Boris Gelfand
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Boris Gelfand (russisch Борис Абрамович Гельфанд, weißrussisch Барыс Гельфанд/Barys Helfand, hebräisch בוריס גלפנד; * 24. Juni 1968 in Minsk) ist ein ehemals weißrussischer Schachmeister, der nun für Israel spielt. Er wohnt heute in Rischon leTzion.
Gelfands erste große Erfolge stellten sich Ende der 1980er Jahre ein, seit Beginn der 1990er Jahre zählt er beständig zu den Super-Großmeistern im Schach. 1985 wurde er sowjetischer Juniorenmeister, 1988 gewann er gemeinsam mit Alexei Drejew die Jugendeuropameisterschaft in Arnheim. Den Großmeistertitel verlieh ihm die FIDE 1989. Gelfand gewann gemeinsam mit Wassyl Iwantschuk das Interzonenturnier von Manila im Jahre 1990 und qualifizierte sich erstmals für das Kandidatenturnier. Er schied im Viertelfinalwettkampf (Brüssel 1991) gegen den nachmaligen Gewinner der Kandidatenkämpfe, den Engländer Nigel Short mit 3-5 (+2, -4, =2) aus. 1993 siegte Gelfand beim Interzonenturnier in Biel/Bienne und qualifizierte sich abermals für die Kandidatenkämpfe. Nachdem er zunächst Michael Adams besiegt hatte (mit 5-3 (+3, -1, =4) in Wijk aan Zee 1994), schlug er überraschend den späteren Weltmeister Wladimir Kramnik mit 4,5-3,5 (+2, -1, =5) (in Sanghi Nagar/Indien 1994). Erst Anatoli Karpow stoppte Gelfand, als er ihn 6-3 schlug (+1, -4, =4 aus Gelfands Sicht, in Sanghi Nagar/Indien 1995).
Auch nachdem die FIDE die klassische Ermittlung des Herausforderers des Weltmeisters, nämlich durch Zonen-, Interzonen- und Kandidatenturniere, abgeschafft hatte, zeigte sich Gelfand erfolgreich bei seinen Versuchen, in den Weltmeisterschaftskampf einzugreifen. Bei der ersten FIDE-WM im K.-o.-System (bei dem deutlich weniger Turnierpartien gespielt werden und wo häufig erst Schnell- und Blitzpartien über das Weiterkommen entscheiden) in Groningen 1997 gelangte er ins Halbfinale, wo er dem Inder Viswanathan Anand unterlag. 1999 schied er gegen den späteren Turniersieger Alexander Chalifman aus. In New Delhi 2000 schied er gegen den späteren Finalisten Alexei Schirow aus. In Moskau 2001 unterlag er Pjotr Swidler. An der FIDE-WM in Tripolis 2004 nahm er nicht teil, da die libysche Staatsführung die israelischen Schachspieler erst nicht einreisen ließ und dies kurz vor Turnierbeginn nur ohne Sekundanten gestattete.
Im WM-Zyklus 2006/2007 griff die FIDE wieder auf den Modus der Kandidatenturniere zurück. Gelfand hatte sich beim FIDE-Weltpokal 2005 in Chanty-Mansijsk (RUS) für die Kandidatenkämpfe qualifiziert. Diese fanden im Mai und Juni 2007 in Kalmückien (RUS), wo er durch Siege über Rustam Kasimjanov und Gata Kamski schließlich zu den acht Spielern gehörte, die im September an der Schachweltmeisterschaft 2007 in Mexiko-Stadt teilnehmen durften. Der Wettkampf wurde als Rundenturnier – also jeder gegen jeden mit Hin- und Rückrunde – ausgeführt. Mit 8 Punkten aus 14 Partien erreichte Gelfand hinter Viswanathan Anand und Wladimir Kramnik den dritten Platz, der damit sein größter Erfolg bei einer Weltmeisterschaft ist.
Zu Gelfands weiteren großen Turniererfolgen gehören die Siege in Moskau 1992, Dos Hermanas 1994, Belgrad 1995, Wien 1996, Polanica Zdrój 1998 und 2000, Cannes 2002 sowie zuletzt auf Bermuda 2005. Gelfand gewann außerdem 2002 das Schnellschachturnier in Cap d’Agde, das ein Jahr später im selben Modus als Schnellschachweltmeisterschaft der FIDE ausgetragen wurde. Bei den Schacholympiaden vertrat er zunächst die UdSSR-Auswahl und ist nach seiner 1998 erfolgten Auswanderung nach Israel Mitglied des israelischen Nationalteams, mit dem er zuletzt die Silbermedaille holte. Gelfands höchste Platzierung in der Weltrangliste war der dritte Platz im Juni 1991. In der aktuellen Rangliste vom April 2009 belegt er Platz 15 mit einer Elo-Zahl von 2733.[1] Für die Saison 2007/2008 ist er in der Schachbundesliga für den SC Remagen gemeldet.
Gelfand ist verheiratet mit Zoe und hat eine Tochter.
[Bearbeiten] Werke
- B. Gelfand: My most memorable games. Edition Olms, Zürich 2005. ISBN 3-283-00453-6
[Bearbeiten] Weblinks
- Boris Gelfand beim Weltschachbund FIDE (englisch)
- Schachpartien von Boris Gelfand auf chessgames.com (englisch)
[Bearbeiten] Einzelnachweise
Alterman | Awruch | Beim | Bluvshtein | Dzindzichashvili | Erenburg | Finkel | Gelfand | Gershon | Gofshtein | Goldin | Golod | Greenfeld | Grünfeld | Gutman | Har-Zvi | Huzman | Judassin | Kantsler | Khenkin | Kogan | Kosashvili | Kraidman | Lev | Liss | Manor | Mikhalevski | Milov | Murey | Oratovsky | Postny | Psachis | Rechlis | Rodshtein | Roiz | Smirin | Soffer | Sutovsky | Tiomkin | Tseitlin | Zifroni | Zilberman
Verstorbene Großmeister
Liberson
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gelfand, Boris |
| KURZBESCHREIBUNG | israelischer Schachmeister |
| GEBURTSDATUM | 24. Juni 1968 |
| GEBURTSORT | Minsk |

