Oberkotzau

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Oberkotzau
Oberkotzau
Deutschlandkarte, Position des Marktes Oberkotzau hervorgehoben

Koordinaten: 50° 16′ N, 11° 56′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Hof
Höhe: 484 m ü. NHN
Fläche: 21,51 km2
Einwohner: 5337 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 248 Einwohner je km2
Postleitzahl: 95145
Vorwahl: 09286
Kfz-Kennzeichen: HO, MÜB, NAI, REH, SAN
Gemeindeschlüssel: 09 4 75 158
Marktgliederung: 8 Gemeindeteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Am Rathaus 2
95145 Oberkotzau
Website: www.oberkotzau.de
Erster Bürgermeister: Stefan Breuer[2] (CSU)
Lage des Marktes Oberkotzau im Landkreis Hof
Schwarzenbach an der SaaleZell im FichtelgebirgeWeißdorfTrogen (Oberfranken)TöpenStammbachSparneckSelbitz (Oberfranken)Schwarzenbach am WaldSchauensteinRehauRegnitzlosauOberkotzauNailaMünchbergLichtenberg (Oberfranken)KonradsreuthKöditzIssigauHelmbrechtsGeroldsgrünGattendorf (Oberfranken)FeilitzschDöhlauBerg (Oberfranken)Bad StebenLandkreis KronachHof (Saale)Landkreis Wunsiedel im FichtelgebirgeLandkreis KulmbachLandkreis BayreuthMartinlamitzer Forst-NordGeroldsgrüner ForstGerlaser ForstForst Schwarzenbach a.WaldSachsenThüringenTschechienKarte
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt
Brücke über die Schwesnitz, im Hintergrund die evangelische Kirche St. Jakobus mit Pfarrhaus
Evangelisches Pfarrhaus
Pfeifersbrücke und Schloss Oberkotzau

Oberkotzau ist ein Markt im oberfränkischen Landkreis Hof und liegt unmittelbar südlich der Stadt Hof.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Markt liegt an der Mündung der Schwesnitz in die Saale.

Oberkotzau liegt im Ballungsraum von Hof (Saale).

Saale bei Oberkotzau

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Döhlau, Rehau, Schwarzenbach an der Saale, Konradsreuth sowie die kreisfreie Stadt Hof.

Die Stadt liegt im Hofer Land.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberkotzau hat acht Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberkotzau ist eine der ältesten Ansiedlungen im nordöstlichen Franken. Der Ort entstand an der Einmündung der Schwesnitz in die „Sächsische“ Saale und bestand ursprünglich aus drei Ansiedlungen mit eigenen Namen, wobei die rechts der Schwesnitz liegende Schwandewitz hieß. Nach ortsgeschichtlichen Überlieferungen soll diese von Wenden besiedelt worden sein. Der links der Schwesnitz befindliche Gemeindeteil, früher Koczaw (mit der späteren Umwandlung in Kotzau), hängt mit der Entstehung des alten Rittergeschlechtes von Kotzau zusammen. Der links der Saale gelegene dritte Ortsteil hieß Saaldorf und gilt wie Kotzau als deutsche Siedlung. Die erste urkundliche Erwähnung von Kotzau datiert vom 26. März 1234. Urkundlich tauchte der Name Oberkotzau erstmals 1686 auf, als der Generalleutnant Leopold von Holstein Sonderburg und Wiesenburg es kaufte und bis 1724 dort lebte und starb. Er war der Sohn der letzten regierenden Dynastie der Schlesischen Piasten in Schlesien, Herzöge von Liegnitz, Brieg, Wohlau und Ohlau.

Erste Herren von Oberkotzau waren das uradelige Geschlecht derer von Kotzau, eines Rittergeschlechts, das über großen Reichtum und hohes Ansehen verfügte und eine wichtige Rolle in der Gegend spielte. Zu ihren Privilegien gehörte im Ort die Hochgerichtsbarkeit und die kaiserliche Freistätte, eine Zufluchtsstätte für Gesetzesübertreter – ausgenommen Ehebrecher und Mörder – die dort unbehelligt die Entscheidung des Gerichtes abwarten konnten. Seit 1760 wurde von ihr kein Gebrauch mehr gemacht und sie wurde 1799 offiziell aufgehoben. Weitere Handelsprivilegien waren das Marktrecht und die Erlaubnis, Juden anzusiedeln. Ein Flurname gibt über eine ehemalige jüdische Begräbnisstätte Auskunft. Die von Kotzau waren u. a. Amtmänner von Hof und auf dem Epprechtstein.

Als Mitte des 17. Jahrhunderts das Geschlecht derer von Kotzau erlosch, gingen die Kotzauer Güter nach einigen Zwischenstationen an die Markgrafen von Bayreuth über. Ein Verwandter des Landesherren, Markgraf Georg Albrecht aus dem Hause Brandenburg-Kulmbach, erwarb sie 1698 durch Kauf. Nach der Verehelichung mit einer Bürgerlichen richtete der Markgraf seinen Wohnsitz in Oberkotzau ein und wurde Gründer der freiherrlichen Familie von Kotzau, hochfürstlich brandenburg-kulmbachischer Abstammung. Die Familie ließ an der Stelle des 1852 abgebrannten alten Schlosses das heutige große, etwas fremdartig anmutende Schloss errichten.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsansicht, Mitte des 19. Jahrhunderts

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten viele Bürger des Ortes von Agrarwirtschaft, Viehhandel, Groß- und Einzelhandel und Handwerk. Arbeitsplätze wurden auch durch Betriebsgründungen geschaffen (Textilfärberei und -druckerei, Porzellanmanufaktur, Porzellanmalerei, Marmelade-, Hefe- und Siruperzeugung, Treibriemenproduktion, Autowerkstätten etc.).

Flüchtlinge und Vertriebene und die Funktion als Speckgürtel des benachbarten Hof wie auch eine geschickte Ansiedlungspolitik der Gemeinde ließen nach dem Zweiten Weltkrieg die Bevölkerungszahlen und die Wirtschaftskraft des Ortes stark ansteigen.

In den folgenden Jahrzehnten wurden in Oberkotzau größere Unternehmen angesiedelt.

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem der Fernwehpark 2017 in Hof abgebaut wurde, baute man ihn 2018 in Oberkotzau wieder auf. Deshalb kommen jetzt auch nach Oberkotzau immer wieder Prominente, um im Fernwehpark einen Star-Stern zu eröffnen.

In Oberkotzau herrscht großer Bedarf an Baugrundstücken. Zukünftig sollen mehr Wohngebiete entstehen, so etwa das Wohngebiet Schwesnitztalblick.[4]

Der Markt Oberkotzau hat im September 2019 den Bebauungsplan für ein neues Fachmarktzentrum abgeschlossen. Dieses soll an der Hofer Straße entstehen und Platz für einen Supermarkt, einen Backshop, zwei Einzelhändler und zwei Dienstleister bieten.[5]

Nach 15 Jahren Diskussion über eine Ortsumgehung wurde 2019 vom bayerischen Verwaltungsgerichtshof entschieden, dass diese gebaut werden darf. Das Projekt soll 14,5 Millionen kosten.[6] Ein Bürgerentscheid vom 14. März 2021 bestätigte diese Entscheidung nochmals.[7]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 Gemeinden Autengrün und Fattigau eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kam ein Teil der Gemeinde Martinsreuth hinzu.[8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zeitraum 1988 bis 2018 wuchs der Markt minimal von 5300 auf 5357 um 57 Einwohner bzw. um 1,1 %. Am 31. Dezember 2000 hatte der Markt 5939 Einwohner.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus 20 Mitgliedern.

Nach der Kommunalwahl 2008 verteilten sich die Sitze folgendermaßen:

Die Kommunalwahl am 16. März 2014 führte zu dieser Zusammensetzung des Marktgemeinderates:[9]

  • CSU: 12 Sitze
  • SPD und Grüne/ÖDP: 8 Sitz

Die Kommunalwahl am 15. März 2020 ergab folgende Sitzverteilung[10]:

  • CSU: 11 Sitze
  • SPD: 4 Sitze
  • UWO: 5 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1972–1986: Emil Spröd
  • 1986–April 2008: Ernst Schrödel
  • seit Mai 2008: Stefan Breuer

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Oberkotzau
Blasonierung:Gespalten; vorne in Silber ein halber, golden bewehrter roter Adler mit goldenem Kleeblatt auf dem Flügel am Spalt; hinten geviert von Silber und Schwarz.“[11]
Wappenbegründung: Das Wappen zeigt den Brandenburgischen Adlers und zum anderen eine Vierung aus abwechselnd silbernen und schwarzen Feldern. Beides sind Hoheitszeichen der Hohenzollern, die über das Fürstentum Bayreuth, sowie das vorausgehende Brandenburg-Kulmbach und die Burggrafschaft Nürnberg und die von ihnen neu begründeten Freiherren von Kotzau in enger Beziehung zum Ort standen. Das Wappen wurde auch von einem Markgrafen verliehen. Als Variante gab es Anfang des 19. Jahrhunderts mit dem Übergang der Region an Bayern kurzzeitig ein Wappen in dem die Farben der Hohenzollern durch die bayerischen Landesfarben (blau-weiß) ersetzt worden waren.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Jakobus
Katholische Kirche St. Antonius
Fernwehpark Oberkotzau

Freizeit und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Markt Oberkotzau ist Ausgangspunkt für Ausflüge ins Fichtelgebirge und in den Frankenwald sowie in die Stadt Hof.

Stiftungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zeidler-von Kotzauische Evangelische Stiftung Oberkotzau
  • Stiftung für Kultur in Oberkotzau

Bodendenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Liste der Bodendenkmäler in Oberkotzau

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhofsseite der Bahnstrecken Bamberg–Hof und Regensburg–Hof

Der Bahnhof Oberkotzau liegt an den Eisenbahnstrecken Weiden–Oberkotzau und Bamberg–Hof. In der als Keilbahnhof angelegten Anlage zweigt die Bahnstrecke Cheb–Oberkotzau ab. Die Lage an drei Strecken war der Grund, dass Oberkotzau Ende des Zweiten Weltkriegs, als der Hofer Hauptbahnhof zerbombt war, größere Bedeutung als Umschlagplatz für Waren und im Fahrgastverkehr erlangte.

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe verlaufen die Autobahnen 9, 93 und 72.

Aktuell ist die Ortsdurchfahrt in Oberkotzau die meistbefahrene Staatsstraße Bayerns mit bis zu 17.000 Fahrzeugen täglich.

ÖPNV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Oberkotzau verkehrt ein Bürgerbus in einem regelmäßigen Takt.

Durch den Ort fahren mehrere Regionalbuslinien von Hof im Norden in das Fichtelgebirge im Süden.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gealan Fenster-Systeme GmbH
  • GEALAN Formteile GmbH
  • Siebenstern, Jackstädt & Co. KG, Konservenfabrik
  • Gemeinhardt AG, Heizung, Solar, Bad
  • Schloßbrauerei Fattigau
  • Solartechnik Kropf GmbH
  • Prozesstechnik Kropf GmbH
  • Dachser GmbH

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberkotzau verfügt über eine Grund- und Hauptschule und je einen evangelischen, katholischen und kommunalen Kindergarten. Zu den sozialen Einrichtung zählen ein Seniorenheim und eine Wohngruppe der Diakonie Hochfranken.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Marktes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Endemann (1885–1950), in Fattigau geboren, Politiker
  • Johann Georg Hager (1709–1777), Pädagoge und Geograph
  • Johann Kapp (1739–1817), deutscher klassischer Philologe, lutherischer Geistlicher und Theologe
  • Johann Erhard Kapp (1696–1756), Rhetoriker und Historiker
  • Johann Porst (1668 – 1728), Theologe, Propst und Consistorialrat in Berlin
  • Karl Bernhard von Reitzenstein (1809–1885), württembergischer Generalleutnant
  • Anna Schmidt (1897–1931) war als 540 Pfund schwere Schaustellerin „Rosa Debela“ europaweit berühmt.

Personen, die mit Oberkotzau in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Oberkotzau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Oberkotzau – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genesis Online-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Statistik Tabelle 12411-001 Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Bürgermeister. Gemeinde Oberkotzau, abgerufen am 30. September 2020.
  3. Gemeinde Oberkotzau in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 28. August 2010.
  4. https://www.frankenpost.de/region/hof/Weitere-Schritte-fuer-neues-Baugebiet;art83415,6879834
  5. https://www.euroherz.de/ein-fachmarktzentrum-fuer-oberkotzau-aufstellungsbeschluss-fuer-bebauungsplan-beschlossen-5871301/
  6. https://www.br.de/nachrichten/amp/bayern/nach-jahrelangem-streit-weg-fuer-ortsumgehung-oberkotzau-frei,RbCluKU
  7. https://oberkotzau.de/wp-content/uploads/2021/03/Vorlaeufiges-Ergebnis-Buergerentscheid.pdf
  8. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 485.
  9. www.oberkotzau.de/rathaus/marktgemeinderat
  10. Gemeinderat – Markt Oberkotzau. Markt Oberkotzau, abgerufen am 5. Juni 2020.
  11. Eintrag zum Wappen von Oberkotzau in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte