kastenmeyer
1964–1966 Karl Holl
1966–1968 Gerhart Baum
1968–1970 Wolfgang Lüder
1970–1972 Heiner Bremer
1972–1974 Ingrid Matthäus
1974–1976 Theo Schiller
1976–1978 Hanspeter Knirsch
1978–1981 Christoph Strässer
1981–1983 Werner Lutz
1983–1985 Martin Budich
1985–1987 Dagmar Everding[8]
1987–1989 Ernst-Christoph Stolper
1989–1991 Markus Büchting
1991–1992 Frank-Oliver Sobich[9]

Bekannte DJD-Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Zeit des politischen Umbruchs der Jungdemokraten in der Zeit von 1967 bis etwa 1982 gab es Persönlichkeiten, die nach ihrer Jungdemokratenzeit bundesweit einen erheblichen beruflichen oder politischen Aufstieg hatten. Viele verließen spätestens 1982 die FDP und waren in der SPD oder bei den Grünen wieder zu finden. Einige sind heute bei der Linken, ganz wenige noch in der FDP oder sogar in einem rechtsliberalen Lager. Nachfolgend werden bekanntere DJD-Mitglieder aus dieser Zeit und ihre besonderen Karriereschritte als Beispiele der politischen Wandlungen aufgelistet:

  • Hartmut Aden: 1978–82 DJD-Landesvorsitzender Niedersachsen, seit 2010 Professor für öffentliches Recht an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin[10]
  • Roland Appel: 1976–77 DJD-Landesvorsitzender Baden-Württemberg, 1979–83 stv. DJD-Bundesvorsitzender und Schatzmeister, 1981–82 Bundesvorsitzender des LHV und Mitglied des FDP-Bundesvorstandes, ab 1983 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundestagsfraktion „Die Grünen“, 1990–2000 Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen, Fraktionsvorsitzender der „Grünen“ im Landtag in der rot-grünen Koalition mit Johannes Rau
  • Gerhart Baum: 1966–68 DJD-Bundesvorsitzender, 1978–82 Bundesinnenminister, 1978–92 Mitglied im FDP-Bundespräsidium, bis heute FDP-Mitglied
  • Peter Becker: Stv. DJD-Landesvorsitzender Hessen, langjährig erfolgreicher Bürgerrechtsanwalt in Verfahren gegen Berufsverbote, Kriegsdienstverweigerung, Atomkraftwerkssicherheit und Energie-Dezentralisierung
  • Hans-Jürgen Beerfeltz: seit 1969 DJD- und LSD-Mitglied, langjähriger stv. Leiter der Bundeszentrale für politische Bildung, FDP-Bundesgeschäftsführer, 2009–2013 Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
  • Matthias W. Birkwald: 1990–1994 hauptamtlicher Jugendbildungsreferent und ehrenamtlicher Landesgeschäftsführer beim Landesvorstand der JungdemokratInnen/Junge Linke NRW. Seit 1993 PDS-Mitglied, seit 2009 Bundestagsabgeordneter und rentenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion „DIE LINKE.“, seit 2014 ihr Parlamentarischer Geschäftsführer und seit 2018 stv. Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales.
  • Heiner Bremer: 1970–71 DJD-Bundesvorsitzender, 1986–89 Stern-Chefredakteur, dann Springer-Verlag, RTL, n-tv
  • Hinrich Enderlein: Mitglied der Jungdemokraten in Baden-Württemberg, seit 1972 stv. Landesvorsitzender FDP Baden-Württemberg, Mitglied im Hamburger Komitee gegen Berufsverbote, 1972-88 Landtagsabgeordneter Baden-Württemberg, 1990-94 Bildungsminister in Brandenburg
  • Dagmar Everding: 1985–86 DJD-Bundesvorsitzende, Professorin für Architektur und nachhaltige Stadtentwicklung an der Hochschule Nordhausen
  • Wolfgang Grenz: In den 1970er und 80er Jahren aktiver Jungdemokrat in Köln und Nordrhein-Westfalen, Vorsitzender des Liberalen Zentrums (Köln), Jurist, 2011–2013 Generalsekretär von amnesty international[11]
  • Bernd Hadewig: 1969 DJD-Vorsitzender im Kreis Pinneberg, 1972–74 schleswig-holsteinischer FDP-Landesvorsitzender, 1975–83 FDP-Landtagsabgeordneter in Schleswig-Holstein
  • Burkhard Hirsch: 1959–64 DJD-Landesratspräsident Nordrhein-Westfalen, 1976–80 Innenminister von Nordrhein-Westfalen, 1976–2005 Mitglied im FDP-Bundesvorstand, 1979–83 Landesvorsitzender der FDP Nordrhein-Westfalen, 1983–2002 Bundestagsabgeordneter, 1994–98 Vizepräsident des Deutschen Bundestages, bis heute FDP-Mitglied
  • Karl Holl: 1964–66 DJD-Bundesvorsitzender, ab 1971 Professor für Zeit- und Parteiengeschichte an der Universität Bremen
  • Georg Hundt: 1978–82 stv. DJD-Bundesvorsitzender, 1982–84 Bundesgeschäftsführer der „Liberalen Demokraten“, Mitarbeiter im Landesvorstand Nordrhein-Westfalen des BUND, Gründer der „Fahrradstation Münster
  • Michael Kleff: 1976–77 stv. DJD-Bundesvorsitzender und Schatzmeister, Mitarbeiter des linksliberalen „Pool“ im Bundestag (Helga Schuchardt, Gerhart Baum), seit 1983 Freier Journalist WDR, DLF und Musikredakteur, zeitweilig Mitglied von „Bündnis 90/Die Grünen“[12]
  • Hanspeter Knirsch: 1976–77 DJD-Bundesvorsitzender, ab 1979 Fraktionsvorsitzender der FDP-Ratsfraktion in Bochum, 1982 Austritt aus der FDP und Gründung der „Liberalen Demokraten“ (LD), 1990 Eintritt in die SPD
  • Wolfgang Kubicki: 1975–76 DJD-Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein, 1992, 2000 und 2005 Spitzenkandidat der FDP bei den schleswig-holsteinischen Landtagswahlen, seit 2017 Vizepräsident des Deutschen Bundestages
  • Jürgen Kunze: 1969–72 DJD-Landesvorstand Berlin, Anfang der 1980er Jahre Landesvorsitzender der FDP Berlin, Professor, später Rektor der FHW Berlin und Gründungsrektor der OTA Hochschule in Berlin
  • Roland Kutzki: 1969–71 DJD-Landesvorsitzender von Bremen, ab 1971 SPD-Mitglied, 1990–2004 Leiter des Bereichs Städtebauförderung, Stadtentwicklung und Stadterneuerung des Landes Mecklenburg-Vorpommern
  • Wolfgang Lüder: 1967–70 DJD-Landesvorsitzender von Berlin, 1968–70 DJD-Bundesvorsitzender, 1975–81 FDP-Senator in Berlin, 1987–95 FDP-Bundestagsabgeordneter
  • Ingrid Matthäus-Maier: 1972 DJD-Bundesvorsitzende, ab 1982 SPD-Mitglied, 1988–92 stellvertretende SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende, bis 2008 Vorstandsvorsitzende der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
  • Wolfgang Mischnick: 1954–57 DJD-Bundesvorsitzender, 1954–91 Mitglied des FDP-Bundesvorstands und 1968–91 Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion
  • Jürgen Morlok: Stv. DJD-Landesvorsitzender Baden-Württemberg, 1978–84 FDP-Landesvorsitzender, 1972–84 Landtagsabgeordneter, seit 1996 Kuratoriumsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung
  • Volker Perthes: Stv. DJD-Landesvorsitzender Nordrhein-Westfalen, 1982–83 Chefredakteur der „Liberalen Drucksachen“, Professor, seit 2005 Direktor des Deutschen Instituts für Internationale Politik und Sicherheit und geschäftsführender Vorsitzender der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)
  • Jürgen Reents: 1969 Mitglied des DJD-Landesvorstandes Bremen, 1980 Mitbegründer der „Bündnis 90/Die Grünen“, 1983–85 Grünen-Bundestagsabgeordneter, seit 1998 PDS-Mitglied, 1999–2012 Chefredakteur des „Neuen Deutschland
  • Florian Rödl: ab 2002 Stv. Bundesvorsitzender der Jungdemokraten/Junge Linke, seit 2016 Professor für Bürgerliches und Arbeitsrecht an der Freien Universität Berlin[13]
  • Claudia Roth: 1971–90 Jungdemokratin, ab 1987 Pressesprecherin der „Grünen“-Bundestagsfraktion, 1990–94 Abgeordnete des Europäischen Parlaments, ab 1994 Bundestagsabgeordnete und Bundesvorsitzende von „Bündnis 90/Die Grünen“
  • Irmingard Schewe-Gerigk: DJD-Mitglied im Kreisverband Ennepe-Ruhr, 1994–2009 Bundestagsabgeordnete von „Bündnis 90/Die Grünen“
  • Theo Schiller: 1974–76 DJD-Bundesvorsitzender, 1974–80 Mitglied im FDP-Bundesvorstand, 1983–85 stv. Bundesvorsitzender der „Liberalen Demokraten“; seit 1973 Professor für Politikwissenschaft in Marburg und 1997–2001 Vizepräsident der Universität Marburg
  • Andreas von Schoeler: ab 1982 SPD-Mitglied, 1976–82 Parlamentarischer Staatssekretär, 1991–95 Oberbürgermeister von Frankfurt/Main
  • Helga Schuchardt: um 1970 Mitglied im DJD-Bundesvorstand, ab 1982 parteilos, 1983–87 Hamburger Kultursenatorin, 1990–98 Niedersächsische Kultusministerin
  • Christian Schwarzenholz: 1970 Stv. DJD-Landesvorsitzender Niedersachsen, ab 1986 Mitglied von „Bündnis 90/Die Grünen“, 1994–2003 Landtagsabgeordneter in Niedersachsen und zeitweilig umweltpolitischer Sprecher der „Grünen“-Fraktion, 1999 Übertritt zur PDS und 2000–2003 Bundesvorstandsmitglied, bis 2016 Referatsleiter im Niedersächsischen Umweltministerium
  • Christoph Strässer: 1977–82 DJD-Bundesvorsitzender, ab 1982 SPD-Mitglied, u. a. 1993–2007 Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Münster, Oberbürgermeister-Kandidat, 2002–2017 SPD-Bundestagsabgeordneter, u. a. 2014–2016 Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung und Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates
  • Günter Verheugen: 1967 DJD-Landesvorsitzender Nordrhein-Westfalen, 1977 FDP-Bundesgeschäftsführer, 1978 FDP-Generalsekretär, ab 1982 SPD-Mitglied, 1983–98 SPD-Bundestagsabgeordneter, 1998 Staatsminister, 1999 Mitglied der EU-Kommission

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterlagen zu den DJD und zum LHV befinden sich im Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Gummersbach sowie im Archiv Grünes Gedächtnis der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Literatur von und über Deutsche Jungdemokraten im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Roland Appel, Michael Kleff (Hrsg.): Grundrechte verwirklichen – Freiheit erkämpfen. 100 Jahre Jungdemokrat*innen. Academia Verlag, Baden-Baden 2019. ISBN 3-89665-800-X.
  • Michael Kleff: 30 Jahre Jungdemokraten – ein historischer Rückblick. In: liberal 19, 1977, S. 295–299.
  • Wolfgang R. Krabbe: Die gescheiterte Zukunft der Ersten Republik. Jugendorganisationen bürgerlicher Parteien im Weimarer Staat (1918–1933). Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 1995, ISBN 3-531-12707-1.
  • Wolfgang R. Krabbe: Parteijugend in Deutschland: Junge Union, Jungsozialisten und Jungdemokraten 1945–1980. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 3-531-13842-1.
  • Hans-Otto Rommel: Die Weimarer Jungdemokraten In: liberal 13, 1971, S. 915–924.
  • Hans-Otto Rommel: Die Deutschen Jungdemokraten nach 1945. In: liberal 22, 1980, S. 563–573.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesvorstand LD zur Auflösung des Bundesverbandes der Jungdemokraten/JungeLinke (JD/JL). Liberale Demokraten, abgerufen am 11. August 2018.
  2. Grundsatzprogramm der DJD vom November 1967.
  3. Bonner Manifest der DJD von 1970.
  4. Heiner Bremer: Zum Selbstverständnis der Jungdemokraten, in: liberal, Heft 6, 1971.
  5. Gunter Hofmann in BONNER BÜHNE: „Für goldene Betten und dicke Edelsteine?“, zeit.de, abgerufen am 19. Mai 2015.
  6. Blatt: Zeitung der Jungdemokraten und der Marxistische Jugendvereinigung (MJV) Junge Linke, socialhistory.org, abgerufen am 19. Mai 2015.
  7. Thomas Bleskin: Jungdemokraten und „Junge Linke“ vereint. In: Neues Deutschland. 28. März 1992, abgerufen am 5. Dezember 2018.
  8. Homepage von Dagmar Everding an der Hochschule Nordhausen.
  9. Homepage von Frank-Oliver Sobich.
  10. Homepage von Hartmut Aden an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin.
  11. Munzinger-Archiv.
  12. Biographie von Michael Kleff beim Preis der Deutschen Schallplattenkritik.
  13. Homepage von Florian Rödl an der Freien Universität Berlin.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]