Lindenstraße

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Lindenstraße (Begriffsklärung) aufgeführt.
Seriendaten
Originaltitel Lindenstraße
Lindenstrasse.png
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Jahr(e) seit 1985
Produktions-
unternehmen
Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion und Westdeutscher Rundfunk Köln
Länge 30 Minuten
Episoden
  • 1491+
    Stand am 27. Juli 2014
  • 1 Special (1995)
  • 4 Sonderfolgen
    (2006, 2009, 2010, 2012)
Genre Weekly-Soap
Produktion Hans W. Geißendörfer
Idee Hans W. Geißendörfer
Musik Jürgen Knieper
Erstausstrahlung 8. Dezember 1985 auf Das Erste
Besetzung

siehe Darstellerliste

Episodenliste

Die Lindenstraße ist eine Fernsehserie des WDR und gilt als erste deutsche Seifenoper. Trotz rückläufiger Quoten wurde laut Das Erste bis 2016 verlängert.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die erste Folge wurde am 8. Dezember 1985 um 18:40 Uhr ausgestrahlt. Seither läuft die Lindenstraße wöchentlich. Die 1000. Folge lief am 30. Januar 2005. Regulärer Sendeplatz der Episoden-Erstausstrahlung ist seit dem 13. März 2005 sonntags um 18:50 Uhr im Ersten Deutschen Fernsehen. Ursprünglich sollte die Serie donnerstags im Hauptabendprogramm ausgestrahlt werden, deshalb spielen die Handlungen in der Regel auch immer an einem Donnerstag. Ausnahmen sind die sogenannten „Feiertagsfolgen“, die an Ostern oder Weihnachten, aber auch an Wahltagen spielen.

Der Erfinder der Lindenstraße ist Hans W. Geißendörfer, dessen Firma „Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion GmbH (GFF)“ die Serie bis heute produziert. Nach eigener Aussage gab es zwei Inspirationen für die Serie; zunächst Geißendörfers eigene Kindheit in einem Mehrfamilienhaus in Neustadt an der Aisch; die zweite Inspiration ist die britische Fernsehserie Coronation Street, die in Großbritannien bereits seit 1960 produziert und gesendet wird. Den Titel Lindenstraße steuerte der verantwortliche Fernsehspielchef des WDR Gunther Witte bei.[1]

Bei den ersten 31 Folgen der Lindenstraße führte Geißendörfer auch Regie. Mittlerweile wechselt diese nach etwa zehn Folgen, aktuell zwischen den Regisseuren Herwig Fischer, Wolfgang Frank, Kerstin Krause, Dominikus Probst und seit Ende 2007 Iain Dilthey.

Der Regisseur Wolfgang Frank starb überraschend am 4. Oktober 2012.[2] Seine Folgen wurden vorerst von Kerstin Krause übernommen.

Die langjährigen Autoren der Serie sind Michael Meisheit, der seit 1997 Drehbuchautor für die Lindenstraße (seit Folge 651 Rückkehrer) ist, und Irene Fischer, die neben ihrer Rolle als Anna Ziegler seit 1999 Drehbücher für die Serie schreibt (erste Fischer-Folge 763 Die Wandlung). Ehemalige Autoren der Lindenstraße sind unter anderem die Schriftstellerinnen Martina Borger und Maria Elisabeth Straub, die von 1985 bis 1997 gemeinsam 250 Drehbücher für die Serie verfasst haben.

Handlung[Bearbeiten]

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Örtlicher Handlungsrahmen[Bearbeiten]

In der Lindenstraße wohnen Familien mit Kindern – besonders serienprägend sind nach wie vor die Familien Beimer-Schiller, Beimer-Ziegler und Zenker – sowie auch Paare ohne Kinder und Wohngemeinschaften. Auch existieren dort die Arztpraxis von Dr. Iris Brooks, die ehemals unter anderem von Dr. Ernesto Stadler, Dr. Carsten Flöter und dessen Stiefvater Dr. Ludwig Dressler betrieben wurde, sowie das griechische Restaurant „Akropolis“ und ein Supermarkt.

In der angrenzenden Kastanienstraße gibt es einen Bioladen, das „Café Bayer“ und das Reisebüro „Träwel und Iwends“ sowie eine Autowerkstatt. In dieser Straße wohnen auch einige Hauptfiguren der Serie.

In der entgegengesetzt angrenzenden Ulrike-Böss-Straße befinden sich ein Kinocenter („Astor“), das „Café George“ und ein Friseursalon.

Inhaltlicher Handlungsrahmen[Bearbeiten]

Das Leben der Straßenbewohner wird recht realitätsnah dargestellt. Vielfältige, meist problemhaltige Facetten realen menschlichen Lebens werden in teils mehrere Jahre übergreifenden Handlungssträngen aufgegriffen. Sich allmählich entwickelnde Ehekrisen in bis dahin scheinbar heilen Familien (wie zum Beispiel in früheren Jahren bei Ehepaar Schildknecht, später bei Ehepaar Beimer und Ehepaar Sperling) zählen ebenso dazu wie Pubertätsprobleme bei den zahlreichen jugendlichen Charakteren (zum Beispiel in Gestalt von Liebeskummer, verfrühter Schwangerschaft, Essstörungen, Drogenabhängigkeit) aber auch politischem oder religiösen Extremismus. So gehörte zum Beispiel die Hauptfigur Klaus Beimer zu Jugendzeiten der Neonazi-Szene an. Es gab Coming-out-Prozesse (wie beim schwulen Carsten Flöter im ersten Jahr der Serie, später dann auch bei der lesbischen Tanja Schildknecht und anderen), langwierige Versuche zur Erfüllung von Kinderwünschen (zum Beispiel bei Valerie Zenker und Ines Kling wegen Zeugungsunfähigkeit ihres jeweiligen Partners, bei Berta Griese wegen Unfruchtbarkeit, bei den gleichgeschlechtlichen Paaren wegen rechtlicher Hürden), komplizierte Krankheitsverläufe (zum Beispiel AIDS bei Benno Zimmermann Ende der 1980er Jahre, Alzheimer bei Hubert Koch in den 1990ern, Herzkrankheit bei Erich Schiller im Jahr 2009), Wechseljahres- und andere Alterskrisen, aber auch Berufliches (Existenzgründungen mit Restaurants und Läden) und basisdemokratisches Engagement (Parteigründungen, Bürgerbegehren).

Bezug zu gesellschaftlichen Entwicklungen[Bearbeiten]

Realgesellschaftliche und auch realpolitische Entwicklungen und Diskurse werden aufgegriffen und widergespiegelt. Unter anderem kann die Emanzipation der Frau innerhalb der Ehe angeführt werden, beispielsweise dargestellt durch die Figur Elfie Kronmayr bereits in den ersten Folgen.

Zum Ausdruck kommt bereits seit den frühen Serienjahren die zunehmende gesellschaftliche und rechtliche Emanzipation Homosexueller, dargestellt durch das Coming-Out von Carsten Flöter im Jahr 1986 sowie durch immer wieder neue Lesben- und Schwulenbeziehungen, wobei Carsten Flöter und Theo Klages sogar eine Hochzeit feierten. Deutlich wurde immer wieder auch, inwieweit Homosexuelle nach wie vor mit sozialen und formalen Hemmnissen zu kämpfen haben, etwa bei den Bemühungen um eine Kindsadoption: Carsten Flöter und sein Partner Käthe Eschweiler adoptierten nach Auseinandersetzungen mit Behörden schließlich den jungen Felix, der mit dem HI-Virus infiziert war.

Die Umweltbewegung wurde in den 1980er Jahren durch die Figur Benny Beimer umfangreich verkörpert, welcher auf Grund seiner Aktionen sogar kurz vor dem Abitur des Gymnasiums verwiesen wurde. In den frühen 1990er Jahren wurde mit der Figur Hubert Koch gezeigt, dass auch ältere Menschen engagiert für Umweltschutz kämpfen und hierbei vor Konflikten mit Behörden nicht zurückschrecken. Allerdings wurde realistischerweise auch vorübergehendes Scheitern solchen Engagements und der damit verbundene Frust aufgezeigt: Philipp Sperling erfuhr 1995 eine herbe Ernüchterung bei seinen Versuchen zur Eindämmung des Autoverkehrs. Dies hielt allerdings das Ehepaar Beimer-Ziegler nicht davon ab, ein Jahr später ein Bürgerbegehren für eine verkehrsberuhigte Zone zu initiieren, nachdem Sohn Tom bei einem Autounfall beinahe ums Leben gekommen wäre.

Der gesellschaftliche Trend zu Vegetarismus und Veganismus war ebenfalls Thema: Marion Beimer präsentierte beim Festessen zu Weihnachten 1994 eine lebendige Gans, deren Schlachtung sie nicht übers Herz gebracht hatte. Julia von der Marwitz und Klaus Beimer, später auch Felix Flöter engagierten sich in diesem Zusammenhang als Tierrechtler und ernährten sich vegan, und auch die Ärztin Eva Sperling lebte, ebenso wie zeitweise Helga Beimer und Tanja Schildknecht, strikt vegetarisch.

Kontinuierlich thematisierte die Serie das zeitweise Aufleben von Rechtsextremismus: Neben den Neonazi-Aktivitäten von Klaus Beimer und Olli Klatt in deren Jugend kam es vor, dass das griechische Restaurant Akropolis aus fremdenfeindlichen Motiven heraus überfallen wurde und dass der Altnazi Franz Wittich eine Gruppierung Gleichgesinnter um sich scharte. Doch nicht nur Rechtsextremismus, auch militanter Islamismus wurde zum Thema, verkörpert im Jahr 2009 durch den konvertierten Timo Zenker.

Zu Zeiten der allgemeinen Wehrpflicht beschäftigte sich das Drehbuch auch mit der Umgehung des Wehrdienstes seitens junger Männer: Benny Beimer litt während seines Zivildienstes an Überbelastung, „Zorro“ Pichelsteiner kam gar wegen Totalverweigerung ins Gefängnis, Klaus Beimer gelang nach hartnäckigem Kampf die Ausmusterung. Auslandseinsätze der Bundeswehr wurden insofern problematisiert, als Enzo Buchstab als Soldat in Afghanistan ein Kriegstrauma erlitt.

Wachsenden Leistungsdruck in der Gesellschaft versuchte die Serie ebenfalls facettenreich widerzuspiegeln: Gabi Zenker litt 2010 an Schikanen ihrer profitorientierten Chefin, welche sie schließlich von einem Privatdetektiv beschatten ließ, um Vorwände für eine Kündigung zu finden. Wachsende Zukunftsängste junger Menschen bezüglich ihrer Berufschancen drückten sich ebenfalls in Handlungssträngen aus: Lea Starck kämpfte verzweifelt um ihre Zulassung fürs Gymnasium. Tom Ziegler verliert das Stipendium für ein Sportgymnasium, nachdem bei einem Dopingtest sein Cannabiskonsum offenkundig wird.

Geldprobleme wegen Arbeitslosigkeit kamen ebenfalls in den Drehbüchern vor: Mehrere Figuren suchten lange Zeit vergeblich nach Jobs, unter anderem Hans Beimer im Jahr 1994, dessen Frau sich sogar auf sexuelle Handlungen mit seinem ehemaligen Chef einließ, um die alte Arbeitsstelle zurückzuerlangen. Der Vater von Maria Stadler beging 2010 infolge des Konkurses seines Unternehmens Selbstmord. Jimi Stadler, der in diesem Unternehmen beschäftigt war, machte auf Grund seiner Arbeitslosigkeit eine schwere Identitätskrise durch, die Familie durchlitt eine schwere finanzielle Krise. Dass selbst Menschen, die einen festen Job haben, teils in wirtschaftliche Not mit hohen Schulden geraten, wurde anhand der Arzthelferin und Geringverdienerin Andrea Neumann dargestellt, die in die Fänge dubioser Kreditgeber geriet, welche sie schließlich bedrohten und immer weiter ausnutzten.

Weiterhin werden diverse soziale Entwicklungen dargestellt, die mit dem Internet zusammenhängen, darunter auch Stalking-Probleme: Die jugendliche Irina Winicki geriet online in Bedrängnis durch einen Triebtäter. Lea Starck mailte Ende 2011 einem Unbekannten Nacktfotos von sich, welche im Januar 2012 auf dem USB-Stick eines Mitarbeiters der christlich-konservativen Partei, deren Pressesprecher Klaus Beimer ist, gemeinsam mit zahlreichen anderen Nacktfotos junger Mädchen auftauchten.

In Anspielung auf Scientology treibt die Sekte Society seit 2011 in der Lindenstraße ihr Unwesen und versucht insbesondere auch Kinder an sich zu binden. Die Familien Beimer und Zenker haben über das Internet nach ihrer Enkeltochter gesucht, die von dieser Sekte entführt wurde. Ähnlich wie in der Realität Scientology, wird in der Serie auch Society vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet.

Bereits 1995 wurden gesellschaftliche Tendenzen zur Akzeptanz aktiver Sterbehilfe aufgegriffen: Enrico Pavarotti wurde durch Zutun seiner Angehörigen aus seinem klinischen Todeszustand erlöst. Im Jahr 1996 wurde weitgehend wertneutral über mehrere Wochen hinweg geschildert, wie sich Amélie von der Marwitz mit ihrem unheilbar erkrankten Lebensgefährten für den gemeinsamen Freitod entschied, um einem längeren, qualvolleren Tod bzw. einem einsamen Lebensende als Witwe zu entgehen.

2011 wurde auch das umstrittene Verbot der Leihmutterschaft thematisiert: Jaqueline „Jack“ Aichinger trug das Kind von Vasily und Sandra Sarikakis aus, weil Letztere nach ihrer Drogenvergangenheit keine Kinder mehr bekommen kann.

Verstärkt thematisiert wurden ab 2011, verkörpert anhand der Figur des jungen Türken Orkan, Integrationsprobleme jugendlicher Migranten. Orkan sah sich bei seiner Suche nach einem Ausbildungsplatz durch seine Herkunft diskriminiert.

Tagesaktuelle Bezüge[Bearbeiten]

Die Produzenten der Lindenstraße drehen immer wieder auch kurz vor dem Ausstrahlungstermin Szenen mit aktuellem Inhalt nach, um einen gewissen zeitnahen Bezug zu erhalten. Dialoge zu fast tagesaktuellen Ereignissen wie Flugzeugabstürzen und Erdbeben oder politischen Geschehnissen wie Bundestagsbeschlüssen oder Revolutionen im Ausland sind in den meisten Folgen zu finden. Im Hintergrund sind oft Auszüge aus entsprechend aktuellen Radioberichten zu hören. So wurden zum Beispiel bei der Bundestagswahl 1998 vier Versionen über den Ausgang vorbereitet. Bei der Bundestagswahl 2005 wurde Bezug auf den Tod einer Direktkandidatin und die damit verbundene Nachwahl in Dresden genommen. In der Folge am Sonntag der Bundestagswahl 2009 ist die erste Hochrechnung von 18:14 Uhr zu sehen und mit aktuellen Kommentaren und Bewertungen durch die Mitglieder der Wohngemeinschaft unterlegt. Die Folge wurde in den vorangehenden Tagesthemen extra dahingehend angekündigt, dass die folgende Lindenstraße erst kurz vor Ausstrahlung fertiggestellt wurde.

Die zeitnahe Einarbeitung bestimmter Ereignisse hat aber auch bei der Lindenstraße Grenzen. So wurden die Terroranschläge in den USA am 11. September 2001, einem Dienstag, nicht in die darauf folgende Sonntagsfolge thematisch eingearbeitet.

Beginn und Ende jeder Folge[Bearbeiten]

Jede Folge wird mit der Titelmelodie eingeleitet, die zunächst durch ein Bild, das die Stadt München aus der Vogelperspektive zeigt, direkt danach durch einen Kameraschwenk in die Lindenstraße und schließlich durch Einblendung des jeweiligen Folgentitels. Der Titel der Folge wird seit Folge 417 (Erstausstrahlung: 28. November 1993) im Allgemeinen noch in zwei anderen Sprachen wiederholt, wobei meistens eine davon auch in lateinischen Buchstaben, die andere in einer anderen Schrift geschrieben wird.

Die gleiche Melodie taucht am Ende der meisten Folgen auf, verbunden mit einem sogenannten Cliffhanger: Nach einer inhaltsschweren Handlung - meist einer Äußerung einer Figur - erfolgt ein kurzer Zoom zur Nahaufnahme der Figur oder ihres entsetzt schauenden Szenenpartners und die Abspannmusik beginnt. Damit soll die Neugier auf die nächste Folge geweckt werden. Dieser Cliffhanger wird jedoch in der nächsten Folge selten unmittelbar aufgegriffen, da sie eine Woche später spielt, sondern es ergibt sich erst im Laufe der Folge, wie sich eine bestimmte Situation aufgelöst hat. Es wird zudem während des musikalischen Abspanns jeweils ein Geräusch, ein Satz aus dem Drehbuch oder ein Musikstück kurz eingespielt, das aus der jeweiligen Folge entnommen ist und einen der Handlungsstränge widerspiegelt.

Nur sehr wenige Folgen enden ohne Cliffhanger, meist im Zusammenhang mit dem Filmtod einer Lindenstraßen-Figur. Traditionell ebenfalls ohne Cliffhanger, wohl aber mit musikalischem Abspann kommt die Silvesterausgabe der Lindenstraße aus, weil sich zum Jahreswechsel alle Bewohner auf der Straße treffen und Walzer tanzen. Wenn ein Mitglied des Lindenstraßen-Ensembles gestorben ist, endet die nächste Folge anstelle mit dem üblichen musikalischem Abspann damit, dass des verstorbenen Ensemblemitgliedes mit einem Foto und den Lebensdaten gedacht wird. Dieses war zuletzt beim Tod von Annemarie Wendl im Jahr 2006 der Fall.

Kulissen[Bearbeiten]

Lindenstraße 7 („Villa Dressler“)
Kulisse des Wohnzimmers der Familie Beimer

Die Handlung spielt in München, gedreht wird in Köln-Bocklemünd. Auf dem dortigen WDR-Studiogelände (50° 58′ 22″ N, 6° 51′ 14″ O50.9727777777786.8538888888889Koordinaten: 50° 58′ 22″ N, 6° 51′ 14″ O) wurde nahezu die gesamte Außenkulisse als Fassadenattrappe auf 150 Meter aufgebaut; im Bereich des Hinterhofs von Haus Nr. 3 fanden außerdem der in der Serie oft gezeigte kleine Park mit Kinderspielplatz sowie der Friedhof für die verstorbenen Straßenbewohner Platz (wobei letzterer mittlerweile zu klein wurde; inzwischen werden Friedhofsszenen auch auf einem echten Friedhof gedreht).

Der Großteil der Kulissen sind nachgebildete Stadthäuserfassaden ohne jedes Innenleben. Die Cafés „Bayer“ und „George“, der Bioladen "1 A Bio", das Reisebüro „Träwel und Iwends“ und der Friseursalon wurden wegen großer Fensterflächen und leichter Einsehbarkeit bespielbar ausgestattet. Die übrigen Innendrehs erfolgen in zwei geschlossenen Studios, wo sämtliche Wohnungseinrichtungen einschließlich des Treppenhauses mittels verschiebbarer Wände nachgestellt wurden. So gelangt man etwa von Beimer/Schillers Küche aus direkt ins Badezimmer von Zenkers, das Treppenhaus aus Haus Nr. 3 versteckt sich hinter dem Vorhang der Bühne des griechischen Restaurants „Akropolis“. Auch sind die einzelnen Wohnungen nicht bauplanmäßig konzipiert. Tragende Wände scheint es nicht zu geben. Oft zeigen Fenster direkt auf „Nachbargebäude“.

Die Außenkulisse der Häuserzeile „Café Bayer“ war in den ersten Jahren der Serie nicht vorhanden. Da das Drehgelände an der Bundesautobahn 1 liegt und der Geräuschpegel bei Außendrehs sehr hoch war, entschloss man sich, eine Lärmschutzmauer zu errichten und entwarf gleich die Kastanienstraße dazu. Relikt dieser Zeit ist auch der zeitweise rege Verkehr im Teil der Kastanienstraße vor dem Reisebüro, obwohl die Straße dort nach wenigen Metern an einem großen Tor endet.

Besonderheiten[Bearbeiten]

  • Die Lindenstraße ist die erste deutsche Fernsehserie, in der ein gleichgeschlechtlicher Kuss zu sehen war (1987). Nach Ausstrahlung einer weiteren Folge mit einer Kuss-Szene 1990 erhielten die beiden Schauspieler Martin Armknecht und Georg Uecker mehrere anonyme Morddrohungen. Dieser zweite Kuss zwischen Homosexuellen führte dazu, dass der BR die Wiederholung dieser Folge nicht sendete, was ihm den Vorwurf der Zensur einbrachte.[3]
  • In der Folge 471 (1994) treten die Tatort-Kommissare Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) mit einer UNICEF-Spendendose in der Lindenstraße auf. Anlass war die 300. Folge des Tatorts. Zitat Amélie von der Marwitz: „Aber Sie gehören doch gar nicht in diese Straße. Sie sind doch die Kommissare Leitmayr und Batic.“
  • Anna Nowak, die in der Serie die Urszula Winicki verkörperte, zierte 1998 das Titelbild des deutschen Playboys. 2006 wurde auch Jacqueline Svilarov (Nina Zöllig) für dieses Magazin abgelichtet.
  • Irene Fischer (Anna Ziegler) ist mit dem Regisseur Dominikus Probst verheiratet.
  • Nach der Kampagne „Wählt Gung!“, in der die Figur Gung auf Plakaten als Kanzlerkandidat angepriesen wird, mussten bei der kurz darauffolgenden Bundestagswahl einige Stimmzettel als ungültig aussortiert werden, weil auf ihnen „Gung“ hinzugeschrieben und angekreuzt wurde.[4]
  • Til Schweiger verließ nach seinem erfolgreichen Kinodebüt Manta, Manta die Lindenstraße. Obgleich die von Schweiger verkörperte Figur Jo Zenker bereits 1992 aus der Serie verschwand, wird die Figur in Dialogen immer wieder erwähnt. Dabei sprechen die Figuren davon, dass „Jo in Hollywood“ sei. Das ist eine von den Drehbuchautoren eingefügte Anspielung auf Schweigers Filmkarriere nach seinem Ausstieg aus der Lindenstraße. Schweigers spätere Ehefrau Dana Carlson spielte in den Folgen 489 und 490 die Rolle der Pat Wolfson.
  • Die Schauspieler Julia Stark und Johannes Scheit spielen ihre Rollen Sarah Ziegler und Tom Ziegler, seit sie Babys waren. Scheit hatte seinen ersten Auftritt in der Serie, als er sieben Monate alt war und Stark wurde im Casting für die Serie ausgewählt, als sie ein Jahr alt war. Moritz A. Sachs spielt die Rolle des Klaus Beimer, seit er sieben Jahre alt ist. Er wuchs quasi mit der Lindenstraße auf. Auch Sontje Peplow (Lisa Dağdelen) und Rebecca Siemoneit-Barum (Iffi Beimer) spielen ihre Rollen seit ihrer Kindheit. Die Schauspieler Hermes Hodolides (Vasily Sarikakis) und Sybille Waury (Tanja Schildknecht) haben ihre Rollen schon mehr als ihr halbes Leben inne.
  • Irene Fischer und Joachim Hermann Luger, die in ihren Rollen als Eltern ein Kind mit Down-Syndrom (Trisomie 21) haben, engagieren sich mittlerweile für Menschen mit dieser Behinderung. Das Kind wird seit seinem fünften Lebensmonat von Jan Dominik Grünig verkörpert, der mit Trisomie 21 zur Welt kam. Fischer und Luger nahmen an einer Posterkampagne des DS-Infocenters teil; Luger war Pate des zweiten Down-Sportlerfestivals, das am 8. Mai 2004 in Frankfurt am Main stattgefunden hat. Für den Umgang mit dem Thema „Behinderung“ erhielt die Lindenstraße im Jahr 2001 den Lebenshilfe-Medienpreis „Bobby“.
  • Die von Harry Rowohlt verkörperte Rolle des Hartmut Rennep hat einen versteckten Gag: Liest man seinen Nachnamen Rennep rückwärts, kommt Penner heraus – die Figur ist ein Obdachloser, umgangssprachlich „Penner“.
  • Der Regisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief übte von 1986 bis 1987 die Funktion des Aufnahmeleiters aus.
  • Als einzige der derzeit aktiven Schauspieler schreibt Irene Fischer auch Drehbücher für die Lindenstraße.
  • Die Serie ist nach der real existierenden Lindenstraße in Ummendorf (bei Biberach) in Oberschwaben benannt. Drehbuchautorin Barbara Piazza hat gemeinsam mit Hans W. Geißendörfer das Serien- und Figurenkonzept zur Lindenstraße geschrieben und wohnte selbst mehrere Jahre in der Lindenstraße.[5]
  • Wenn ein Lindenstraßen-Bewohner im Internet eine Homepage einrichtet, dann existiert diese Homepage stets auch in der Realität. Die von Hajo Scholz und Andy Zenker ins Leben gerufene Seite zum „Stromwechsel“ ist auch nach Jahren noch erreichbar, ebenso das Weblog von Andy und Gabi Zenker, eingerichtet anlässlich eines längeren Italien-Aufenthalts.
  • Im Film Entführung aus der Lindenstraße aus dem Jahr 1995 wirken viele der Lindenstraßen-Schauspieler mit. Die Rollen wurden jedoch bis auf Helga Beimer auf andere Persönlichkeiten übertragen. Eine Hauptrolle spielt Herbert Feuerstein als Detlef Hase.
  • Die Stimme, die Else Kling kurz vor ihrem Tod in Folge 1069 vernahm, gehörte dem Serienerfinder Hans W. Geißendörfer. Die Rolle wurde also im wahrsten Sinne des Wortes von ihrem Schöpfer zu sich gerufen.
  • Im Zuge der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 wurde am 27. Juni 2010 die Folge 1282 nicht an dem vorgesehenen Sendeplatz ausgestrahlt. Die Erstausstrahlung dieser Folge erfolgte am selben Tag kurz vor Mitternacht auf dem Sender Einsfestival. Das Erste sendete die Folge am darauffolgenden Montag um 5:00 Uhr. Nach Kritik seitens der Zuschauer wurde die Folge 1282 am 4. Juli 2010 um 18:20 Uhr vor der darauffolgenden Folge wiederholt.[6][7]
  • Am 8. Dezember 2010 feierte die Serie ihr 25-jähriges Bestehen. In der darauf folgenden Jubiläums-Ausgabe Nr. 1306, die am 12. Dezember 2010 ausgestrahlt wurde, trat Geißendörfer erstmals persönlich vor der Kamera auf, um als Hochzeitsredner die Figuren Iffi und Klaus zu trauen. Diese Folge dauerte zudem zehn Minuten länger als gewöhnlich.
  • Wegen der im Ersten übertragenen Olympischen Spiele 2012 in London wurden am 29. Juli und am 12. August keine Lindenstraße-Folgen gesendet, zwischen den Folgen 1390, 1391 und 1392 lagen jeweils zwei Wochen. Dies war das erste Mal seit dem Beginn der Serie im Dezember 1985, dass Sendetermine ersatzlos ausfielen. Eine Verschiebung war laut Angaben der ARD nicht möglich. Für das Jahr 2013 ergaben sich weitere Folgenausfälle am 4. August und am 29. Dezember. Aufgrund der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi wurden die Sendungen vom 16. und 23. Februar erst gegen Mitternacht ausgestrahlt.

Darsteller und Figuren[Bearbeiten]

Episodenguide[Bearbeiten]

Hauptartikel: Lindenstraße/Episodenliste

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1989 Bambi für die „realistische Darstellung des deutschen Alltagslebens“.
  • 1998 Goldene Kamera in der Rubrik „erfolgreichste Serie im deutschen Fernsehen“.
  • 2001 Grimme-Preis in Gold, in der Rubrik „Spezial“, an Hans W. Geißendörfer als Produzent der Serie.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Judy Bister und Sandra Müller, Joachim Christian Huth (Hrsg.): Das Lindenstraßen-Universum. Alle Geschichten. 1. Auflage. vgs, Köln 1998, ISBN 3-8025-2613-9.
  •  Judy Bister und Sandra Müller, Joachim Christian Huth (Hrsg.): Das Lindenstraßen-Universum. Daten, Fakten, Hintergründe. 1. Auflage. vgs, Köln 1998, ISBN 3-8025-2614-7.
  •  Hans W. Geißendörfer und Wolfram Lotze (Hrsg.): Lindenstraße – 1000 Folgen in Wort und Bild. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-89602-609-7.
  • Florian Kann: Der Fall Lindenstraße. Juristisches Gutachten über die Machenschaften der Familien Beimer, Kling, Sperling, von der Marwitz und anderen. Vito von Eichborn Verlag, Frankfurt am Main, 1. Auflage, 1997, ISBN 3-8218-34560.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lindenstraße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans W. Geißendörfer auf Lindenstrasse.de, abgerufen am 26. November 2012
  2. sueddeutsche.de - Traueranzeigen
  3. Christian Deutschländer: Indendantenwahl: Machtwechsel beim BR. MERKUR ONLINE, 15. April 2010, abgerufen am 4. Juli 2010: „Aus dem ARD-Programm blendete sich der BR in den 70ern und 80ern minutenweise aus, wenn es zu heikel wurde: bei einer Kabarett-Sendung etwa oder bei einem Schwulen-Kuss in der „Lindenstraße“.“
  4. Holger Kreitling: Konfuzius und die Wahl. WELT ONLINE, 22. September 1998, abgerufen am 4. Juli 2010.
  5. www.tagblatt.de: "Lindenstraße"-Autorin Barbara Piazza legt ihren ersten großen Roman vor. 7. April 2010, abgerufen am 30. Januar 2011.
  6. www.lindenstraße.de: Pressetext der ARD und weitere Informationen. Westdeutscher Rundfunk Köln, abgerufen am 12. Dezember 2010: „Das Erste sendet um 18:20 Uhr und um 18:50 Uhr die Folgen 1282 und 1283 der wöchentlichen Serie, um sicherzustellen, dass keinem Fan auch nur eine Minute aus Deutschlands erster Dauerserie entgehen kann.“
  7. Nach Kritik: ARD wiederholt verschobene „Lindenstraßen“-Folge. TVmatrix Network, abgerufen am 4. Juli 2010.