Feilitzsch

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Feilitzsch (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Feilitzsch
Feilitzsch
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Feilitzsch hervorgehoben
50.36222222222211.935500Koordinaten: 50° 22′ N, 11° 56′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Hof
Verwaltungs­gemeinschaft: Feilitzsch
Höhe: 500 m ü. NHN
Fläche: 30,21 km²
Einwohner: 2869 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 95 Einwohner je km²
Postleitzahl: 95183
Vorwahl: 09281
Kfz-Kennzeichen: HO, MÜB, NAI, REH, SAN
Gemeindeschlüssel: 09 4 75 123
Gemeindegliederung: 9 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstr. 28
95183 Feilitzsch
Webpräsenz: www.feilitzsch.de
Bürgermeister: Franzisco Hernandez Jimenez (Freie Wähler)
Lage der Gemeinde Feilitzsch im Landkreis Hof
Schwarzenbach an der Saale Zell im Fichtelgebirge Weißdorf Trogen (Oberfranken) Töpen Stammbach Sparneck Selbitz (Oberfranken) Schwarzenbach am Wald Schauenstein Rehau Regnitzlosau Oberkotzau Naila Münchberg Lichtenberg (Oberfranken) Konradsreuth Köditz Issigau Helmbrechts Geroldsgrün Gattendorf (Oberfranken) Feilitzsch Döhlau Berg (Oberfranken) Bad Steben Landkreis Kronach Hof (Saale) Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge Landkreis Kulmbach Landkreis Bayreuth Martinlamitzer Forst-Nord Geroldsgrüner Forst Gerlaser Forst Forst Schwarzenbach a.Wald Sachsen Thüringen TschechienKarte
Über dieses Bild

Feilitzsch ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Hof und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Feilitzsch. Die Gemeinde im Bayerischen Vogtland liegt etwa sechs Kilometer nördlich der kreisfreien Stadt Hof an den Autobahnen A 72 (Anschlussstelle 3, Hof/Töpen) und A 93 (Anschlussstelle 2, Hof-Ost).

Geografie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Dreiländereck Bayern-Sachsen-Thüringen.

Ortsteile[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen der neun Ortsteile.

(Stand: 1. Februar 2005)

Geschichte[Bearbeiten]

Ältestes Zeugnis menschlicher Besiedlung im Gemeindegebiet ist ein gut erhaltenes Steinbeil aus der Jungsteinzeit, das im Gemeindeteil Münchenreuth gefunden wurde und im Museum Bayerisches Vogtland in Hof zu besichtigen ist. Feilitzsch wird von den Einwohnern von Feilitzsch und der Umgebung mundartlich als „Feilsch (Veilsch)“ bezeichnet. Man vermutet, dass dies auf das Adelsgeschlecht von Veilsdorf verweist, das von den Vögten von Weida im 12. Jahrhundert mit Land zwischen Hof und Thüringen belehnt wurde, um dort eine Wasserburg zu errichten. Im 12. Jahrhundert bestanden vermutlich in Feilitzsch im Bereich der heutigen Brauhausgasse und in Zedtwitz auf dem Burgstall (heute Insel) Wasserburgen.[2]

Urkundlich wurde Feilitzsch 1390 erstmals erwähnt. Dort wurden ein Rittersitz von „Hans Reymboth“ und ein weiterer von „Jung Hans von Feyltsch“ und „Ulrich von Feyltsch“ (Ahnherren des bis heute bestehenden Adelsgeschlechts von Feilitzsch) sowie 13 Anwesen von Bauern („Cunrad Weiß, Fritz Pöler, Hans Neubauer, Hans Smid“ (Schmidt), „Heinrich Bezold, Nicol Köppel, Heinrich Frank, Cunrad Smid, Merkel und Spitzbarth“) genannt. Das Dokument verzeichnet für Zedtwitz eine Wasserburg als Sitz des „Hilpald“, ein Vorwerk und zwei Höfe („Hanns Keil, Nickel Koch“) sowie weitere Anwesen („Otto Puchbach, Walter Fritz, Berchthold, Nickel Krug, Götz Flecklein, Walther Alt, Hans Peyer“ und „Heinrich Vetterlein“). Auch der Gemeindeteil Münchenreuth wird mit einer Kapelle „bey Munchenreuthe“ benannt. Ritter Peter von Zedtwitz übergab 1398 das Schloss in Münchenreuth seinem Sohn Konrad.[2]

Im Jahre 1421 stand bei Feilitzsch eine Kapelle, die von einem Hofer Priester betreut wurde. Als Standort wird entweder der Hofberg (ehemaliger Steinbruch) oder der Bühl (Am Bühl/Mittelweg) vermutet. Auch für Zedtwitz und Münchenreuth sind für dieses Jahr Kapellen nachweisbar. Das Rittergut in Münchenreuth ging 1488 an Friedrich von Beulwitz über.[2]

Das Schloss in Zedtwitz ging 1502 von der Adelsfamilie Zedtwitz auf das Adelsgeschlecht von Feilitzsch über. Feilitzsch kam 1529 im Zuge der Reformation zur Pfarrei Trogen mit Pfarrsitz in Hof. Die bisherigen (katholischen) Kapellen in Feilitzsch, Münchenreuth und Zedtwitz wurden nicht mehr genutzt und dem Verfall preisgegeben. Mehrere Mitglieder des Adelsgeschlechts von Feilitzsch unterstützten die Reformation auch mit erheblichen Geldmitteln und hatten direkten Briefkontakt mit Martin Luther. Im Jahre 1546 gab es drei Gutshöfe in der Ortschaft Feilitzsch, das Untere Gut, das auf das 12. Jahrhundert zurückgehende Wasserschloss im Bereich der jetzigen Brauhausgasse, das Mittlere Gut im Bereich des heutigen Gutshofs unter Einbeziehung des Schlößlas und das Obere Gut. Alle waren im Besitz des Adelsgeschlechts von Feilitzsch. Im folgenden Jahr ging das Untere Gut an die von Watzdorf. Abraham von Feilitzsch verkaufte 1577 die Güter in Zedtwitz und Schollenreuth an Utz von Ende, Sigmund von Feilitzsch verkaufte 1577 das Obere Gut an seinen Schwager Wilhelm von Dobeneck und Dietrich von Feilitzsch kaufte 1591 das Untere Gut wieder zurück.[2]

Im Jahre 1604 ging das Gut in Münchenreuth an Adam und Christoph Carl von Reitzenstein über. Im Dreißigjährigen Krieg bezog eine Reiterkompanie des Herzogs von Anhalt auf der Seite der schwedischen Truppen im Gemeindeteil Zedtwitz am 1. Januar 1632 Quartier. Fünf Monate später, am 6. Mai 1632, mussten schwedische Truppen im gesamten Gemeindebereich einquartiert werden. Acht Monate nach der ersten Besetzung traf am 9. August 1632 das „Corb Axel Holck“ in Feilitzsch ein. Dieses raubte, plünderte, marodierte, konfiszierte Pferde und Wagen der Bewohner und verdarb das Getreide auf den Feldern. Am 29. September 1633 wiederholten sich diese Ereignisse, jedoch diesmal durch kaiserliche Truppen, die, aus Richtung Schleiz kommend, einfielen. Am 6. Februar 1634 plünderten kroatische Truppen Zedtwitz. Der Oberist Peter Reuschel kaufte 1638 das Zedtwitzer Schloss. Bis zum Jahr 1650 kam es immer wieder zu Plünderungen. Hieran änderte auch der Frieden von Münster und Osnabrück im Jahr 1648 kaum etwas.[2]

Das Mittlere Gut brannte 1714 ab und wurde nicht mehr aufgebaut. Im Jahre 1717 wurde das Zedtwitzer Schloss an Geheimrat Erdmann von Stein verkauft, der es 1718 in ein Barockschloss umbauen ließ. Adam Ernst Erdmann von Feilitzsch vom Unteren Gut kaufte 1735 das Obere Gut von der Familie von Dobeneck zurück und vereinigte damit die Güter. 10 Jahre darauf brach Ludwig Ernst von Feilitzsch das Obere Gut ab und ersetzte es durch den heutigen barocken Schlossbau im mittleren Ortsteil. Im Jahre 1775 ging das Gut in Münchenreuth an Georg Heinrich Lazarus von Feilitzsch über. Mit dem Fürstentum Bayreuth fiel 1791 das Rittergut der Freiherren von Feilitzsch an Preußen. Jedoch gelangte es 1806 durch den Frieden von Tilsit an Frankreich und kam 1810 zum Königreich Bayern.[2]

Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt die Gemeinde, die bis 1978 bestand. Die Überreste der bereits zur Ruine verkommenen Wasserburg in Zedtwitz wurden 1839 abgerissen. Von 1844 bis 1851 wurde die Bahnstrecke Leipzig–Hof als Teil der Sachsen-Franken-Magistrale durch Feilitzsch gebaut und 1883 die Eisenbahnhaltestelle Feilitzsch oberhalb des Schlosses eröffnet. Obwohl Feilitzsch zu Bayern gehörte, wurde die Eisenbahnlinie Sachsen-Franken-Magistrale ab Hof von der Sächsischen Eisenbahn betrieben.[3] Im Jahr darauf wurde eine Postexpedition eingerichtet.[2]

Die Dampfmaschinen hielten um 1900 in Feilitzsch Einzug. Damit begann dort das Industriezeitalter. Sowohl die Wurstfabrik Wolfgang Franz[4] als auch die Mechanische Zwirnerei Friedrich wurden mit Dampfmaschinen betrieben. Durch das Potsdamer Abkommen gehörte Feilitzsch zum unmittelbaren Zonenrandgebiet. So war Feilitzsch vom nördlichen Hinterland abgeschnitten. Im Juni 1973 wurde der Bahnhof Feilitzsch für den Personenverkehr geschlossen. Er blieb jedoch weiterhin mit Personal besetzt, um die Schrankenanlage der am Bahnhof querenden Kreisstraße HO1 zu bedienen und als Übernahmepunkt der Interzonenzüge der Deutschen Reichsbahn vom Grenzbahnhof Gutenfürst. Im Jahr 1978 wurde für die Gemeinden Töpen, Feilitzsch, Trogen und Gattendorf eine Verbandshauptschule eingerichtet. Im Jahr 1983 errichtete man das neue Rathaus, das gleichzeitig Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Feilitzsch wurde.[3] Im Oktober 1989 wurde der Bahnhof Feilitzsch erster bundesdeutscher Haltepunkt der Sonderzüge der DDR-Bürger, die in die Deutsche Botschaft in Prag geflüchtet waren, um die Ausreise in die Bundesrepublik zu erreichen.[3][2]

Am 15. September 2006 wurde der Eisenbahn-Haltepunkt Feilitzsch etwas östlich vom früheren Bahnhof eröffnet, an dem nach 33 Jahren wieder Personenzüge in Feilitzsch halten.[3][2]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Mai 1978 wurden die ehemals selbstständigen Gemeinden Münchenreuth und Zedtwitz eingegliedert.[5][2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1961: 2353
  • 1970: 2328
  • 1987: 2307
  • 2000: 2807
  • 2011: 2847

Politik[Bearbeiten]

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 939.000 Euro, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 85.000 Euro. Bürgermeister ist Francisco Hernandez Jimenez (FÜWG). Er wurde im Jahr 2014 Nachfolger von Helmut Grießhammer (CSU).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Ortsteil Münchenreuth befindet sich direkt neben dem Dreiländereck der Freistaaten Sachsen, Thüringen und Bayern. Auf diesem Grenzpunkt ist der so genannte Drei-Freistaaten-Stein eingesetzt.[6]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft sieben, im produzierenden Gewerbe 210 und im Bereich Handel und Verkehr 45 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 139 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 910. Im verarbeitenden Gewerbe gab es zehn Betriebe, im Bauhauptgewerbe vier Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 49 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 2185 Hektar, davon waren 1736 Hektar Ackerfläche und 447 Hektar Dauergrünfläche.

Verkehr[Bearbeiten]

Feilitzsch liegt an der Bahnstrecke Leipzig–Hof. Die Deutsche Bundesbahn hatte bis 1973 einen lokalen Betrieb zwischen Hof Hbf und Feilitzsch aufrechterhalten. Im Jahr 1989 war Feilitzsch der erste Haltepunkt der Sonderzüge der DDR-Flüchtlinge aus der deutschen Botschaft in Prag. Seit dem 15. September 2006 ist Feilitzsch wieder an die Sachsen-Franken-Magistrale angeschlossen. Nach mehr als 33 Jahren halten wieder Züge von Plauen nach Hof am neu errichteten Haltepunkt.

Bildung[Bearbeiten]

Seit 1999 gibt es eine Volksschule mit 28 Lehrern und 524 Schülern.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wilhelm L. K. A. Freiherr von Feilitzsch: Geschichte und Genealogie der Familie von Feilitzsch. Neustadt a. d. Aisch 1875–1903.
  •  August Gebeßler: Stadt und Landkreis Hof. Deutscher Kunstverlag, München 1960, S. 41.
  •  Hans Hofner: Zur Geschichte des vogtländischen Adels. Die Herren von Feilitzsch auf Feilitzsch. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken. Bd. 54, Bayreuth 1974, ISSN 0066-6335, S. 257–336.
  •  Hans Hofner: Chronik von Feilitzsch, Münchenreuth und Zedtwitz.
  •  K. Schubert: Chronik der Gemeinde Feilitzsch.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Feilitzsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Oktober 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b c d e f g h i j H. Grießhammer: Gemeinde Feilitzsch : Chronik und Geschichte. www.feilitzsch.de, abgerufen am 15. November 2015.
  3. a b c d Frank Schaal: Die Züge halten wieder in Feilitzsch! www.n-thusiasten.de, abgerufen am 15. November 2015.
  4. Dampfmaschinen-Verzeichnis. www.albert-gieseler.de, abgerufen am 15. November 2015.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 688.
  6. vgl. http://www.münchenreuth.de/dreifreistaatenstein.html