Enz

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Enz
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Die Enz im Naturschutzgebiet zwischen Niefern und Mühlacker

Die Enz im Naturschutzgebiet zwischen Niefern und Mühlacker

Daten
Gewässerkennzahl DE: 2384
Lage Deutschland, Baden-Württemberg
Flusssystem Rhein
Abfluss über Neckar → Rhein → Nordsee
Quelle Quelle des Poppelbachs, Gemarkung Besenfeld
48° 36′ 33″ N, 8° 27′ 1″ O48.6090277777788.4502777777778822
Quellhöhe ca. 822 m ü. NN[1]
Mündung Neckar bei Besigheim49.0055555555569.1475170Koordinaten: 49° 0′ 20″ N, 9° 8′ 51″ O
49° 0′ 20″ N, 9° 8′ 51″ O49.0055555555569.1475170
Mündungshöhe ca. 170 m ü. NN[1]
Höhenunterschied ca. 652 m
Länge ca. 105 km (einschließlich des Poppelbaches); über den Fließweg der Nagold ca. 149 km[1]
Einzugsgebiet 2228,4 km² an der Mündung[2]
Abfluss am Pegel Pforzheim[3]
AEo: 1479 km²
Lage: 56,6 km oberhalb der Mündung
NNQ (10.01.1934)
MNQ 1933/2009
MQ 1933/2009
Mq 1933/2009
MHQ 1933/2009
HHQ (21.12.1993)
2,33 m³/s
5,21 m³/s
17,4 m³/s
11,8 l/s km²
165 m³/s
532 m³/s
Abfluss am Pegel Besigheim[4]
AEo: 2228 km²
Lage: 350 m oberhalb der Mündung
NNQ (1996)
MNQ
MQ
Mq
4,77 m³/s
7,54 m³/s
23,03 m³/s
10,3 l/s km²
Linke Nebenflüsse Eyach, Schmiebach, Metter
Rechte Nebenflüsse Kleine Enz, Nagold, Strudelbach, Glems, Leudelsbach
Großstädte Pforzheim
Mittelstädte Mühlacker, Vaihingen, Bietigheim-Bissingen
Kleinstädte Bad Wildbad, Neuenbürg, Besigheim
Einwohner im Einzugsgebiet 939000[5]

Die Enz ist der längste linke Nebenfluss des Neckars mit der größten Wasserführung von allen. Nach ihr ist der Enzkreis in Baden-Württemberg benannt.

Geographie[Bearbeiten]

Flusssystem[Bearbeiten]

Die Enz durchströmt zwei große Naturräume; in der oberen Hälfte ihres Laufs entwässert sie mit ihren Nebenflüssen die Osthälfte des Nordschwarzwalds, anschließend durchfließt sie die südwestdeutsche Gäulandschaft, darin zumeist das Neckarbecken.

Die Enz hat einschließlich ihres Hauptquellbachs Poppelbach eine Fließlänge von etwa 105 Kilometern. Jedoch ist ungewöhnlicherweise ihr rechter Nebenfluss Nagold, der in Pforzheim bei ihrem Austritt aus dem Schwarzwald in sie mündet, länger, nämlich fast doppelt so lang wie ihr eigener Oberlauf bis dorthin; zudem führt die Nagold an der Mündung auch doppelt so viel Wasser. Mithin ist oberhalb von Pforzheim die Nagold hydrographisch der Hauptstrang des Flusssystems der Enz, das so gerechnet dann etwa 149 Kilometer lang ist und damit unter den Neckarzuflüssen das drittlängste, nach den Systemen von Kocher und Jagst.

Quellflüsse[Bearbeiten]

Die Enz führt ihren Namen ohne Zusatz erst ab der Ortschaft Calmbach, wo Große Enz und Kleine Enz zusammenfließen. Die Große Enz hat zwei etwa 5 km lange Quellflüsse, Poppelbach und Kaltenbach, die sich in Gompelscheuer vereinen. Wie bei der Donauquelle in Donaueschingen wird dieser lediglich namentliche Beginn der (Großen) Enz durch den nahe gelegenen Enzbrunnen symbolisiert und dieser ähnlich irreführend touristisch vermarktet.

Hinsichtlich Wassermenge und Größe des Einzugsgebiets ist der aus Süden kommende Poppelbach der Hauptquellfluss, der aus Westen kommende Kaltenbach hat eine etwas größere Länge und höhere Quelllage. Der Poppelbach entspringt südlich, nur 1 km nördlich der Nagoldquelle auf 822 m (Gemarkung Besenfeld); der Kaltenbach nordwestlich, am Südhang des Schrambergs auf 907 m (Gemarkung Forbach im Murgtal)[6].

Große Enz und Oberlauf im Schwarzwald[Bearbeiten]

Große Enz im Kurpark von Bad Wildbad

Ab dem Zusammenfluss von Poppelbach und Kaltenbach durchfließt die Große Enz zunächst ein enges Waldtal, das sich nach einer kleinen Gefällestufe in das wesentlich breitere Tal des von Westen einmündenden Rombachs öffnet. Die Täler von Enz, Rombach und weiterer westlicher Nebenbäche des Oberlaufs sind bis zur Talsohle hinab von Gletscherkaren aus den letzten Eiszeiten geprägt. Nach der Talweitung von Enzklösterle verengt sich das Enztal wieder bis zur Einmündung des nächsten von Gletschern geprägten Tales, des Kegeltals bei Sprollenhaus. Von der bisherigen Nordostrichtung nach Norden einschwenkend, durchfließt die Große Enz in einem steilhängigen Tal die größtenteils bewaldeten Buntsandsteinhochebenen des Nordschwarzwaldes. Ab dem bekannten altwürttembergischen Badeort Wildbad ist das Tal dicht besiedelt. Auf Calmbach, wo die Kleine Enz mündet, folgen Höfen an der Enz und Neuenbürg. Dort umschließt die Enz in einer großen Schleife einen Bergsporn mit Schloss Neuenbürg. Das Schwarzwaldtal der Enz hat, zusammen mit dem Tal der Großen Enz ab Gompelscheuer, eine Länge von rund 38 Kilometern und endet mit dem Eintritt in den Kraichgau bei Birkenfeld oberhalb von Pforzheim.

Enztal in Gäu und Neckarbecken[Bearbeiten]

Nach dem Austritt aus dem Schwarzwald durchströmt die Enz bis zu ihrer Mündung in den Neckar Gäulandschaften der Muschelkalkplatten des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes. Naturräumlich wird das Enztal zwischen Birkenfeld und Enzberg zum nördlich sich fortsetzenden Kraichgau gerechnet, unterhalb davon zum sich zwischen Stuttgart und Heilbronn erstreckenden Neckarbecken.[7]

In Pforzheim, der einzigen Großstadt an der Enz, fließen Enz (mittlerer Abfluss: 6,3 m³/s) und Nagold (11,7 m³/s[8]) zusammen. Zwischen Lomersheim und Vaihingen mäandriert die nun breite Enz relativ stark, das Tal weist hier sehr steile Prallhänge auf. Zwischen Bietigheim und Besigheim liegen zwei verlassene Talschleifen, Hirschberg und Brachberg sind ihre Umlaufberge. Nordöstlich von Besigheim, auf dem Gemeindegebiet von Walheim, mündet die Enz in den Neckar.

Tal der Enz bei Roßwag

Übersicht der Nebenflüsse[Bearbeiten]

Nebenflusslänge ab der mündungsfernsten Quelle

Politische Geographie[Bearbeiten]

Die Enz (vorne) mündet in den Neckar

Die Enz durchströmt vor allem die Kreise Calw, Enzkreis, Pforzheim (Stadtkreis) und Ludwigsburg. Einige Oberläufe von Seitenbächen der Großen Enz sowie der Oberlauf des Kaltenbachs liegen abschnittsweise im Landkreis Rastatt.

Bis zu den großen territorialen Umwälzungen um 1803 und 1806 lag der Lauf der Enz überwiegend auf altwürttembergischem Gebiet, kleinere Abschnitte dagegen in Altbaden oder auf ritterschaftlichem Gebiet. Wildbad, Neuenbürg, Vaihingen, Bietigheim und Besigheim sind altwürttembergische Amtsstädte. Die heutigen Gebiete des Landkreises Rastatt sowie die Enz um Pforzheim (Gemarkungen Brötzingen, Pforzheim, Eutingen, Niefern) gehörten zu Baden. In Oberriexingen war die Herrschaft reichsritterschaftlich-württembergisch geteilt.[9]

Umwelt und Wirtschaft[Bearbeiten]

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Die Enz ist im unteren Abschnitt mit ihren auetypischen Uferstrukturen ein idealer Lebensraum für viele fließgewässertypische Pflanzen- und Tierarten. Viele der Altarme und Auwälder sind als Biotope geschützt, die Enz selbst sowie Talabschnitte wie das Naturschutzgebiet bei Vaihingen-Roßwag und die Leudelsbach-Mündung bei Unterriexingen sind Bestandteil des europaweiten Schutzgebiete-Systems Natura 2000.

In den Flachwasserzonen sind pro Quadratmeter bis zu 10.000 Larven von Eintags- und Köcherfliegen, Libellen, Käfern, Schnecken und Muscheln gezählt worden. Auch Strömer, Barbe, Nase und Groppe haben hier ihre Laichgründe.

Ab dem Frühsommer ist die Enz stellenweise stark mit Flutendem Hahnenfuß und Tausendblatt verkrautet.

Manche seltenen und bedrohten Arten leben ganzjährig an der Enz, die für etliche Zugvögel auch wichtige Durchzugstation ist. Dazu gehören u.a. Eisvogel, Flussuferläufer, Gänsesäger, Gebirgsstelze, Teichralle und Wasseramsel. Andere Gäste und Bewohner der Kopfweiden und Ufergehölze sind Bachstelze, Gelbspötter, Grauschnäpper, Nachtigall und Pirol.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Eisenbahnviadukt über die Enz bei Bietigheim-Bissingen

Im Schwarzwald war bis Anfang des 20. Jahrhunderts die Flößerei von Bedeutung. Ebenso wie die benachbarten Flüsse Murg und Nagold wurde die Enz zum Transport von Baumstämmen, vor allem aber von Scheitholz, genutzt. An diese Zeit erinnern noch Schwallungen (Stauteiche, die zur Holztrift abgelassen wurden) wie der Poppel- und der Kaltenbachsee bei Gompelscheuer. Im Schwarzwälder Enztal dominieren heute Holzwirtschaft und Tourismus die Wirtschaft.

Im Muschelkalkgebiet des Flusses hat die Landwirtschaft eine gewisse Bedeutung. In steilen Terrassenlagen der Enztalhänge wird Weinbau betrieben.

Industrie und Dienstleistung sind in Pforzheim konzentriert (Schmuck, Edelmetalle, Uhren, Handel, Verwaltung), finden sich aber auch in kleineren Orten im Einzugsgebiet von Stuttgart (vor allem Bietigheim-Bissingen).

Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. (Frühlatènezeit) wird Bergbau auf Eisenerz im Enztal betrieben, das Besucherbergwerk Grube Frischglück zeigt exemplarisch die einzelnen Stationen.

Wassersport[Bearbeiten]

Die Enz wird in ihrem Oberlauf vor allem von Wildwasserkanuten befahren. Der bekannteste Abschnitt ist die anspruchsvolle Kurparkstrecke in Bad Wildbad. Der Wassersport ist zum Schutz des Ökosystems in einigen Abschnitten des Unterlaufs beschränkt:

  • Enzkreis: Ampelregelung am Wehr Mühlhausen: kein Befahren der Mühlhäuser Schleife bei rotem Lichtzeichen
  • Landkreis Ludwigsburg[10]: Betreten der Ufer sowie Anlanden nur an den gekennzeichneten Ein- und Ausstiegsstellen. Kein Betreten der Kiesinseln und Kiesbänke, kein Lagern, Grillen und Feuer machen im Uferbereich, außer an gekennzeichneten und eingerichteten Plätzen
    1. Mai bis 30. September: Sperrung von Roßwag (Fluss-km 34,12) bis Vaihingen Seemühle (km 29,94)
    gleicher Zeitraum, aber bis Sägmühle Bietigheim-Bissingen (km 13,16): bei Pegel unter 65 cm (Pegel Vaihingen) Befahrung nur mit geschultem Begleiter, bei Pegel unter 45 cm verboten

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b c Topografische Karte 1:25.000
  2. Teilbearbeitungsgebiet 45 Enz unterhalb Nagold bis Mündung Neckar
  3. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Rheingebiet, Teil I 2009. Landesamt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Würtemberg, 2011, S. 121, abgerufen am 26. Januar 2013 (PDF, deutsch, 1,85 MB).
  4. Hochwasserzentrale Baden-Württemberg
  5. Regierungspräsidium Karlsruhe: TBG 45, Tab. A 7.2.1, Karlsruhe 2009
  6. Topographische Karte Baden-Württemberg, 1:50.000.
  7. Friedruch Huttenlocher & Hansjörg Dongus, Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 170 ‚Stuttgart‘, Bad Godesberg 1967 (Reihe „Naturräumliche Gliederung Deutschlands“).
  8. Zuwächse zu den jeweiligen untersten Pegelwerten berechnet für die unterhalb gelegenen Rest-Einzugsgebiete durch Multiplikation mit der Abflussspende des Einzugsgebiets zwischen den Pegeln Unterreichenbach (Nagold), Rotenbach (Eyach), Höfen (Enz), Pforzheim (Würm) und Pforzheim (Enz). Die Pegelwerte sind hier (PDF; 1,1 MB) und hier verfügbar. Differenzen sind gemittelt.
  9. Historischer Atlas von Baden-Württemberg, Karte VI/13.
  10. Verordnung des Landratsamtes Ludwigsburg zur Regelung des Gemeingebrauchs auf der Enz im Landkreis Ludwigsburg, vom 25. April 2006

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Enz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien