Jürgen Grabowski

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche



Jürgen Grabowski
Spielerinformationen
Geburtstag 7. Juli 1944
Geburtsort WiesbadenDeutschland
Größe 171 cm
Position Stürmer, Mittelfeldspieler
Vereine in der Jugend
1952–1960 SV Biebrich 1919
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1960–1965
1965–1980
FV Biebrich 02
Eintracht Frankfurt

441 (109)
Nationalmannschaft
1965
1966–1974
Deutschland Amateure
Deutschland
1 0(0)
44 0(5)
Stationen als Trainer
1977
1983
Eintracht Frankfurt
Eintracht Frankfurt
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.
Autogramm von Jürgen Grabowski aus der Saison 1978/79
Diese Sonderbriefmarke zeigt Jürgen Grabowski mit dem WM-Pokal nach dem Finalsieg bei der Weltmeisterschaft 1974

Jürgen „Grabi“ Grabowski (* 7. Juli 1944 in Wiesbaden) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler, der zwischen 1965 und 1980 für Eintracht Frankfurt in der Bundesliga spielte. Für die Deutsche Fußballnationalmannschaft bestritt der Mittelfeldspieler 44 A-Länderspiele und wurde 1974 Fußball-Weltmeister.

Vereinskarriere[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

Im Alter von acht Jahren trat Grabowski in seinen Heimatverein SV Biebrich 1919 ein. Mit 16 Jahren wechselte er zum Nachbarverein FV Biebrich 1902, da sein vorheriger Verein keine Mannschaft mehr stellen konnte. Mit der Biebricher A-Jugend gelangen ihm erste Erfolge, unter anderem die Vize-Hessenmeisterschaft. Damals konnten Mannschaften wie Darmstadt 98, Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach besiegt werden. Erst im Finale verlor seine Mannschaft gegen Hessen Kassel.

1965 wechselte Grabowski in die Bundesliga zu Eintracht Frankfurt. Mit der Eintracht wurde er 1974 und 1975 Deutscher Pokalsieger und holte 1980 den UEFA-Pokal.

1980 musste Grabowski seine Laufbahn als aktiver Fußballer beenden, da ihn der damals noch junge Lothar Matthäus durch eine Grätsche schwer verletzte. Für die Eintracht bestritt er 441 Bundesligaspiele, in denen er 109 Tore schoss. Ebenfalls kam er zu 45 Einsätzen im DFB-Pokal mit 19 Toren, zu 40 Europapokaleinsätzen mit 9 Toren und zu 6 Einsätzen in der Intertotorunde mit 3 Toren.

In der Saison 1983/84 war er zusammen mit Klaus Mank kurzzeitig Interimstrainer von Eintracht Frankfurt. Auch in der Saison 1977/78 war er für wenige Tage Interimstrainer. Grabowski ist Ehrenspielführer der Eintracht.

Stationen[Bearbeiten]

Nationalmannschaftskarriere[Bearbeiten]

Für die Deutsche Fußballnationalmannschaft bestritt Grabowski insgesamt 44 Länderspiele, erzielte dabei fünf Treffer und nahm an drei Fußball-Weltmeisterschaften und einer Europameisterschaft teil. Nach einem Auftritt in der Amateurnationalmannschaft 1965 absolvierte er mit 21 Jahren sein erstes Länderspiel am 4. Mai 1966 gegen Irland. Bei der Weltmeisterschaft 1966 in England wurde er mit der Nationalmannschaft Vize-Weltmeister, bestritt allerdings kein einziges Spiel (diese WM wurde auch noch ohne jegliche Auswechslungen durchgeführt). Nachdem er 1967 noch einen Einsatz in der Juniorenelf hatte, kehrte er erst 1970 bei den WM Vorbereitungsspielen in den Kader der Nationalmannschaft zurück. Er schaffte seinen endgültigen Durchbruch als Nationalspieler bei der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko, bei der die Deutsche Mannschaft Dritter wurde; hier erwarb er sich den Ruf als "bester Auswechselspieler der Welt". Er wurde in fast jedem Spiel eingewechselt, fand sich in der Regel sehr schnell in das Spiel und konnte ihm so entscheidende Impulse vermitteln. Beim fast verloren geglaubten Viertelfinalspiel gegen England war er wesentlich für den Umschwung auf die Siegerstraße verantwortlich. Beim Jahrhundertspiel gegen Italien spielte er von Beginn an und war einer der Besten. Er schlug die Flanke, die ausgerechnet Schnellinger zu seinem berühmten Ausgleichstor in letzter Sekunde verwerten konnte.

Danach gehörte er zu den Stammspielern des Nationalteams und spielte auch in allen Qualifikationsspielen für die nächste Europameisterschaft, und war schließlich auch Bestandteil jener Mannschaft, die im Viertelfinalhinspiel am 29. April 1972 im Wembleystadion mit überragendem Fußball 3:1 gegen England gewann, und sehr oft als die beste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten bezeichnet wird. Für das Rückspiel fiel er jedoch verletzungsbedingt aus, wodurch er nach seiner Genesung zwar zum 18köpfigen Kader für die Europameisterschaft 1972 in Belgien gehörte. jedoch wieder in die Rolle des Edel-Reservisten zurückfiel. Als solcher konnte er aber im Halbfinale gegen Belgien überzeugen, und auch wenn er dann im Finale nicht zum Einsatz kam, gewann er doch mit der Europameisterschaft 1972 (die damals lediglich ein Mini-Turnier bestehend aus Halbfinale und Finale war) seinen ersten internationalen Titel.

Bei der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland wurde Grabowski Weltmeister. Nachdem er wegen schwacher Leistungen in der Vorrunde vorübergehend in Ungnade gefallen war, wurde er im dramatischen Zwischenrundenspiel gegen Schweden in seiner „Mexiko-Rolle“ als Auswechselspieler zum Matchwinner und erkämpfte sich so seinen Stammplatz zurück. Im Quasi-Halbfinale gegen Polen und beim Finale gehörte er zu den besten deutschen Spielern. Das 2:1 im Finale gegen die Niederlande war auch sein letztes Länderspiel; es fand zudem an seinem 30. Geburtstag statt.

Aufgrund seiner teilweise herausragenden Leistungen im Trikot der Frankfurter Eintracht in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre und in Ermangelung eines Spielmachers, versuchte der damalige Bundestrainer Helmut Schön, Grabowski im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien zu einem Comeback in der Nationalmannschaft zu überreden, was dieser nach einiger Bedenkzeit jedoch ablehnte.

Weitere Aktivitäten[Bearbeiten]

Grabowski war Vorstand der Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau, die unter anderem in Not geratene Sportler unterstützt. Nach dem Karriereende betrieb er eine Versicherungsagentur der Gothaer Versicherung.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sport-Bild vom 18. Mai 1994, S.41

Weblinks[Bearbeiten]