Dorfprozelten

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Dorfprozelten
Dorfprozelten
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Dorfprozelten hervorgehoben
49.7833333333339.3833333333333141Koordinaten: 49° 47′ N, 9° 23′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Miltenberg
Höhe: 141 m ü. NHN
Fläche: 10,39 km²
Einwohner: 1784 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 172 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97904
Vorwahl: 09392
Kfz-Kennzeichen: MIL
Gemeindeschlüssel: 09 6 76 118
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulgasse 2
97904 Dorfprozelten
Webpräsenz: www.dorfprozelten.de
Bürgermeister: Dietmar Wolz (FW)
Lage der Gemeinde Dorfprozelten im Landkreis Miltenberg
Aschaffenburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Main-Spessart Hohe Wart (Spessart) Gemeindefreies Gebiet Forstwald Gemeindefreies Gebiet Hohe Berg Collenberg Dorfprozelten Altenbuch Wörth am Main Weilbach (Bayern) Sulzbach am Main Stadtprozelten Schneeberg (Unterfranken) Rüdenau Röllbach Obernburg am Main Niedernberg Neunkirchen (Unterfranken) Mönchberg Mömlingen Miltenberg Leidersbach Laudenbach (Unterfranken) Klingenberg am Main Kleinwallstadt Kleinheubach Kirchzell Hausen (bei Aschaffenburg) Großwallstadt Großheubach Faulbach Eschau (Unterfranken) Erlenbach am Main Elsenfeld Eichenbühl Bürgstadt Amorbach Amorbach Hessen Baden-WürttembergKarte
Über dieses Bild

Dorfprozelten ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Miltenberg und eine der ältesten Siedlungen am Untermain.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Dorfprozelten liegt in der Region Bayerischer Untermain.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Dorfprozelten hat 2 amtlich benannte Ortsteile[2]:

Es gibt nur die Gemarkung Dorfprozelten.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Markt
Eschau
Gemeinde
Collenberg
Nachbargemeinden Stadt
Stadtprozelten
Stadt
Freudenberg
Stadt
Wertheim

Name[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Der Name setzt sich aus dem mittelhochdeutschen Wort brat, das Braten oder Fleisch bedeutet und dem althochdeutschen selde für Haus zusammen. Bratselde bedeutet demnach etwa soviel wie Ort, an dem Reisende speisen können; etwa eine Herberge. Der Zusatz Dorf sowie die zeitweise verwendeten Wörter Alten, Unter und Nieder wurden zur Unterscheidung von Stadt- und Langenprozelten hinzugefügt.[3]

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[3]

  • 1009 Brotselden
  • 1248 Altinbrotselden
  • 1311 Bratselden daz dorf
  • 1317 Niderm Bratselden
  • 1320 Unterprotzelten
  • 1359 Nidernprotselden
  • 1370 Dorf Brotselden
  • 1379 Brotselden daz dorffe
  • 1483 Dorffbrotselden
  • 1594 Dorffprocelden
  • 1694 Dorff Proceld
  • 1881 Dorfprozelten

Geschichte[Bearbeiten]

In einer chronikalen Aufzeichnung aus dem 14. Jahrhundert wird erwähnt, dass der Mainzer Erzbischof Willigis im Jahre 1009 die Weihe eines Gotteshauses in "Brotselden" vorgenommen hat.

Der Ort im Erzstift Mainz wurde laut Reichsdeputationshauptschluss 1803 ein Teil des neugebildeten Fürstentums Aschaffenburg des Fürstprimas von Dalberg, mit welchem (nun ein Departement des Großherzogtums Frankfurt) es 1814 schließlich an Bayern fiel. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Im Jahre 1862 wurde das Bezirksamt Marktheidenfeld gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Dorfprozelten lag. 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Dorfprozelten war nun eine der 47 Gemeinden im Landkreis Marktheidenfeld (Kfz-Kennzeichen MAR). Mit Auflösung des Landkreises Marktheidenfeld im Jahre 1972 kam Dorfprozelten in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg (Kfz-Kennzeichen MIL).

Der Ort beherbergte bis in die 1970er Jahre eine große Sandsteinindustrie. Dorfprozeltener Steinhauer waren unter anderem am Bau des Winterpalais in Sankt Petersburg, des Mainzer Doms, des Reichstags in Berlin und vieler anderer bedeutender Bauwerke beteiligt. Der Abbau des Sandsteins förderte auch die Schifffahrt, welche Dorfprozelten für einige Zeit zum größten Binnenschifferdorf Deutschlands werden ließ. Heute beherbergt Dorfprozelten verschiedene Industriezweige. Unter anderem siedelte sich ein großer Automobilzulieferer an. An den Hängen des Mains wird mit dem „Dorfprozeltener Predigtstuhl“ auch ein hervorragender Frankenwein angebaut.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1970: 1.627 Einwohner
  • 1987: 1.741 Einwohner
  • 2000: 1.972 Einwohner

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2008[4]
Wahlbeteiligung: 79,37 %
 %
50
40
30
20
10
0
42,75 %
29,02 %
28,22 %
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
b Freie Wähler Dorfprozelten

Bürgermeister ist Dietmar Wolz (Freie Wähler).

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 987.000 €, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 123.000 €.

Bildung[Bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 1999):

  • Kindergärten: 100 Kindergartenplätze mit 88 Kindern
  • Volksschulen: 1 mit 8 Lehrern und 104 Schülern

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 192 und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtigen Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 54 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 717. Im verarbeitenden Gewerbe gab es neun, im Bauhauptgewerbe zwei Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 fünf landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 17 ha. Größter Arbeitgeber ist der Magna-Konzern.

Kurioses[Bearbeiten]

In Dorfprozelten gab es viele Schiffleute (Binnenschiffer), es war das größte Schifferdorf am Untermain; gefragt wohin die Reise gehe, antwortete einer „ham (heim – nach Hause) nix wie ham“

Vor dem Ersten Weltkrieg lebte ein Schiffmann namens Karl, er hatte einen Sprachfehler und wurde von den Einheimischen nur „Karl-Karl„ genannt. Eines Tages stand er am Miltenberger Bahnhof und warte auf seine Zugverbindung. Ein Bekannter kam vorbei und fragte ihn: „Na Karl, wo willst du denn hin?“ er antwortete stotternd: „Prozzele, Prozzele, ham-ham“.

Noch heute wenn sich jemand als „Prozzeler“ vorstellt, wird er mit dem Ortsnecknamen „ham-ham“ gegrüßt[5].

Gebräuchlich ist in der Gemeinde auch die humorvolle Redewendung "mir ham a Prozzela" (Wir haben gerade Brotzeit)

Literatur[Bearbeiten]

  • Dorfprozelten am Main – Ein Dorf im Wandel seiner 1000jährigen Geschichte – Teil 1 (Georg Veh, Walter Arnold, Josef Weiß, Werner Zöller, Elsa Lang, 1995)
  • Dorfprozelten am Main – Ein Dorf im Wandel seiner 1000jährigen Geschichte – Teil 2 (Georg Veh, 2002)
  • Dorfprozelten – Schüler, Schulmeister, Schulhäuser 1600–1998 (Georg Veh, 1998)
  • Der „Kindsmord“ von Dorfprozelten (Georg Veh, 1994)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111122/232828&attr=OBJ&val=1683
  3. a b  Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. C.H.Beck oHG, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 57.
  4. http://www.kombn-web.de/dorfprozelten/wahlen/6_MAIN_E_GEMEINDERATSWAHL_2008.html
  5. Werner Trost Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer Lkr.Miltenberg 2003

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dorfprozelten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien