Kraiburg am Inn
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| ||
| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 48° 11′ N, 12° 26′ O | |
| Bundesland: | Bayern | |
| Regierungsbezirk: | Oberbayern | |
| Landkreis: | Mühldorf am Inn | |
| Verwaltungsgemeinschaft: | Kraiburg am Inn | |
| Höhe: | 462 m ü. NHN | |
| Fläche: | 27,55 km² | |
| Einwohner: | 4001 (31. Dez. 2025)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 145 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 84559 | |
| Vorwahl: | 08638 | |
| Kfz-Kennzeichen: | MÜ, VIB, WS | |
| Gemeindeschlüssel: | 09 1 83 124 | |
| LOCODE: | DE KRR | |
| Marktgliederung: | 54 Gemeindeteile | |
| Adresse der Marktverwaltung: |
Marktplatz 1 84559 Kraiburg a.Inn | |
| Website: | kraiburg.lra-mue.de | |
| Erste Bürgermeisterin: | Petra Jackl (CSU) | |
| Lage des Marktes Kraiburg a.Inn im Landkreis Mühldorf am Inn | ||
Kraiburg am Inn (amtlich Kraiburg a.Inn, bairisch Groabuag) ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Mühldorf am Inn.
Geografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Geografische Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kraiburg am Inn liegt in der Region Südostoberbayern im Alpenvorland an der südlichen Seite des Inns rund 23 km nordöstlich von Wasserburg, 22 km nordwestlich von Trostberg, 73 km östlich der Landeshauptstadt München und 14 km von der Kreisstadt Mühldorf entfernt. Die nächstgelegene, von der Südostbayernbahn betriebene Bahnstation an der Strecke Mühldorf–Rosenheim befindet sich im Nachbarort Waldkraiburg.
Gemeindegliederung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es gibt 54 Gemeindeteile:[2]
- Almeding
- Auersdorf
- Bach
- Bäckerlehen
- Berg
- Brand
- Brandach
- Brandmühle
- Ensdorf
- Ensfelden
- Esling
- Fisslkling
- Frauendorf
- Gallenbach
- Gangall
- Gänsberg
- Gassen
- Georgenberg
- Gerlasing
- Grünberg
- Gschwendt
- Gundelprechting
- Guttenburg
- Haidberg
- Haimstauden
- Heisting
- Hochreit
- Kindlthal
- Kolbing
- Kraiburg am Inn
- Lacken
- Lindach
- Lohen
- Malseneck
- Mauerschwang
- Maximilian
- Mitterpleining
- Reith
- Rudlfing
- Schaching
- Schmieding
- Schnaudenberg
- Schützenau
- Straß
- Trospeding
- Wegen
- Westerberg
- Wieslreit
- Wimpasing
- Winklham
- Wolfswinkl
- Wuhrmühle
- Wunderskirchen
- Zaunlehen
Es gibt die Gemarkungen Guttenburg, Kraiburg a.Inn und Maximilian.[3]
Nachbargemeinden
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Antike
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zwischen Kraiburg und dem Ortsteil Ensdorf etwa 600 Meter vom Inn entfernt lässt sich archäologisch eine etwa drei Hektar große römische Siedlung nachweisen, die aufgrund der gefundenen Fibeln zwischen der Mitte des 1. Jahrhunderts und dem Anfang des 3. Jahrhunderts datiert werden kann. Der Ort lag damals nicht nur an der Grenze zwischen den römischen Provinzen Noricum und Rätien, sondern auch am Übergang zwischen dem gallischen und dem illyrischen Zollbezirk. Daher handelte es sich laut dem Archäologen Martin Pietsch vermutlich um eine römische Zollstation, an der Binnenzölle von 2,5 Prozent in beide Richtungen erhoben wurden. Für denkbar hält er auch einen Warenumschlagplatz mit Hafen und Pferdewechselstation. 1994 wurde bei archäologischen Ausgrabungen ein farbiges Mosaik gefunden, das vermutlich Anfang des 3. Jahrhunderts in Iuvavum (heute Salzburg) angefertigt wurde.[4]
Mittelalter und Frühe Neuzeit
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Die Ersterwähnung des Ortes erfolgte 772, als der Priester Sigiperht sein Vermögen in Chreidorf der Kirche zu Freising vermachte, wobei es sich um den heutigen Kraiburger Ortsteil Maximilian handeln dürfte.[5][6]
Von 1100 beginnend bis 1256 war die Burg Kraiburg auf dem Schlossberg Sitz der Grafen von Kraiburg, der erste Graf und Gründer der Grafschaft Kraiburg war Engelbert II. aus dem Hause der Spanheimer. Den Spanheimern folgte die kurze Herrschaft des Grafen Hartmann von Werdenberg-Sargans in den Jahren 1256 bis 1259. Im Jahr 1259 kam Kraiburg an den Wittelsbacher Herzog Heinrich XIII. von Niederbayern.
Im Jahr 1140 erfolgte die erstmalige Erwähnung von Schloss Guttenburg. Mehr als zwei Jahrhunderte später, im Jahr 1359, findet eine Brücke über den Inn in der Marktchronik erste Erwähnung, obgleich sie zu dieser Zeit noch als „weit vom Markt entfernt“ beschrieben wird.
Im Jahre 1385 wurde Kraiburg durch die niederbayerischen Herzöge das Marktrecht erneuert und besondere Privilegien verliehen.[7][8]
Zu den namhaften Persönlichkeiten des 15. Jahrhunderts zählt der spätere Chiemseer Bischof Bernhard von Kraiburg, ein Sohn des Friedrich Kramer, der hier 1412 zur Welt kam. In jener Epoche wuchs auch die sakrale Infrastruktur des Ortes: Im Jahr 1450 wurde die Kirche St. Maximilian errichtet, und 1484 folgte der Bau der Vorgängerkirche der heutigen Marktkirche, von der bis heute noch vier Turmgeschosse erhalten sind.
Das 16. Jahrhundert brachte sowohl schwere Rückschläge als auch einen deutlichen Modernisierungsschub. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1548 wurde 1552 das Bruderhaus errichtet. Fünf Jahre später, im Jahr 1557, fand das markante Kronenwappen erstmals Verwendung. Die Infrastruktur wurde ebenfalls verbessert, als die Langgasse 1567 ein Pflaster erhielt. Die Jahre 1571 und 1582 waren jedoch erneut von schweren Bränden gezeichnet. Die Straßen wurden in der Folge mit Brandschutt aufgeschüttet – eine Maßnahme, die noch heute am auffallend niedrigen Fußbodenniveau der Häuser am Marktplatz erkennbar ist. Um die Gebäude künftig feuersicherer zu machen, versah man alle neuen Räume beim Wiederaufbau mit Gewölbedecken. Zur besseren Brandbekämpfung wurde zudem 1584 der Marktbrunnen erweitert; er besaß damals eine Marienstatue aus Holz, die auf einem Gemälde am Benefiziantenhaus aus demselben Jahr zu sehen ist. Dass die Bevölkerung in dieser Zeit stark anwuchs, zeigt sich um 1590: Neben der Inschrift am Wandinger Tor zeugt davon die Tatsache, dass viele Häuser ein zweites Stockwerk erhielten, um mehr Wohnraum zu schaffen. Ein beachtliches wirtschaftliches Ausmaß erreichte der Salztransport im Jahr 1593, bei dem 20.000 Pferde zum Einsatz kamen.
Das 17. Jahrhundert war geprägt von reger Bautätigkeit, aber auch von Naturkatastrophen. Im Jahr 1605 begann der Bau des Benefiziantenhauses, dessen Baustein eine Inschrift aus dem Jahr 1608 trägt. Nach einem Wolkenbruch im Jahr 1612, der ein verheerendes Hochwasser auslöste, wurde 1614 die Aukapelle erbaut. 1620 folgte der Umbau des Rathauses, das mit einer Uhr, einem Glockenturm sowie einem siebensäuligen Bogengang ausgestattet wurde. Dieser beherbergte die Markthalle und diente später als Veranstaltungsraum und Schule. Nach einem weiteren Hochwasser im Jahr 1641 wurde 1649 das Gefängnis am Nußbichl errichtet. Um die Mitte des Jahrhunderts, im Jahr 1650, war schließlich die gesamte Marktplatzseite mit dem Bischof-Bernhard-Haus und dem Pfarrhof fertiggestellt. Zum Schutz vor zukünftigen Feuersbrünsten wurde der Marktbrunnen 1652 auf vier Röhren erweitert. Wirtschaftlich ging es weiter aufwärts, als 1669 vier Hauptmärkte (Christi Himmelfahrt, Magdalena, Egidi und Martini) bewilligt und ein Pflasterzoll erhoben wurde.
Das 18. Jahrhundert brachte tiefgreifende Veränderungen für das Ortsbild und die Verwaltung. Für das Jahr 1706 ist nachweislich eine Weinschenke im Bischof-Bernhard-Haus belegt, und 1721 hielt Michael Wening den „Marckh Crayburg“ in einem bekannten Stich fest. In den 1730er Jahren erfuhr die Aukapelle eine Barockisierung, und der Maler Nikolaus Miller schuf 1735 ihr Altarbild. Das Jahr 1740 war durch den Bau des Lerchenfeld-Palais (der späteren Marktapotheke) am Marktplatz sowie der Hauszeilen in der Langgasse gekennzeichnet. Fast zeitgleich, im Jahr 1741, trafen gegensätzliche Ereignisse den Ort: Während die Burg endgültig verlassen wurde und zu verfallen begann und ein durch einen Wildbach ausgelöstes Hochwasser das Grieß überschwemmte, wurde mit Martin Anton Seltenhorns ein bedeutender späterer Maler geboren. Ab 1754 wurde das Lerchenfeld-Palais zum Sitz des vereinigten Landgerichtes Kraiburg und Mörmosen. Da die Burg nun nicht mehr benötigt wurde, verkaufte man die Burggebäude und den Hofbau 1756 auf Erbrecht. Nur ein Jahr später, 1757, folgte der Abriss der Burg, deren wertvolle Quadersteine als Baumaterial für die Häuser am Marktplatz Verwendung fanden. Dennoch standen selbst im Jahr 1800 noch bedeutende Teile der Ruine. In den darauffolgenden Jahren wurde 1758 die Fißlkling Kapelle neu gebaut, und 1759 erwarb der Handelsmann Sebastian Söll das Sachsenschlössl. Das Jahrhundert neigte sich mit dem letzten Todesurteil in Kraiburg im Jahr 1796 dem Ende zu, bei dem der Hüterssohn von Pettenham hingerichtet wurde, sowie mit dem Bau der Schusterschleif im Jahr 1798. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, im Jahr 1802, wurde schließlich der Salzstadl in der Bahnhofstraße errichtet.[5]
19. Jahrhundert bis erste Hälfte des 20. Jahrhunderts
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Markt Kraiburg am Inn war bis 1802 Pflegamt und gehörte zum Rentamt Burghausen des Kurfürstentums Bayern. Kraiburg besaß ein Marktgericht mit magistratischen Eigenrechten, die zwischen 1804 und 1806 im Zuge der Reformen des Grafen von Montgelas aufgehoben wurden. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde unter Wiederherstellung der gemeindlichen Selbstverwaltung Kraiburgs.
Im Jahr 1821 erfolgte der Bau des im Kern älteren Unterbräus. Nur wenige Jahre später, 1825, kaufte der Bauer Jakob Sachs den Schloßberg, während 1826 der Große Saal im Rathaus zu einem Schulraum umgestaltet wurde. Zur Verbesserung des Brandschutzes beschloss der Markt-Magistrat im Jahr 1831 die Anschaffung von Feuerspritzen. Das Jahr 1832 war von einem schweren Schiffsunglück auf dem Inn geprägt. In den Folgejahren schritt die bauliche Entwicklung voran: 1835 wurde das Lerchenfeld Palais zur Apotheke umgewandelt, 1838 folgte der Bau der Schloßbergkapelle. Im Jahr 1843 entstanden sowohl der Stolz Bräu in der Langgasse als auch der Bauplan des Marktplatzes mit dem beantragten Neubau von Alois Hardt, dem heutigen Hardt-Hotel. Nach dem Bau des Friedhofs im Jahr 1847 zeigte sich die Bedeutung des Handels, da der Kraiburger Pferdemarkt 1848 noch stolze 1.400 Pferde zählte.
Die Mitte des Jahrhunderts brachte infrastrukturelle Neuerungen wie die Errichtung der Postexpedition im Unterbräu im Jahr 1852. Gleichzeitig nutzte der Ofensetzer Georg Sinzinger ab 1853 einen Keller im Rathaus als Laden. Bis 1856 ging der Pferdebestand auf dem Markt auf 1.100 Tiere zurück. Im Jahr 1862 wurde die Kirche in Fißlkling renoviert, und eine Hausinschrift aus dem Jahr 1868 zeugt von Alois und Theresia Scher sowie ihrem Gasthaus in der Langgasse. Politisch war das Jahr 1869 von der Amtszeit des Bürgermeisters Johann Nepomuk Hardt geprägt. Zur Feier der Wiedereingliederung von Elsaß-Lothringen pflanzte man 1870 eine Eiche in der Guttenburgerstraße. Ein schwerer Brand suchte 1871 den Unterbräu, das damalige Brauhaus Stumbeck, heim. Zwei Jahre später, 1873, erfolgte die urkundliche Teilung des Eigelsperger Hauses hinter der Marktkirche, gefolgt vom Bau des Hardthauses im Jahr 1875.
Kraiburg erhielt am 1. Mai 1876 mit der Eröffnung der Bahnstrecke Rosenheim–Mühldorf einen eigenen Bahnhof. Dieser wurde jedoch, wie die Bahnstrecke selbst, auf der aus Kraiburger Sicht gegenüberliegenden, nördlichen Seite des Inns errichtet und befindet sich damit rund drei Kilometer vom Ort entfernt.
Das Jahr 1880 ist durch eine Fotografie des ersten Rathauses sowie den Anbau mit Uhr und Uhrturm an die Marktkirche dokumentiert. Kulturgeschichtlich bedeutsam ist das Jahr 1883, in dem Johann Sperl das Gemälde „Der Apothekergarten von Kraiburg“ schuf, welches heute in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus hängt. Im Jahr 1885 etablierte sich die Tabakherstellung („Schmei“) in Reiching. Das Jahr 1887 brachte umfangreiche Arbeiten mit sich: Die Marktapotheke, das ehemalige Lerchenfeld Palais, erhielt eine Neurenaissance-Fassade, und auch der Marktbrunnen wurde renoviert. Radikale Veränderungen folgten 1889 mit dem Abbruch des alten Rathauses und der Marktkirche, woraufhin das Rathaus in das Haus hinter der Kirche umzog. Der Kirchenneubau der Marktkirche St. Bartholomäus wurde 1892 fertiggestellt und im darauffolgenden Jahr 1893 feierlich eingeweiht. 1894 erwarb der Markt das Haus des Brauers Stumbeck, um dort das Kraiburger Krankenhaus einzurichten. Zum Ende des Jahrhunderts feierte der Ort 1896 das Georgi-Fest, und 1898 wurden zwei Holzstiche von Kraiburg angefertigt sowie das Kreuz am Schloßberg angebracht. Im Jahr 1900 erfolgte der Bau der Bahnhofstraße und der Eröffnung der Königlich Bayrischen Post in der Bahnhofstraße 1. Fünf Jahre später, 1905, wurde die Mädchenschule gebaut. Der Pferdemarkt verlor weiter an Bedeutung und zählte 1908 nur noch 500 Pferde. Naturkatastrophen und Kriege prägten die Folgejahre: 1914 kam es zum Fronleichnams-Hochwasser, und 1919 begann der folgenschwere Baubeginn des Innkanals. Das Jahr 1924 brachte die Eröffnung des Kraiburger Krankenhauses. Zehn Jahre später, 1934, zog die Deutsche Post in den Unterbräu ein, und es entstand die erste Betonbrücke über den Inn. Nachdem 1935 das Rathaus bezogen worden war, baute man 1936 das zweite Kraiburger Freibad am Bruckhäusln. Mit dem Bau der letzten Plätte im Jahr 1938 endete eine Ära der Flussschifffahrt.
Die 1940er Jahre standen im Zeichen von Zerstörung und Wiederaufbau: Einem Hochwasser im Jahr 1940 folgten 1944 alliierte Bombardierungen. Im Zweiten Weltkrieg war im Bereich des Bahnhofs ein Rüstungsbetrieb, das „Werk Kraiburg“ gegründet worden und bis 1945 größtenteils durch Zwangsarbeiter betrieben. Ab 1946 entstand auf dem weitläufigen, nun verlassenen Gelände der Ort Waldkraiburg. Der frühere Kraiburger Bahnhof wurde entsprechend umbenannt. Ein weiteres Hochwasser im Jahr 1946 zerstörte die Innbrücke, die jedoch bereits 1947 wiederhergestellt wurde. Im selben Jahr stellte man das Heimatmuseum unter Denkmalschutz. Am 1. April 1950 entstand aus der Industriesiedlung am Bahnhof eine selbständige Gemeinde, die heutige Stadt Waldkraiburg.[9]
Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts: Fortschritt, Kultur und Naturgewalten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1952 wurde das Kraiburger Krankenhaus erweitert. Das Jahr 1966 war durch die Ankunft von Pfarrer Hamberger sowie die feierliche Eröffnung der heutigen Innbrücke geprägt. Es folgten die Renovierung der Marktkirche im Jahr 1967 und der Abbruch des Heimatmuseums im Jahr 1968, das daraufhin in die ehemalige Mädchenschule umzog. Das Jahr 1970 brachte umfassende Modernisierungen: An der Innstraße wurde eine neue Schule gebaut, der Marktplatz gepflastert, der Marktbrunnen erneut renoviert und die Anliegerhäuser am Marktplatz mit neuen Gehsteigen ausgestattet. Das 500. Todesjahr von Bischof Bernhard wurde 1977 mit einem Festspiel gewürdigt, und 1979 öffnete das Bischof-Bernhard-Haus nach umfangreichen Umbauten seine Türen. Im Jahr 1982 wandelte man das Kraiburger Krankenhaus in ein Alten- und Pflegeheim um. Kultur und Vereinsleben wurden 1984 durch die Gründung der Kraiburger Blaskapelle bereichert. Die Geschichte Kraiburgs bis in die Gegenwart wird seit 1999 im Heimatmuseum in den historischen „Salzstadeln“ dokumentiert.
Ein schweres Hochwasser verursachte 1985 große Schäden, doch das darauffolgende Jahr 1986 brachte mit der Entdeckung eines Mastodon-Urelefanten am Innufer eine archäologische Sensation. Die Infrastruktur wurde 1991 durch den Bau einer weiteren Innbrücke im Zuge der Kreisstraße MÜ 18 gestärkt. Vom 19. Juli 1981 bis 6. August 1985 war bei mehreren Hochwassern der niedrig liegende Teil des Ortsgebietes betroffen. 1997 wurde deshalb gemeinsam mit der Stadt Waldkraiburg ein auf beiden Seiten des Inns liegender Hochwasserdamm fertiggestellt.
Das 21. Jahrhundert: Hochwasser und Filmkulisse
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Trotz der Schutzmaßnahmen führte ein erneutes Hochwasser im August 2005 zu Herausforderungen. In jüngerer Zeit machte Kraiburg als attraktive Filmkulisse von sich reden: Im Jahr 2015 fanden im Ort die Dreharbeiten zum Film „Burg Schreckenstein“ statt, gefolgt von den Dreharbeiten zur Fortsetzung „Burg Schreckenstein 2 – Küssen (nicht) verboten“ im Jahr 2017.
Eingemeindungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 1. Februar 1935 wurde die Gemeinde Maximilian (vormals Niederkraiburg) nach Kraiburg eingemeindet. Am 1. Januar 1972 wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern die Gemeinde Guttenburg eingegliedert.[9]
Einwohnerentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Markt von 2889 auf 3999 um 1110 Einwohner bzw. um 38,4 %.
| Jahr | 1961 | 1970 | 1987 | 1991 | 1995 | 2000 | 2005 | 2010 | 2015 | 2022 |
| Einwohner | 2988 | 2735 | 2876 | 3243 | 3964 | 4020 | 4097 | 4004 | 4037 | 4066 |
Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gemeinderat
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach den Wahlen zum Gemeinderat seit 2014 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:
| Partei | CSU | SPD | Grüne | UWG | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|
| Sitze 2026[10] | 7 | 2 | 2 | 5 | 16 |
| Sitze 2020[11] | 7 | 2 | 2 | 5 | 16 |
| Sitze 2014 | 8 | 2 | 1 | 5 | 16 |
Bürgermeisterin
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Petra Jackl (CSU) ist seit dem 1. Mai 2020 Erste Bürgermeisterin der Marktgemeinde.[12] In der Stichwahl vom 29. März 2020 konnte sie sich mit 56,1 % der Stimmen[13] gegen ihre Konkurrentin Anette Lehmann (UWG) durchsetzen. Im ersten Wahlgang der Bürgermeisterwahl vom 15. März 2020 erreichte kein Kandidat die erforderliche absolute Mehrheit. Hier bekam Petra Jackl 43,0 % der Stimmen, auf Anette Lehmann (UWG) entfielen 34,5 % der Stimmen und Werner Schreiber (SPD) erhielt 22,4 % der Stimmen[13]. Petra Jackl wurde bei der Kommunalwahl 2026 mit 89,1 % der Stimmen wiedergewählt.[14]
Ehemalige Bürgermeister:[15]
- Herbert Heiml (CSU, 2012–2020)[16]
- Michael Loher (UWG, 2002–2012)
- Alois Schlagmann (CSU, 1981–2002)
- Johann Kifinger (1978–1981)
- Emil Storfinger (1972–1978)–
- Johann Brandl (1948–1972)
- Christian Drechsel (1945–1948)
- Johann Nennhuber (1935–1945)
- Martin Wesner (1932–1935)
- Hubertus Wimmer (1919–1932)
- Johann Gillitzer (1913–1919)
- Alois Hardt (1901–1913)
- Anton Schenkl (bis 1901)
Gemeindefinanzen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gemeindefinanzen:[17]
- Im Jahr 2017 hatte die Gemeinde Steuereinnahmen von 3497 T€, davon waren 724 T€ Gewerbesteuereinnahmen (netto).
- Die Verschuldung je Einwohner lag Ende 2018 bei 784,00 €.
Wappen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Blasonierung: „In Blau eine goldene Krone.“[18] | |
| Wappenbegründung: Die goldene Krone im Wappen geht auf eine Fehldeutung des Ortsnamens als Kronburg im 16. Jahrhundert zurück. Die Krone findet sich erstmals im Siegel von 1557. Seit 1562 ist das Kronenwappen in Wappensammlungen enthalten. Das älteste Siegel des Marktes, das schon 1493 urkundlich genannt wird und in Abdruck von 1514 überliefert ist, zeigte dagegen das so genannte Gonfanon, die dreilatzige Sturmfahne oder Kirchenfahne. Dieses Symbol erinnerte an die kurze Ortsherrschaft des Grafen Hartmann von Werdenberg-Sargans in den Jahren 1256 bis 1259, dessen Familie die Tübinger Fahne im Schild führte (Grafen von der Fahne). Zuvor war Kraiburg im Besitz der Grafen von Ortenburg-Kraiburg, 1259 erwarb Herzog Heinrich von Niederbayern den Ort. Unter den wittelsbachischen Herzögen wurde Kraiburg 1385 zum Markt erhoben. Im 16. Jahrhundert war die Bedeutung des heraldischen Symbols auf dem Siegel nicht mehr bekannt. Man hielt die Fahne für einen Kamm, der dann in eine Krone umgedeutet wurde.[18]
Wappenführung seit 15. Jahrhundert. Das Wappen ist im Siegel überliefert; Siegelführung seit 1493 belegt.[18] |
Kultur und Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sehenswürdigkeiten
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- Schlossberg der ehemaligen Burg Kraiburg mit Kapelle und Aussicht in das Inntal
- Marktplatz mit im Inn-Salzach-Stil erbauten Häusern
- Schuster-Schleif – Schleiferei mit einer Fassturbine
- Die „Schuster-Schleif“ war einst eine Messer- und Werkzeugschleiferei, heute ist diese ein Industriedenkmal. Die Besonderheit dieser Schleiferei ist der Antrieb durch eine Fassturbine, in ganz Deutschland gibt es nur noch zwei dieser Art. Über Bänder und Wellen wird die Energie dieser Turbine übertragen und treibt dann Schleifsteine, Bohrmaschinen und eine Drehbank an.[19]
- Hammerschmiede Maximilian: Privat-Museum mit voll ausgestatteter Hammerschmiede
- Filialkirche St. Maximilian im Ortsteil Maximilian
- Filialkirche St. Aegidius im Ortsteil Kolbing mit Ursprung im 12. Jahrhundert
- Historisches Haider-Haus am Marktplatz
- Lerchenfeld-Palais
- Pfarrkirche St. Bartholomäus am Marktplatz
- Schloss Guttenburg
- Marktpfarrkirche St. Bartholomäus Kraiburg
- Schlossbergkapelle
- Marktpfarrkirche St. Bartholomäus Kraiburg
- Alte Schuster Schleiferei
- Blick auf den Kraiburger Marktbrunnen
- St. Aegidius in Kolbing
Museum
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Heimatmuseum in den historischen Salzstadeln
- Das Römermuseum schloss 2014. Teile der dortigen Ausstellung befinden sich jetzt im Heimatmuseum.
Gedenkstätte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf dem Friedhof erinnert eine Grabanlage mit Gedenkstein an 242 KZ-Häftlinge aus dem Außenlager Mettenheim des KZ Dachau, die während des Zweiten Weltkrieges Opfer von Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion wurden.[20]
Wirtschaft und Infrastruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es gab 2017 636 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Davon waren im Bereich der Land- und Forstwirtschaft keine, im produzierenden Gewerbe 176 und im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe 101 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 75 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1644. Im verarbeitenden Gewerbe sowie im Bauhauptgewerbe gab es keine Betriebe.[17]
Im Jahr 2016 bestanden zudem 52 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1352 ha. Davon waren 957 ha Ackerfläche.[17]
Bildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2018):[21]
- zwei Kindergärten: 164 Kindergartenplätze mit 130 Kindern
- eine Grundschule: mit acht Lehrern und 146 Schülern
Drehort
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kraiburg und der Kraiburger Marktplatz dienten bereits mehrfach als beliebter Drehort verschiedener Filmproduktionen:
- Am grünen Strand der Spree (1959)
- Flucht ohne Ausweg (1966)
- Madame Bovary (1967)
- Ferdy und Ferdinand (1971)
- Billig tanken in Tibet (2003)
- Toni Goldwascher (2007)
- Was weg is, is weg (2012)
- Burg Schreckenstein (2016)
- Die Rettung der uns bekannten Welt (2021)
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Söhne und Töchter des Marktes
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bernhard von Kraiburg (1412–1477), katholischer Geistlicher und literarischer Humanist
- Wolfgang Hunger (1511–1555), Rechtswissenschaftler, Hochschullehrer und Kanzler in Freising, geboren in Kolbing
- Ludwig Forster (1868–1937), Politiker (ZENTRUM)
- Stefan Höpfinger (1925–2004), Politiker (CSU)
- Willy Mitterhuber (1927–2004), Lyriker
- Annemarie Köllerer (* 1944), Autorin
- Ina Meling (* 1981), Film- und Theaterschauspielerin
Persönlichkeiten, die mit dem Markt in Verbindung stehen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Martin Anton Seltenhorn (1741–1809), Kirchenmaler
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Markt Kraiburg am Inn
- Kraiburg am Inn: Amtliche Statistik des Bayerischen Landesamtes für Statistik
- Kraiburg auf der Website über den Landkreis Mühldorf am Inn
- Kulturkreis Kraiburg
- In der Schleife des Inn - Der kleine Markt Kraiburg Dokumentation des BR
- Drehorte in Kraiburg und Umland OVB-Artikel 2013
- Es war einmal ein Handelskontor OVB-Artikel 2017
- Innformiert - Informative Berichte zu Kraiburg
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Einwohnerzahlen – Stand: 31. Dezember 2025. (PDF; 4,1 MB) Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke in Bayern. In: statistik.bayern.de. Bayerisches Landesamt für Statistik, Mai 2026, abgerufen am 21. Mai 2026 (Hilfe dazu).
- ↑ Gemeinde Kraiburg a.Inn, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 21. Dezember 2021.
- ↑ Gemarkungs- und Gemeindeverzeichnis. Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, 14. Juli 2020, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 2. Februar 2021; abgerufen am 29. Januar 2021.
- ↑ Martin Pietsch: Neue Ausgrabungen in der römischen Grenzsiedlung von Kraiburg a. Inn. In: Das archäologische Jahr in Bayern 1994, 1995, S. 127–130.
- 1 2 Daten zur Gemeinde. Gemeinde Kraiburg am Inn, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 12. Mai 2021; abgerufen am 4. September 2020.
- ↑ Markt Kraiburg a.Inn: Chronik. Abgerufen am 10. September 2023.
- ↑ Bayerns Gemeinden – Markt Kraiburg a. Inn. Haus der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 18. August 2017.
- ↑ Kraiburg a.Inn – Baudenkmäler. (PDF) Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, abgerufen am 18. August 2017.
- 1 2 Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 525.
- ↑ Ergebnisse Gemeinderatswahl in Markt Kraiburg a.Inn. Abgerufen am 8. Juli 2026.
- ↑ Bekanntmachung des vorläufigen Ergebnisses der Wahl des Marktgemeinderates am 15.03.2020. (PDF) Der Wahlleiter der Gemeinde Markt Kraiburg a.Inn, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 21. Januar 2022; abgerufen am 2. Dezember 2020.
- ↑ Bürgermeister. Gemeinde Kraiburg am Inn, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 14. August 2022; abgerufen am 4. September 2020.
- 1 2 Stichwahl in Kraiburg: Petra Jackl (CSU) besiegt Anette Lehmann (UWG), in OVB-online.de, 29. März 2020, abgerufen am 30. März 2020
- ↑ Neue Rathauschefin steht fest: Jackl bei Bürgermeisterwahl in Kraiburg a. Inn vorne. 8. März 2026, abgerufen am 8. Juli 2026.
- ↑ Ein Sitz, der zur Zeit sehr begehrt ist in: OVB online, 21. August 2012, abgerufen am 7. April 2019
- ↑ Dr. Herbert Heiml (CSU) ist neuer Bürgermeister von Kraiburg in Wochenblatt Verlagsgruppe, 7. Oktober 2012, abgerufen am 30. März 2020
- 1 2 3 Statistik kommunal 2018: Markt Kraiburg a.Inn 09 183 124. Bayerisches Landesamt für Statistik, Fürth 2019.
- 1 2 3 Wappen von Kraiburg am Inn in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
- ↑ Archivierte Kopie ( vom 11. Juni 2013 im Internet Archive)
- ↑ Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 156
- ↑ Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, Statistik kommunal 2018

