Peter Joseph Roeckerath

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Peter Joseph Roeckerath (* 14. Dezember 1837 in Köln; † 9. Oktober 1905 ebenda) war ein deutscher katholischer Theologe, Bauunternehmer und Reichstagsabgeordneter.

Leben[Bearbeiten]

Er war ein Sohn des Kölner Schreinermeisters Franz Josef Roeckerath (1805–1874) und seiner Frau Catharina, geb. Wach (1804–1886). Roeckerath studierte Theologie an der Universität Bonn und Philologie in Münster. Er strebte zunächst die Priesterweihe an, entschied sich dann aber doch für den Beruf eines Gymnasiallehrers. 1859 erhielt er seine erste Anstellung als Gymnasiallehrer in Münstereifel, 1860 wurde er promoviert und war bis 1871 im Lehramt in Neuß tätig. Er arbeitete zunächst als Religionslehrer an einem Gymnasium und unterrichtete in Latein, Griechisch, Deutsch, Geschichte und Hebräisch. Er veröffentlichte unter anderem eine Biblische Chronologie bis zur Geburt Jesu[1].

Nach einer kinderlosen Ehe mit Anna Harnischmacher, die 1866 verstarb, heiratete er am 30. Oktober1867 in Köln Agnes Margaretha Schmitz. Die Eltern seiner Frau waren beide an der Cholera gestorben, sie war bei ihrer Tante aufgewachsen, einer Cölner Cappesbäuerin. Mit Agnes hatte er zwölf Kinder. Roeckerath hatte schon während seiner Gymnasialzeit gemeinsam mit seinen jüngeren Brüdern Michael und Anton mit dem Bau von Wohnhäusern begonnen. Bei zunehmendem Wohnungsmangel in Köln bauten sie Wohnungen, die für den damaligen Mittelstand erschwinglich waren. 1867 war Roeckerath ein Mitbegründer des Neuen Bürger-Vereins, des Bau-Vereins im Neuen Bürger-Verein und des Kredit-Vereins im Neuen Bürger-Verein als Genossenschaften, mit dem Ziel, den Mitgliedern preiswerte Häuser, Wohnungen und Kredite zu beschaffen. Gemeinsam mit Führungskräften dieser Genossenschaften gründete Roeckerath ebenso die Kölner Abteilung der Deutschen Zentrumspartei als wichtigste Repräsention des politischen Katholizismus in Deutschland mit. Nach der Trennung von seinen Brüdern führte er das Bauunternehmen weiter und legte schließlich sein Lehramt in Neuß nieder.

Später machte er ein Vermögen mit zum Teil umstrittenen Grundstücksgeschäften und als Bauunternehmer. Am Hohenzollernring ließ er ein repräsentatives Stadtpalais errichten, das unter der Bezeichnung Villa Roeckerath bekannt wurde. Umstritten war insbesondere sein Weitblick bei seinen politischen Gegnern. Auch eine gehörige Portion Neid wird im Spiel gewesen sein, da sein strenger Katholizismus, sein soziales Engagement und sein gleichzeitiger immenser wirtschaftlicher Erfolg in der damaligen Zeit schwer fassbar waren. 1881 hatte in Köln die Stadterweiterung begonnen, in deren Verlauf die alte Stadtmauer niedergelegt wurde und große Flächen zum Bau einer Neustadt entstanden. Roeckerath brachte den Plan der liberalen Mehrheit zum Scheitern, die Stadterweiterung einer Privatgesellschaft zu übertragen. Er wollte die Gewinne aus der Stadterweiterung den Bürgern und nicht einigen wenigen Privatleuten zukommen lassen. Der Bebauungsplan, den die Stadtverordneten aufstellten, nahm jedoch keinerlei Rücksicht auf die Lage, Größe und den Zuschnitt der Grundstücke. Im Ergebnis gab es nur sehr wenige im Besitz zusammenhängende bebauungsfähige Flächen. Roeckerath verstand es, durch Kauf, Tausch und Umlegungen kleiner und kleinster Parzellen bebauungsfähiges Land zu gewinnen. Seine Gegner machten ihm dies wiederholt öffentlich zum Vorwurf, seine Befürworter hoben hingegen seine Uneigennützigkeit zum Wohl der Stadt und ihrer Bürger hervor.

Roeckerath war Stadtverordneter in Köln und von 1872 bis 1882 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses[2] und Mitglied des Reichstages in der sechsten Wahlperiode vom Oktober 1884 bis März 1887 als Mitglied des Zentrums.

In seinem politischen Engagement musste Roeckerath sich beständiger Desavouierungsversuche seiner Gegner erwehren. 1874 wurde er beispielsweise angeklagt, weil er in einer Rede erwähnt hatte, dass der damalige Erzbischof von Köln, Dr. Paulus Melchers, während seiner Haft im Kölner Gefängnis Klingelpütz mit Verbrechern in Berührung gekommen war. Er war deshalb angezeigt worden und der Staatsanwalt hatte drei Monate Haft gefordert, weil Roeckerath „entstellte Tatsachen“ behauptet und dadurch Staatseinrichtungen verächtlich gemacht habe. Das Gericht verurteilte ihn in erster Instanz zu 100 Mark Geldbuße, sprach ihn jedoch in der Berufung frei, nachdem Zeugen seine Aussagen mehrfach bestätigt hatten.

Er war gänzlich unnachgiebig, wenn er Widerstand gegen berechtigte Missstände verspürte, wodurch er sich Feinde machte. So hatte er beispielsweise als Bauunternehmer wie auch in seinem katholischen und politischen Engagement immer wieder die Erfahrung gemacht, wie sehr die Handwerker und Gewerbetreibenden unten den hohen Zinsen der Banken zu leiden hatten. Konsequent betrieb er die Gründung einer Rheinischen Volksbank, die den privaten Banken wegen ihrer niedrigen Zinsen ein Dorn im Auge war. 1880 gründete er die Cölner Hypothekenbank und die Rheinische Boden-Kredit mit und engagierte sich stark für die Gründung weiterer Volksbanken.

Mit seiner Anregung zur Gründung einer Feuerversicherungs-Genossenschaft Rheinland verfolgte er das Ziel einer preiswerten Feuerversicherung und schaffte sich neue Gegner in der Finanzwelt. In einer auf eigene Kosten ausgearbeiteten Untersuchung wies er nach, dass die Feuerversicherungen unverhältnismäßig hohe Dividenden mit unverhältnismäßig hohen Belastungen der Versicherten finanzierten. Trotzdem wurde sein Antrag von der liberalen Mehrheit im Stadtverordnetenkollegium abgelehnt. Roeckerath änderte daraufhin seinen Plan von einem genossenschaftlichen Modell zu einer selbständigen Aktiengesellschaft, deren Satzung er wiederum auf eigene Kosten ausarbeiten ließ. Die Widerstände zur Konzessionierung überwand er, indem er das vom Ministerium zur Abschreckung mit drei Millionen Reichsmark deutlich zu hoch angesetzte Aktienkapital allen zum Trotz beschaffte. Nach mehrjährigem Kampf wurde schließlich 1880 die Konzession der neuen Gesellschaft erteilt, deren Vorsitzender Peter Joseph Roeckerath wurde und bis zu seinem Tod blieb.

Der Stadt-Anzeiger der Kölnischen Zeitung ergriff am 8. Nov. 1881 anlässlich einer Stadtverordnetenwahl Partei gegen Röckerath, weil dieser seinen politischen Einfluss genutzt habe, um sich selbst zu bereichern.

Stifter der Pfarrkirche St. Agnes in Köln[Bearbeiten]

Roeckerath initiierte in seiner Doppelrolle als Politiker und Bauunternehmer die Errichtung von Kirchen in den neuen Stadtteilen Kölns. Er schenkte 1887 zusammen mit dem Justizrat Eduard Schenk das Baugrundstück für die geplante Herz-Jesu-Kirche an das Erzbistum Köln[3]. Roeckerath nahm beim Bau der Kirchen Einfluss auf deren Gestaltung[4]. Roeckeraths Ehefrau Agnes, geb. Schmitz, hatte von ihrer Tante einen umfangreichen Grundbesitz in Form von „Kappesfeldern“ (Kappes, Dialekt für „Weißkohl“) vor den Mauern der Stadt Köln geerbt. Roeckerath hatte mit diesem Erbe ein Vermögen gemacht und wollte einen Teil dieses Vermögens durch die Stiftung einer Kirche an die Bürger der Stadt zurückgeben. 1890 traf ihn mit dem plötzlichen Tod seiner Frau ein schwerer Schlag, der ihn zur Umsetzung seines Plans veranlasste.

Er beauftragte den Baumeister Carl Rüdell mit den Entwürfen für eine Kirche, die an der Kölner Vorgebirgsstraße errichtet werden sollte. Das Kölner Erzbistum beschied jedoch, an anderer Stelle sei der Bau einer Kirche dringlicher, verschwieg aber offenbar, dass sich an der Vorgebirgsstraße bereits andere Kölner Geschäftsleute für die Stiftung der späteren Kirche St. Paul (Köln) engagierten. Dringlich war laut Erzbistum der Bau einer Kirche an der Neußer Straße in der nördlichen Neustadt. Nach längeren Verhandlungen und Aufgabe weiterer Standorte stimmte Roeckerath zu und widmete die Kirche der Schutzheiligen St. Agnes von Rom, die ebenfalls Namensgeberin seiner verstorbenen Frau gewesen war.

1896 begann der Bau der Kirche auf freiem Feld weit vor der Stadt. Vorausgegangen waren Grundstücksübertragungen zur Zusammenlegung eines großen Baugrundstücks, die Roeckerath erneut von seinen politischen Gegnern zum Nachteil ausgelegt wurden. Carl Rüdell und Richard Odenthal hatten die Kirche nach Roeckeraths Vorgaben im neugotischen Stil entworfen. Er hatte sie eine Kirche entwerfen lassen, wie es sie in Köln noch nicht gab: eine hohe, dreischiffige Hallenkirche mit einem Turm ohne Helm. Ihm war wichtig, dass in dieser Kirche die damals übliche Vermietung von Kirchenbänken an wohlhabende Bürger von vornherein verboten wurde und dass es eine abgeschlossene Krypta geben sollte, wo fremdsprachliche Gläubige ihre Gottesdienste vornehmlich in polnischer oder italienischer Sprache abhalten konnten. Letzteres war der wachsenden Zahl von Arbeitern aus ebendiesen Ländern gewidmet, die in Köln arbeiteten und sich hier ansiedelten. 1901 war die Kirche fertiggestellt und es entspann sich ein Streit mit dem Erzbistum um die Einsegnung, weil Roeckerath auf den Bau einer Sakristei verzichtet hatte. Deshalb wurde die Kirche 1902 nur eingesegnet und die Konsekration verschoben. Diese erfolgte 1913 nach Fertigstellung der Sakristei. Nach Roeckeraths Tod 1905 setzte der damalige Pfarrer seine Beisetzung in einer Seitenkapelle der Agneskirche mit einer Ausnahmegenehmigung durch[5].Um die Kirche herum ist das Agnesviertel entstanden, heute eine begehrte Wohngegend.

Roeckerath war maßgeblich an der Gründung der Rheinland-Versicherung beteiligt, deren Aufsichtsrat er noch bis zu seinem Tod angehörte, und gründete zahlreiche Banken u.a. die Rheinische Volksbank.

Sein Schwiegersohn Karl Bachem verfasste nach seinem Tod eine Biographie über Roeckerath.[6]

Familie[Bearbeiten]

Die Familie von Peter Joseph Roeckerath, in Urkunden auch als „Röckerath“, „Röckrath“, „Roekrath“, „Rockerath“, „Ruckrath“, „Reukrath“, „Reuckrath“, „Rueckrath“ oder „Rueckerath“ bezeichnet, stammt „von der Gillbach“, einem fruchtbaren Auengebiet entlang des Gillbachs, einem Zufluss der Erft.

Der derzeit älteste bekannte Vorfahr ist im Kirchenbuch von Oekoven im Jahr 1726 urkundlich als Melchior Reuckrath (1695–1759), Taufpate seiner Nichte Katharina, Tochter seines Bruders Henricus Ruckerath (1692–1746) und Catharina Overbach (1686–1759) dokumentiert. Mit seiner Frau Adelheid Schlösser (1712–1775) waren sie Peter Joseph Roeckeraths Urgroßeltern.

Seine Großeltern waren der Schreinermeister Petrus Roeckerath (1750–1830) und Anna Elisabeth Wirtz (1770–1839), die in Kerpen lebten.

Seine Eltern waren der Schreinermeister Franz Josef Roeckerath (1805–1874) und Catharina Wach (1804–1886). Sie führten einen großen Schreinereibetrieb in Köln.

Peter Joseph Roeckerath heiratete in erster Ehe Anna Maria Harnischmacher, die 1866 im Alter von nur 32 Jahren starb. Die Ehe blieb kinderlos.

In zweiter Ehe heiratete er 1867 in Köln Agnes Margaretha Schmitz (1846–1890), Tochter des Steinhauers Jakob Schmitz und seiner Frau Margarethe, geb. Felten. Aus der Ehe gingen diese Kinder hervor:

  1. Franz Peter Josef (* 25. November 1868 in Neuß, † 21. März 1927).
  2. Maria Katharina (Kätchen) (* 5. Januar 1870 in Köln, † 27. Dezember 1906 in Köln), heiratete 1891 den Juristen Dr. Josef Emil Karl Bachem (* 22. September 1858 in Köln; † 11. Dezember 1945 in Burgsteinfurt).
  3. Elisabeth, (* 24. Juli 1871 in Köln, heiratete 1894 in Köln den Juristen Dr. Max Oster
  4. Margaretha Michaela, (* 25. Juni 1873 in Köln, trat den Karmelitinnen als Schwester Carmela bei.
  5. Agnes Margaretha, (* 23. November 1874 in Köln)
  6. Julius, (* 4. März 1876 in Köln, † 1923 in Davos), er blieb unverheiratet.
  7. Anton, ((* 4. März 1876 in Köln, † 14. April 1934 in Köln), er blieb unverheiratet.
  8. Helene Maria, (* 1. Juni 1877 in Vilich bei Beuel, † 17. November 1940 in Köln), heiratete 1897 in Köln den Juristen Dr. Ernst Johann Friedrich Best )* 5. März 1866 in Neusen bei Aachen, † 9. September 1927 in Köln)
  9. Ursula (Lina), (* 29. November 1878 in Köln, † 27. November 1956 in Köln), heiratete 1905 in Köln den Arzt Dr. Theodor Weischer (* 13. November 1870 in Köln), † 8. November 1945 in Köln)
  10. Eduard, (* 25. Mai 1881 in Köln, † 1925 in Como), heiratete Lydia Hausmann
  11. Theodor, (* um 1883 in Köln) heiratete 1913 in Graz Elisabeth von Waldhart-Bildheimb

Nach dem plötzlichen Tod seiner zweiten Ehefrau 1890 heiratete er in dritter Ehe Johanna Schenk, Tochter des Reichstagsabgeordneten Eduard Schenk (1821–1900)

Werke[Bearbeiten]

  • Biblische Chronologie bis auf das Jahr der Geburt Christi. Nach den biblischen und außerbiblischen Quellen bearbeitet von Peter Joseph Röckerath. Münster, 1865 Digitalisat

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rezension in: Der Katholik. Zeitschrift für katholische Wissenschaft und kirchliches Leben. Jg. 45/1865 S.596
  2. Mann, Bernhard (Bearb.) : Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867-1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf : Droste Verlag, 1988, S. 324 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3); zu den Wahlergebnissen siehe Kühne, Thomas : Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867 – 1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten. Düsseldorf : Droste Verlag, 1994, S. 792-795 (Wahlkreis Aachen 3) und S. 703-705 (= Wahlkreis Köln 1) (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 6)
  3. Chronik der Pfarrei Herz Jesu
  4. Sybille Fraquelli: Im Schatten des Domes. Architektur der Neugotik in Köln (1815–1914). Wien, 2008, S.239
  5. Informationen über das Agnesviertel
  6. Carl Bachem: Peter Joseph Roeckerath und St. Agnes : eine Biographie von Carl Bachem (1906) und ein Beitrag über Carl Rüdell. Hans-Ulrich Wiese (Hg.) 1. Aufl. Köln : Marzellen-Verl., 2005.