Laufamholz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stadt Nürnberg
Koordinaten: 49° 28′ 0″ N, 11° 9′ 46″ O
Höhe: 309–321 m ü. NN
Fläche: 2,59 km²
Einwohner: 8404 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 3.243 Einwohner/km²
Eingemeindung: April 1938
Postleitzahl: 90482
Vorwahl: 0911
Karte
Lage des statistischen Bezirks 94 Laufamholz in Nürnberg
Ehemaliger Herrensitz Laufamholz
Ehemaliger Herrensitz Laufamholz

Laufamholz ist seit dem 1. April 1938 ein Stadtteil von Nürnberg in der Östlichen Außenstadt und sowohl der Name der Gemarkung 3441 als auch der Name des Statistischen Bezirks 94.[3]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laufamholz liegt östlich von Mögeldorf zwischen der Pegnitz im Norden, der Bahnstrecke Nürnberg–Schwandorf im Süden und der Bundesautobahn 3 im Osten. Laufamholz grenzt an Schwaig b. Nürnberg (Landkreis Nürnberger Land) und den gemeindefreien Gebieten Laufamholzer Forst und Zerzabelshofer Forst, die zum Lorenzer Reichswald gehören. Auf Nürnberger Stadtgebiet liegen die Stadtbezirke Schmausenbuckstraße, Mögeldorf und Erlenstegen in direkter Nachbarschaft.

Statistische Nachbarbezirke
Erlenstegen
Mögeldorf Nachbargemeinden
Schmausenbuckstraße

Statistische Distrikte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statistische Distrikte des Bezirks 94 Laufamholz
Karte Nürnberg Laufamholz Statistische Distrike des Bezirks 94.png
941 Unterbürg 942 Ottensooser Str., Hammer
940 Happurger Str. Nachbargemeinden 944 Freiland
943 Rehhof

Der Bezirk 94 besteht aus folgenden Distrikten[4]:

940 – Happurger Str.
941 – Unterbürg
942 – Ottensooser Str., Hammer
943 – Rehhof
944 – Freiland

Laufamholz grenzt im gesamten Norden und im äußersten Südosten an das Landschaftsschutzgebiet Pegnitztal-Ost (LSG-00517.11.[5]) Das Gebiet wird im östlichen Teil im Distrikt Freiland vom Schneidersbach und vom Hülzlgraben durchflossen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen dem Lorenzer Reichswald und der Pegnitz entstanden im Osten Nürnbergs zwei Weiherhäuser, die ursprünglich wie die ansässigen Reichsministerialen „Lauffenholtz“ hießen. Die Flußschnelle am Wald gab ihnen den Namen.

Der Reichsdienstmann „Vlricus de Laufenholtz miles“ erscheint 1256. Beide nur wenige 100 m auseinanderliegende Sitze nahmen im 15. Jahrhundert die Namen Oberbürg und Unterbürg an, während der Name „Laufamholz“ schließlich auf das Dorf überging, das südlich der Weiher von Oberbürg entstanden war. Das Hochgericht (Fraisch) stand der Reichsstadt Nürnberg zu (vom ansbachischen Oberamt Schwabach und dem Vogtamt Schönberg bestritten), die Dorf- und Gemeindeherrschaft besaß das Landpflegamt Nürnberg (ganerblich). Pfarrechtlich gehörte Laufamholz zu Mögeldorf.

Grundherren neben dem bayerischen Vogtamt Schönberg, dem Lorenzer Waldamt, dem Landalmosenamt Nürnberg und dem Pflegamt Gostenhof waren u.a. die Loeffelholz, die Holzschuher und die Welser. Das Schloss (Moritzbergstraße 50/52), ein zweigeschossiger Sandsteinbau mit volutengeziertem Satteldach, entstand im 18. Jahrhundert. Eine Kartusche im Westgiebel nennt das Jahr 1724. Es ging 1877 in Staatsbesitz über und dient seitdem als Forsthaus.

1796 fiel Laufamholz an Preußen (Justiz- und Kammeramt Burgthann). Nach dem Übergang an Bayern wurden 1808 die Ortschaften Laufamholz, Hammer, Malmsbach, Mittelbüg, Oberbürg, Schwaig und Unterbürg nach Lage und Größe zu einem Steuerdistrikt (Landgericht Nürnberg) und 1818 (unter Hinzuziehung von Mühlhof aus dem Steuerdistrikt Erlenstegen) zur Gemeinde Laufamholz zusammengeschlossen, von der Malmsbach, Mittelbüg und Schwaig als eigene Gemeinde Schwaig 1836 wieder abgetrennt wurden (Landkreis Nürnberger Land).

1938 erfolgte die Eingemeindung von Laufamholz nach Nürnberg. 1824 zählte Laufamholz 43 Anwesen mit 269 Einwohnern, heute bildet Laufamholz mit Unterbürg, Oberbürg, Hammer und Freiland den Statistischen Bezirk 94, in dem am 31. Dezember 1997 7.162 Einwohner lebten. Pfarrei: ev. Heilig-Geist-Kirche Laufamholz.[6]

Zeittafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am 27. Januar 1256 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung der Brüder Ulricus und Heinricus de Lauffenholtz in einer Kaufurkunde des Klosters Kastl. Sie nannten sich von Lauffenholtz nach der auf dem „Holz“ oberhalb der „Loufe“ – dem „Wald an der Stromschnelle der Pegnitz“ – errichteten befestigten Burg Unterbürg. Der Name Lauffenholtz wird für das südöstlich der Burg entstehende Dorf übernommen.
  • 1296 erfolgt ein erster Hinweis auf Laufamholz auf das Dorf. Nach Rodungen im 14. Jahrhundert bewirtschaften die Bauern die Höfe als Erbzinslehennehmer für die Eigenherrschaften der Herren von Lauffenholtz; nach dem 16. Jahrhundert folgen die Nürnberger Patrizier von Löffelholz, von Holzschuher und von Praun als Lehensgeber und Patrimonialgerichtsherren.
  • 1492 wird Laufamholz als eines der zahlreichen Zeidelgüter im Lorenzer Reichswald genannt. Die beiden Markgrafenkriege von 1449 und 1552 sowie der Dreißigjährige Krieg ziehen das Dorf in Mitleidenschaft. Bis zum Jahre 1648 überlebt nur 2/3 der Bewohner den Krieg.
  • Ab 1846 werden die Höfe freieigener Besitz von 4 Bauern, 28 Köbler- und 6 Söldengütlern.
  • 1900 hat Laufamholz 1023 Einwohner. Während des Zweiten Weltkrieges – insbesondere am 28./29. August 1943 – Verluste und Schäden durch Bombenangriffe; 70 % der Gebäude werden zerstört.
  • 1972 kommt der Ortsteil Freiland von Schwaig zu Laufamholz. Im 750-jährigen Jubiläumsjahr 2006 hat Laufamholz 7811 Einwohner.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberbürg von Südwesten, 12. September 2004

Schlossruine Oberbürg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 13. Jahrhundert als Wasserschloss gebaut, war Oberbürg einer der zahlreichen Patrizier-Landsitze, die für Nürnberg typisch sind. Im Zweiten Weltkrieg brannte Oberbürg 1943 bei einem Luftangriff aus. Von der Seite nach Laufamholz zu sieht es wie eine kleine Burg aus; die Bauherrn hatten es mit Mauer und Wassergraben und zwei kleinen flankierenden Türmen am Eingang versehen.

Industriegut Hammer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Industriegut Hammer

In Nürnberg gab es bereits vor der Industrialisierung architektonische Ausprägungen industrieller Entwicklungen. So weisen beispielsweise die Satzingermühle in Mögeldorf und die Hammerwerke[8] in Hammer[9] bei Laufamholz bereits auf erste Entwicklungen der späteren Industrialisierung hin. Bereits 1537 wurden Kupfer- und Eisenhammer zu einem Messinghammer umgewandelt. 1807 wurde hier Johann Gabriel Friedrich Poppel geboren. Am 1. April 1938 wurde Hammer gemeinsam mit Laufamholz, Mühlhof, Oberbürg und Unterbürg in die Stadt Nürnberg eingemeindet.

Das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte ehemalige Hammerwerk liegt direkt an der Pegnitz. Hammer wurde restauriert und wird von einem Verein denkmalpflegerisch betreut. Noch während des Zweiten Weltkriegs wurde in Hammer Messingblech hergestellt.

Der Gesamtkomplex besteht heute aus der Ruine des Herrenhauses, das infolge von Bombenangriffen zerstört wurde, einem Gasthaus, dem Uhrenhaus sowie Wohnhäuser für Arbeiterfamilien. Von der ursprünglichen Befestigung des Industrieguts sind noch Mauern, eine Tordurchfahrt und Wehrtürme erhalten geblieben. Insgesamt vermittelt die Anlage einen einheitlichen Gesamteindruck.

Im Uhrenhaus, das nach dendrochronologischen Untersuchungen 1554 erbaut wurde, befindet sich ein Museum. Interessierten bietet es eine Ausstellung zur Geschichte des Guts und Informationen zur Industrialisierung. Sehenswert ist ein barocker Obelisk mit Hieroglyphen, der vom früheren Volckamer’schen Gartenanwesen in Gostenhof nach dort versetzt wurde.[10]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Stadtteil verläuft von West nach Ost die an der Ringstraße beginnende Staatsstraße 2241 (Nürnberg–Hiltpoltstein) als Laufamholzstraße, die Laufamholz mit der A 3 an der Anschlussstelle Nürnberg-Mögeldorf verbindet.

An der von Ost nach West verlaufenden Bahnstrecke Nürnberg–Schwandorf liegt der Haltepunkt Nürnberg-Laufamholz, der von der S-Bahnlinie 1 (S1) Bamberg – Nürnberg Hbf – Hartmannshof bedient wird.

Im Nahverkehr wird Laufamholz durch die Stadtbuslinie 40 erschlossen, die mit mehreren Haltestellen den Stadtteil mit der Straßenbahnlinie 5 an der Haltestelle Mögeldorf (am „Mögeldorfer Plärrer“) verknüpft, als Umlandlinie aber auch nach Schwaig b. Nürnberg und Behringersdorf führt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wittek, Ansgar: Der Nürnberger Vorort Laufamholz – Herrensitz; Bauerndorf; Stadtteil; mit dem mittelalterlichen Fabrikort Hammer. Hrsg.: Vorstadtverein Nürnberg-Laufamholz e. V., Nürnberg-Laufamholz: Vorstadtverein, 1984, IDN: 860337693.
  • Leben und Arbeiten im Fabrikgut Hammer, eine Ausstellung zur Geschichte und Technik der spätmittelalterlichen Industriesiedlung Hammer und zur Entwicklung von Laufamholz; [Ausstellung im Uhrenhaus Hammer]/EWAG Trinkwasser. [Red.: Christian Koch]. Verlag W. Tümmels, Nürnberg 1994, ISBN 3-921590-19-1.
  • Laufenholtz anno 1256 – Laufamholz 2006. Beiträge zur Geschichte des Nürnberger Vorortes, Hrsg.: Vorstadtverein Nürnberg-Laufamholz.
  • Rodenhäuser, Heinrich: Die Geschichte des Zeidelhofes und späteren Schlosses in Laufamholz 1505 – 1834; herausgegeben vom Vorstadtverein Nürnberg-Laufamholz (VNL) mit einem Vorwort des 1. Vorstandes Eike Brand und Herrn Betriebsleiter Roland Blank vom Forstbetrieb Nürnberg.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Laufamholz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch der Stadt Nürnberg 2016. Dezember 2015, ISSN 0944-1514, 18 Statistische Stadtteile und Bezirke, S. 244–245, S. 245 (nuernberg.de [PDF; 6,3 MB; abgerufen am 1. November 2017]).
  2. Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch der Stadt Nürnberg 2016. Dezember 2015, ISSN 0944-1514, 18 Statistische Stadtteile und Bezirke, S. 19–20, S. 19 (nuernberg.de [PDF; 6,3 MB; abgerufen am 1. November 2017]).
  3. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. S. 602.
  4. Stadtplandienst Nürnberg Bezirk 94 Laufamholz
  5. World Database on Protected Areas – LSG Pegnitztal Ost (englisch)
  6. Gustav Voit: Laufamholz. In: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2., verbesserte Auflage. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-921590-69-8 (Gesamtausgabe online).
  7. FrankenWiki Laufamholz
  8. private Webseite mit Fotos zum Industriegut Hammer
  9. FrankenWiki Industriegut Hammer
  10. Baukunst NürnbergEpoche: Industrialisierung – Ehemaliges Industriegut Hammer