Die Eiserne Lady

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Die Eiserne Lady (Originaltitel: The Iron Lady) ist ein Spielfilm der britischen Regisseurin Phyllida Lloyd aus dem Jahr 2011. Die Filmbiografie behandelt das Leben der britischen Premierministerin Margaret Thatcher (dargestellt von Meryl Streep) und basiert auf einem Originaldrehbuch von Abi Morgan.

Das Filmdrama wurde Ende Dezember 2011 in den Vereinigten Staaten uraufgeführt. Der deutsche Kinostart war der 1. März 2012. Hauptdarstellerin Meryl Streep wurde für ihre darstellerische Leistung u. a. mit dem Golden Globe Award und dem Oscar ausgezeichnet. Der Film spielte bisher weltweit rund 115 Mio. US-Dollar ein.[3] Da die Produktionskosten nur etwa 13 Mio. US-Dollar [4] betrugen, war der Film aus wirtschaftlicher Sicht erfolgreich.

Handlung[Bearbeiten]

England, in der Gegenwart: Gezeichnet vom Alter und einer Demenz-Erkrankung, kauft Margaret Thatcher in einem kleinen Lebensmittelgeschäft ein. Dort wird die frühere Premierministern Großbritanniens von anderen Kunden nicht erkannt und auf dem Weg zur Kasse einfach beiseite gedrängt. Wieder zu Hause angekommen, macht sie Frühstück für sich und ihren im Jahr 2003 verstorbenen Ehemann Denis, dessen Anwesenheit sie nur halluziniert. Später sortiert Thatcher Sachen von Denis aus, die sie plant, wegzugeben. Dabei führt sie Gespräche mit dem in ihrer Vorstellung noch lebendigen Gatten. Thatchers Assistent bemerkt dies, als er mit ihr über das Sicherheitsrisiko sprechen möchte, allein das Haus zu verlassen. Auch signiert die frühere Politikerin fälschlicherweise ein Buch mit ihrem Geburtsnamen Margaret Roberts, anstatt mit Margaret Thatcher. Daraufhin wird entschieden, dass sie einen Arzt aufsuchen soll. Diesem gibt Thatcher aber zu verstehen, dass alles mit ihr in Ordnung sei, und hält ihm einen Vortrag darüber, dass nicht nach Gefühlen gefragt, sondern die Menschen mehr an Gedanken und Ideen interessiert sein sollten. Am nächsten Tag wacht sie allein in ihrem Bett auf, umgeben von den auf Haufen gestapelten Sachen ihres verstorbenen Ehemanns. Thatcher erhält Besuch von ihrer Tochter Carol, die fragt, ob jemand kommen soll, um sie zu frisieren. Daraufhin fragt Thatcher Carol, warum sie es nicht selbst täte, und verlässt den Raum.

Wiederholt beginnt sich Thatcher in Alltagssituationen an Begebenheiten aus ihrer Vergangenheit zu erinnern, die zum Großteil um ihren toten Ehemann kreisen. Sie erinnert sich an die Luftschlacht um England, die sie in ihrer Heimatstadt Grantham erlebte, die Entscheidung, in Oxford zu studieren, sowie an eine politische Rede ihres Vaters, die sie für die Politik begeisterte. Nach ihrem Studium versucht sich die junge Margaret in der Lokalpolitik. Während einer Dinnerparty beteiligt sie sich an den politischen Diskussionen ihrer männlichen Gesprächspartner, wird aber dennoch aufgefordert, sich – wie seinerzeit auf Dinnerparties üblich – nach dem Essen gemeinsam mit den anderen Frauen zurückziehen. Später erhält sie Zuspruch von dem ebenfalls anwesenden Denis Thatcher, der sie auch nach ihrer gescheiterten Wahl für einen Parlamentssitz tröstet und ihr einen Heiratsantrag macht. Margaret akzeptiert unter der Bedingung, sie bei einer möglichen politischen Karriere zu unterstützen; sie wolle nicht als Hausfrau enden, die in der Küche Teetassen spült. Tatsächlich gewinnt die Mutter von Zwillingen 1959 einen Parlamentssitz. In dem von Männern dominierten Parlament, „Tollhaus“ genannt, wird sie unter die Fittiche von Airey Neave genommen. Als Kultus- und Wissenschaftsministerin im Kabinett von Edward Heath hält sie in den 1970er Jahren einige temperamentvolle Reden vor dem Parlament, wird jedoch teilweise von den Abgeordneten wegen ihrer erregten hohen Stimme verlacht. Auch korrigiert Thatcher während einer Kabinettssitzung den Premierminister Heath und zückt bei einem Stromausfall – als Reaktion auf Gewerkschaftsstreiks wegen Finanzeinsparungen ausgelöst – eine Taschenlampe aus ihrer Handtasche, während die Männer hilflos im Dunkeln sitzen.

Am Tag, als sie ihrer Tochter erste Fahrstunden gibt, eröffnet sie ihrem Ehemann, für den Parteivorsitz der Conservative Party zu kandidieren. Denis ist dagegen und begibt sich auf eine kurze Geschäftsreise nach Südafrika. Nach einigen Tagen wieder zurückgekehrt muss er feststellen, dass seine Abwesenheit von Margaret gar nicht bemerkt wurde. Mit Hilfe von Beratern, die ihr Erscheinungsbild verändern und ihr Stimmunterricht geben, gelingt es ihr tatsächlich, den Parteivorsitz zu erringen und zur ersten weiblichen Regierungschefin eines westlichen Landes gewählt zu werden. Wenig kompromissbereit, sinkt jedoch Thatchers Popularität bei der Bevölkerung. Erst der gewonnene Falklandkrieg gegen Argentinien, den sie mit harter Hand geführt hatte, lässt ihre Beliebtheit wieder steigen. Zudem führt inzwischen die zunächst unpopuläre Reform- und Konsolidierungspolitik zu einem Wirtschaftsaufschwung. Auch überlebt sie gemeinsam mit Denis ein Bombenattentat in Brighton. Anfang der 1990er Jahre bringt sie jedoch ihre Partei gegen sich auf, als sie ihren dienstältesten Minister Geoffrey Howe aufgrund von Fehlern in einem Zeitplan während einer Sitzung vor den anwesenden männlichen Kabinettmitgliedern bloßstellt. Howe tritt in der Folge zurück und Michael Heseltine macht Thatcher den Parteivorsitz streitig. In Abwesenheit verfehlt sie die Wiederwahl zur Parteivorsitzenden knapp. Sie gibt ihren Rücktritt bekannt und verlässt mit Denis den Amtssitz 10 Downing Street. Durch ihre Unterstützung wird John Major neuer Premierminister, anstatt Heseltine.

Der Film endet mit der alten Margaret Thatcher am Frühstückstisch. Sie überlegt, ihre benutzte Teetasse abzuwaschen, was sie schließlich auch tut.

Weiteres[Bearbeiten]

Der Film zeigt in kurzen Ausschnitten wichtige Ereignisse der Geschichte während Thatchers Amtszeit: Der britische Bergarbeiterstreik 1984/1985, die Unruhen in Nordirland, den irischen Hungerstreik von 1981, den Berliner Mauerfall am 9. November 1989. Das Attentat auf Airey Neave wird historisch nicht korrekt dargestellt. Thatcher war nicht in unmittelbarer Nähe zum Anschlag, sondern nahm anderweitige Verpflichtungen wahr.

Kritik[Bearbeiten]

Auf Rotten Tomatoes hatte der Film 52% positive Stimmen, nach der Auswertung von 201 Kritiken.[5] Karen Sue Smith vom America Magazine kritisierte, dass der Film wenig Augenmerk auf den Zusammenhang zwischen Mensch und Politik legte[6].

Der Daily Telegraph lobte Streeps Darstellung der alternden Thatcher[7] Roger Ebert lobte Streeps Leistung, fand den Film aber orientierungslos. Er gab ihm zwei von vier Sternen[8].

Weder Thatcher noch ihre Kinder sahen den Film[9]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Meryl Streep erhielt für ihr Porträt der Margaret Thatcher mehrere Auszeichnungen. Bei der Oscarverleihung 2012 folgten Siege für Streep und das beste Make-Up. Es war die 17. Oscar-Nominierung und die dritte Auszeichnung für die US-amerikanische Schauspielerin.

Preis Kategorie Nominierte/r Resultat
Academy Award[10][11] Beste Schauspielerin Meryl Streep Gewonnen
Bestes Makeup Mark Coulier und J. Roy Helland Gewonnen
Australian Academy of Cinema and Television Arts Beste internationale Schauspielerin Meryl Streep Gewonnen
BAFTA Awards[12][13] Beste Schauspielerin Meryl Streep Gewonnen
Bestes Drehbuch Abi Morgan Nominierung
Bester Nebendarsteller Jim Broadbent Nominierung
Bestes Makeup und beste Frisuren Marese Langan, Mark Coulier und J. Roy Helland Gewonnen
Boston Society of Film Critics Beste Schauspielerin Meryl Streep Nominierung
Broadcast Film Critics Association Awards Beste Schauspielerin Meryl Streep Nominierung
Bestes Make-up Marese Langan Nominierung
Central Ohio Film Critics Association Beste Schauspielerin Meryl Streep Nominierung
Chicago Film Critics Association Awards Beste Schauspielerin Meryl Streep Nominierung
Dallas-Fort Worth Film Critics Association Awards Beste Schauspielerin Meryl Streep Nominierung
Denver Film Critics Society Beste Schauspielerin Meryl Streep Gewonnen
Golden Globe Award Beste Schauspielerin Meryl Streep Gewonnen
Irish Film and Television Awards Beste internationale Schauspielerin Meryl Streep Nominierung
Bestes Kostümdesign Consolata Boyle Gewonnen
London Critics Circle Film Awards Beste Schauspielerin Meryl Streep Gewonnen
Beste Schauspielerin Olivia Colman Gewonnen
National Society of Film Critics Awards Beste Schauspielerin Meryl Streep Nominierung
New York Film Critics Circle Awards Beste Schauspielerin Meryl Streep Gewonnen
New York Film Critics Online Award Beste Schauspielerin Meryl Streep Gewonnen
Online Film Critics Society Awards Beste Schauspielerin Meryl Streep Nominierung
Phoenix Film Critics Society Awards Beste Schauspielerin Meryl Streep Nominierung
Satellite Awards Beste Schauspielerin Meryl Streep Nominierung
Screen Actors Guild Awards Beste Schauspielerin Meryl Streep Nominierung
Southeastern Film Critics Association Awards Beste Schauspielerin Meryl Streep Gewonnen
Toronto Film Critics Association Awards Beste Schauspielerin Meryl Streep Nominierung
Washington D.C. Area Film Critics Association Beste Schauspielerin Meryl Streep Nominierung

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung (PDF; 35 kB) der FSK
  2. Freigabe der Jugendmedienkommission (JMK), abgerufen am 9. März 2012
  3. Profil bei boxofficemojo.com (englisch; abgerufen am 27. Februar 2012).
  4. Box office / business for The Iron Lady
  5. The Iron Lady (2011). Rotten Tomatoes. Abgerufen am 8. März 2013.
  6. Smith Karen Sue: A Grocer's Daughter. In: America Magazine, 20. Februar 2011. Abgerufen am 11. Februar 2011. 
  7. The Iron Lady and Margaret Thatcher's Dementia: Why This Despicable Film Makes Voyeurs of Us All'. In: The Daily Telegraph, 14. Januar 2012. Abgerufen am 19. Januar 2012. 
  8. "The Iron Lady". rogerebert.com. Abgerufen 8. Februar 2012.
  9. Still the Iron Lady. In: Daily Mail. 19. März 2012. Abgerufen am 12. März 2013.
  10. "Oscar 2012 winnersVorlage:Spaced ndash The Full List". In: The Guardian. 27. Februar 2012. Abgerufen am 27. März 2012.
  11. "Nominees and Winners for the 84th Academy Awards". Academy Awards of Motion Picture Arts and Sciences (Oscars). Abgerufen am 27. März 2012.
  12. Bafta Film Awards 2012: Nominations. 27. März 2012. Abgerufen am 17. Januar 2012.
  13. Steve Pond: 'The Artist' Dominates at BAFTA Awards, Reuters. 12. Februar 2012. Abgerufen am 27. März 2012.