Joe Barton

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Joe Barton (2006)

Joe Linus Barton (* 15. September 1949 in Waco, Texas) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei und seit 1985 Mitglied des US-Repräsentantenhauses für Texas. Er tritt 2018 nicht zur Wiederwahl an.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Besuch der Waco High School studierte er von 1968 bis 1972 Maschinenbau an der Texas Agricultural & Mechanical University (TAMU) und erwarb dort einen Bachelor of Arts (B.A. Industrie Engineering). Ein anschließendes Postgraduiertenstudium im Fach Betriebsführung an der Purdue University in West Lafayette (Indiana) beendete er 1973 mit einem Master of Science (M.Sc. Industrial Administration). Danach war er als Manager tätig. Als White House Fellow war er 1981 bis 1982 Mitarbeiter von US-Energieminister James B. Edwards.

Im Jahr 1984 wurde Barton erstmals zum Mitglied im US-Repräsentantenhaus gewählt und vertritt dort nach bisher 16 Wiederwahlen, einschließlich der des Jahres 2016, seit dem 3. Januar 1985 den 6. Kongresswahlbezirk von Texas. Seine derzeitige Legislaturperiode läuft bis zum 3. Januar 2019. Von 2003 bis 2007 war er Vorsitzender des Ausschusses für Energie und Handel (Committee on Energy and Commerce), dem er auch danach noch angehört bzw. angehörte. Außerdem sitzt bzw. saß er in sechs Unterausschüssen und in sechs Congressional Caucuses. Unter anderem gehört er dem der Tea-Party-Bewegung nahestehenden Tea Party Caucus an. Darüber hinaus ist er Mitglied im Republican Study Committee.

Nachdem ein Nacktfoto Bartons in sozialen Netzwerken verbreitet worden war,[1] kündigte er Ende November 2017 an, sich bei der kommenden Wahl 2018 nicht mehr für sein Mandat zu bewerben, da ein Vertrauensverlust eingesetzt habe. Sein Mandat endet am 3. Januar 2019.[2]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barton ist fundamentalistischer Christ und hat enge Verbindungen zur fossilen Brennstoffindustrie. Er war vor seiner Politikkarriere unter anderem als Ingenieur auf einem Ölfeld beschäftigt und erhielt zwischen 1989 und 2010 mehr als 290.000 Dollar Wahlkampfspenden vom Erdölunternehmen Anadarko Petroleum.[3] Für Kontroversen sorgte Barton im Juni 2010, als er sich während einer Anhörung von BP-Chef Tony Hayward vor dem Ausschuss bei Hayward dafür entschuldigte, dass die US-Bundesregierung den Konzern aufgrund der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zu hohen Entschädigungszahlungen verpflichtet hatte. Das Weiße Haus reagierte mit scharfer Kritik. Pressesprecher Robert Gibbs bezeichnete Bartons Aktion als „beschämend“: Barton sorge sich offensichtlich mehr um Großunternehmen als um die Situation der kleinen Leute. Der Abgeordnete Jeff Miller legte seinem Parteifreund Barton den Rücktritt von dessen Führungsposition im Ausschuss nahe.[4]

Barton ist ein ausgesprochener Klimaleugner, der die menschengemachte globale Erwärmung abstreitet.[5] Er äußerte 2013, Ursache für den Klimawandel sei der Zorn Gottes.[3] 2005 ließ Barton eine Anhörung im Repräsentantenhaus abhalten, die das Ziel hatte, das Hockeyschläger-Diagramm zu widerlegen und damit den IPCC zu diskreditieren.[6] An die Autoren der dahinterliegenden Studie verschickte Barton Drohbriefe.[7] Bekannt wurde ein vermeintliches Zitat Bartons als Internetmeme, wonach Barton die Nutzung von Windenergienutzung ablehne, weil das seiner Auffassung nach die globale Erwärmung beschleunige. Tatsächlich handelte es sich um eine Vorhaltung Bartons während einer Kongressanhörung aus dem Jahr 2009, in der er Forscher zitierte (ohne sich deren Ansicht ausdrücklich zu eigen zu machen), die bei Windfarmen Temperaturerhöhungen festgestellt hatten – ein Effekt, der als vernachlässigbar auf globaler Ebene gilt.[8]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bartons erste Ehe wurde 1992 geschieden. Er heiratete 2004; die Ehe wurde 2015 geschieden. Er hat vier Kinder.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. politico.com 22. November 2017: GOP congressman Barton apologizes for nude selfie
  2. Katie Leslie: Rep. Joe Barton: I will not seek re-election. In: The Dallas Morning News, 30. November 2017 (englisch).
  3. a b Gottes Klimawandel. In: taz, 12. April 2013.
  4. Rep. Joe Barton Apologizes to BP’s Tony Hayward for White House „Shakedown“. In: CBS News, 17. Juni 2010 (englisch).
  5. Eight More Deep Thoughts from Rep. Joe Barton. In: Time, 18. Juni 2010 (englisch).
  6. Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Organized Climate Change Denial. In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg.): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford University Press, 2011, S. 144–160, hier S. 153.
  7. Krieg gegen die Wissenschaft. In: Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010.
  8. Louis Jacobson: Widely shared meme oversimplifies Joe Barton’s 2009 comment on wind energy, climate change. In: PolitiFact, 15. Januar 2015 (englisch).