Duma

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Staatsduma)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Staatsduma
Госуда́рственная ду́ма
Gosudarstvennaya Duma
Logo Parlamentsgebäude
Logo Parlamentsgebäude
Basisdaten
Sitz: Gebäude der Staatsduma, Ochotny Rjad 1, Moskau
Legislaturperiode: 5 Jahre
Abgeordnete: 450
Aktuelle Legislaturperiode
Letzte Wahl: 18. September 2016
Vorsitz: Wjatscheslaw Wiktorowitsch Wolodin (ER)
Zusammensetzung der Duma
Sitzverteilung:
  • ER 343
  • KPRF 42
  • LDPR 39
  • SR 23
  • Rodina 1
  • BPL 1
  • Unabh. 1
  • Website
    www.duma.gov.ru
    Lückenhaft In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen noch folgende wichtige Informationen:
    Aufgaben der Duma. --Zimaro (Diskussion) 08:56, 5. Mär. 2014 (CET)
    Hilf der Wikipedia, indem du sie recherchierst und einfügst.

    Die Duma (russisch Ду́ма) oder Staatsduma (russisch Государственная Дума/ Gossudarstwennaja Duma) ist das Unterhaus, die direkt vom Volk gewählte 2. Parlamentskammer der Föderationsversammlung von Russland. Das Wort Duma (dt.: Gedanke) leitet sich vom altslawischen und russischen dumat’ (dt.: nachdenken) her und bezeichnet generell eine beratende Versammlung oder Körperschaft, z. B. einen Stadtrat, aber auch deren Versammlungshaus.

    Staatsduma im Kaiserreich Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Zar Nikolaus II. eröffnet mit einer Thronrede das Parlament (1906)

    Die Einführung demokratischer Institutionen begann im kaiserlichen Russland mit der Bildung der lokalen Selbstverwaltungen auf dem Land (Semstwo) 1864 und in den Städten (Stadtduma) 1870. Auf Staatsebene existierte bis 1905 nur der aus ernannten Mitgliedern bestehende Staats- oder Reichsrat, überwiegend besetzt mit Mitgliedern der Aristokratie.

    Erste Staatsduma von 1906[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Nach dem Petersburger Blutsonntag und der durch ihn ausgelösten Revolution von 1905 stimmte Zar Nikolaus II. im Oktobermanifest der Schaffung einer Staatsduma als zweiter Kammer neben dem Reichsrat zu. Dieses erste gesamtrussische Parlament wurde vom 26. März bis 20. April 1906 gewählt. Während die sozialistischen Parteien die Wahl boykottierten, setzten die liberalen Reformer große Hoffnungen auf die erste Duma, die im Taurischen Palais tagte. Das Parlament war jedoch weitgehend von der Macht des Zaren abhängig. Die Regierung behielt sich das Recht vor, während der Sitzungspausen per Notverordnungen zu regieren, die nur nachträglich von der Duma bestätigt werden mussten. Die Duma wurde am 27. Apriljul./ 10. Mai 1906greg. vom Zaren eröffnet[1] aber schon nach 72 Tagen, am 8. Julijul./ 21. Juli 1906greg. wieder aufgelöst. Der Grund dafür war, dass die Abgeordneten eine umfassende Agrarreform in Angriff nahmen, die der Zar ablehnte. Der Protest gegen die Auflösung, das Wyborger Manifest, verhallte jedoch ergebnislos.

    Zweite und dritte Staatsduma von 1907[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Auch die zweite Staatsduma tagte nur wenige Monate, vom 20. Februar bis zum 2. Juni 1907. Da die sozialistischen Parteien sich diesmal an der Wahl beteiligt hatten, stellten sie im Parlament die Mehrheit. Die neuen Abgeordneten drangen noch kompromissloser auf die Lösung der Agrarfrage als ihre Vorgänger. Daher veranlasste Ministerpräsident Pjotr Stolypin den Zaren dazu, sie vorzeitig zu entlassen.[2] Per Dekret vom 3. Juni 1907 änderte Nikolaus II. entgegen seinen Zusagen im Oktobermanifest das Wahlrecht so ab, dass Städte, landlose Bauern und die nichtrussische Minderheiten gegenüber russischem Großbürgertum und Adel stark benachteiligt wurden.

    Die dritte Staatsduma, die noch im selben Jahr, am 1. November 1907 zusammentrat wurde daher von konservativen, nationalistischen und regierungstreuen Parteien wie den Oktobristen dominiert. Doch selbst in diesem Parlament, das eine volle Legislaturperiode hindurch bestehen blieb, bis zum 9. Juni 1912, fanden Stolypin und seine Nachfolger keine dauerhaften Mehrheiten.

    Vierte Staatsduma von 1912[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Ähnliches galt auch für die vierte Staatsduma, die sich am 15. November 1912 konstituierte. Seit dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 setzte sie ihre Sitzungen zeitweilig aus. Nach Ausbruch der Februarrevolution 1917 drängte die Duma-Mehrheit die letzte Regierung des Zaren zum Rücktritt und bildete aus sich heraus die Provisorische Regierung unter dem liberalen Fürsten Lwow, einem Mitglied der Konstitutionellen Demokraten. Diese übte bis zur Oktoberrevolution desselben Jahres eine Doppelherrschaft in Konkurrenz zum Petrograder Sowjet aus.

    Der Rat der Volkskommissare, die bolschewistische Revolutionsregierung unter Lenin, schaffte die Duma am 12. Dezember 1917 per Dekret ab. Sie wurde durch den Kongress der Volksdeputierten ersetzt, der aber gegenüber den Sowjets und der Führung der Kommunistischen Partei der Sowjetunion weitgehend machtlos war.

    Sitzverteilung in der Staatsduma von 1906 bis 1917
    Fraktion 1. Duma 2. Duma 3. Duma 4. Duma
    April–Juni 1906 Februar–Juni 1907 1907–1912 1912–1917
    Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands 65 14 14
    Sozialrevolutionäre 34
    Trudowiki 94 101 14 10
    Progressisten 39 47
    Konstitutionelle Demokraten 179 92 52 57
    Nationalitäten 121 21 26
    Zentristen 33
    Oktobristen 17 32 120 99
    Nationalisten 76 88
    Extreme Rechte 15 63 53 64

    Die Duma im postsowjetischen Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Etablierung der Duma[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Nach der Auflösung des Kongresses der Volksdeputierten durch den russischen Präsidenten Boris Jelzin am 21. September 1993 und nach seinem Sieg über die Putschisten im Oktober 1993 legte er eine neue Verfassung vor: Sie geht vom Prinzip der Gewaltenteilung aus, und am 12. Dezember 1993 gab die wahlberechtigte Bevölkerung in einem Referendum die Zustimmung. Das in der Verfassung vorgesehene Zwei-Kammer-Parlament besteht aus dem Föderationsrat, welcher die 83 Föderationssubjekte der Russischen Föderation vertritt, und aus der 450 Abgeordnete zählenden Staatsduma. Bis Dezember 2003 und wieder seit 2016[3] wird die eine Hälfte von ihnen nach Listen, die andere direkt gewählt (Grabenwahlrecht); dazwischen wurde die Zusammensetzung der Duma mittels einer Verhältniswahl (mit einer Sperrklausel von 7 %) bestimmt. Jeder Abgeordnete ist für eine vierjährige Periode gewählt (Artikel 96). Russische Staatsbürger können mit 21 Jahren in die Duma gewählt werden (Artikel 97). Die Staatsduma muss den vom Präsidenten ernannten Regierungschef bestätigen, kann der Regierung das Misstrauen aussprechen und beschließt Gesetze, denen der Föderationsrat zustimmen und die der Präsident unterzeichnen muss. Die Duma hat im semipräsidentiellen System Russlands eine vergleichsweise schwache Stellung gegenüber dem Präsidenten – ähnlich wie das französische Parlament der 5. Republik. Bis ins Jahr 2016 hatte sich die Duma den Übernahmen "der wilde Drucker" eingehandelt, dies deshalb, weil das Parlament im Rekordtempo vom Kreml unterstützte restriktive Gesetze verabschiedet hatte.[4]

    Duma 1993[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die erste Staatsduma unter Präsident Boris Jelzin und dem Präsidenten der Staatsduma Iwan Rybkin wurde bei der Parlamentswahl am 12. Dezember 1993 nur für zwei Jahre gewählt.

    Duma 1995[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Bei der Parlamentswahl am 17. Dezember 1995 wurde die Duma für eine normale Legislaturperiode von vier Jahren gewählt. Das Parteienspektrum Russlands war stark zersplittert. 49,5 % der Wähler stimmten für eine der Parteien, die die 5-%-Hürde nicht erreichen konnten. Stärkste Partei wurde die KPRF mit 22,3 % der Stimmen, gefolgt von der LDPR (11,2 %). Die Partei „Unser Haus Russland“ erhielt 10,1 %, Jabloko 6,9 %.

    Duma 1999[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Bei der Parlamentswahl am 19. Dezember 1999 erhielt die KPRF 24,3 %, die Pro-Putin-Listen „Einheit“ (=„Bär“) und „Vaterland – Ganz Russland“ mit 23,2 % bzw. 13,3 % zusammen jedoch mehr. Im demokratischen Spektrum erhielt die Union der rechten Kräfte 8,5 %, Jabloko 5,93 %. Der Block Schirinowski war mit 5,98 % ebenfalls in der Duma vertreten.

    Duma 2003[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Bei der vierten Parlamentswahlen am 7. Dezember 2003 konnten die Parteien, die der Regierung unter Wladimir Putin nahestanden (beispielsweise Jedinaja RossijaEiniges Russland), die absolute Mehrheit der Sitze erringen. Die rechtsnationalen Liberaldemokraten (LDPR) gewannen ebenfalls an Stimmen, während die oppositionelle Kommunistische Partei der Russischen Föderation, bisher stärkste Fraktion, verlor. Die westlich orientierten liberalen Parteien Union der rechten Kräfte und Jabloko scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde. Unter den 450 Abgeordneten befanden sich 44 Frauen.

    Im Herbst des Jahres 2007 vor den Parlamentswahlen waren folgende Fraktionen in der Duma vertreten:

    Die Duma 2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Ministerpräsident Wladimir Putin spricht vor der Staatsduma (8. Mai 2008)

    Aus der Parlamentswahl am 2. Dezember 2007 ging nachstehende Sitzverteilung hervor:

    Partei Anzahl der Sitze
    Einiges Russland 315
    Kommunistische Partei der Russischen Föderation 57
    Liberal-Demokratische Partei Russlands 40
    Gerechtes Russland 38
    total

    davon männlich / weiblich

    450

    388 / 62

    Im Vergleich zur Situation vor den Wahlen hat sich der relative Sitzanteil der Regierungspartei Einiges Russland geringfügig auf 70 % erhöht. Mit der Wahl sind die Vertreter einer Entwicklung Russlands nach Vorbild der westlichen Demokratien völlig aus dem Parlament verschwunden. Zuvor waren diese noch als fraktionslose Abgeordnete in der Duma vertreten gewesen. Die Möglichkeit, als Einzelkandidat ins Parlament gewählt zu werden, wurde jedoch vor der Wahl abgeschafft.

    Die Duma 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Ausweis der Abgeordneten der Staatsduma

    Aus der Parlamentswahl am 4. Dezember 2011 ging nachstehende Sitzverteilung hervor:

    Partei Anzahl der Sitze
    Einiges Russland 238
    Kommunistische Partei der Russischen Föderation 92
    Gerechtes Russland 64
    Liberal-Demokratische Partei Russlands 56
    total 450

    Der Anteil der Sitze für Einiges Russland sank auf 53 % (nach 70 % 2007), wovon die anderen drei bisher ebenfalls in der Duma vertretenen Parteien profitierten: Die Kommunistische Partei verbesserte sich auf 20,4 % (nach 12,7 % 2007). Gerechtes Russland auf 14,2 % (nach 8,4 % 2007) und die Liberal-Demokratische Partei auf 12,4 % (nach 8,9 % 2007).

    Nach der Wahl kam es zu massiven Protesten und Demonstrationen gegen mutmaßliche Wahlfälschungen.

    Die Duma 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Ende Mai 2015 wurde bekannt, dass Bestrebungen im Gange waren, um eine Vorverschiebung der Parlamentswahl in Russland 2016 vom Dezember auf den September 2016 zu erreichen.[5] Im Juli empfahl der Ausschuss des Föderationsrats diese Verschiebung.[6] Kritiker bemerkten, die Verschiebung der Parlamentswahl in Russland 2016 diene der Nichtbeachtung des Wahlkampfs sowie dem Erreichen einer geringeren zu erwartenden Stimmbeteiligung, da in Russland im Sommer Ferien gemacht werden.[7] Dazu kam die Aussichtslosigkeit einer echten Wahl, da nur die Regierungspartei sowie die jene unterstützende „Systemopposition“ beim wieder eingeführten System der Direktmandate eine Chance hatte. Die Stimmbeteiligung dieser vorgezogenen Wahl war mit 47,8 Prozent im Vergleich zu 2011 mit 60 Prozent dementsprechend tief[8], in den Städten war sie noch geringer und erreichte in Moskau nur 30 Prozent[9]. In Umfragen hatten sich aufgrund ihrer Erwartungen über 20 Prozent der Befragten bereit erklärt, selber ihre Stimme zu verkaufen.[10]

    Volksmund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Das Wort des Jahres in Russland war im Jahr 2013 "gosdura" (Narr) und zwar bezogen auf die russische Duma. Auch Ljudmila Alexejewa machte auf den Gebrauch des Wortes für eine Duma aufmerksam, die Gesetze am Fliessband abliefere.[11]

    Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

     Wiktionary: Duma – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
     Commons: Russische Staatsduma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. www.klett.de: 1. bis 4. Staatsduma 1906–1917, abgefragt am 9. Mai 2011
    2. Matthias Stadelmann (2006): Die Romanovs. Kohlhammer (ISBN 978-3170189478), S. 225 (online).
    3. Gesine Dornblüth: Kleine Verluste für demokratischen Anstrich. Auf deutschlandfunk.de
    4. Vyacheslav Volodin: Could the new State Duma speaker be the next president?, RBTH, 6. Oktober 2016
    5. Drei Fraktionen sind für die Verschiebung der Wahlen zur Staatsduma, Novaya Gaseta, 29. Mai 2015
    6. Föderationsrat wird die Übertragung der Wahl zur Staatsduma am 3. Sonntag im September 2016 diskutieren, TASS, 8. Juli 2015
    7. Ljudmila Alexejewa: "An Menschenrechtlern führt kein Weg vorbei", RBTH, 5. Juni 2015
    8. Geringe Wahlbeteiligung in Russland, SZ, 18. September 2016
    9. Rund 30% Wahlbeteiligung in Moskau: Duma-Wahlen leiden unter Lethargie, Aargauer Zeitung, 19. September 2016
    10. Fast ein Viertel der Russen würde Stimme verkaufen, Die Zeit, 22. August 2016
    11. Sitzung des Rates für die Entwicklung der Zivilgesellschaft und der Menschenrechte vom 30. Oktober 2017 auf der Webseite des Russischen Präsidenten

    Koordinaten: 55° 45′ 29″ N, 37° 36′ 55″ O