Compiègne

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Dieser Artikel behandelt die französische Stadt Compiègne; für den gleichnamigen Salonwagen siehe Wagen von Compiègne.
Compiègne
Wappen von Compiègne
Compiègne (Frankreich)
Compiègne
Region Picardie
Département Oise
Arrondissement Compiègne
Kanton Hauptort von 3 Kantonen
Gemeindeverband Agglomération de la région de Compiègne.
Koordinaten 49° 25′ N, 2° 49′ O49.4141666666672.822222222222240Koordinaten: 49° 25′ N, 2° 49′ O
Höhe 31–134 m
Fläche 53,10 km²
Einwohner 39.517 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 744 Einw./km²
Postleitzahl 60200
INSEE-Code
Website www.mairie-compiegne.fr

Das Rathaus von Compiègne

Compiègne [kɔ̃ˈpjɛɲ] ist eine nordfranzösische Stadt mit 39.517 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011). Es ist die Unterpräfektur des gleichnamigen Arrondissements im Département Oise in der Region Picardie.

Geografie[Bearbeiten]

Der Ort liegt 80 km nördlich von Paris, am Fluss Oise, direkt an der Einmündung seines linken Nebenflusses Aisne.

Geschichte[Bearbeiten]

Schloss Compiègne, Parkseite

Schon die Merowinger errichteten in Compiègne eine Pfalz mit dem Namen Compendium. Chlothar II. musste 603 nach Niederlagen gegen Theudebert II. und dessen Bruder Theuderich II. dem Frieden von Compiègne zustimmen. Der Sohn Chlothars II., Chilperich II. (670–721), wählte die Pfalz zur Residenz. Karl der Kahle erweiterte die Stadt 876 und nannte sie Carolopolis. Im Jahre 833 wurde Ludwig der Fromme hier abgesetzt.[1] Die karolingischen Könige Ludwig II., der Stammler (846–879), sowie Ludwig V., der Faule (966–987) sind in der Kirche Saint-Corneille beerdigt.

1380 ließ König Karl V. eine Festung erbauen. Am 23. Mai 1430 fiel die Jungfrau von Orléans vor den Mauern von Compiègne den Burgundern in die Hände und wurde den Engländern überliefert.

Im Vertrag von Compiègne verständigten sich Frankreich und Schweden über ihre Interessen, den Dreißigjährigen Krieg in Deutschland betreffend.

Zwischen 1751 und 1788 erbaute zunächst Ange-Jacques Gabriel, später sein Schüler Louis Le Dreux de la Châtre für König Ludwig XV. ein neues Schloss im Stil des Klassizismus. Napoleon Bonaparte ließ das Schloss renovieren.

Kaiser Napoleon III. nutzte das Schloss häufig als Herbstresidenz. 1870 wurde es nach dem Ende des Kaiserreichs in ein Museum umgewandelt.

Am 17. März 1917 wurde um 6 Uhr morgens das deutsche Marine-Luftschiff L 39 über der Innenstadt brennend abgeschossen. Die 17 Mann der Besatzung starben dabei. In Compiègne befanden sich ein großes Lazarett und von April 1917 bis März 1918 das Große Hauptquartier der französischen Armee.

Compiègne ist bekannt durch die Unterzeichnung zweier Waffenstillstände zwischen Deutschland und Frankreich:

Später wurde unter den Nationalsozialisten in Compiègne ein Transit- und Internierungslager in Royallieu eingerichtet (von Juni 1941 bis August 1944). Politisch umstritten war damals die Kollaboration des Vichyregimes mit der Besatzungsmacht. Der erste Zug mit politischen Häftlingen verließ Royallieu am 6. Juli 1942 in Richtung des Vernichtungslagers Auschwitz.

Sehenswertes[Bearbeiten]

Partie im Schlosspark

Théâtre Imperial[Bearbeiten]

Napoléon III. ließ an Stelle des Karmelitinnenklosters in der Nähe des Schlosses ab 1866 von Auguste-Gabriel Ancelet ein Theater erbauen. Mit dem Ende des Kaiserreichs 1870 wurden die Arbeiten aber eingestellt, bevor das Theater eröffnet werden konnte. Seit 1987 wurde das Theater nach und nach renoviert und konnte 1991 schließlich eröffnet werden. Das Theater ist Sitz des Théâtre Français de la Musique, das vor allem durch Aufführungen selten gespielter französischer Opern und Operetten ein internationales Publikum anzieht.

Schloss Compiègne[Bearbeiten]

Louis Le Dreux de la Châtre, Schüler und späterer Mitarbeiter von Ange-Jacques Gabriel erbaute dieses klassizistische Schloss zwischen 1751 und 1788. Es kann als Museum besichtigt werden. Das Schloss ist von einem großen Landschaftspark umgeben.

Kaiser Napoléon wohnte hier und empfing seine künftige Frau am 23. März 1810 in Frankreich.[2] Der Palast wurde von den Architekten Berthault, Percier und Fontaine, dem Maler Girodet und den Dekorateuren Dubois und Redouté renoviert und neu ausgestattet.

Compiègne wurde später zur bevorzugten Residenz von Napoleon III.[3] Auch er nutzte das große Jagdrevier.

Jakobskirche[Bearbeiten]

Die Kirche Saint-Jacques war ursprünglich eine von zwei Pfarrkirchen der Stadt. Der Bau aus dem 12. Jahrhundert weist in seinem Figurenschmuck viele Bezüge zu seinem Namenspatron, dem Apostel Jakobus, und zur Pilgertradition des Jakobsweges nach Santiago de Compostela auf. Der Kirchturm aus dem 15. Jahrhundert wurde im 17. Jahrhundert aufgestockt, in seinem oberen Bereich wurden die Statuen von 14 Heiligen angebracht. Die Rolle als königliche Kirche in direkter Nachbarschaft zum Schloss verursachte einen umfangreichen Umbau im 18. Jahrhundert und eine verschwenderische Ausstattung. Seit 1998 ist die Kirche als Teil des Weltkulturerbe der UNESCO „Jakobsweg in Frankreich“ ausgezeichnet.

Lichtung bei Rethondes[Bearbeiten]

  • Forêt de Compiègne: Im Nordosten der Stadt liegt der 140 km² große Wald von Compiègne.

Die Lichtung, auf der die Waffenstillstandsunterzeichnungen 1918 vor Marschall Foch und 1940 vor Hitler erfolgten, wird Clairière de l'Armistice genannt und liegt etwa 6 km östlich von Compiègne (allerdings auf dessen Territorium) südlich des kleinen Dorfes Francport zwischen dessen Brücke über die Aisne und der N 31 (Lage→49.4273611111112.9064194444444). Im Französischen werden beide Waffenstillstände Armistice de Rethondes genannt, nach dem drei Kilometer östlich gelegenen Dorf Rethondes.

Auf dieser Lichtung steht neben einem Denkmal von Marschall Foch und einem Denkmal zur deutschen Niederlage unter die Entente von 1918 (einem den dt. Adler zerschlagenden Schwert) ein Salonwagen des französischen Zuges von 1918. Gegenüber dem Foch-Denkmal wächst seit 1994 als Zeichen der Verbundenheit zwischen Deutschland und Frankreich eine Eiche aus dem Wald von Crawinkel.

Der Wagen des Zuges, in dem die Unterzeichnung des Waffenstillstands stattfand, wurde 1940 als Kriegsbeute nach Berlin gebracht und später nach Crawinkel in Thüringen ausgelagert, wo er in den letzten Kriegstagen zerstört wurde.[4] Allerdings blieben einige Einzelteile des Waggons erhalten und wurden der Gedenkstätte Compiègne überlassen. Zu sehen ist ein anderes, baugleiches Serienmodell des Salonwagens, das sich ebenfalls bei den Ereignissen 1918 am Ort befand und von der alliierten Delegation benutzt wurde.

Verkehr[Bearbeiten]

Sämtliche Buslinien in Compiègne können kostenlos benutzt werden. Unter anderem gibt es direkte Bahnlinien nach Paris zum Gare du Nord.

Hochschulen[Bearbeiten]

  • Université de Technologie de Compiègne (UTC)Technische Universität
  • École Supérieure de Commerce de Compiègne (ESC Compiègne) – Wirtschaftshochschule
  • École des Soins Infirmiers de Compiègne (ESI Compiègne) – Pflegeschule

Sport[Bearbeiten]

In Compiègne startet seit 1977 alljährlich der Radklassiker Paris–Roubaix. Die Fußballspielerinnen der USCCO haben anfangs des 21. Jahrhunderts für mehrere Spielzeiten der ersten Liga Frankreichs angehört.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Mit folgenden Städten unterhält Compiègne eine Städtepartnerschaft:[5]

Zudem ist Compiègne Mitglied des Bundes der europäischen Napoleonstädte.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Compiègne. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 4, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, S. 232.
  2. Florence Evin: Compiègne, nid d'amour de Napoléon Ier. (Version vom 8. Juli 2010 im Internet Archive) Le Monde, 3. Juli 2010.
  3. Feuilleton. Compiègne. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 19331/1918, 20. Juni 1918, S. 1 ff. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  4. Geheime Fahrt ins Vierte Reich, Inhaltsangabe auf heinrich-jung-verlag.de, abgerufen am 30. Januar 2013
  5. Offizielle Website von Compiegne

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Compiègne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien