Oktoberfest 1900

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Fernsehserie
OriginaltitelOktoberfest 1900
ProduktionslandDeutschland, Tschechien
OriginalspracheDeutsch
Jahr2020
Produktions-
unternehmen
Zeitsprung Pictures GmbH,
Violet Pictures,
Maya Production
Länge45 Minuten
Episoden6 in 1 Staffel (Liste)
TitelmusikWos übrig bleibt (Dreiviertelblut)
RegieHannu Salonen
IdeeAlexis von Wittgenstein
DrehbuchChristian Limmer,
Ronny Schalk,
Michael Proehl,
Nikolaus Schulz-Dornburg,
Stephan Betz,
Christian Lex
ProduktionMichael Souvignier,
Felix von Poser,
Till Derenbach,
Alexis von Wittgenstein
MusikMichael Klaukien
KameraFelix Cramer
SchnittRonny Mattas
Erstausstrahlung15. September 2020 auf Das Erste
Besetzung

Hauptdarsteller:

Nebendarsteller:

Oktoberfest 1900 (Arbeitstitel: Oktoberfest – 1900) ist eine sechsteilige deutsch-tschechische Fernsehserie der Head-Autoren Christian Limmer und Ronny Schalk nach einer Idee von Alexis von Wittgenstein mit Mišel Matičević, Martina Gedeck, Francis Fulton-Smith, Klaus Steinbacher, Mercedes Müller, Brigitte Hobmeier und Maximilian Brückner. Regie führte Hannu Salonen.[1][2]

Die Serie wurde am 8. September 2020 in der ARD Mediathek veröffentlicht, die Erstausstrahlung im Ersten ist an drei Abenden am 15., 16. und 23. September 2020 in Doppelfolgen im Hauptabendprogramm vorgesehen. Im Anschluss an die ersten beiden Episoden wurde die 30-minütige Dokumentation München 1900 – Von Bierbaronen und Künstlerfürsten gezeigt.[3][4] Anlässlich der Premiere am 8. September 2020 fand ein Live-Filmtalk, moderiert von Christina Wolf, mit Hauptdarstellern und Stab statt.[5]

Auf Netflix soll die Serie am 1. Oktober 2020 unter dem Titel Oktoberfest: Beer & Blood veröffentlicht werden.[6][7][8]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Serie spielt in München im Jahr 1900. Die Macht geht von den Brauereien als größten Arbeitgebern der Stadt aus sowie von den in deren Gunst stehenden Wiesnwirten, die die Schanklizenzen für das Oktoberfest innehaben. Curt Prank ist ein Großbrauer aus Franken, der auf dem Oktoberfest expandieren möchte. Allerdings erhält er als Auswärtiger weder eine Schanklizenz, noch darf sein fränkisches Bier ausgeschenkt werden. Mittels Erpressung, Bestechung und Auftragsmord gelingt es Prank, fünf nebeneinanderliegende Wirtsparzellen zu ergaunern, auf denen er ein Riesenzelt errichten möchte.

Der Plan bringt kleine Münchner Traditionsbrauereien wie das Deibel Bräu der Familie Hoflinger an den Rand der Existenz und löst einen harten Überlebenskampf aus. Zu Pranks Konkurrenten zählt auch Anatol Stifter. Außerdem entwickelt sich zwischen Curt Pranks Tochter Clara und Roman Hoflinger, dem Sohn der Brauereifamilie, eine Liebesbeziehung, die Curts Pläne gefährdet.[3][2]

Produktion und Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten fanden vom 7. Mai bis zum 13. August 2019 statt, gedreht wurde in Prag, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Produziert wurde die Serie von der deutschen Zeitsprung Pictures GmbH (Michael Souvignier und Till Derenbach) in Koproduktion mit der deutschen Violet Pictures (Alexis von Wittgenstein) und der tschechischen Maya Production.[1] Drehort war unter anderem eine leerstehende Wirtsstube in Deutenhausen, die auch schon für die Dreharbeiten der Eberhoferkrimis genutzt wurde.[9]

Beteiligt waren der Bayerische Rundfunk, ARD Degeto, WDR und MDR, unterstützt wurde die Produktion vom FilmFernsehFonds Bayern, der Film- und Medienstiftung NRW und dem German Motion Picture Fund. Den Weltvertrieb übernahm die Beta Film GmbH.[2]

Für die Kamera zeichnete Felix Cramer verantwortlich, für das Kostümbild Michaela Horejsí, für das Szenenbild Benedikt Herforth und Astrid Poeschke, für den Ton Tomáš Bělohradský, für das Maskenbild Jeanette Latzelsberger und für das Casting Anja Dihrberg.[1]

Die Serie soll am 1. Oktober 2020 unter dem Titel Oktoberfest: Beer & Blood auf Netflix veröffentlicht werden.[6][7][10] Als Inspiration für die Figur Curt Prank diente der fränkische Wiesnwirt Georg Lang.[9][11] Dieser bekam für das Oktoberfest 1898 die „I. Bayerische Riesenhalle“ mit 6000 Plätzen genehmigt.[12] Im Jahr 1900 hatte München noch 180 Brauereien, zehn Jahre später waren es noch 15.[9]

Im Anschluss an die ersten beiden Episoden wurde die 30-minütige Dokumentation München 1900 – Von Bierbaronen und Künstlerfürsten gezeigt.[3][13]

Im August 2020 veröffentlichte Autorin Petra Grill den Roman Oktoberfest 1900 – Träume und Wagnis.[14]


Episodenliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr.
(ges.)
Nr.
(St.)
Original­titel Erstaus­strahlung Deutschland
1 1 Die Vision 15. September 2020
2 2 Die Zeichen der Zeit 15. September 2020
3 3 Liebe und Kapital 16. September 2020
4 4 Anstich 16. September 2020
5 5 Aufbruch in ein neues Jahrhundert 23. September 2020
6 6 Das Jüngste Gericht 23. September 2020

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einschaltquoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datum Folgen Zuschauer
(gesamt)
Marktanteil Quelle
15. Sep. 2020 1+2 4,45 Millionen 15,5 % [15]
16. Sep. 2020 3+4 3,52 Millionen 12,3 % [16]
23. Sep. 2020 5+6

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rainer Tittelbach von tittelbach.tv schrieb, dass Produktion, Buch und Regie aus deutscher Kulturgeschichte einen wilden filmischen Ritt machen. Die Konflikte würden mit Shakespearscher Wucht ausgelebt, mal als große Oper, mal mehr im schmuddeligen Western-Look. Getragen werde die Serie von eigensinnigen Charakteren und markanten Schauspielerköpfen. Die sinnliche Kraft aber bekomme das zumeist düstere Ganze durch die Inszenierung. Extreme Kontraste und hohe Schwarzwerte, Licht-, Schatten- und Farbenspiele sowie eine sehr bewegliche Kamera würden das Auge des Zuschauers fordern und beglücken. Eine Serie, die auch Netflix und Co alle Ehre machen würde.[8]

Franz Kotteder befand in der Süddeutschen Zeitung, dass die Serie immerhin spannend erzählt sei, um die Wertung „belangloser Schmarrn“ komme man trotzdem nicht herum. Da sei nichts zu spüren von Komödienstadl oder vom Königlich Bayerischen Amtsgericht, stattdessen glaube man bald, sich in einem Schwedenkrimi wiederzufinden, oder in einer Billigversion des Paten, leider ohne Marlon Brando und Al Pacino, dafür aber mit Blut, das auf die Zuckerwatte spritzt. Statt Babylon Berlin komme allerdings nur ein Münchner Vorstadt-Sündenbabelchen heraus, das aber mit großer Inbrunst inszeniert werde. Die Serie und deren Charaktere kämen oft recht holzschnitthaft daher, was selbst ein hochkarätiges Schauspielerensemble kaum noch retten könne. Lediglich Brigitte Hobmeier schaffe es, ihrer Figur Tiefe zu verleihen. Übergroße Authentizität sei nicht die Prämisse gewesen, auch wenn viele Details der Ausstattung sehr stimmig seien.[6]

Julian Weinberger (Prisma.de/Teleschau) befand dagegen, dass die von der ARD als „High-End-Serie auf internationalem Niveau“ angepriesene Serie den hohen Erwartungen gerecht werde. Dank großartiger Kulissen und eines stimmigen Kostümbildes fühle man sich in die Zeit um die Jahrhundertwende zurückversetzt. Regisseur Hannu Salonen lasse seinen Drehbuchautoren viel Raum zur Charakterzeichnung, was sich mit zahlreichen ambivalenten Rollen mit teils imponierender Tiefe bezahlt mache.[17]

Elke Schmitter urteilte auf Spiegel.de, dass die ARD mit der Serie ein opulentes Meisterstück liefere. Kurze Szenen und harte Schnitte sorgten für eine vorwärtsdrängende Atmosphäre, die exzellente Kamera überrasche mit ambitionierten Perspektiven, die Musik durch Stilreichtum und Ironie. Vor allem Licht und Soundtrack überführten das Drama immer wieder in traum- und märchenhafte Sequenzen, machten die Künstlichkeit, als wäre es ein Caravaggio, zur Kunst und die Raserei zum Genuss. Schließlich sorge das exzellente Ensemble dafür, dass das schauerliche Spektakel beklemmend bleibe bis zum Schluss. Bis in die Nebenrollen hinein sei das Schauspiel intensiv und subtil zugleich.[18]

Matthias Dell bezeichnete den Film auf Zeit Online als „super Werbefilm für die Wiesn“ und als „Wuchtigkeitsmischung, die den berühmtesten Markenartikel der deutschen Kultur mit Krimi-Elementen zum filmischen Exportschlager aufbrezeln will“. Immer wieder feuere die Kamera durch Bierzeltspaliere für Bilder, die das Standortmarketing der Stadt München zweitnutzen könnte in seinen Werbefilmen. Immerhin sei der Titelsong Wos übrig bleibt von Dreiviertelblut ein Ohrwurm.[19]

Timo Niemeier beschrieb Oktoberfest 1900 auf Dwdl.de als opulent inszenierte Serie, bei der die Verantwortlichen viel Liebe in Set und Kostüme gesteckt hätten, um das Oktoberfest aus dem Jahre 1900 möglichst genau wiederaufleben zu lassen. Bei dem düster-bedeutungsschwangeren Sound am Beginn der ersten Folge könne man noch den Eindruck bekommen, man sei versehentlich in einen Harry-Potter-Film geraten. Wenn die Protagonisten dann aber im bayerischen Dialekt loslegen, wisse der geneigte Zuschauer direkt wieder, wo er gelandet sei.[20]

Tilmann P. Gangloff meinte in der Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel, dass diese famos besetzte Bier- und Blut-Saga den Vergleich mit Babylon Berlin durchaus nicht scheuen müsse. Das liege auch an der epischen Handlung, die alsbald Shakespeare-Format annimmt. Zwischendurch erinnere die Geschichte auch an ein Mafia-Epos im Stil von Martin Scorseses Gangs of New York. Dank der Bild- und Lichtgestaltung von Kameramann Felix Cramer fasziniere das mitunter deftig-saftige Sittengemälde mit optischen Anleihen bei wesensfremden Genres wie dem Western oder dem Horrorfilm.[21]

Julian Miller kritisierte auf Quotenmeter.de, dass die Serie erzählerisch leider so pantoffelig wie die Löwengrube sei, anstatt zur Coolness von Boardwalk Empire aufzuschließen. In visueller Hinsicht setze die Serie aber Maßstäbe.[22]

Kontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Münchner Wiesnwirte zeigten sich in der Bild-Zeitung verärgert, Festwirt Christian Schottenhamel nannte die Serie rufschädigend. „Auch wenn es eine fiktive Darstellung sein soll, ist diese negative Darstellung schlimm. […] Unsere Gäste werden denken: Das ist heute auch so.“[23][24][25]

Clemens Baumgärtner (CSU), Münchner Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef, kritisierte in der Bild-Zeitung: „Ein Oktoberfest nur auf ein machtbesessenes Milieu zurückzudrehen, um Publikum zu generieren, ist total daneben. Es hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun.“ Er wolle prüfen lassen, ob es den Wirte-Krieg, der 1898 stattgefunden haben soll und auf dem die Serie basiere, wirklich gegeben hat.[23] Baumgärtner kritisierte auch den Drehort, das Oktoberfest wurde in Prag aufgebaut, weite Teile in Prag gedreht.[26]

Peter Inselkammer, der Sprecher der Wiesnwirte, traf sich vor den Dreharbeiten mit den Filmemachern. „Ich habe gehofft, dass durch meine Erläuterungen schlimme Darstellungen verhindert werden.“[23]

Produzent Michael Souvignier dagegen versuchte, die Bedenken auszuräumen, und betonte, dass es sich um eine fiktionale, historische Serie handle.[23]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Oktoberfest 1900 bei crew united. Abgerufen am 15. August 2020.
  2. a b c Dreharbeiten zur historischen Eventserie „Oktoberfest – 1900“ (AT). In: daserste.de. Abgerufen am 15. August 2020.
  3. a b c Glenn Riedmeier: „Oktoberfest – 1900“: Ausstrahlungstermine für historische Miniserie stehen fest. In: Fernsehserien.de. 16. Juli 2020, abgerufen am 15. August 2020.
  4. Oktoberfest 1900. In: daserste.de. Abgerufen am 15. August 2020.
  5. Der Live-Filmtalk im Netz zu „Oktoberfest 1900“. In: daserste.de. Abgerufen am 8. September 2020.
  6. a b c Franz Kotteder: Das Bier-Massaker. In: sueddeutsche1.5021410. 6. September 2020, abgerufen am 6. September 2020.
  7. a b Oktoberfest: Beer & Blood. In: netflix.com. Abgerufen am 6. September 2020.
  8. a b Rainer Tittelbach: Serie „Oktoberfest 1900“. In: tittelbach.tv. Abgerufen am 3. September 2020.
  9. a b c "Oktoberfest 1900": Geschichte voller Intrigen, Blut und Korruption. In: prisma.de. Abgerufen am 15. August 2020.
  10. Thomas Lückerath: „Die Anzahl der Netflix-Filme made in Germany steigt spürbar“. In: Dwdl.de. Abgerufen am 15. August 2020.
  11. Wiesn-Wirte stinksauer über ARD-Serie „Oktoberfest 1900“? 6. August 2020, abgerufen am 15. August 2020.
  12. Oktoberfest 1900: Gab es Wiesnwirt Curt Prank wirklich? In: wiesnkini.de. 8. September 2020, abgerufen am 9. September 2020.
  13. München 1900 – Von Bierbaronen und Künstlerfürsten. In: daserste.de. Abgerufen am 15. August 2020.
  14. Oktoberfest 1900 – Träume und Wagnis. In: fischerverlage.de. Abgerufen am 17. August 2020.
  15. Manuel Weis: «Oktoberfest 1900»: Das-Erste-Eventserie legt gut los. In: Quotenmeter.de. 16. September 2020, abgerufen am 20. September 2020.
  16. Timo Niemeier: "Oktoberfest 1900" verliert nach gutem Start viele Zuschauer. In: Quotenmeter.de. 17. September 2020, abgerufen am 20. September 2020.
  17. Julian Weinberger: Eventserie: Neue ARD-Reihe: So hart ging es auf dem Oktoberfest 1900 zu. In: prisma.de. Abgerufen am 8. September 2020.
  18. Elke Schmitter: ARD-Serie „Oktoberfest 1900“: Bier her, Bier her, oder I fall um, fallera. In: spiegel.de. 8. September 2020, abgerufen am 11. September 2020.
  19. Matthias Dell: „Oktoberfest 1900“: Ein Prosit auf die Vermarktung. In: zeit.de. 8. September 2020, abgerufen am 8. September 2020.
  20. Timo Niemeier: O’zapft is! Wie das Oktoberfest zu dem wurde, was es heute ist. In: dwdl.de. 9. September 2020, abgerufen am 11. September 2020.
  21. Tilmann P. Gangloff: ARD-Serie „Oktoberfest 1900“: Gangs von München. In: tagesspiegel.de. 14. September 2020, abgerufen am 15. September 2020.
  22. Julian Miller: Die Kritiker: «Oktoberfest 1900». In: quotenmeter.de. 14. September 2020, abgerufen am 15. September 2020.
  23. a b c d „Oktoberfest 1900“: Wiesn-Wirte erzürnt über ARD-Serie. In: spiegel.de. 6. August 2020, abgerufen am 15. August 2020.
  24. „Total daneben“: Wiesn-Wirte sauer über Oktoberfest-TV-Serie. In: focus.de. 6. August 2020, abgerufen am 15. August 2020.
  25. Lucas Sauter-Orengo: Oktoberfest 1900: Neue ARD-Serie stößt Wiesn-Wirten sauer auf. In: stuttgarter-zeitung.de. 6. August 2020, abgerufen am 15. August 2020.
  26. Lucas Sauter-Orengo: Oktoberfest-Serie lässt Wiesn-Wirte toben – „total daneben“ – BR und ARD heftig kritisiert. In: merkur.de. 10. August 2020, abgerufen am 15. August 2020.