Katrin Göring-Eckardt

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Katrin Göring-Eckardt, 2013

Katrin Dagmar Göring-Eckardt (geb. Eckardt; * 3. Mai 1966 in Friedrichroda) ist eine deutsche Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen. Von Oktober 2005 bis Oktober 2013 amtierte sie für die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen als Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Bei der Urwahl im November 2012 wählte die grüne Parteibasis sie – zusammen mit Jürgen Trittin – zur Spitzenkandidatin der Grünen für die Bundestagswahl 2013.[1] Seit Oktober 2013 ist sie neben Anton Hofreiter Vorsitzende der Bundestagsfraktion ihrer Partei,[2] ein Amt, das sie bereits von 2002 bis 2005 neben Krista Sager bekleidet hatte. Darüber hinaus war Göring-Eckardt von 2009 bis September 2013 Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und somit Mitglied im Rat der EKD.[3][4]

Leben[Bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten]

Katrin Eckardt wurde am 3. Mai 1966 in der Kleinstadt Friedrichroda im Kreis Gotha als Tochter eines Tanzlehrers geboren.[5] Sie war aktives Mitglied im sozialistischen Jugendverband, der FDJ.[6] Nach dem Abitur 1984 an der Erweiterten Oberschule (EOS) Gotha begann sie ein Studium der evangelischen Theologie an der Universität Leipzig, das sie 1988 abbrach.[7]

Parteilaufbahn[Bearbeiten]

Bis zur Wendezeit in der DDR arbeitete Göring-Eckardt ohne Parteimitgliedschaft im Arbeitskreis Solidarische Kirche (AKSK) mit. 1989 wurde sie Gründungsmitglied der in der DDR entstandenen politischen Gruppierung Demokratischer Aufbruch und 1990 der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt.[8] Von 1990 bis 1993 war sie Mitglied im thüringischen Landesvorstand von Bündnis 90. Als Mitarbeiterin der Thüringer Landesvorstände von Demokratie jetzt und Bündnis 90 nahm sie an den Verhandlungen zur Zusammenführung von Bündnis 90 und den Grünen teil,[9] die seit der Fusion mit der Grünen Partei in der DDR 1990 eine gesamtdeutsche Partei waren.

Nach der Fusion von Bündnis 90 mit den Grünen 1993 arbeitete Göring-Eckardt bis 1994 bei der thüringischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen als Referentin für Frauenpolitik, Familie und Jugend. Von 1998 bis 2006 war sie darüber hinaus Mitglied im Parteirat von Bündnis 90/Die Grünen. Von 1995 bis 1998 war Göring-Eckardt Mitarbeiterin des Grünen-Politikers Matthias Berninger, von 1996 bis 1998 außerdem Beisitzerin im Bundesvorstand der Grünen. Bis 1998 war sie Mitglied des thüringischen Grünen-Landesvorstands. Darüber hinaus war sie ab 1995, mit Unterbrechungen, Landessprecherin.[10][11] 2006 wurde Göring-Eckardt erneut Beisitzerin im thüringischen Grünen-Landesvorstand.

Im Vorfeld der Urabstimmung zur Festlegung der beiden grünen Spitzenkandidaten im November 2012 sprach sich Göring-Eckardt zunächst gegen ein Spitzenduo aus; stattdessen favorisierte sie ein breiter aufgestelltes Spitzenteam. Stark für ihre Kandidatur sprach sich unter anderem der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer aus, der parteiintern ebenfalls als „Realo“ gilt. Im Verlauf ihrer Kandidatur bekundete sie die Absicht, sich vor allem gegen das weitere Auseinanderfallen der Gesellschaft einzusetzen. Dabei wolle sie die Menschen mitnehmen und insbesondere auch solche Bevölkerungsschichten dabei ansprechen, für die andere Werte ausschlaggebend seien als rein ökonomische. Beispielgebend für sie sei insbesondere der Wahlerfolg von Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg.[12] Gegenüber den Mitbewerberinnen Claudia Roth und Renate Künast galt die Wertkonservative Göring-Eckardt eher als Außenseiterin. Bei der Urwahl der grünen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2013 am 11. November 2012 lag Göring-Eckardt mit 47,3 % vor ihren Mitbewerberinnen und übernahm, zusammen mit Jürgen Trittin, der die meisten Stimmen gewann, die Funktion als grünes Spitzenduo.[13] Medien bezeichneten ihr Abschneiden als Korrektur zu dem als eher links geltenden Urwahl-Sieger Jürgen Trittin – vorgenommen von der mittlerweile stark bürgerlich geprägten Parteibasis. Der ihr nachgesagten Affinität zu schwarz-grünen Bündnissen ungeachtet sprach sich Göring-Eckardt nach der Urwahl für eine rot-grüne Koalition aus. Linke Parteimitglieder werteten das gute Abschneiden eher kritisch; gegenüber der Wochenzeitung Die Zeit attributierte sie ein Parteimitglied als „vermeintliche Sozialpolitikerin“.[14]

Abgeordnetentätigkeit[Bearbeiten]

Göring-Eckardt 2007 im Bundestag

Seit 1998 ist Göring-Eckardt Mitglied des Deutschen Bundestages. In den Bundestag eingezogen ist sie stets über die Landesliste Thüringen. Von 1998 bis 2002 war sie Parlamentarische Geschäftsführerin beziehungsweise Erste Parlamentarische Geschäftsführerin (Februar bis Oktober 2002) sowie gesundheits- und rentenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion ihrer Partei. Von Oktober 2002 bis September 2005 war Göring-Eckardt zusammen mit Krista Sager Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.[10] Bei der Bundestagswahl 2005 war Göring-Eckardt Direktkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Erfurt – Weimar – Weimarer Land II; dort blieb sie ohne Mandat.

Am 18. Oktober 2005 wurde Göring-Eckardt mit 479 Stimmen bei 69 Nein-Stimmen und 39 Enthaltungen zur Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags gewählt. Seit Herbst 2005 ist sie zudem kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. 2009 bewarb sich Göring-Eckardt um das Direktmandat im Wahlkreis Gotha – Ilm-Kreis, das sie nicht gewinnen konnte. Am 27. Oktober 2009 wurde sie am ersten Tag der Versammlung des neuen Parlaments mit 473 Ja-, 9 Nein-, 5 ungültigen Stimmen und 61 Enthaltungen als Bundestagsvizepräsidentin wiedergewählt.

Nach der Bundestagswahl 2013 bewarb sich Göring-Eckardt um den Vorsitz der grünen Bundestagsfraktion. Sie setzte sich in einer Abstimmung am 8. Oktober 2013 mit 41 Stimmen gegen die ebenfalls dem Realo-Lager zugerechnete Freiburger Abgeordnete Kerstin Andreae (20 Stimmen) durch und führt die Bundestagsfraktion gemeinsam mit Anton Hofreiter an.[2]

Evangelische Kirche[Bearbeiten]

Göring-Eckardt engagiert sich innerhalb der Evangelische Kirche in Deutschland. Im Lauf der Jahre übernahm sie im kirchlichen Umfeld eine Reihe von Ämtern und Funktionen. So wurde sie 2007 für eine Amtszeit von sechs Jahren zum Mitglied des Präsidiumsvorstandes des Deutschen Evangelischen Kirchentages(DEKT) gewählt. 2011 leitete sie den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden als Präsidentin. Seit 2013 gehört Göring-Eckardt dem Präsidium des DEKT an.

Göring-Eckardt ist Mitglied in der 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie wurde am 2. Mai 2009 zu deren Präses (Vorsitzender) gewählt, dabei setzte sie sich gegen den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein durch.[15][16] Sie ist in diesem Amt Nachfolgerin der Nordhäuser Oberbürgermeisterin Barbara Rinke.

Nach der gewonnenen Urwahl als Spitzenkandidatin der Grünen im November 2012 gab sie bekannt, ihre Ämter in der EKD bis zum Ende des Bundestagswahlkampfs 2013 ruhen zu lassen.[17] Am 26. September 2013 legte Göring-Eckardt mit sofortiger Wirkung ihr Amt als Präses der Synode der EKD nieder. Sie begründete dies damit, dass sie sich nun „mit ganzer Kraft“ der künftigen Entwicklung bei den Grünen widmen wolle. In der Synode, die unter anderem die Gesetzgebung der evangelischen Kirche verantwortet, will sie aber weiter mitwirken.[18]

Sonstiges Engagement[Bearbeiten]

Göring-Eckardt ist Mitglied des Kuratoriums der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e. V.[19]

Weitere Mitglied- und Schirmherrschaften:

Privates[Bearbeiten]

Laut Angaben zur Vita auf der Webseite des Deutschen Bundestags gehörte sie in der DDR zu den ersten Frauen, die einen Doppelnamen durchsetzten. Seit 1988 ist sie mit dem evangelisch-lutherischen Pfarrer Michael Göring in Ingersleben verheiratet, mit dem sie zwei Söhne hat.[8][20] Göring, ebenfalls in der Grünen Partei engagiert, schied im April 2013 unter Inanspruchnahme von Altersteilzeit im Alter von 60 Jahren aus dem Dienst aus. Er hat aus erster Ehe drei Kinder.[21]

Politische Positionen[Bearbeiten]

Parteiintern sowie seitens der Medien und der Öffentlichkeit wird Göring-Eckardt dem sogenannten Realo-Flügel der Grünen zugeordnet. Darüber hinaus gilt sie als Protagonistin eines eher wertkonservativ fundierten grünen Lebensstils. Göring-Eckardt stellte in der Vergangenheit ihre Entscheidungen wiederholt auf religiös fundierte Gewissensentscheidungen ab. Wegen ihrer starken Verortung im bürgerlichen Milieu sowie ihrer guten Kontakte ins CDU-Lager hinein wird sie darüber hinaus auch immer wieder als geeignete Persönlichkeit für das Schmieden schwarz-grüner Koalitionen aufgeführt. Fundiert wird dieser Ruf durch Göring-Eckardts Teilnahme an der sogenannten Pizza-Connection in den 1990er-Jahren – einem informellen Gesprächskreis zwischen grünen und christdemokratischen Nachwuchspolitikern, dessen Bezeichnung auf den damaligen Treffpunkt, ein italienisches Restaurant in Bonn, anspielt.[22][23] Nach dem Ende der rot-grünen Regierung profilierte sich Göring-Eckardt bei unterschiedlichen Gelegenheiten als Wertkonservative, der Nachhaltigkeit, gesellschaftlicher Ausgleich sowie soziale Gerechtigkeit ein besonderes Anliegen sind.

Wirtschafts- und Sozialpolitik[Bearbeiten]

Agenda 2010 und Hartz IV[Bearbeiten]

Wirtschafts- und sozialpolitisch profilierte sich Göring-Eckardt während der Regierungszeit von Rot-Grün unter Bundeskanzler Gerhard Schröder als entschiedene Befürworterin der Hartz-Reformen und der Agenda 2010. Als Fraktionsvorsitzende der Grünen war sie maßgeblich daran beteiligt, die umstrittenen Gesetzespakete gegen innerparteiliche Widerstände durchzusetzen. Die Agenda 2010 bezeichnete sie im Zug dieser Auseinandersetzungen nicht nur als „mutig“ und „notwendig für das Gemeinwohl“, sondern darüber hinaus als „Frühling der Erneuerung“. Die mit Hartz-IV eingeführten Sanktionsmöglichkeiten wie zum Beispiel Leistungskürzungen seitens der Jobcenter charakterisierte sie als „Bewegungsangebote“ für die Betroffenen.[24]

Laut einem Artikel bei Spiegel Online von November 2012 soll Göring-Eckardt bei dem Thema Hartz IV ihre Positionen zwischenzeitlich gewandelt haben.[9] Andererseits machte sie – wie andere Politiker von SPD und Grünen auch – im anlaufenden Bundestagswahlkampf 2013 nicht eigene Versäumnisse oder Fehler für das Scheitern der Agenda verantwortlich, sondern vielmehr die damalige Unionsmehrheit im Bundesrat. Dieser sei es letztendlich anzulasten, dass es bei den Hartz-Gesetzen zu unsozialen Härten gekommen sei. Darüber hinaus seien weitere Verschlechterungen während der Regierungszeit von Schwarz-Gelb hinzugekommen. Als zusätzliche Korrekturmaßnahme kündigte sie im März 2013 eine Herabsetzung des durch Rot-Grün eingeführten Minijob-Maximalbetrags von derzeit 450 Euro auf 100 Euro an. Die Minijobs hätten die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt. Aus diesem Grund solle dieser Arbeitsmarktbereich deutlich reduziert, respektive Verdienste ab 100 Euro abgaben- und steuerpflichtig werden. Während der Vorschlag aus dem Lager von SPD, Grünen und Gewerkschaften Zuspruch erfuhr, kritisierten Vertreter von Union und FDP ihn als Demontageabsicht für einen Bereich, der sich aufgrund seiner Flexibilität gerade für Menschen mit geringem Einkommen sowie Zusatzverdiener bewährt habe.[25] Die linke Tageszeitung junge Welt kritisierte den Vorstoß als unglaubwürdiges Herumlavieren und bezeichnete Göring-Eckardt in ihrer Kolumne zum Thema als „Rumpelstilzchen des Tages“.[26]

Rentenpolitik[Bearbeiten]

Als rentenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion setzte sich Göring-Eckardt für weitere Senkungen der Lohnnebenkosten sowie eine Erhöhung der Rentenbeiträge ein.[27] Die Erhöhung des Rentenalters auf 67 bezeichnet sie auf ihrer Homepage bis heute als notwendige Maßnahme.[28]

Bedingungsloses Grundeinkommen[Bearbeiten]

In der Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen bekannte sich Göring-Eckardt in einem Streitgespräch mit der Linken-Politikerin Katja Kipping als Gegnerin solcher Forderungen. Ein Grundeinkommen gewährender Staat verweigere den Betroffenen die Kommunikation; die Entlassung des Staates aus der Verantwortung für die Betroffenen sei politisch jedoch ein falscher Weg.[29] Ungeachtet ihrer kritischen Haltung zu einem generellen Grundeinkommen war sie im Vorfeld der Urwahl Mitunterzeichnerin eines Antrags für eine bedingungslose Kindergrundsicherung in Höhe von 300 Euro im Monat.[14] Zusammen mit Markus Kurth, Mitglied der grünen Bundestagsfraktion und Bildungsmanager bei der grünennahen Heinrich-Böll-Stiftung, veröffentlichte sie im Sommer 2012 ein Thesenpapier zur sozialen Gerechtigkeit mit dem Titel Ermutigen – Ermächtigen – Ermöglichen.[30]

Kultur- und Familienpolitik[Bearbeiten]

Als kulturpolitische Sprecherin ihrer Partei warnt Göring-Eckardt insbesondere vor der „Gefahr einer kulturellen Spaltung“ der Gesellschaft und fordert einen „gerechten Zugang zu musischer Bildung“. Weitere Schwerpunktthemen sind Familie und Jugend, demokratische Teilhabe sowie ein „moderner Feminismus“. Einer ihrer politischen Schwerpunkte ist die Behindertenpolitik.

Parteibündnisse[Bearbeiten]

Bündnisse mit der Partei Die Linke beziehungsweise eine potenzielle Erweiterung von rot-grünen Koalition zu rot-rot-grünen Koalition stand Göring-Eckardt bisher ablehnend gegenüber. Als Grund nannte sie vor allem die mangelnde Berechenbarkeit der Linken sowie deren Haltung in außenpolitischen Grundsatzfragen.[31] Dennoch erklärte sie nach der Bundestagswahl 2013 die Bereitschaft zu Sondierungsgesprächen zu einer rot-rot-grünen Koalition, deren Erfolgsaussichten sie jedoch als äußerst gering einschätzt.[32]

Religion[Bearbeiten]

Explizit Position bezieht Göring-Eckardt im Bereich kirchennaher, religiöser Themen. Anlässlich eines Symposiums des Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands, an dem unter anderen auch der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel teilnahm, sprach sie sich dafür aus, Religionsunterricht in allen Ländern als verfassungsmäßig garantiertes Recht zu verankern.[33] Was die christliche Mission anbelangt, erklärte sie in einem Interview, dass sie froh wäre, wenn mehr Menschen zum Glauben fänden. Zustimmend äußerte sie sich in diesem Zusammenhang auch im Hinblick auf den christlichen Missionsgedanken; „hinauszugehen und es allen zu erzählen“, sei Auftrag an jeden einzelnen Christen und „Kerngeschäft“ der Kirche.[34]

Kosovokrieg[Bearbeiten]

Als besondere Gewissensentscheidungen während der rot-grünen Phase führte sie in späteren Stellungnahmen zwei Wegemarken auf: die Pro-Entscheidung zum Kosovokrieg 1999. In einem Personenportrait des Moderators Hanno Gerwin für eine TV-Sendung des Evangelischen Rundfunkdienstes Baden im Jahr 2012 begründete sie ihre Pro-Stimme zum Kovoso-Krieg unter anderem mit religiösen Motiven. Zitat: „Damals las ich sehr, sehr viel in der Bibel und sprach mit vielen Leuten darüber, was mir sehr wichtig war. Ich sagte mir, wenn es um Krieg und Frieden geht oder um Leben und Tod, kann man nicht gegen den Glauben handeln. Ich stimmte allerdings für den Militäreinsatz, weil ich beim Abwägen fand, dass es wahrscheinlich richtig war. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass es sich als richtig herausgestellt hat.“[34]

Wissenschaftspolitik[Bearbeiten]

Ein weiterer Gewissenskonflikt ergab sich für Göring-Eckardt nach eigenen Angaben anlässlich der Abstimmung im Bundestag über das Stammzellgesetz 2002, bei dem die sonst übliche Fraktionsdisziplin allerdings aufgehoben war. Anders als die Fraktionsmehrheit ihrer Partei stimmte Göring-Eckardt hier für die restriktivere Vorlage.[34]

Homosexualität[Bearbeiten]

In einer Antwort auf eine Frage der Bundesarbeitsgemeinschaften Lesbenpolitik und Schwulenpolitik im Vorfeld ihrer Urwahlkandidatur sprach Göring-Eckardt sich für eine gesellschaftliche Ächtung von Homophobie und ähnlichen Diskriminierungsversuchen aus.[35]

Einwanderungspolitik[Bearbeiten]

Göring-Eckardt fordert die Aufnahme von 5.000 Flüchtlingen aus dem Bürgerkrieg in Syrien.[36]

Öffentliche Wahrnehmung und Kritik[Bearbeiten]

Neben ihren politischen Aktivitäten stehen vor allem der bürgerlich-wertkonservative Lebensstil von Göring-Eckardt sowie ihr christliches Engagement im Mittelpunkt der Wahrnehmung. Die Zeit charakterisierte ihr gutes Abschneiden bei der Urwahl 2011 mit der Überschrift „Der konservative Beat der Grünen“.[14] Sich selbst verortet die Politikerin als wertkonservativ-christlich in gesellschaftlichen und vielfach eher links in sozialpolitischen Fragen. Der Spiegel schrieb, mit Göring-Eckardt seien die Grünen endgültig in der bürgerlichen Mitte angekommen.[9] Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hob bei der Vorstellung der grünen Spitzenkandidatin im Dezember 2012 im Vorwort die Tatsache hervor, dass sie jeden Tag einen Bibelvers liest.[37] Die Frankfurter Rundschau rückte in einem etwa zeitgleich erschienenen Interview ebenfalls wertkonservative Themen in den Mittelpunkt: Heimat, Familie und Religion.[31]

Die Wahrnehmung als konservative Grüne wird auch seitens eher linker Beobachter geteilt. Der Journalist und ehemalige SPD-Politiker Wolfgang Lieb attestierte Göring-Eckardt im Polit-Weblog NachDenkSeiten gute Chancen zu einer Vizekanzlerschaft – was die Wahrscheinlichkeit anginge, allerdings eher unter Angela Merkel als unter Peer Steinbrück. Darüber hinaus bescheinigte er den Grünen, im bürgerlichen Milieu nun endgültig angekommen zu sein: „Nach der selbsternannten und von Anfang an nur zur Wählertäuschung erfundenen ‚bürgerlichen Koalition‘ von FDP und CDU, könnte sich zwischen Grünen und CDU nun bald eine Koalition aus alter und neuer Bürgerlichkeit zusammenfinden – nämlich zu einer Koalition der Kinder des Bürgertums, die inzwischen selbst zu Besitz gelangt und zu Besitzstandswahrern geworden sind, die sich mit ihren Eltern, nämlich dem etablierten Besitzbürgertum versöhnt haben.“[38]

Die Ex-Grüne und linke Publizistin Jutta Ditfurth kommentierte ein mit einem Herz werbendes Foto von Göring-Eckardt in der Talkshow Stuckrad-Barre mit folgenden Worten: „Das ist so eine Mischung aus Tchibo-Werbung und dem eingebauten ‚Wort zum Sonntag‘, was die Grünen jetzt haben. Das ist dämlicher Kitsch. Etwas, das Leute brauchen, die harte Entscheidungen wie Agenda 2010, Hartz IV und Jugoslawien-Krieg treffen, aber dann mit Herzchen rumlaufen und ganz zuckersüß lächeln. So 'ne Bagage habe ich richtig lieb.“[39]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • (mit anderen): Gott gibt die Fischstäbchen. Erfahrungen mit religiöser Erziehung. Wichern-Verlag, 2004, ISBN 3-88981-163-9.
  • Leichter gesagt als getan. Familien in Deutschland. Herder, Freiburg im Breisgau/ Basel/ Wien 2006, ISBN 3-451-05768-9.
  • (als Hrsg.): Würdig leben bis zuletzt. Sterbehilfe, Hilfe beim Sterben, Sterbebegleitung. Eine Streitschrift. Gütersloher Verl.-Haus, Gütersloh 2007, ISBN 978-3-579-06816-9.
  • Musik und Politik. In: crescendo. 2007.
  • Unsere Wurzeln. Was bindet uns? In: Peter Frey (Hrsg.): 77 Wertsachen. Was gilt heute? Herder, Freiburg im Breisgau/ Basel/ Wien 2007, ISBN 978-3-451-29564-5.
  • In konzentrischen Kreisen. Familie ist mehr als Mutter, Vater, Kind. In: Petra Schulze (Hrsg.): Menschen von Nebenan. Wie sie leben, was sie glauben. Begleitbuch zur Sendereihe im Deutschlandfunk. Evang. Verl.-Anst., Leipzig 2008, ISBN 978-3-374-02501-5.
  • (mit anderen): Damit ihr Hoffnung habt. Das Buch zum Ökumenischen Kirchentag 2010. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2009, ISBN 978-3-579-08203-5.
  • (mit Eckhard Nagel): Aber die Liebe. Kreuz, Freiburg im Breisgau 2010, ISBN 978-3-7831-3443-8.
  • (mit Ellen Ueberschär als Hrsg.): Den Glauben leben – die Erde lieben. Kreuz, Freiburg im Breisgau 2011, ISBN 978-3-451-61022-6.
  • Katrin Göring-Eckardt (Hrsg.), Gerald Hagmann (Hrsg.): Predigten und Kanzelreden mit Herzen, Mund und Händen. Evang. Verl.-Anst., Leipzig 2011, ISBN 978-3-374-02907-5.
  • Hans Möhler (Hrsg.): Wie jeder die Welt verbessern kann. Mit kleinen Schritten für die Zukunft. Einführung: Katrin Göring-Eckardt. Luther-Verlag Bielefeld 2012, ISBN 978-3-7858-0620-3.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Katrin Göring-Eckardt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Katrin Göring-Eckardt – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Grünen-Basis macht Trittin und Göring-Eckardt zum Spitzenduo. In: Der Spiegel (Onlineausgabe). 10. November 2012, abgerufen am 17. November 2012: „Die Grünen ziehen mit Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt und Fraktionschef Jürgen Trittin an der Spitze in den Bundestagswahlkampf. Trittin erreichte 71,9 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen, Göring-Eckardt 47,3 Prozent.“
  2. a b Christina Hebel, Christoph Sydow: Fraktionsspitze: Göring-Eckardt gewinnt Kampfabstimmung bei Grünen. In: Spiegel Online, 8. Oktober 2013.
  3. Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt: Präses der 11. Synode der EKD und Mitglied des Rates der EKD. In: EKD: Evangelische Kirche in Deutschland. Abgerufen am 17. November 2012.
  4. Andreae gegen Göring-Eckardt: Kampfkandidatur bei Grünen um Fraktionsvorsitz spiegel.de, 25. September 2013, abgerufen am 26. September 2013.
  5. Florian Willershausen: Die Mächtigen von morgen. karriere.de, 24. Mai 2004, abgerufen am 11. Dezember 2012.
  6. Göring-Eckardt und ihre Jugend in der DDR. Das eher aufmüpfige Mädchen und das Mitwirken in der FDJ. Thüringische Landeszeitung, 10. Dezember 2012.
  7. Markus Wehner: Deutsche Spitzenpolitiker verschleiern ihre Studienabbrüche. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26. Mai 2013, abgerufen am 26. Mai 2013.
  8. a b Katrin-Görin Eckardt. Abgeordnete. Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion, abgerufen am 11. Dezember 2012.
  9. a b c Katrin Göring-Eckardt: Ost-Frau, protestantisch, grün, Spiegel Online, 10. November 2012
  10. a b Katrin Göring-Eckardt, Bündnis 90/Die Grünen, bundestag.de, aufgerufen am 31. März 2013
  11. Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt, bundestag.de, aufgerufen am 31. März 2013
  12. Spitzenkandidaten-Debatte der Grünen: Die Frau für die guten Werte, Ulrich Schulte, taz.de, 13. Juli 2012
  13. Grüne Urwahl: Gute Nachrichten für Künast, Sebastian Heiser, die tageszeitung, 11. November 2012
  14. a b c Parteitag: Der konservative Beat der Grünen, Lisa Caspari, Zeit Online, 17. November 2012
  15. vgl. EKD-Synode wählt Göring-Eckardt an die Spitze (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung bei tagesschau.de, 2. Mai 2009.
  16. Katrin Göring-Eckardt zur Präses der EKD-Synode gewählt, Nachricht vom 2. Mai 2009 auf ekd.de
  17. Spitzenkandidatin Göring-Eckardt lässt EKD-Ämter ruhen. In: Die Welt (Onlineausgabe). 10. November 2012, abgerufen am 17. November 2012.
  18. Katrin Göring-Eckardt legt EKD-Leitungsamt nieder. Pressemitteilung der EKD, abgerufen am 26. September 2013.
  19. Kuratorium der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e. V. Abgerufen am 11. November 2012.
  20. Cordula Eubel, Hans Monath: „Bei den Piraten gibt es eine eher elitäre Beteiligung“. Interview mit Katrin Göring-Eckardt. Der Tagesspiegel, 10. Juni 2012, abgerufen am 11. Dezember 2012.
  21. Patrick Krug:35 Jahre in Ingersleben. Thüringische Landeszeitung, 1./2. Mai 2013
  22. Nach der Urwahl: Wie schwarz sind die Grünen?, Veit Medick und Severin Weiland, Spiegel Online, 12. November 2012
  23. Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt: Die grüne Christin, Julia Halbig, Süddeutsche.de, 10. November 2012
  24. Spitzenkandidaten: Ein seltsames Paar für den grünen Wahlkampf, Günther Lachmann, Die Welt, 11. November 2012
  25. Grüne wollen Minijobs auf 100 Euro beschränken, Westfälische Nachrichten, 28. März 2013
  26. Rumpelstilzchen des Tages: Karin Göring-Eckardt, junge Welt, 30. März 2013
  27. Göring-Eckardt glaubt an Mehrheit: Rentenfrage erste Zerreißprobe für Rot-Grün?, RP Online, 10. November 2002
  28. Urwahl-Fragen: Gewerkschaftsgrün, Homepage von Katrin Göring-Eckardt, Service, 16. Oktober 2012
  29. „Arbeit im Reich der Freiheit?“ Streitgespräch mit Katrin Göring-Eckardt und Katja Kipping, polar #4: Über Arbeiten, 14. April 2008
  30. Ermutigen – Ermächtigen – Ermöglichen. Thesenpapier zur Grünen Sozialpolitik auf dem sozialpolitischen Kongress von Bündnis 90/Die Grünen in Bielefeld von Katrin Göring-Eckardt und Markus Kurth, 6. Juli 2012 (Online gestellt auf der Homepage von Katrin Göring-Eckardt)
  31. a b Interview mit Göring-Eckardt: „Die Wähler sind klug“, Steven Geyer und Thorsten Knuf, Frankfurter Rundschau, 23. Dezember 2012
  32. Göring-Eckardt grundsätzlich zu Gesprächen über Rot-Rot-Grün bereit auf Zeit Online, 12. Oktober 2013
  33. CJD Bildungs-Symposium mit Sigmar Gabriel und Katrin Göring-Eckhardt, Webseite des Christlichen Jugenddorfwerk Deutschland e. V., 8. Oktober2010
  34. a b c Katrin Göring-Eckardt. Grünenpolitikerin und Theologin, Interview Katrin Göring-Eckardt mit Hanno Gerwin für die Sendereihe „Gerwin trifft. Was Menschen glauben“, Evangelischer Rundfunkdienst Baden, 2012 (Leseversion)
  35. Urwahl-Fragen: BAG Lesben- und Schwulenpolitik, Webseite von Katrin Göring-Eckardt, aufgerufen am 1. April 2013
  36. http://www.merkur-online.de/aktuelles/politik/goering-eckardt-mehr-syrische-fluechtlinge-aufnehmen-zr-3094458.html
  37. Katrin Göring-Eckardt im Gespräch: „Ich bete nicht für Urwahlergebnisse“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Dezember 2012
  38. Katrin Göring Eckardt – die neue Vizekanzlerin, Wolfgang Lieb, NachDenkSeiten. Die kritische Weibsite, 12. November 2012
  39. „Dämlicher Kitsch!“ Jutta Ditfurth rechnet mit den Grünen ab, themenportal.de, 29. November 2012
  40. Bußer, Michael, Newsletter der Hessischen Landesregierung vom 5. November 2010.