Melchow

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Wappen Deutschlandkarte
?
Melchow
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Melchow hervorgehoben

Koordinaten: 52° 47′ N, 13° 42′ O

Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Barnim
Amt: Biesenthal-Barnim
Höhe: 60 m ü. NHN
Fläche: 16,61 km2
Einwohner: 1009 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 61 Einwohner je km2
Postleitzahl: 16230
Vorwahl: 03337
Kfz-Kennzeichen: BAR, BER, EW
Gemeindeschlüssel: 12 0 60 161
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Finower Str. 2
16230 Melchow
Website: www.melchow.de
Bürgermeister: Ronald Kühn
Lage der Gemeinde Melchow im Landkreis Barnim
AhrensfeldeAlthüttendorfBernau bei BerlinBiesenthalBreydinBritz (bei Eberswalde)ChorinEberswaldeFriedrichswaldeHohenfinowJoachimsthalLiepeLunow-StolzenhagenMarienwerderMelchowNiederfinowOderbergPanketalParsteinseeRüdnitzSchorfheideSydower FließWandlitzWerneuchenZiethenBrandenburgKarte
Über dieses Bild

Melchow [ˈmɛlçoː] ist eine Gemeinde im Süden des Landkreises Barnim. Sie wird vom Amt Biesenthal-Barnim verwaltet. Der Ort liegt 40 km nordöstlich von Berlin-Mitte, unweit der Kreisstadt Eberswalde.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde hat zwei Ortsteile:

  • Melchow
  • Schönholz

Hinzu kommt der Wohnplatz Wildtränke.[2]

Der ehemalige Ortsteil Spechthausen gehört seit 2006 zur Stadt Eberswalde, nachdem sich die Spechthausener Gemeindevertreter von der Gemeinde Melchow losgesagt hatten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Deutung des Ortsnamens geht auf Mel-kov oder Mil-kov „Ort des Mel-k“ zurück. Hier wird ein Personenname, abgeleitet vom slawischen "mil" als "lieb, teuer", gedeutet. Unaufgeklärt bleibt, ob sich aus dem Deutschen der Wandel von "li" in "le" ergab.[3]

Erstmals wurde der Ort am 18. April 1324 in einer Strausberger Urkunde erwähnt.[4][5] Mit den verschiedenen Schreibweisen wie Melcow, Melkow und Melko wird Melchow im Landbuch Karls IV. von 1375 benannt. Zur Bevölkerung zählten zur damaligen Zeit ein Pfarrer und 13 Kossäten sowie der Besitzer Nitze Winnig (oder Schreibweise Nitzko Winningen[6]). Auch ein Krug gehörte zum Ort, der durch das Krugrecht geregelt wurde.[7] Der ursprüngliche Dorfkern und die alte Dorfkirche sind vermutlich beim Hussiten-Feldzug 1432 zerstört worden. Die verwüstet liegende Region (als Wüste Feldmark zu Melchow bezeichnet) wurde 1441 unter zwei Adelshäuser aufgeteilt, eine Hälfte an die von Holtzendorff, die andere an die von Arnim.

Bis 1580 blieb Melchow im Familienbesitz der beiden Adelsfamilien und wurde 1595 ein Vorwerk des Königlichen Domänenamtes Biesenthal.[8] In der Zeit von 1624 bis 1671 war Melchow nur dünn besiedel, mit nur einem Schäfer und 4 Kossäten.[9] Melchow lag 1776 im Forstrevier Mittelheide, dass zum Biesenthaler Forst des Amtes Biesenthal gehörte und vom Unterförster zu Hegermühle (heute Finow (Eberswalde)) verwaltet wurde.

Zum Dorf gehörten im Jahre 1801 11 Büttner, 7 Kossäten, 7 Einlieger, der Krug und ein Teerofen (Widtränke, schon 1776), in Richtung Spechthausen gelegen.[10] 1840 hatte Melchow direkt im Ort einen zweiten Ofen der bis 1846 bestand.[11] Zur Bewirtschaftung des Biesenthaler Forstes (ab 1881 von der Oberförsterei Eberswalde verwaltet) gab es ab 1860 ein Forsthaus.[12]

Seit 1842 durchquert den Ort die Eisenbahnlinie der Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft, die bis Eberswalde und ab 1843 bis Stettin führte. Im Jahre 1904 bekam Melchow einen Bahnhalt.

Nach dem Ersten Weltkrieg erfuhr das Dorf durch die Kreissiedlungsgesellschaft Oberbarnim einen Aufschwung. Im Zeitraum von 1900 bis 1931 erhöhte sich die Anzahl der Gebäude von 26 auf 95.

In der Zeit des Zweiten Weltkriegs retteten der Landwirt Fleischer und seine Frau dem Juden Ralph Neumann (1926–2015) das Leben. Er durfte auf ihrem Hof in den Sommermonaten 1943 arbeiten und wohnen und entging dadurch für die Zeit in Melchow der Verfolgung und Deportation durch die Nazis.[13][14]

In der damaligen DDR wurde 1955 die LPG Melchow gegründet, die 1975 mit der LPG Grüntal vereinigt wurde.[15]

Melchow gehörte seit 1817 zum Kreis Oberbarnim in der Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Eberswalde im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder). Seit 1993 liegt die Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Barnim.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1624 027
1801 128
1856 233
Jahr Einwohner
1875 253
1890 285
1910 243
1925 463
1933 561
1939 745
Jahr Einwohner
1946 810
1950 843
1964 969
1971 908
1981 841
1985 832
Jahr Einwohner
1990 732
1995 0746
2000 1080
2005 1057
2010 0899
2015 0 932
Jahr Einwohner
2016 0932
2017 0950
2018 0975
2019 0982
2020 0994
2021 1009

Gebietsstand des jeweiligen Jahres[16], Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)[17][18][19], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindevertretung von Melchow besteht aus zehn Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem Ergebnis:[20]

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze
Pro Melchow 54,9 % 6
Nachhaltig für Melchow 22,8 % 2
SPD 16,8 % 2
Einzelbewerber Sven Leisten 05,5 %

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1993–2014: Wolfgang Lindt[21]
  • seit 2014: Ronald Kühn (Pro Melchow)

Kühn wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 mit 72,0 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren gewählt.[22][23]

Kirche
Dorfschmiede

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umgebung von Melchow ist geprägt von der leicht hügeligen, waldreichen Landschaft des Eberswalder Urstromtales. Hier befinden sich unter anderem einige Seen, wie zum Beispiel Samith- und Schwärzesee. Bei der Kirche des Ortes handelt es sich ursprünglich um eine vormalige Feldsteinscheune. Diese dient seit einem Umbau im Jahre 1934 als Gotteshaus. Der Glockenturm wurde 2009 vom Architekturbüro Sauer in Berlin entworfen und ist aus Cortenstahl gefertigt.[24][25] Sehenswert ist außerdem die alte Dorfschmiede in der Eberswalder Straße.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empfangsgebäude des Haltepunkts Melchow (2018), eröffnet 1904

Durch Melchow verläuft die Landesstraße L 200 zwischen Bernau bei Berlin und Eberswalde. Etwa 6 km nordöstlich des Ortsteils Melchow führt die Kreisstraße K 6007 in südlicher Richtung zum Ortsteil Schönholz.

Der Haltepunkt Melchow liegt an der Bahnstrecke Berlin–Szczecin. Dort halten stündlich Regionalzüge der DB Regio der Linie RB 24 (Eberswalde–Berlin–Senftenberg) des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg.

Die Buslinie 919 der Barnimer Busgesellschaft verbindet Melchow mit Eberswalde.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • SV Melchow/Grüntal mit den Abteilungen Fußball, Billard, Volleyball und Tischtennis
  • Reitpark Melchow, ca. 7,5 Kilometer lange, als Rundkurs gestaltete Gelände- und Hindernisstrecke
  • Melchow ist Etappenort der insgesamt 416 km langen 66-Seen-Regionalparkroute durch Brandenburg.

Vereine und Organisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Vereine und Organisationen sind in Melchow tätig.[26]

  • Angelverein Melchow
  • Melchower Carneval-Verein
  • Verein melchowmobil
  • Förderverein Glockenturm Melchow
  • Verein Naturparkbahnhof Melchow
  • Verein Chronisten & Heimatforscher
  • Volkssolidarität
  • Freiwillige Feuerwehr Melchow

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger

2014: Wolfgang Lindt (* 1944), langjähriger Bürgermeister[21]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Melchow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung und Flächen der kreisfreien Städte, Landkreise und Gemeinden im Land Brandenburg 2021 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen, bezogen auf den aktuellen Gebietsstand) (Hilfe dazu).
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Melchow
  3. Gerhard Schlimpert, Die Ortsnamen des Barnim Bd. 6 Weimar 1984
  4. Ersterwähnung von Melchow am 18. April 1324. Das Pergament lagert unter Rep. 8 Stadt Strausberg – Urkunde Nr. 10 A im Brandenburgischen Landeshauptarchiv
  5. Brandenburgisches Landeshauptarchiv Signatur: 8 Strausberg U 10 A Titel: Die Räte der Städte Eberswalde und Bernau erklären gegenüber dem Rat der Stadt Frankfurt (Oder) auf eine in dessen Namen durch den Rat von Strausberg vorgelegte Frage, sich nicht von den übrigen Städten des Landes trennen zu wollen.
  6. Naturpark Barnim von Berlin bis zur Schorfheide Eine landeskundliche Bestandsaufnahme Von Haik Thomas Porada, Lisa Merkel, Böhlau Verlag Köln 2020 ISBN 9783412513795, ISBN 3412513792 S. 388 bis 389
  7. Eduard Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter und Dörfer in derselben. Selbstverlag des Verfassers, Berlin 1857, S. 47.
  8. Geschichtliches auf www.melchow.de
  9. Neue Siedlungen in Brandenburg 1500 bis 1800 Beiband zur Brandenburgischen Siedlungskarte 1500 – 1800. Einzelschriften der historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und Berlin 8. von Berthold Schulze, Klaus Becker Verlag 2021 ISBN 9783883722931, ISBN 3883722936 S. 51
  10. Statistisch-topographische Beschreibung der Kurmark Brandenburg, Band 1 von August Heinrich von Borgstede S. 279
  11. Geschichtliches auf www.melchow.de
  12. Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VI, Barnim. Klaus Becker Verlag, Potsdam 2021, S. 620.
  13. Gedenkstätte Deutscher Widerstand (www.gdw-berlin.de) Ralph Neumann
  14. Erinnerungen an meine Jugendjahre in Deutschland 1926 – 1946 Autobiografie ISBN 3-926082-23-2. S. 21 (PDF-Datei)
  15. Naturpark Barnim von Berlin bis zur Schorfheide. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme. Von Haik Thomas Porada, Lisa Merkel, Böhlau Verlag Köln 2020 S. 389
  16. E. Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg, oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter und Dörfer in derselben als Fortsetzung des Landbuchs Kaiser Karl's IV. Verlag J. Gutentag, Berlin 1858, S. 93.
  17. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Barnim. S. 18–21
  18. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  19. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
  20. Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019
  21. a b Kompetenz, Leidenschaft und Besonnenheit. In: Märkische Oderzeitung. 29. Juli 2014 (moz.de).
  22. § 73 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes
  23. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019
  24. Projekt Glockenturm Melchow
  25. a b GC8ZVMB Auf dem Jakobsweg - Kirche von Melchow (Traditional Cache) in Brandenburg
  26. melchow.de Vereine&Organisationen auf www.melchow.de
  27. Touristisches Begegnungszentrum
  28. Tourismus-Eberswalde Abschnitt Eberswalde - BiesenthalLänge)