Wembley-Stadion (1923)

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Wembley Stadium
The Twin Towers
Old Wembley
Außenansicht während der EM 1996
Außenansicht während der EM 1996
Daten
Ort EnglandEngland Wembley, London, England
Koordinaten 51° 33′ 20″ N, 0° 16′ 46″ W51.555555555556-0.27944444444444Koordinaten: 51° 33′ 20″ N, 0° 16′ 46″ W
Eigentümer Wembley Company
Baubeginn 1922
Eröffnung 1923
Erstes Spiel 28. April 1923
Bolton WanderersWest Ham United 2:0 (FA-Cup-Finale 1923)
Renovierungen 1963
Abriss 2003
Oberfläche Naturrasen
Kosten 750.000 Pfund
Kapazität 82.000 Plätze
(ursprünglich 127.000 Plätze)
Veranstaltungen

Das ursprüngliche Wembley-Stadion (englisch: Wembley Stadium; offiziell: British Empire Exhibition Stadium, auch kurz The Twin Towers oder Old Wembley genannt) war ein Stadion in Wembley, einem Teil des Londoner Bezirks Brent. Das 1923 eröffnete Bauwerk wurde im Wesentlichen für Fußballspiele auf nationalem und internationalem Niveau genutzt, war jedoch auch Austragungsort der Olympischen Spiele 1948, des Live-Aid-Konzerts sowie zahlreicher weiterer Sport- und Musikveranstaltungen.

Weltweite Bekanntheit erlangte das Stadion durch das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 1966, in dem das legendäre Wembley-Tor fiel. Der brasilianische Weltfußballer Pelé bezeichnete Wembley in Bezug auf dessen Bedeutung für den internationalen Fußball als „Kathedrale“, „Hauptstadt“ und „Herz“ des Fußballs.[1]

Durch die architektonisch markanten Doppeltürme etablierte sich der Spitzname The Twin Towers (dt.: Die Zwillingstürme). Bekannt waren zudem die 39 Stufen, die die Spieler zur Übergabe einer Trophäe in die Royal Box erklimmen mussten. Nachdem das Stadion seit 2000 nicht mehr genutzt wurde, erfolgte 2003 der Abriss. Vier Jahre später öffnete das neue Wembley-Stadion auf gleichem Boden, das dem alten Stadion zum Spitznamen Old Wembley verhalf.

Geschichte[Bearbeiten]

Die charakteristischen Twin Towers (1995)

Anlass zum Bau des Wembley Stadium war die von 1924 bis 1925 stattfindende British Empire Exhibition, daher wurde das Stadion offiziell als British Empire Exhibition Stadium bezeichnet.[2] Die Konzipierung und Umsetzung übernahm Sir Robert McAlpine, ein Bauunternehmen, das nach seinem Begründer Robert McAlpine benannt wurde. Als Bauleiter fungierten die Architekten John William Simpson und Maxwell Ayrton sowie der Chefingenieur Owen Williams. Als Baugrund wurde das Gelände ausgewählt, auf dem sich das unvollendete Projekt des Watkins Tower befand. 1922 begannen die Arbeiten und wurden mit einem Budget von 750.000 Pfund innerhalb von exakt 300 Tagen fertiggestellt.[2] Nur drei Tage nachdem der Bau vollendet wurde fand mit dem FA-Cup-Finale 1923 das erste Fußballspiel im Stadion statt.

Geplant war, das Stadion im Anschluss an die Ausstellung wieder abzureißen, jedoch setze sich James Stevenson, der dem Organisationskomitee der British Empire Exhibition vorsaß, erfolgreich für den Erhalt des Bauwerks ein. Arthur Elvin, der während der Ausstellung selbst einen Stand besaß und Zigaretten verkaufte, erwarb mehrere der nun nicht mehr benötigten Bauwerke der Ausstellung, riss sie ab und verkaufte den anfallenden Schrott mit Gewinn.[3] Schließlich erwirtschaftete er auf diese Weise genug Geld, um James White, dem derzeitigen Eigner, 127.000 Pfund für das Stadion zu bieten.[3] White jedoch verstarb kurze Zeit später, sodass die Wembley Company die Geschäfte übernahm und das vorliegende Angebot von Elvin akzeptierte. Allerdings kaufte die Wembley Company das Stadion im Anschluss sofort zurück und zahlte Elvin in Aktien aus, die ihn zum Vorsitzenden des Stadions machten.

1934 wurde das Stadionumfeld um die Wembley Arena erweitert, die für die British Empire Games 1934 errichtet wurde. 1963 erfolgte die erste umfangreiche Renovierung des Wembley Stadium, bei der eine elektronische Anzeigetafel installiert sowie das Dach um eine Aluminium-Glas-Konstruktion erweitert wurde.

Im Oktober 2000 wurde das Stadion geschlossen und (durch finanzielle und politische Schwierigkeiten verzögert) 2003 abgerissen, wobei insbesondere der Abriss bzw. Nicht-Erhalt der Zwillingstürme für Proteste sorgte.[4][5] Im März 2007 wurde dann auf gleichem Boden das neue und doppelt so große Wembley-Stadion fertiggestellt, das 90.000 Zuschauer fasst und unter anderem Austragungsort der Olympischen Spiele 2012 war.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Fußball[Bearbeiten]

Zuschauer drängen über die Torlinie
Billy, das weiße Pferd

Nur drei Tage nach der Eröffnung des Stadions fand mit dem Finale des FA Cups zwischen den Bolton Wanderers und West Ham United das erste Fußballspiel im neuen Stadion statt. Dieses sollte als White Horse Final in die Geschichte des englischen Fußballs eingehen. Da König George V. den Pokal überreichen sollte, sah sich die englische FA gezwungen, mit viel Werbung für ein volles Stadion zu sorgen. Allerdings kam es in der Folge zu einem Massenauflauf von über 250.000 Zuschauern, die die angegebene Kapazität von 127.000 bei Weitem überschritten. Platzmangel und Zuschauer auf der Spielfläche waren die Folge, sodass unklar war, ob das Spiel überhaupt stattfinden würde. Schließlich waren es Constable George Scorey und sein graues Pferd Billy, die die Zuschauer vom Spielfeld drängten, sodass das Spiel doch mit 45-minütiger Verspätung angepfiffen werden konnte. Zwar waren an dieser Aktion noch weitere berittene Polizisten beteiligt, jedoch blieb Billy aufgrund seiner auffälligen Farbe in Erinnerung.[6]

Bis zur Schließung im Jahre 2000 fanden alle FA-Cup-Finals im Old Wembley statt. Ein Großteil der Finalspiele des FA Amateur Cups, des League Cups sowie der Football League Trophy wurden ebenfalls in Wembley ausgetragen.

Auf internationaler Ebene war Wembley in erster Linie Heimstatt der englischen Fußballnationalmannschaft, die dort über 80 Länderspiele austrug, wobei bis Anfang der 1960er Jahre auch noch Spiele in anderen Londoner Stadien, insbesondere im Arsenal Stadium in Highbury (12 Spiele), ausgetragen wurden. Zudem fanden dort die Finalspiele der WM 1966 und der EM 1996 statt. Im Ersteren fiel zwischen England und Deutschland das legendäre Wembley-Tor, das im Spielverlauf das 3:2 für England darstellte. Der Ball prallte nach einem Schuss von Geoff Hurst auf die Torlinie und überquerte diese nicht; dennoch wurde auf Tor entschieden. Das Spiel endete mit einem 4:2-Sieg der Engländer und deren einzigem Weltmeistertitel. Zudem fanden hier die Finalspiele des Europapokals der Landesmeister der Jahre 1963, 1968, 1971, 1978 und 1992 statt.

Weitere Sportarten[Bearbeiten]

Beginn eines Rugby-Spiels, 1956

Die nach Fußball am häufigsten vertretene Sportart in Wembley war Rugby, so wurden seit 1929 die Finalspiele des Challenge Cups sowie 1992 das Finale der Rugby-League-Weltmeisterschaft ausgetragen. Ebenso fanden, wenn auch in geringerem Umfang, Spiele im American und Gaelic Football statt.

1948 wurden die Leichtathletik-Wettbewerbe sowie die Hockey- und Fußballturniere der Olympischen Spiele im Old Wembley abgehalten.[7] Zwischen 1936 und 1960 fanden zudem alle 15 Finals der Speedway-Einzel-Weltmeisterschaft auf der Rennstrecke des Stadions statt, die auch häufig für Windhundrennen genutzt wurde.

Konzerte[Bearbeiten]

1985 fand in Wembley das Benefizkonzert Live Aid zu Gunsten der afrikanischen Bevölkerung statt. In London und in Philadelphia spielten insgesamt 16 Stunden lang zahlreiche internationale Topstars, sodass eine Spendensumme von umgerechnet über 100 Millionen Euro erreicht wurde. In London spielten dabei unter anderem Queen, Bon Jovi, The Who, die Dire Straits und U2. 1988 veranstaltete man zudem anlässlich seines 70. Geburtstages ein Benefizkonzert für Nelson Mandela.

Michael Jackson ist mit 15 Konzerten der Künstler, der die höchste Anzahl an Konzerten in Wembley spielte; dabei verkaufte er insgesamt über eine Million Eintrittskarten. Während seiner ersten Solotournee Bad World Tour spielte er in sieben Konzerten vor zusammengenommen 504.000 Zuschauern und sicherte sich damit einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde.

Die folgenden Künstler und Bands (Auswahl) traten neben den bereits erwähnten in Solokonzerten auf: Genesis, Tina Turner, Madonna, Pink Floyd, Johnny Cash, Elton John, die Rolling Stones, Fleetwood Mac, Celine Dion, Oasis, die Bee Gees, Guns N’ Roses, die Eagles und die Simple Minds.[8]

1992 fand im Wembley Stadion das Freddie Mercury Tribute Concert statt.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Pete Tomsett, Chris Brand: Wembley: Stadium of Legends. Dewi Lewis Media Ltd, 2007, ISBN 978-0954684396. (Englisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wembley Stadium (1922-2003) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. dailymail.co.uk: „Wembley is a tower of strength at last“ (englisch, 16. Juni 2011, abgerufen am 23. Mai 2013)
  2. a b Informationen auf stadiumguide.com (abgerufen am 24. Mai 2013)
  3. a b guardian.co.uk: „The height of ambition“ (englisch, 14. März 2006, abgerufen am 24. Mai 2013)
  4. guardian.co.uk: „Foster topples the Wembley towers“ (englisch, 13. Juni 1999, abgerufen am 24. Mai 2013)
  5. telegraph.co.uk: „The road to Wembley“ (englisch, 25. September 2002, abgerufen am 24. Mai 2013)
  6. 11freunde: „Das White Horse Final“ (8. September 2011, abgerufen am 25. Mai 2013)
  7. offizieller Bericht zu den Olympischen Sommerspielen 1948 (PDF-Format, abgerufen am 26. Mai 2013; 32,4 MB)
  8. setlist.fm: Konzerte im Wembley Stadium (englisch)