Beto O’Rourke

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Beto O’Rourke (2013)

Robert Francis „Beto“ O’Rourke (* 26. September 1972 in El Paso, Texas) ist ein amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei. Seit 2013 vertritt er den Bundesstaat Texas im US-Repräsentantenhaus. Er ist 2018 Kandidat für den Senat der Vereinigten Staaten gegen den republikanischen Mandatsinhaber Ted Cruz.

Familie, Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beto O’Rourke stammt aus einer Familie von Irischamerikanern, die zum Eisenbahnbau nach Texas kam und dort in der vierten Generation lebt.[1] Seine Mutter Melissa Martha geb. Williams arbeitet in einem Möbelgeschäft, das sie übernommen hat, sein Vater Pat Francis O’Rourke war Richter des El Paso County. Der langjährige Demokrat, der in den 1980er Jahren für den Präsidentschaftskandidaten Jesse Jackson eingetreten war,[2] trat 1996 erfolglos als Republikaner für das US-Repräsentantenhaus an.[3]

Seit früher Kindheit wird O’Rourke, der fließend Spanisch spricht, mit der spanischen Kurzform seines Vornamens „Beto“ angesprochen, was sein Gegenkandidat Cruz 2018 zum Anlass nahm, ihm Anbiederung vorzuwerfen.[4] Er besuchte die Mesita Elementary School und die El Paso High School.

Anfang der 1990er Jahre trat er als Gitarrist und Sänger gemeinsam mit Cedric Bixler-Zavala in der Punkband Foss auf[2] und tourte mit ihr durch die USA und Kanada. Wegen Einbruchs 1995 (eine Mutprobe auf dem Gelände der University of Texas at El Paso) und einer Trunkenheitsfahrt 1998 wurde er jeweils kurzzeitig verhaftet.[5] Bis 1995 studierte er an der Columbia University in New York City und erhielt dort einen Abschluss in englischer Literaturwissenschaft. Danach arbeitete er in El Paso in der Computerbranche im IT-Bereich. Er gründete 1999 seine eigene Firma, die auf Webentwicklung und -design spezialisierte Stanton Street Technology Group, für die 2018 ein Jahresumsatz von 1,5 Millionen Dollar angegeben wurde und die vierzehn Mitarbeiter beschäftigte.[6]

Beto O’Rourke ist seit 2005 mit Amy Hoover Sanders verheiratet und Vater von drei Kindern.[7]

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge und US-Repräsentantenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleichzeitig mit seiner IT-Arbeit schlug O’Rourke eine politische Laufbahn als Demokrat ein. Zwischen 2005 und 2011 gehörte er dem Stadtrat von El Paso an.

Bei der Wahl 2012 wurde O’Rourke im 16. Kongresswahlbezirk von Texas in das US-Repräsentantenhaus in Washington, D.C. gewählt, wo er am 3. Januar 2013 die Nachfolge von Silvestre Reyes antrat, den er in der demokratischen Vorwahl geschlagen hatte. Reyes als früherer Vorsitzender des Geheimdienstausschusses war ein politisches Schwergewicht, der von Barack Obama und Bill Clinton im Wahlkampf unterstützt worden war.[8] Die ethnische Zusammensetzung des Kongresswahlbezirks ist 75 Prozent mexikanisch und 2 Prozent irisch.[5] Bei der Hauptwahl im November 2012 erreichte O’Rourke 65 Prozent der Wählerstimmen. Seine Gegenkandidatin war Barbara Carrasco von der Republikanischen Partei. Er wurde bei den Wahlen 2014 und 2016 wiedergewählt; sein Mandat läuft bis zum 3. Januar 2019.

Bewerbung für den US-Senat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. März 2017 gab O’Rourke als erster Bewerber bekannt, bei der Wahl im November 2018 gegen den republikanischen Mandatsinhaber Ted Cruz für einen Sitz im Senat der Vereinigten Staaten anzutreten.[9] Da für die Demokraten bei dieser Senatswahl zehn Mandatsinhaber in Staaten antreten, die Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl 2016 gewonnen hat, kann er nicht mit großer finanzieller oder logistischer Unterstützung rechnen, zumal O’Rourke nicht weithin bekannt ist. Durch die Ankündigung der Kandidatur erlangte er jedoch bundesweite Medienaufmerksamkeit.[10] Über zwanzig Jahre lang hat kein Demokrat mehr ein staatsweites politisches Amt oder Mandat in Texas gewonnen; zuletzt für Texas im US-Senat erfolgreich war der Demokrat Lloyd Bentsen bei der Wahl 1988.[2] Im Wahlkampf 2018 setzt O’Rourke auf eine Anti-Trump-Stimmung und auf die Unbeliebtheit des Gegenkandidaten Cruz, der 2017 unter Texanern eine Zustimmung von 37 Prozent erreichte.[2] Er hält Distanz von seiner Bundespartei und setzt sich für die klassischen politischen Ziele irischstämmiger Politiker wie gesellschaftlichen Progressivismus sowie die Wohlfahrt mittlerer und unterer Einkommensschichten ein.[7]

Mehrfach gelang es ihm, trotz seiner Selbstverpflichtung, kein Geld von Political Action Committees anzunehmen, mehr Spenden pro Quartal einzunehmen als Cruz; im ersten Quartal 2018 erreichte O’Rourke mit 6,7 Millionen Dollar die höchsten Spendeneinnahmen aller demokratischen Senatskandidaten in den USA.[11] Bei der Vorwahl der Demokraten setzte sich O’Rourke Anfang März 2018 mit 61,8 Prozent der Stimmen durch.[12] Eine Umfrage der Quinnipiac University im April 2018 sah O’Rourke mit 44 Prozent nur knapp hinter Cruz mit 47 Prozent der Stimmen.[13]

Positionen und Aktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

O’Rourke gilt als eher linker Abgeordneter („liberal“) und setzt sich etwa für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch (Pro-Choice) und für eine umfassende Reform der Einwanderungspolitik ein. Im Kongress macht sich O’Rourke für eine Bekämpfung der Banden- und Drogenkriminalität stark, indem er die Legalisierung des Cannabiskonsums fordert.[2] Er sieht sich auch als Interessenvertreter der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez, die unmittelbar an El Paso grenzt, und erklärte 2014, es gebe keine Grenzprobleme, weshalb er für deren Öffnung eintrat. Er gilt als verlässlicher Unterstützer der Parteilinie; in seinem ersten Jahr im Kongress stimmte er in 93 Prozent der Fälle mit der demokratischen Parteiführung, im Jahr 2016 waren es 98 Prozent. Als Superdelegierter der Democratic National Convention stimmte er zur Präsidentschaftswahl 2016 für Hillary Clinton.[5]

Bekannt wurde er, als er das Sit-in demokratischer Kongressabgeordneter für stärkere Waffenkontrolle im Sommer 2016 auf seiner Facebook-Seite live streamte, nachdem Sprecher Paul Ryan Aufnahmen des Ereignisses durch C-Span untersagt hatte.[2] Als ein Blizzard im März 2017 den Flugverkehr nach Washington unterbrochen hatte, fuhr O’Rourke mit seinem republikanischen Kongresskollegen Will Hurd die 1600 Meilen von Texas nach Washington in einem Mietwagen und streamte die Unterhaltung während der sechsunddreißigstündigen Fahrt live (#CongressionalCannonballRun). Vor zehntausenden Zuschauern, darunter dutzenden Kongresskollegen und Mark Zuckerberg, sprachen sie unter anderem über Gesundheitspolitik und Grenzsicherheit.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Robert Draper: Texas, 3 Ways. In: The New York Times, 14. November 2014.
  2. a b c d e f Tessa Stuart: Beto O’Rourke: Ted Cruz’s Punk-Rock Problem. In: Rolling Stone, 12. September 2017.
  3. Patrick Francis “Pat” O’Rourke. In: Find a Grave; Robert ‘Beto’ Francis O’Rourke (Dem). In: Associated Press, 6. Juni 2014.
  4. Tara Golshan: The raging controversy over Beto O’Rourke’s full name, explained. In: Vox.com, 8. März 2018.
  5. a b c Brent Scher: Meet the Irish-American Going by a Mexican Nickname Challenging Ted Cruz. In: The Washington Free Beacon, 31. März 2017.
  6. Stanton Street Technology Group, Inc. In: Manta.com; Stanton Street Technology Group Inc. In: BBB.org; StantonStreet.com.
  7. a b James Wilson: Irish American Congressman to challenge Ted Cruz for US Senate. In: Irish Central, 4. April 2017.
  8. Robert ‘Beto’ Francis O’Rourke (Dem). In: Associated Press, 6. Juni 2014.
  9. Lisa Hagen: Texas Dem enters race to challenge Cruz in 2018. In: The Hill, 31. März 2017 (englisch).
  10. Abby Livingston: To beat Ted Cruz, Beto O’Rourke plans to throw out the Democratic playbook. In: The Texas Tribune, 31. März 2017 (englisch).
  11. Patrick Svitek: With $2.4 million haul, Beto O’Rourke easily outraised Texas Sen. Ted Cruz to close out 2017. In: Texas Tribune, 28. Januar 2018; Jonathan Tilove: Beto O’Rourke nearly triples Ted Cruz fundraising in 2018. In: Austin-American Statesman, 26. Februar 2018; Patrick Svitek: Beto O’Rourke says he raised staggering $6.7M in first quarter of 2018. In: The Texas Tribune, 3. April 2018.
  12. Miguel Suazo Jasmine C. Lee, Sarah Almukhtar, Matthew Bloch: Texas Primary Election Results. In: The New York Times, 6. März 2018.
  13. Cruz, O'Rourke Too Close To Call In Texas Senate Race. In: Poll.QU.edu, 18. April 2018.
  14. Julia Zorthian: The Future of Bipartisanship in Congress Might Be Road Trips. In: Time, 16. März 2017; Tessa Stuart: Beto O’Rourke: Ted Cruz’s Punk-Rock Problem. In: Rolling Stone, 12. September 2017