Rotenkirchen

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Rotenkirchen
Stadt Einbeck
Wappen von Rotenkirchen
Koordinaten: 51° 46′ 11″ N, 9° 49′ 41″ O
Höhe: 166 m ü. NN
Einwohner: 190 (1. Jan. 2017)[1]
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 37574
Vorwahl: 05561
Rotenkirchen (Niedersachsen)
Rotenkirchen

Lage von Rotenkirchen in Niedersachsen

Rotenkirchen ist ein an der Nordseite des Höhenzugs Ahlsburg liegender Ortsteil der Stadt Einbeck in Niedersachsen südwestlich des Stadtkerns. In seiner Nähe liegt die Burgruine Grubenhagen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rotenkirchen mit Ackerbau in der Feldmark und der Burg Grubenhagen im 17. Jahrhundert

Dorf und Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westliche Teilansicht der Domäne

Im 16. Jahrhundert leitete Philipp I. nach Angaben von Johannes Letzner den Aufbau eines Hofes ein.[2] Diesen Hof und zugleich die Katlenburg erhielt Philipp II. von Wolfgang als Apanage und veranlasste den weiteren Ausbau.[3]

Im Jahre 1816 ließ Adolphus Frederick nach Plänen von Georg Ludwig Friedrich Laves ein Jagdschloss einrichten.[4] 1837 fiel es an Ernst August I. Dazu gehörten auch von Franz Christian Schaumburg entworfene Gartenanlagen.[5] Eine 1588 errichtete Kapelle wurde durch Umnutzung aufgehoben. Ihr Altar und ihre Kanzel wurden in die Kirche Dassensen gebracht.[6] 1868 pachtete Matthias Rabbethge, Sohn von Matthias Christian Rabbethge die damit verbundene Domäne.[7] Bei der Domäne handelt es sich um einen Komplex von etwa einem Dutzend Gebäuden, die einen viereckigen Hofraum bilden.[8] Das Herrenhaus wurde teilweise künstlerisch mit Grisaillemalerei ausgestaltet.[9] Südlich vor der Domäne entwickelte sich das heutige Dorf Rotenkirchen.[10]

Rotenkirchen wurde am 1. März 1974 durch Eingemeindung zum Ortsteil der Stadt Einbeck.[11]

Amt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1549 löste das Amt Rotenkirchen das Amt Grubenhagen ab.[12]

Von 1807 bis 1813 bestand der Kanton Rotenkirchen, dessen Maire Forstmeister von Dassel war. In dieser Zeit befanden sich Amtshaus und Hof in Besitz von Pierre Daru.[13]

Die umliegenden Ortschaften Edemissen, Dörrigsen, Odagsen, Iber, Strodthagen, Buensen, Stöckheim, Wetze, das Landgut Wickershausen, Dassensen, Wellersen, Hullersen, Holtensen, Vardeilsen, Avendshausen, Rengershausen, Kuventhal, Andershausen und Kohnsen gehörten bis 1826 zum Amt Rotenkirchen. Danach wurde es mit dem Amt Salzderhelden vereinigt und der Amtssitz mit der Bezeichnung Grubenhagen nach Salzderhelden verlegt.

Wüstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unweit östlich des heutigen Dorfes gab es im Mittelalter ein Dorf mit gleichem Namen, das wüst gefallen ist.[14] Das Dorf Rotenkirchen fand im Jahr 1203 erste urkundliche Erwähnung. In einer archäologischen Grabung wurden dort 2010 Pfostenlöcher nachgewiesen, die als Spuren einer bereits zur Zeit der Linienbandkeramik erfolgten Besiedlung gedeutet werden; weitere Spuren stammen aus der römischen Kaiserzeit.[15] Nach dem Mittelalter lag der Ort außerhalb der Einbecker Landwehr.[16] Während der Belagerung der Burg Grubenhagen 1448 durch ein Bündnis unter Führung von Wilhelm I., Heinrich II., Wilhelm II., Friedrich III. und Ludwig I. wurde Rotenkirchen zerstört und fiel wüst.[17]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsrat besteht aus dem Ortsbürgermeister und vier weiteren Personen. Ortsbürgermeister ist Dieter Schrader (WG).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortswappen ist der Turm der Burg Grubenhagen abgebildet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert wurde im Ort ein Schloss errichtet, das u. a. von hannoverschen Königen zu Freizeitzwecken benutzt wurde.[18] Davon ist heute ein verpachteter Gutshof im Besitz des Landes Niedersachsen verblieben. Das in dem vorgelagerten Wald befindliche ehemalige Ökonomiegebäude[19] dieser Anlage dient heute dem Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik für geowissenschaftliche Forschungen.[20] Weiterhin befand sich unweit vom Ort die einstige Burg Grubenhagen, die vor dem 13. Jahrhundert entstand ist und 1263 mit den Worten ante castrum Grubenhagen erwähnt wird.[21] Auf der Burg saßen die Herren Grubo von Grubenhagen als Ministeriale der Braunschweiger Herzöge, als deren Erbauer die Grafen von Dassel in Betracht zu ziehen sind, da der Bereich der Ahlsburg einst zu ihrem Herrschaftsgebiet zählte. Im 14. Jahrhundert war die Burg oft verlehnt oder verpfändet, späterhin residierten die Welfenherzöge nur noch gelegentlich am Ort, bis zum Ende des 16. Jahrhunderts die Burg allmählich dem Verfall preisgegeben wurde. Ein Jahrhundert später brach man sie bis auf den Bergfried ab und erbaute aus den gewonnenen Steinen ein Wirtschaftsgebäude in Rotenkirchen.[22]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Burgverein Grubenhagen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rotenkirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1]. Einwohnerliste abgerufen am 8. Mai 2017.
  2. Wilhelm Görges: Vaterländische Geschichten und Denkwürdigkeiten der Vorzeit, Band 2, 1844, S. 158
  3. Friedrich Anton Klinkhard: Historische Nachrichten von dem Schlosse und Fürstenthum Grubenhagen, 1818, S. 40
  4. Allgemeine Zeitung, 30. Jan. 1816, S. 120
  5. "Nelkenhalle, Gartenbrücken, Fasanerie, Schweizerei", in: Einbecker Morgenpost vom 7. November 2009
  6. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bremen Niedersachsen, 1992, S. 377
  7. Helmut Gäde: Auf dem Felde der Aehre - Landwirtschaftliches Kulturerbe in Deutschland, 2004, S. 126
  8. Heinrich Albert Oppermann: Hundert Jahre 1770–1870, 2011, S. 861
  9. Harald Schnitker: Domäne Rotenkirchen (Einbeck) 1816 - 1829, Saal im Erdgeschoß; Gestaltung von Wandflächen unter Berücksichtigung der vorhandenen historischen Deckenbemalung; (Grisaillemalerei vom Maler Herting ca. 1826), 1990
  10. Heinrich Daniel Andreas Sonne: Beschreibung des Königreichs Hannover, Band 5, 1834, S. 318
  11. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 207.
  12. Brage bei der Wieden: Handbuch der niedersächsischen Landtags- und Ständegeschichte, Band 1, 1500 - 1806, 2004, S. 320
  13. Friedrich Anton Klinkhard: Historische Nachrichten von dem Schlosse und Fürstenthum Grubenhagen, 1818, S. 65
  14. Hans-Georg Stephan, Ursula Werben: Rotenkirchen bei Einbeck im südlichen Niedersachsen. Ein Beitrag zur frühen Dorfbildung, der Frage der Siedlungskontinuität im Altsiedelland sowie zum Problem früher Herrenhöfe, in: Archäologisches Korrespondenzblatt 23, 1993, S. 365–378
  15. Führungen am Sonntag bei der Grabung in Rotenkirchen in: Einbecker Morgenpost vom 8. September 2010
  16. Klemens Honselmann: Die Alten Mönchslisten und die Traditionen von Corvey, Band 2, 1982, S. 188
  17. Franziskus Lubecus: Göttinger Annalen: von den Anfängen bis zum Jahr 1588, 1994, S. 171
  18. Geschichte von Schloss Rotenkirchen
  19. Geschichtliches zur Außenstelle Grubenhagen (Memento vom 31. Oktober 2007 im Internet Archive)
  20. Außenstelle LIAG
  21. Georg Max: Geschichte des Fürstenthums Grubenhagen. Erster Theil. Schmorl u. Seefeld, Hannover 1863, S. 21. Anm. 1.
  22. Erhard Kühlhorn: Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte. Blatt Moringen am Solling. Lax, Hildesheim 1976, ISBN 3-7848-3624-0, S. 123–125.