BMW R 32

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BMW R 32

Die BMW R 32 war das erste Motorradmodell in der Geschichte des deutschen Herstellers BMW.

Geschichte[Bearbeiten]

Die R 32 wurde federführend von Max Friz entwickelt, der schon im Mai 1923 mit einem Prototyp an der Fahrt „Durch Bayerns Berge“ des ACM (Automobil-Club München) teilnahm.[1] Beim ersten Hindelang-Oberjoch-Rennen am 16. September 1923 trat BMW mit zwei R 32 an.[2]

Am 28. September 1923 präsentierte BMW die R 32 auf der Deutschen Automobilausstellung in Berlin erstmals der Öffentlichkeit.[3]

Vorläufer „Helios-Motorrad“[Bearbeiten]

Helios 1920
Hauptartikel: Helios

Die Bayerischen Flugzeugwerke entwickelten, bauten und verkauften ab 1919 das Motorrad Helios – zuerst als Produkt der „Bayerischen Flugzeugwerke“[4], dann unter dem Namen „B.M.W.“[5] bis zum Produktionsende am 10. November 1923.[6] Die 1015 hergestellten Helios entstanden aus Zuliefererteilen und dem ersten BMW-Boxermotor M 2 B 15 „Bayernmotor“, der hier quer eingebaut war.

Konzept der Entwicklung[Bearbeiten]

Keine Komponente der R 32 war für sich genommen neu, aber die Zusammenstellung setzte Maßstäbe und brachte zahlreiche Vorteile, die das Konzept zu einem Meilenstein für BMW und die Motorradgeschichte machte. Der Boxermotor war – anders als bei den Herstellern Douglas und D-Rad – längs eingebaut, das heißt, die Kurbelwellenachse lag in Fahrtrichtung. Damit wurde eine sehr gute Kühlung der Zylinder und des kritischen Bereichs der Auslassventile erreicht. Der sehr flache und in dieser Einbaulage auch kurze Motor ergab eine tiefe Schwerpunktlage, die den Fahreigenschaften zugutekam. Durch das direkt angeflanschte Getriebe konnte das Schwungrad mit der Trockenkupplung kombiniert werden. Die Kraftübertragung zwischen Kurbelwelle und Getriebe war ohne Zahnräder oder Ketten direkt hergestellt. Die Antriebswelle zum Hinterrad war im Gegensatz zu den damaligen Ketten- oder Riemenantrieben fast völlig wartungs- und verschmutzungsfrei.

BMW legte mit diesem Motorrad das Baukastenprinzip zukünftiger Produktionsreihen an. Fahrwerk und Getriebe mit Grundmotor waren weitgehend baugleich; die Differenzierung für die Hubraumklassen mit 500 cm³, 600 cm³ und 750 cm³ und nach Sport- und Tourenmodellen wurde durch geänderte Zylinderbohrungen, Kurbelwellen und kopf- oder seitengesteuerte Zylinderköpfe und Zylinder umgesetzt.

Sportliche Erfolge[Bearbeiten]

Die R 32 wurde von Privat- und Werksfahrern bei Rennen eingesetzt.[7]

Die Teilnahme an folgenden Rennen ist belegt:

  • Hindelang-Oberjoch-Rennen 1923: zwei BMW am Start, zwei erste Preise und die beste Zeit des Tages. Einer der Fahrer war der Werksfahrer Rudolf Reich.[2]
  • Rennen „Rund um die Lausitz“ 1924: Kopfnagel in der Klasse 4 (1. Platz), schnellste Zeit des Tages.
  • Rennen „Rund um Landshut“ 1924: Franz Bieber in der Klasse 4 der Privatfahrer (1. Platz); Rudolf Reich in der Klasse 4 der Industriefahrer (1. Platz); Katzl in der Klasse 4 der Industriefahrer (2. Platz).

Mit der Vorstellung des Sportmodells R 37 bekam die R 32 die Rolle des zuverlässigen Tourenmotorrades zugewiesen.

Vermarktung[Bearbeiten]

Der Preis für das Motorrad betrug 1925 gemäß der Preisliste von BMW 2.200 Reichsmark – Lichtanlage, Hupe, Tacho und Soziussitz waren nicht enthalten.[8] Die Produktion wurde 1926 nach 3090 Einheiten beendet[9]; Nachfolger war die Ende 1925 vorgestellte R 42[10], die in vielen Details verbessert war und trotz gesteigerter Leistung 700 Reichsmark weniger kostete – Lichtanlage, Hupe und Tacho waren serienmäßig[11] – und den Erfolg der R 32 fortsetzte.

Technik[Bearbeiten]

Motor[Bearbeiten]

Motor der R 32

Der Motor mit der Bezeichnung M 2 B 33 war als längs eingebauter Zweizylinder-Boxer-Viertaktmotor mit SV-Ventilsteuerung ausgelegt.[12]

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

Der Vorläufer M 2 B 15, von Werkmeister Martin Stolle nach dem Vorbild der Motoren des englischen Motorradherstellers Douglas Motors entwickelt, war der erste Boxermotor von BMW und wurde ab Dezember 1920 als „Bayern-Kleinmotor“[13] mit 6,5 PS an Douglas Motors[14] und Victoria[15] verkauft und auch in der Eigenmarke Helios[6] eingesetzt. Dort wurde er jeweils quer eingebaut (also mit den Zylinderachsen in Fahrtrichtung); in dieser Einbauposition war auch der Verlauf der Kühlrippen technisch richtig.

Die Einbaulage des Motors gab BMW selbst als „längs“ für die Helios[16] und als „quer“ für die R 32[2][16] an. BMW bezog sich dabei auf die Zylinderachsen, nicht wie sonst üblich auf die Kurbelwellenachse.

Aufbau[Bearbeiten]

Das Motorgehäuse war horizontal teilbar. Ein Zwischenzahnrad oberhalb der Kurbelwelle trieb die noch eine Ebene höher liegende Nockenwelle an, die wiederum die Zündanlage in der nächsten Ebene antrieb. Durch diese Zahnradkaskade baute der Motor für einen Boxermotor relativ hoch.

Die Nockenwelle öffnete über kurze Rollenstößel die Ventile.[17]

Vergaser[Bearbeiten]

Der Vergaser, eine Eigenkonstruktion von BMW, saugte die Luft durch das Schwungradgehäuse an.

Die Gemischmenge („Gasschieber“) und Gemischzusammensetzung („Luftschieber“) wurde über 2 Hebel an der rechten Lenkerhälfte eingestellt.

Zündung[Bearbeiten]

Ein Hochspannungsmagnet von Bosch oder eine Zündlichtmaschine waren mit einem Spannband auf einer Plattform oberhalb der Kurbelwelle befestigt. Die Zündverstellung erfolgte über einen Hebel an der linken Lenkerhälfte.

Antrieb[Bearbeiten]

Handschalthebel der R 32

Getriebe[Bearbeiten]

Die R 32 hatte ein handgeschaltetes Getriebe mit Antriebswelle auf der rechten Seite des ungefederten Hinterrades.

Das horizontal teilbare Getriebegehäuse war an das Motorgehäuse angeflanscht. Die Eingangswelle des 3-Gang-Getriebes wurde von der Einscheiben-Trockenkupplung im Schwungrad der Kurbelwelle angetrieben. Die Ausgangswelle trieb über eine Hardyscheibe in direkter Verlängerung die Antriebswelle an.[18]

Der Kickstarter wurde noch parallel zur Fahrzeuglängsachse betätigt; dazu war eine Kegelradumlenkung im Getriebegehäuse eingebaut. Diese aufwändige Umlenkung wurde erst fünf Jahre später bei der R 52 und R 57 aufgegeben.[17]

Kraftübertragung zum Hinterrad[Bearbeiten]

BMW bezeichnete die die Kraftübertragung vom Getriebe zum Hinterrad als „Kardanantrieb“, die Antriebswelle als „Kardanwelle“ und das Getriebegehäuse am Hinterrad als „Kardangehäuse“ – technisch richtig war es lediglich ein Wellenantrieb des Hinterrades, da es keine Kardangelenke gab.[2][17][19]

Fahrwerk[Bearbeiten]

Das Fahrwerk ist ein Rohrrahmen ohne Hinterradfederung (Starrrahmen), die Vordergabel ist eine gezogene Kurzschwinge mit Blattfederung. Die Sattelhöhe betrug 72 cm.[2]

Die erste Ausführung hatte keine Vorderradbremse; später wurde dann eine Trommelbremse verbaut.[20]

Das Hinterrad wurde durch ein fussbetätigte Keilklotzbremse verzögert, die auf eine eigene Bremsfelge wirkte.[2]

Technische Daten[Bearbeiten]

R 32 auf der Techno-Classica 2007
Kenngröße Daten der R 32[2]
Bohrung 68 mm
Hub 68 mm
Hubraum 494 cm³
Leistung 8,5 PS (6,3 kW) bei 3200 min-1
Höchstgeschwindigkeit 95 km/h
Sitzhöhe 72 cm
Radstand 1380 mm
Leergewicht 122 kg (mit Beiwagen 184 kg)
Tankinhalt 14 L

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Udo Stünkel: BMW-Motorräder Typenkunde : Alle Serienmodelle ab 1923. Delius Klasing, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-7688-2451-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: BMW R 32 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • BMW R 32. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 20. April 2014 (Dossier des BMW Group Archivs).
  • Matthias Schröter und Waldemar Schwarz: Achtzig Jahre BMW. Ahnenforschung. MOTORRAD online, 2003, abgerufen am 20. April 2013 (PDF; 388 kB): „Bereits der Urahn aller BMW, die R 32, war schon forsch unterwegs, mit Zweizylinder-Boxermotor und Kardanantrieb. Gene, die sich bis heute weitervererbt haben.“

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fahrt „Durch Bayerns Berge“ des ACM, 1923. In: BMW Geschichte. BMW AG, 5. Mai 1923, abgerufen am 9. März 2014 (Dokument im BMW Group Archiv).
  2. a b c d e f g Betriebsanleitung für das 500 ccm BMW-Kraftrad Type R 32. In: BMW Geschichte. BMW AG, Januar 1924, abgerufen am 11. März 2014 (Dokument im BMW Group Archiv): „Natur- und Sportgenuss mit dem Kraftrad.“
  3. BMW präsentiert die R 32, das erste Motorrad der Marke BMW. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 9. März 2014 (Dokument im BMW Group Archiv): „Auf der Deutschen Automobilausstellung in Berlin (28. September bis 7. Oktober 1923) präsentiert BMW erstmals die R 32 der Öffentlichkeit.“
  4. Helios - Das moderne Motorrad der Bayerischen Flugzeugwerke Aktiengesellschaft. In: BMW Geschichte. BMW AG, 1921, abgerufen am 13. März 2014 (Dokument im BMW Group Archiv).
  5. Werbeanzeige. Das Neue B.M.W. Motorrad "Helios". In: BMW Geschichte. BMW AG, 1922, abgerufen am 13. März 2014 (Dokument im BMW Group Archiv).
  6. a b Helios Motorrad. In: BMW Geschichte. BMW AG, 10. November 1923, abgerufen am 11. März 2014 (Foto im BMW Group Archiv): „Helios Motorrad der Bayerischen Flugzeugwerke (BFW) mit Motor BMW M 2 B 15. Die letzte produzierte Helios Nr. 1015 vom 10. November 1923 vor den stolzen Mitarbeitern.“
  7. R 32 - Rennen 1924. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 9. März 2014 (Suche im BMW Group Archiv).
  8. Preisliste Nr.28 für BMW-Motorräder R 32, R 39, R 37 und den Seitenwagen S 38. In: BMW Geschichte. BMW AG, 1925, abgerufen am 9. März 2014 (Dokument im BMW Group Archiv): „B.M.W. Tourenrad 8,5 PS“
  9.  Udo Stünkel: BMW-Motorräder Typenkunde : Alle Serienmodelle ab 1923. Delius Klasing, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-7688-2451-4, S. 10–11.
  10. BMW präsentiert die R 42. In: BMW Geschichte. BMW AG, 1925, abgerufen am 9. März 2014 (Dokument im BMW Group Archiv): „Auf der Deutschen Automobilausstellung in Berlin (26. November - 6. Dezember 1925) präsentiert BMW mit der R 42 das Nachfolgemodell der R 32“
  11. BMW-Tourenrad, Typ R 42, 500 ccm, 12 PS. In: BMW Geschichte. BMW AG, September 1926, abgerufen am 13. März 2014 (Dokument im BMW Group Archiv): „Das neue B.M.W.-Tourenrad Type R 42 ist die moderne Fortentwickelung der in den letzten beiden Jahren in vielfachen Rennen und Zuverlässigkeitsfahrten bewährten Tourenräder Type R 32.“
  12. Motor M 2 B 33. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 10. März 2014 (Suche im BMW Group Archiv).
  13. Motor M 2 B 15. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 10. März 2014 (Suche im BMW Group Archiv).
  14. Douglas mit M 2 B 15 Motor. In: BMW Geschichte. BMW AG, 1920, abgerufen am 11. März 2014 (Foto im BMW Group Archiv): „Werkmeister Martin Stolle (am Motorrad) mit seinen Mechanikern.“
  15. Martin Stolle auf einer Victoria KR 1 mit BMW M 2 B 15 Motor. In: BMW Geschichte. BMW AG, 1923, abgerufen am 11. März 2014 (Foto im BMW Group Archiv).
  16. a b Plakat "Meilenstein". In: BMW Geschichte. BMW AG, 1977, abgerufen am 21. April 2014 (Dokument im BMW Group Archiv): „1923: BMW baut die R 32, die bereits die typischen, bis heute gültigen Merkmale besitzt: den querliegenden Boxermotor und Kardanantrieb.“
  17. a b c Ersatzteil-Liste und Tafeln für das BMW-Kraftrad Typ R 32. In: BMW Geschichte. BMW AG, März 1928, abgerufen am 30. Januar 2014 (Dokument im BMW Group Archiv).
  18. BMW M 2 B 33 Motor. In: BMW Geschichte. BMW AG, 1923, abgerufen am 11. März 2014 (Foto im BMW Group Archiv): „Motor der BMW R 32, Produkt freigestellt, Explosionszeichnung, zerlegt“
  19. E. Voigt: Vom Riemen zum Kardan. In: BMW Blätter. BMW AG, Juni 1933, S. 6–8, abgerufen am 20. April 2014 (Dokument im BMW Group Archiv).
  20. BMW R 32. Erste Ausführung ohne Vorderradbremse. In: BMW Geschichte. BMW AG, 1923, abgerufen am 11. März 2014 (Foto im BMW Group Archiv).