Wiesen (Unterfranken)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wiesen
Wiesen (Unterfranken)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wiesen hervorgehoben
Koordinaten: 50° 7′ N, 9° 22′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Aschaffenburg
Verwaltungs­gemeinschaft: Schöllkrippen
Höhe: 400 m ü. NHN
Fläche: 5,64 km2
Einwohner: 1031 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 183 Einwohner je km2
Postleitzahl: 63831
Vorwahl: 06096
Kfz-Kennzeichen: AB, ALZ
Gemeindeschlüssel: 09 6 71 162
Gemeindegliederung: 1 Ortsteil
Adresse der Verbandsverwaltung: Marktplatz 1
63825 Schöllkrippen
Webpräsenz: www.gemeinde-wiesen.de
Bürgermeister: Willi Fleckenstein (Dorfgemeinschaft)
Lage der Gemeinde Wiesen im Landkreis Aschaffenburg
Alzenau Kahl am Main Karlstein am Main Kleinostheim Stockstadt am Main Großostheim Mainaschaff Mömbris Johannesberg (Bayern) Glattbach Wiesener Forst Forst Hain im Spessart Huckelheimer Wald Heinrichsthaler Forst Heinrichsthaler Forst Waldaschaffer Forst Schöllkrippener Forst Sailaufer Forst Rohrbrunner Forst Rothenbucher Forst Dammbach Dammbach Goldbach (Unterfranken) Geiselbach Westerngrund Schöllkrippen Kleinkahl Wiesen (Unterfranken) Krombach (Unterfranken) Sommerkahl Blankenbach Hösbach Sailauf Haibach (Unterfranken) Heigenbrücken Heinrichsthal Laufach Weibersbrunn Rothenbuch Waldaschaff Bessenbach Mespelbrunn Heimbuchenthal Dammbach Weibersbrunn Aschaffenburg Hessen Landkreis Miltenberg Landkreis Main-SpessartKarte
Über dieses Bild
Gemeindegebiet von Wiesen
(Eine kleine Exklave weiter im Norden ist nicht abgebildet)

Wiesen ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Schöllkrippen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiesen liegt in der Region Bayerischer Untermain im Aubachtal an den Staatsstraßen 2305 (Deutsche Ferienroute Alpen–Ostsee) und 2905 (Spessart-Höhenstraße). Der topographisch höchste Punkt der Gemeindegemarkung ist der Gipfel des Hohen Sang mit 482 m ü. NN (Lage), der niedrigste liegt am Aubach südlich von Wiesen auf 329 m ü. NN (Lage).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt nur einen Ortsteil[2] auf der Gemarkung Wiesen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiesener Forst
(Gemeindefreies Gebiet)
Wiesener Forst
(Gemeindefreies Gebiet)
Nachbargemeinden Wiesener Forst
(Gemeindefreies Gebiet)
Markt
Frammersbach

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Grundwort im Namen Wiesen ist eine Pluralform vom althochdeutschen Wort wisa, das Wiese bedeutet, und weist auf die geografische Lage im oberen, unbewaldeten Talabschnitt des Wiesenbaches (heute Aubach) hin.[3]

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[3]

  • 1057 Wisun (nur Flurname)
  • 1331 Wiesin
  • 1339 Wiesen

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsansicht Wiesen

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiesen wurde 1339 erstmals urkundlich erwähnt. Es gehörte zum Herrschaftsbereich der Grafen von Rieneck; im 16. Jahrhundert ging es über an Kurmainz, wo es bis zum Reichsdeputationshauptschluss verblieb.

1803 wurde es zugunsten des neugebildeten Fürstentums Aschaffenburg des Fürstprimas von Dalberg säkularisiert und fiel 1814 (jetzt ein Departement des Großherzogtums Frankfurt) an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Verwaltungszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Lohr am Main gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Wiesen lag. 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Wiesen war nun eine der 26 Gemeinden im Landkreis Lohr am Main. Mit der Auflösung des Landkreises Lohr im Zuge der bayerischen Gebietsreform im Jahre 1972 wurde ein Großteil der Gemeinden dem heutigen Landkreis Main-Spessart zugeschlagen. Auch Wiesen kam zu diesem neuen Landkreis, der zunächst Landkreis Mittelmain hieß, wechselte jedoch am 1. Juli 1976 in den Landkreis Aschaffenburg.

Heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dank des nahen Wiesbüttmoors und Wiesbüttsees ist Wiesen heute an moderatem Wandertourismus im Spessart angeschlossen, hat sich aber seinen traditionellen Charakter mit wenigen Landgasthöfen, Geschäften, infrastrukturellen Einrichtungen und Handwerksbetrieben bewahrt. In einer kleinen Privatbrauerei von 1888 stellt Wiesen sein eigenes Bier her.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1961: 1021 Einwohner
  • 1970: 1076 Einwohner
  • 1987: 1050 Einwohner
  • 1991: 1160 Einwohner
  • 1995: 1135 Einwohner
  • 2000: 1152 Einwohner
  • 2005: 1117 Einwohner
  • 2010: 1056 Einwohner
  • 2015: 1031 Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat der Gemeinde Wiesen besteht aus zwölf Ratsmitgliedern. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 1001 und 2000.[4] Der Gemeinderat wird für jeweils sechs Jahre gewählt.

Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem der erste Bürgermeister. Dies ist Willi Fleckenstein von der Wählergemeinschaft Dorfgemeinschaft.

Die letzte Kommunalwahl vom 16. März 2014 ergab das folgende Ergebnis:[5]

Partei  Anzahl Sitze  Veränderung
Dorfgemeinschaft 12 ± 0

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Bürgermeister der Gemeinde Wiesen ist Willi Fleckenstein von der Wählergemeinschaft Dorfgemeinschaft. Er wurde bei der letzten Bürgermeisterwahl am 16. März 2014 mit 83,20 % der Stimmen gewählt. Die Wahlbeteiligung betrug 69,7 %.[5]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Rot übereinander ein untenhalbes silbernes Rad, ein goldenes Hirschgeweih und eine silberne Muschel.

Wappengeschichte: Die Gemeinde Wiesen gehörte geschichtlich den Grafen von Rieneck bis zu deren Aussterben 1559. Sie ging dann an das Erzstift Mainz, das dort im Spessart ein Jagdschloss errichtete. Im Wappen erinnert das Hirschgeweih und das halbe Mainzer Rad an das Kurfürstentum Mainz, zu dem der Ort gehörte. Die Muschel ist das Symbol des heiligen Jakob. Sie weist auf die Pfarrkirche hin, die dem Heiligen geweiht ist. An die Grafen von Rieneck erinnern die Farben Rot und Gold im Wappen. Sie waren mit dem Ort eng verbunden.

Die Gemeinde führt das Wappen seit dem 22. Juli 1985.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Dreschhalle Wiesen

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 588 T€, davon waren 172 T€ (netto) Gewerbesteuereinnahmen.

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft:

Im Jahre 1998 gab es nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 129 und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 16 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 428. Im verarbeitenden Gewerbe gab es vier, im Bauhauptgewerbe drei Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 fünf landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 187 ha, davon waren 186 ha Dauergrünfläche.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Schloss Wiesen der Mainzer Kurfürsten (1597) ist ein dreigeschossiger Kasten mit Rundturm im Ortskern; ob der Renaissancebau wirklich Jagdschloss war, ist nicht belegt. Das Gebäude befindet sich heute in Privatbesitz und wird aufwendig und liebevoll von dem privaten Bauherren restauriert, die vom Spessartprojekt mit begleitenden archäologischen Forschungen unterstützt werden und interessante Einblicke in die Baugeschichte des Schlosses vermittelten. Es konnte ein spätmittelalterlicher Vorgängerbau nachgewiesen werden: ein steinernes Haus, von dem sich noch der ursprüngliche Gewölbekeller erhalten hat. Die Besiedelungsspuren auf dem Anwesen reichen jedoch bis ins 13. Jahrhundert zurück.[6]
  • Neben dem "Jagdschloss" steht die barocke Pfarrkirche St. Jakobus, ein einschiffiger Saalbau von 1724 mit drei Altären und Kanzel aus der Entstehungszeit.
  • Für lokale Veranstaltungen und Festivitäten genutzt wird die Alte Dreschhalle von 1936 (Neubau von 1992 nach einem Brand 1991).
  • Oberhalb des Ortes, auf der Anhöhe Hohe Sang, befindet sich ein Kreuzweg und eine Kapelle von 1883 (Kreuzkapelle; restauriert 2011). Das vor der Kapelle aufgestellte Pestkreuz, datiert 1610, stand ursprünglich in der Ortsmitte.
  • An der Kreuzkapelle kommt der Eselsweg vorbei, der zwei Kilometer weiter die Birkenhainer Straße kreuzt. An diesem wichtigen Kreuzungspunkt zweier historischer Fernhandelswege hat der Spessartbund 1932 dem Heimatforscher Karl Kihn ein Denkmal gesetzt (so genannter Dr. Karl Kihn-Platz).
  • Der Volkerstein befindet sich oberhalb der Alten Dreschhalle. Stele aus Buntsandstein zur Erinnerung an Volker Helleiner aus Aschaffenburg. Er lebte zuletzt in Wiesen und war Eigentümer des hinter der Stele quer zum Hang verlaufenden Geländestreifens, seinerzeit Acker, nun dauerhafte ökologische Nutzung (Feldhecke) durch die Gemeinde Wiesen. Inschrift auf der Vorderseite (Rainer Maria Rilke, 1875–1926): "Wandelt sich rasch auch die Welt / wie Wolkengestalten / alles Vollendete fällt / heim zum Uralten". Inschrift auf der Rückseite: "Zum Gedenken an / Volker Helleiner / * 21.4.1959 † 27.2.1996 / errichtet im Jahr 2000 von / seinen Eltern und Brüdern. / Du hast mit und von / diesem Stück Erde gelebt / und der Natur zurückgegeben / was Du von ihr bekommen hast". Entwurf und Fertigung: Helmut Hirte, Bildhauer und Steinmetz, Aschaffenburg.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1999 gab es folgende Einrichtungen:

  • Kindergarten: 50 Kindergartenplätze mit 45 Kindern
  • Schule mit vier Klassenzimmern, Turnhalle und Schlittenfahrhang

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111122/224550&attr=OBJ&val=1559
  3. a b Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen : Herkunft und Bedeutung. Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken. C.H.Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 241 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern (Gemeindeordnung – GO) in der Fassung der Bekanntmachung vom 22. August 1998; Art. 31 – Zusammensetzung des Gemeinderats, abgerufen am 11. Juli 2014
  5. a b Bürgermeisterwahl Wiesen: 83,20 Prozent für Fleckenstein, abgerufen am 12. Juli 2014
  6. Vfl. Das Archäologische Spessartprojekt e. V.: Spessartprojekt Burgenforschung

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wiesen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Wiesen (Unterfranken) – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen