Joaquín Castro

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Joaquín Castro (2013)

Joaquín Castro (* 16. September 1974 in San Antonio, Texas) ist ein US-amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei. Seit Januar 2013 ist er Abgeordneter im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten, wo er den 20. Wahlbezirk des Bundesstaates Texas vertritt.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joaquín Castro ist der Sohn von Jesse Guzman und Rosie Castro, die sich 1983 trennten. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Julian wuchs er unter finanziell schwierigen Bedingungen bei ihr und der Großmutter Victoria auf, die als Waise mit Volksschulbildung aus Mexiko in die Vereinigten Staaten eingewandert war und in San Antonio als Hausmädchen, Köchin und Babysitterin gearbeitet hatte.[1] Er besuchte die Thomas Jefferson High School. Sein Studium an der Stanford University schloss er mit dem Bachelor of Arts in Politik- und Kommunikationswissenschaft ab, anschließend beendete er das Studium der Rechtswissenschaft mit dem Juris Doctor an der Harvard Law School.[2]

Neben seiner Tätigkeit im Repräsentantenhaus von Texas war er auch als Rechtsanwalt in San Antonio tätig. Außerdem ist er Gastprofessor für Rechtswissenschaften an der St. Mary’s University und an der Trinity University in San Antonio.

Er ist seit 2013 mit Anna Flores verheiratet, die für ein High-Tech-Unternehmen in San Antonio arbeitet. Sie haben eine Tochter.[1]

Öffentliches Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Castros Interesse an politischer Arbeit und Arbeit für die Gemeinschaft wurde bereits sehr früh geweckt, da sich seine Eltern politisch engagierten. Sein Vater war in den 1970er Jahren ein Gemeinde-Aktivist und pensionierter Mathematiklehrer und seine Mutter eine politische Aktivistin, die in den 1960er und 1970er Jahren als Aktivistin eine wichtige Rolle in der Bürgerrechtsbewegung für Latinos (Chicano-Bewegung) gespielt hat und dabei zweimal wegen zivilen Ungehorsams inhaftiert wurde. Beide Zwillingsbrüder beschlossen in der Studienzeit gemeinsam, in die Politik zu gehen, und planen seither ihre Karrierewege gemeinsam. Sie vertreten eher zentristische Positionen und haben laut Beobachtern einen pragmatischen, vorsichtigen Politikstil.[1] Sein Bruder Julian war im Kabinett Obama Wohnungsbauminister der USA. Beim Parteitag der Demokraten 2012 führte Joaquín Castro seinen Bruder ein, der als damaliger Bürgermeister von San Antonio die Keynote hielt.[3]

Castro wurde 2002, im Alter von 28 Jahren, in das Repräsentantenhaus von Texas gewählt und diente dort für fünf Amtszeiten bis 2012. Er war stellvertretender Vorsitzender im Ausschuss für höhere Bildung.[3] Er arbeitete in den Bereichen öffentliche Bildung, Gesundheit und im Jugendgerichtssystem.[2] Er verfasste und arbeitete unter anderem an der Gesetzgebung zur Entwicklung des Arbeitskräftepotenzials, Sicherheit auf Autobahnen und Bildungsprogrammen, die zum Ziel hatten Teenager-Schwangerschaften zu reduzieren, mit.[4]

Castro gab im Juni 2011 bekannt, sich um einen Sitz im Kongress zu bewerben. Zuerst plante er, für den neuen 35. Kongresswahlbezirk von Texas zu kandidieren. Nachdem aber am 28. November 2011 der Abgeordnete des 20. Bezirks, Charlie Gonzalez, seinen Rücktritt angekündigt hatte, beschloss Castro für diesen Kongresswahlbezirk anzutreten,[5] der hauptsächlich die Innenstadt von San Antonio umfasst. Im Wahlbezirk sind etwa 64 Prozent Latinos, etwa 55 Prozent der Wähler sind als Demokraten registriert (Daten 2012).[6] Im November 2012 gewann Castro die Wahl gegen den Republikaner David Rosa mit 64 zu 33 Prozent der Stimmen[7] und trat sein Mandat in Washington, D.C. am 3. Januar 2013 an. Nach bisher zwei Wiederwahlen in den Jahren 2014 und 2016 kann er sein Amt bis heute ausüben. Seine neue Legislaturperiode läuft bis zum 3. Januar 2019 mit der Option auf eine weitere Kandidatur im Jahr 2018. Er ist Mitglied im wichtigen Geheimdienstausschuss. Nach längerer Überlegung und trotz günstiger Wahlumfragen lehnte es Castro im Mai 2017 ab, den US-Senator Ted Cruz bei der Wahl 2018 herauszufordern.[8]

Seit Beginn seines Kongressmandats ist Joaquín Castro häufig in politischen Fernsehsendungen aufgetreten und galt dort als ein wichtiger Sprecher Präsident Obamas in Einwanderungs- und Wirtschaftsfragen. Er arbeitet an einer Verbreiterung der Parteibasis der Demokraten im traditionell republikanisch geprägten Texas, das wegen der veränderten demographischen Zusammensetzung als möglicher zukünftiger blauer Staat gilt.[1]

Castro ist Mitglied im Vorstand mehrerer Non-Profit-Organisationen und Einrichtungen für höhere Bildung, zum Beispiel „Achieving the Dream“, „The National College Advising Corps“, „St. Phillip’s College President’s Advisory Board“, „St. Mary’s University Mission“ und in der „NALEO Taskforce on Education“.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Andy Kroll: The Power of Two: Inside the Rise of the Castro Brothers. In: The Atlantic, 23. Januar 2015 (englisch).
  2. a b c Member biography, Texas state legislature
  3. a b Robert T. Garrett: With his twin brother in the spotlight, Joaquin Castro prepares for prominent role of his own. In: Dallas Morning News, 4. September 2012. Abgerufen am 5. September 2012. 
  4. Texas House of Representatives membership summary (Memento vom 26. Oktober 2012 im Internet Archive) (englisch).
  5. Emily Ramshaw: Castro To Take On Doggett for New Congressional Seat — 2012 Congressional Election. In: Texas Tribune, 24. Juni 2011. Abgerufen am 5. September 2012. 
  6. Election 2012 Texas: Joaquin Castro Wins Congressional Race. In: Fox News, 6. November 2012 (englisch).
  7. CNN Election Center (Memento vom 9. Juli 2014 im Internet Archive) (englisch).
  8. Bill Lambrecht: Castro won’t seek Senate seat. In: MySanAntonio.com, 1. Mai 2017 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Joaquin Castro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien