Leidersbach

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Leidersbach (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Leidersbach
Leidersbach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Leidersbach hervorgehoben
49.9016666666679.2191666666667196Koordinaten: 49° 54′ N, 9° 13′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Miltenberg
Höhe: 196 m ü. NHN
Fläche: 19,81 km²
Einwohner: 4770 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 241 Einwohner je km²
Postleitzahl: 63849
Vorwahlen: 06028 und 06092Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: MIL
Gemeindeschlüssel: 09 6 76 136
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 123
63849 Leidersbach
Webpräsenz: www.leidersbach.de
Bürgermeister: Friedrich (Fritz) Wörl (CSU)
Lage der Gemeinde Leidersbach im Landkreis Miltenberg
Aschaffenburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Main-Spessart Hohe Wart (Spessart) Gemeindefreies Gebiet Forstwald Gemeindefreies Gebiet Hohe Berg Collenberg Dorfprozelten Altenbuch Wörth am Main Weilbach (Bayern) Sulzbach am Main Stadtprozelten Schneeberg (Unterfranken) Rüdenau Röllbach Obernburg am Main Niedernberg Neunkirchen (Unterfranken) Mönchberg Mömlingen Miltenberg Leidersbach Laudenbach (Unterfranken) Klingenberg am Main Kleinwallstadt Kleinheubach Kirchzell Hausen (bei Aschaffenburg) Großwallstadt Großheubach Faulbach Eschau (Unterfranken) Erlenbach am Main Elsenfeld Eichenbühl Bürgstadt Amorbach Amorbach Hessen Baden-WürttembergKarte
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Leidersbach ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Miltenberg. Mit ihren vier Ortsteilen Leidersbach, Ebersbach, Roßbach und Volkersbrunn liegt sie circa 10 Kilometer südöstlich von Aschaffenburg im Spessart.

Geografie[Bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Leidersbach hat 4 amtlich benannte Ortsteile[2]:

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Markt
Sulzbach am Main
Forst Hohe Wart
(Gemeindefreies Gebiet)
Gemeinde
Mespelbrunn
Nachbargemeinden Gemeinde
Heimbuchenthal
Markt
Kleinwallstadt
Gemeinde
Hausen

Name[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Seinen Namen hat Leidersbach vom gleichnamigen, den Ort durchfließenden Leidersbach[3], dem linken Quellbach des Sulzbaches. Der wechselnde Anfangsbuchstabe von B auf L kann daher kommen, dass man im 14. Jahrhundert von einer Agglutination des Präpositionsauslautes ausging.[3] Man dachte Bliderspach = B(ei) liderspach.

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[3]

  • 1248 Bliderspach
  • 1312 Lyderspach
  • 1324 Lydersbach
  • 1349 Lydirsbach
  • 1403 Lydersbach
  • 1510 Lyderspach
  • 1532 Leydersbach
  • 1624 Leidersbach

Geschichte[Bearbeiten]

Der zu Ebersbach und dem Sulzbacher Ortsteil Soden gehörende "Schlossbuckel" war schon vor der Zeitenwende besiedelt, wie dortige Funde beweisen. Zur Zeit der Römer, wahrscheinlich im 2. Jahrhundert, wurde dort eine keltische Fliehburg angelegt, die im frühen Mittelalter durch eine Burg aus Stein ergänzt wurde. Die Burg verfiel jedoch und wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts abgetragen, so dass heute nur noch der Ringwall zu sehen ist. Gleichwohl ist dieser ein bekanntes Ausflugsziel, da deutschlandweit nur drei keltische Ringwälle überhaupt erhalten geblieben sind.

Die Entstehung der Orte selbst lief im Mittelalter ab: Aufgrund von Vergleichen mit anderen Orten mit gleicher Herkunft der Ortsnamen kann gefolgert werden, dass die mit "bach" endenden Gemeinden Ebersbach, Leidersbach und Roßbach vermutlich in der karolingischen Zeit Ende des 8. Jahrhunderts entstanden sind. Die erste urkundliche Erwähnung von Ebersbach findet man aus dem Jahr 1183, von Leidersbach und Roßbach aus dem Jahr 1200 und von Volkersbrunn aus dem Jahr 1248.

Schon zu dieser Zeit gehörten die Dörfer dem Erzstift Mainz an. Bei der Auflösung des Erzstifts durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 fielen die Dörfer an das neu gebildete Fürstentum Aschaffenburg, mit welchem sie 1814 an Bayern angegliedert wurden.

Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Obernburg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Leidersbach lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Leidersbach war nun eine der 35 Gemeinden im Landkreis Obernburg am Main (Kfz-Kennzeichen OBB). Mit Auflösung des Landkreises Obernburg kam Leidersbach 1972 in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg (Kfz-Kennzeichen MIL).

Religionen[Bearbeiten]

Die Gemeinde Leidersbach ist überwiegend römisch-katholisch. Jeder Ortsteil besitzt eine eigene katholische Kirche.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Leidersbach, Ebersbach, Roßbach und Volkersbrunn zur neuen Einheitsgemeinde Leidersbach zusammengeschlossen.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung in Leidersbach seit 1840

Einwohner (alle Ortsteile zusammen):[5]

  • 1840: 1.756
  • 1871: 1.744
  • 1900: 1.818
  • 1925: 2.317
  • 1939: 2.639
  • 1950: 3.218
  • 1961: 3.342
  • 1970: 3.799
  • 1987: 4.304
  • 2000: 4.803
  • 2001: 4.866
  • 2002: 4.931
  • 2003: 4.964
  • 2004: 4.974
  • 2005: 4.995
  • 2006: 4.972
  • 2007: 4.960
  • 2008: 4.892
  • 2009: 4.858
    (:2.414 :2.444)
  • 2010: 4.851
    (♂:2.416 ♀:2.435)
  • 2011: 4.828
    (♂:2.423 ♀:2.405)
  • 2012: 4.770
    (♂:2.415 ♀:2.355)

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus 16 Mitgliedern, die sich wie folgt aufteilen:

  • CSU - 10 Sitze
  • CWG - 6 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten]

Fritz (Friedrich) Wörl (CSU) ist seit 2014 Bürgermeister der Gemeinde.

Wappen[Bearbeiten]

oben: geöffnete Schneiderschere auf grün-weiß gestreiftem Grund (Bedeutung des Schneiderhandwerks und der Kleiderfabriken für die Ortsentwicklung im 19. und 20. Jahrhundert.)

unten: Mainzer Rad (Zugehörigkeit zum Erzbistum Mainz bis 1803)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Ringwall der Altenburg auf dem Schlossbuckel bei Ebersbach
  • Marienaltar der Ebersbacher St.-Barbara-Kirche
  • historische St.-Jakobus-Kirche in Leidersbach aus rotem Buntsandstein
  • Jugendbildungszentrum im ehemaligen Kloster auf dem Ebersbacher Klosterberg

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Leidersbach

Parks[Bearbeiten]

Das gesamte Gemeindegebiet liegt im Naturpark Spessart.

Vereine[Bearbeiten]

Der BRK Leidersbach ist ein Ortsverein des Bayerisches Rotes Kreuz im Kreisverband Miltenberg-Obernburg. Der Ortsverein wurde am 16. März 1955 gegründet. Die RK-Gemeinschaft ist im Rot-Kreuz-Haus in der Kolpingstraße 2 untergebracht und unterhält die Bereiche Jugendrotkreuz, Bereitschaft, SEG-Nord Katastrophenschutz und einen Helfer vor Ort (HvO / HGD (Hintergrunddienst) mit eigenem, spendenfinanzierten und ehrenamtlichen Rettungswagen seit 1. März 1984 mit Standort im Feuerwehrhaus Leidersbach).

Seit 1984 besteht die Laienschauspielgruppe Hutzelgrund Theater Leidersbach. In unregelmäßigen Zeiträumen greift die Theatergruppe in ihren Aufführungen örtliche Gegebenheiten auf.[6][7]

Sport[Bearbeiten]

Handball

Mit den Rhein-Main Bienen war die Gemeinde in der ersten Handball-Bundesliga der Frauen vertreten. Der Verein schaffte 2003/04 die Meisterschaft mit dem verbundenen Aufstieg in die Oberliga Hessen. In der darauf folgenden Saison wurde die Mannschaft Hessenmeister und gewann die anschließende Relegation ausschließlich mit Siegen. In der Regionalliga Südwest gelang der Mannschaft von Trainer Peter David in der Saison 2005/06 die ungeschlagene Meisterschaft und der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Als Meister der 2. Bundesliga schloss die HSG die Saison ab und ihr gelang durch den Playoff-Sieg gegen den TuS Weibern der Aufstieg in die Erstklassigkeit. Zudem schaffte es die Damenmannschaft, die Sparkassen-Arena in Elsenfeld mit 3.500 Zuschauern bei einem Pokalspiel gegen den Deutschen Meister 1. FC Nürnberg zu füllen. 2009 erfolgte aus finanziellen Gründen der Zwangsabstieg in die Oberliga Hessen. In der Saison 2009/10 wurde die Mannschaft Meister und konnte sich für die neu gegründete 3. Liga qualifizieren.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2007):

  • Kindergärten: in den Ortsteilen Leidersbach, Ebersbach und Roßbach
  • Grund- u. Hauptschule: Volksschule Leidersbach für Schüler aus allen vier Ortsteilen

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Im Ort lebten und arbeiteten früher neben Bauern auch vor allem kleine Betriebe des Schneiderhandwerks. Während die Landwirtschaft seit Mitte des 20. Jahrhunderts stetig an Bedeutung verliert, ist Leidersbach geprägt von Betrieben der Bekleidungsindustrie, die sich aus diesen Handwerksbetrieben zu teilweise überregionalen Unternehmen entwickelt haben. Daraus hat sich in der Umgebung der Ortsneckname Sacco Valley in Anspielung an das weltbekannte Silicon Valley entwickelt.

Darüber hinaus gibt es Unternehmen der Softwareentwicklung und Marketingunternehmen sowie ein analytisches Labor.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Albin Eser (* 1935), deutscher Strafrechtswissenschaftler

Kurioses[Bearbeiten]

Leidersbach[Bearbeiten]

Lange bevor die Heimschneiderei in den „Grund“ (Sacco Valley) kam, versuchten es die Leidersbacher mit Besenbinden. In den langen Wintermonaten, wenn die Feldarbeit ruhte, wurden Besen gebunden und Körbe geflochten, die dann in den umliegenden Orten und Städten verkauft wurden. Im Tal, in dem sehr viele Obstbäume standen, wurde die Ernte (Apfel, Birne, Zwetschge) entkernt, geschnitten, an Schnüren aufgefädelt und zum Trocknen unter dem Dachvorsprung aufgehängt. Im Herbst duftete es im ganzen Tal nach frischem Apfelmost, denn in fast jedem Keller reifte der Most in Fässern zu Apfelwein. Das gedörrte Obst "Hutzel" wurde zu Kartoffeln- und Mehlspeisen gegessen, aber auch bis in den Frankfurter Raum verkauft. So kam es zum Ortsnecknamen Hutzelgründer und Besenbinder.[8]

Volkersbrunn[Bearbeiten]

Fragte man früher einen Volkersbrunner was es heute zu Mittagessen gibt, bekam man immer zur Antwort: „Heit gits Pannekichelsche!“[Anmerkung 1] In den bösen Nachbarorten sprach man nur von den Pannekichelsche und jeder wusste sogleich, dass damit die Bürger von Volkersbrunn gemeint waren.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111123/193319&attr=OBJ&val=1697
  3. a b c  Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. C.H.Beck oHG, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 129–130.
  4.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 544.
  5. GENESIS-Online Bayern: Ergebnis - 12411-001. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung. Abgerufen am 7. Januar 2014.
  6. Hutzelgrund-Theater Leidersbach: Zahlen und Fakten. www.main-netz.de. Abgerufen am 13. November 2012.
  7. Hutzelgrund Theater Leidersbach. 17. November 2009. Abgerufen am 13. November 2012.
  8. a b  Werner Trost: Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer. Ortsnecknamen im Landkreis Miltenberg. 2003.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Pannekichelsche ist der rheinfränkische Begriff für Eierkuchen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leidersbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien