Drillisch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Drillisch AG
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0005545503
Gründung 1997
Sitz Maintal, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 358 (2013)[1]
Umsatz 290,5 Mio. Euro (2013)[1]
Branche Mobilfunk-Serviceprovider
Website www.drillisch.de

Die Drillisch AG ist ein deutscher Mobilfunk-Serviceprovider mit Sitz in Maintal im Main-Kinzig-Kreis in Hessen.

Der Gesamtkonzern beschäftigt knapp 360 Mitarbeiter inklusive Beteiligungsgesellschaften und verzeichnete 2013 (2012) einen Gesamtumsatz in Höhe von 290,5 (323,7) Mio. Euro. Das Konzernergebnis betrug 2013 155,8 Mio. Euro. Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA betrug 70,8 Mio. Euro. Ende 2013 hatte Drillisch 1,9 Mio. Kunden.[1]

Unternehmenssparten[Bearbeiten]

Logo von Drillisch Telecom

Das Kerngeschäft Mobilfunk ist angesiedelt bei den hundertprozentigen Tochtergesellschaften

Unter den Marken simply, McSIM, discoTEL, discoPLUS, discoSURF, M2M-mobil, eteleon, DeutschlandSIM, winSIM und fastSIM werden Mobilfunk-Discounter über das Internet vermarktet. Der Privatkundenanteil beträgt etwa 20 Prozent. Die Geschäftsvorgaben erfolgen dabei weitgehend zentral und daher findet man bei den meisten Marken ein ähnliches Tarifportfolio. Zum 1. April 2014 wurden bei allen Anbietern eine neue Tarifwelt vorgestellt [2].

Das Geschäftsfeld Software-Dienstleistung ist bei der Maintaler Tochtergesellschaft IQ-optimize Software AG (firmierte vor dem 29. Mai 2007 als IQ-work Software AG) angesiedelt und bietet Lösungen für den B2B-Bereich.

Eigentümerstruktur[Bearbeiten]

Die Eigentümerstruktur setzte sich mit Stand vom 31. Dezember 2013 wie folgt zusammen:

Anteil Anteilseigner
80,10 % Streubesitz
9,76 % Eigene Aktien
5,97 % Marc Brucherseifer, Gründungsmitglied von Drillisch
2,07 % Paschalis Choulidis
2,07 % Vlasios Choulidis
0,02 % Johann Weindl
0,01 % Horst Lennertz

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung und erste Jahre[Bearbeiten]

Im Jahre 1957 wurde die Fernseh-Hugo Forster OHG gegründet, deren Gründungstätigkeit in der Errichtung von Hauptantennenverteilern sowie von Kommunikations- und Überwachungsanlagen bestand. Die Drillisch-Vertriebs- und Servicegesellschaft Nachrichten Technik mbH in Maintal wurde 1983 gegründet. 1985 wurde die Produktpalette um Mobiltelefone des C-Netzes erweitert.

Im Jahr 1989 begann man mit der Vermarktung von Telefaxgeräten. Ab 1991 wurden digitale Alarmierungssysteme für Feuerwehren und Errichtung von Feuerwehr- und Rettungsleitständen vermarktet.

Im Jahr 1992 wurde die Fernseh-Forster Hugo Forster OHG in die Forster Kommunikationselektronik GmbH umgewandelt. Zwei Jahre darauf wurde die Drillisch Vertriebs-Serviceges. Nachrichtentechnik mbH & Co. KG gegründet und es begann die Tätigkeit als Service Provider im Mobilfunkbereich für das D2-Netz. 1997 wurde die Drillisch AG durch Hans Jochen Drillisch, Marc Brucherseifer und Nico Forster gegründet. Aus zuvor rechtlich selbständigen Gesellschaften entstand die Drillisch-Gruppe mit der Drillisch AG als Muttergesellschaft. Als Service-Provider kauft das Unternehmen, welches über keine eigene Netzinfrastruktur verfügt, im großen Stil Telefoneinheiten vom Netzbetreiber Mannesmann ein und verkauft diese, verschnürt in spezielle Tarifpakete, an Endkunden weiter. Im einstigen Kerngeschäft, dem Handel mit Mobiltelefonen, Faxgeräten und sonstigem Zubehör erlösten sie noch etwa 48 Prozent des Gesamtumsatzes von 117,5 Millionen Mark.

Börsengang[Bearbeiten]

Die Drillisch AG ging 1998 an die Börse. Insgesamt sollen bis zu 600.000 Stammaktien im Nennwert von fünf Mark emittiert werden (inklusive Greenshoe von 40.000 Aktien), von denen 360.000 aus einer Erhöhung des Grundkapitals auf neun Millionen Mark und 240.000 Aktien aus dem Bestand der Altaktionäre stammen.

Das Unternehmen erhielt 1998 eine Festnetz-Lizenz. Ein Jahr später wurde das Angebot um Internet-Zugangsdienste (Internet by Call) ergänzt.

Im Jahr 2000 wurde die Festnetz-Lizenz an den finnischen Telekom-Konzern Elis veräußert und das Unternehmen auf das mobile Internet ausgerichtet, um eine Insolvenz zu vermeiden. Das Unternehmen richtet die Suchmaschine Acoon für WEB- und WAP-Dienste ein. Durch den Kauf des finnischen WAP-Programmierers und Content-Lieferanten Open-Net-Oy verfolgte man den weiteren Ausbau des Internet-Content.

Im Jahr 2001 stand Drillisch zum Verkauf.

Ab 16. Februar 2004 vermarktete das Unternehmen UMTS-Produkte für D2 Vodafone über die Tochtergesellschaften Alphatel GmbH sowie die Victorvox AG. Am 31. März 2005 schied der bisherige Vorstandssprecher Marc Brucherseifer auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand aus. Seit 2006 plante der Vorstandssprecher Paschalis Choulidis, die großen Serviceprovider (Talkline und Debitel) aus steuerrechtlichen Gründen und wegen der zunehmenden Sättigung des Handy-Markts unter dem Mobilcom-Dach zu vereinigen.

Im Januar 2007 hatte Drillisch seinen Wettbewerber Telco Services GmbH aus Idstein im Taunus mit rund 300.000 Kunden (10 % Prepaid) zum geschätzten Kaufpreis von 40 bis 50 Millionen Euro übernommen. Am 19. Dezember 2008 wurde bekannt, dass die Drillisch AG die Aktienmehrheit an der eteleon e-solutions AG, einem Internet-Vertriebsspezialisten, übernimmt. Der Vertrag über den Erwerb von 71,4 % wurde im März 2009 vollzogen.[3] Seit dem 16.08. ist die eteleon e-solutions AG (100 % b2c.de GmbH; discoTEL, DeutschlandSIM, eteleon) 100%-ige Tochtergesellschaft der Drillisch AG.[4]

Gescheiterte Übernahme der Freenet-Mobilfunksparte[Bearbeiten]

Am 22. August 2007 gab Drillisch bekannt, dass der bisherige Anteil von 10,07 % am Wettbewerber freenet AG auf 28,56 % aufgestockt werden soll. Der Kauf stand jedoch noch unter dem Vorbehalt der Kartellbehörden. Im September 2007 traten Drillisch und United Internet mit dem Plan an die Öffentlichkeit, gemeinsam die Freenet AG übernehmen zu wollen. Drillisch und United Internet kontrollieren über die Holding MSP ungefähr 29 % der Freenet AG. Die Holding MSP gehört beiden Unternehmen zu gleichen Teilen.

Am 31. Oktober 2007 äußerte sich Drillisch-Vorstandschef Paschalis Choulidis im Quartalsbericht erstmals konkret zu den Plänen bezüglich einer Übernahme von Freenets Mobilfunksparte (siehe Mobilcom). Am 20. November 2007 gab United Internet das Scheitern der Gespräche über eine Freenet-Übernahme bekannt. Drillisch-Vorstand Choulidis wurde dem Vernehmen nach von dieser Ankündigung überrascht und sei lediglich durch eine Pflichtmitteilung der United Internet darüber informiert worden.

United Internet erwarb Ende November 2007 überraschend 5,15 Millionen Drillisch-Aktien und war nun mit 9,68 Prozent an Drillisch beteiligt. Am 14. Dezember verkünden Drillisch und United Internet noch die Erhöhung des Anteils der MSP Holding GmbH an Freenet auf 20,05 %.

Am 20. Dezember 2007 erklärte Freenet die Übernahmeverhandlungen bezüglich der Mobilfunksparte mit Drillisch ebenfalls für beendet. [5]

Im Oktober 2009 verkaufte United Internet seine Anteile an der Drillisch AG.[6]

Streit und Einigung über Provisionszahlungen mit Deutsche Telekom AG[Bearbeiten]

Im November 2011 kündigte die Deutsche Telekom fristlos die Zusammenarbeit mit der Drillisch AG und ihren Tochterunternehmen, da man der Drillisch-Tochter Simply Provisionsbetrug mit Prepaid-Mobilfunkverträgen vorwarf.[7] Laut Aussage der Telekom soll die Drillisch AG seit Februar 2011 mehrere zehntausend Mobilfunkanschlüsse aktiviert haben, ohne dass es dafür tatsächlich Kundenbeziehungen gab.

Ebenfalls wurde seitens der Telekom Strafanzeige gegen das Unternehmen erstattet.[7] Der Aktienkurs der Drillisch AG gab nach Bekanntwerden des Vorgangs kurzfristig um bis zu 44 % nach.[8]

Drillisch wies die Vorwürfe der Telekom entschieden zurück und erklärte, dass Simply sich vollumfänglich an die mit der Telekom geschlossenen Verträge gehalten habe.[9]

Am 21. März 2012 gab Drillisch die Beendigung der Rechtsstreitigkeiten mit der Deutsche Telekom AG bekannt. Beide schlossen eine Vereinbarung zur Abwicklung der Vertragsverhältnisse und der Beendigung der anhängigen Zivilverfahren. Einen Monat später, am 19. April 2012, stellte die Staatsanwaltschaft Hanau mit Zustimmung des zuständigen Gerichts das Verfahren gegen Mitglieder des Vorstands und der Geschäftsführung des Drillisch-Konzerns endgültig ein.[10]

Im Oktober 2013 reduzierte Drillisch seine Beteiligung an Freenet von ursprünglich 20,8 Prozent in zwei Schritten im März 2013[11] und im Oktober 2013 auf 0,39 Prozent.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Geschäftsbericht 2013 (PDF)
  2. http://www.allnetflat-24.de/1112/neues-portfolio-drillisch-mit-tarifumstellung-bei-allen-marken/
  3. Drillisch übernimmt eteleon e-solutions
  4. eteleon e-solutions AG wird 100%-ige Tochtergesellschaft
  5. Übersicht der Veröffentlichungen zur Beteiligung an der freenet AG (PDF-Datei; 16 kB)
  6. Drillisch-Anteile veräußert – United Internet geht raus, n-tv am 18. Oktober 2009
  7. a b Telekom erstattet Strafanzeige gegen Serviceprovider Drillisch bei wuv.de, abgerufen am 8. November 2011
  8. 44 Prozent abwärts bei sueddeutsche.de, abgerufen am 8. November 2011
  9. Drillisch schießt gegen Telekom zurück bei boerse.ard.de, abgerufen am 8. November 2011
  10. http://www.deraktionaer.de/aktien-deutschland/drillisch--einigung-im-telekom-streit-17908529.htm
  11. dpa: Drillisch verkauft Anteile an Hamburger Freenet. Hamburger Abendblatt, 20. März 2013, abgerufen am 7. Juni 2014.
  12. Klaus Schachinger: Drillisch: Die bessere Geschichte. Euro am Sonntag, 18. Oktober 2013, abgerufen am 7. Juni 2014.