Mücheln (Geiseltal)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Mücheln
Mücheln (Geiseltal)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Mücheln hervorgehoben
51.311.8164Koordinaten: 51° 18′ N, 11° 48′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Saalekreis
Höhe: 164 m ü. NHN
Fläche: 98,6 km²
Einwohner: 9172 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 93 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 06249,
06255 (Wünsch),
06268 (Langeneichstädt, Oechlitz),
06632 (Branderoda, Gröst)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 034632 (Branderoda, Oechlitz), 034633 (Gröst), 034636 (Langeneichstädt, Wünsch)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: SK, MER, MQ, QFT
Gemeindeschlüssel: 15 0 88 235
Stadtgliederung: 12 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
06249 Mücheln (Geiseltal)
Webpräsenz: www.muecheln.de
Bürgermeister: Andreas Marggraf (parteilos)
Lage der Stadt Mücheln im Saalekreis
Sachsen Thüringen Burgenlandkreis Halle (Saale) Landkreis Anhalt-Bitterfeld Landkreis Mansfeld-Südharz Salzlandkreis Bad Dürrenberg Bad Lauchstädt Barnstädt Braunsbedra Farnstädt Kabelsketal Landsberg (Saalekreis) Leuna Wettin-Löbejün Merseburg Mücheln (Geiseltal) Nemsdorf-Göhrendorf Obhausen Petersberg (Saalekreis) Querfurt Salzatal Schkopau Schraplau Steigra TeutschenthalKarte
Über dieses Bild
Rathausplatz
Geiselquelle

Mücheln (Geiseltal) ist eine Stadt südwestlich des Geiseltalsees im Saalekreis in Sachsen-Anhalt, Deutschland.

Geografie[Bearbeiten]

Mücheln liegt südwestlich von Halle (Saale) auf halber Strecke zwischen Querfurt und Merseburg.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Als Ortschaften der Stadt sind ausgewiesen:

Ortschaft Fläche in km² Einwohner Ortsteile
Branderoda Gröst Oechlitz Wünsch Mücheln (Geiseltal) Langeneichstädt SaalekreisDistricts of Mücheln.svg
Über dieses Bild
Die Ortschaften von Mücheln
(anklickbare Karte)
Branderoda 5,94 208 Branderoda
Gröst 12,45 655 Almsdorf und Gröst
Langeneichstädt 21,88 1.523 Langeneichstädt
Mücheln 33,52 5.879 Mücheln, Neu-Biendorf, Sankt Micheln, Sankt Ulrich und Stöbnitz
Oechlitz 11,96 533 Oechlitz und Schmirma
Wünsch 12,85 689 Oberwünsch und Niederwünsch

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind Bad Lauchstädt im Norden, Braunsbedra im Osten, Gleina, Freyburg, Goseck und Weißenfels (alle 4 BLK) im Süden und Steigra sowie Nemsdorf-Göhrendorf im Westen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Zuge der kommunalen Neuordnung Sachsen-Anhalts wurden am 1. Januar 2006 die Gemeinden Branderoda, Gröst, Langeneichstädt und Wünsch nach Mücheln eingemeindet.[2] Am 1. Januar 2010 folgte die Eingemeindung von Oechlitz,[3] die Verwaltungsgemeinschaft Oberes Geiseltal wurde aufgelöst.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf dem Kohlberg bei Mücheln wurden durch die Friedrich-Schiller-Universität Jena archäologisch im Luftbild und in der Geophysik erkannte Gräben und ca. zehn Siedlungsgruben untersucht. Die dabei geborgene Keramik (doppelkonische Vorratsgefäße und bauchige Henkeltassen) deuten auf eine Datierung in die Bernburger Kultur des Spätneolithikum hin. Andere Funde stammen aus der Spätbronzezeit und sprechen für eine zweite Besiedlung in dieser Zeit.

In einem zwischen 881 und 899 entstandenen Verzeichnis des Zehnten des Klosters Hersfeld wird Mücheln als zehntpflichtiger Ort Muchilacha im Friesenfeld und die Burg Mücheln als Muchileburg erstmals urkundlich erwähnt.[4]

Vom 11. bis 15. Jahrhundert gab es eine sich nach dem Ort benennende uradlige Familie „von Mücheln“.

Mücheln erhielt das Stadtrecht im Jahre 1350.

1936 wird Mücheln (Geiseltal) amtlich als Stadtname festgelegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[5][Bearbeiten]

Zentrum[Bearbeiten]

Stadtkirche St. Jakobi
  • denkmalgeschützter Marktplatz mit Rathaus
Am stufenförmig angelegten Marktplatz steht das 1571 im Renaissancestil erbaute Rathaus. Der dreigeschossige Bau aus der Spätrenaissance hat an der Außenfront vier Portale mit ausgekehlten Sitznischen, Balustersäulchen sowie Rahmen an Gebälk und Giebel. Eine hölzerne Spindeltreppe, die in ihrer Art in Deutschland nur noch sehr selten vorkommt, ziert das Innere des Rathauses. Die Kellergewölbe sind in drei Etagen mit Tonnengewölben angelegt. Bis etwa 1735 wurde der mittlere Keller als Folterkeller benutzt und zur Lagerung des Müchelner Biers. In diesem Zusammenhang wird von drei unterirdischen Gängen berichtet, die von hier aus in verschiedene Richtungen verliefen. Im Rathaus befindet sich auch das Heimatmuseum, das die 300-jährige Geschichte des Braunkohlebergbaus im Geiseltal dokumentiert. Zudem gewährt es Einblicke in das Arbeits- und Privatleben der Bergleute. Besondere Attraktion sind Kleinfossilien aus dem Bergbau sowie der erste urkundliche Nachweis des Kohleabbaus.
  • Bergbaukabinett (Markt 19)
  • Stadtkirche St. Jakobi
  • Im Gebiet des ehemaligen Braunkohlentagebaus, der 1993 stillgelegt wurde, wurde seit 2003 das Tagebaurestloch geflutet und so der größte künstliche See Deutschlands geschaffen. Die Flutung des Geiseltalsees wurde im April 2011 abgeschlossen.[6] Dazu entsteht ein Freizeit- und Tourismusgebiet. Am Müchelner Seeufer wurde bereits seit 2008 die Marina errichtet. Es gibt eine Reihe von Aussichtspunkten mit Informationstafeln, Aussichtstürme und Schutzhütten.

Ortsteil Sankt Micheln[Bearbeiten]

St.-Michael-Kirche
  • 12-Apostel-Quellen
Die Apostelquellen sind durch Erosion entstandene Schichtquellen. Vier von ihnen sind an das Müchelner Trinkwassernetz angeschlossen. Eine dieser Quellen (in der Apostelstraße) ist eingefasst und kann besichtigt werden.
Die Geiselquelle entspringt am Fuße des Veitsberges und ist eine typische Springquelle. Das zutage tretende Wasser ist der Überlauf eines unterirdischen Grundwasserbeckens. Das oberirdische Niederschlagsgebiet hinter der Quelle beträgt etwa 34 km². Die Quelle war vor Beginn des Braunkohlebergbaus eine der größten Quellen Mitteldeutschlands. Der Name Geisel ist vom altnordischen Wort geis(an) abgeleitet, von dem auch Geysir stammt. Es bedeutet "mit Macht hervorbrechen". Auch die Apostelquellen in unmittelbarer Nähe sind als Springquellen einzustufen. Die Ergiebigkeit der Geiselquelle wurde ursprünglich, als der Tagebau noch keinen Einfluss auf den Grundwasserspiegel hatte, etwa 400 bis 600 Liter pro Sekunde geschätzt. Die Geisel war sehr fischreich, und mit ihrem Wasser wurden siebzehn Mühlen betrieben. Der Mühlenwanderweg führt heute an fünf dieser Mühlen vorbei. Bereits 1540 wurde der Bachlauf verlegt. Weitere Verlegungen erfolgten durch die Grubenaufschlüsse zwischen 1938 und 1965. Seit etlichen Jahren ergießt die Quelle bis zu 35 Liter in der Sekunde. Heute - nach einer letzten Verlegung 2009 im Zuge der Sanierungsarbeiten des Tagebaus - mündet sie in den Geiseltalsee, verlässt den See bei Frankleben und fließt in ihrem alten Bett bis Merseburg, wo sie in die Saale mündet.
Wasserschloss Sankt Ulrich

Ortsteil Sankt Ulrich[Bearbeiten]

  • Wasserschloss
  • Schlosskirche: Lutherkirche. Sie wurde im Barockstil von 1790 bis 1795 durch den Merseburger Stiftsbaumeister J.W. Crysellius errichtet. Die stilistisch reizvolle Innenausstattung ist erhalten. In der Kirche finden sich wertvolle Grabplatten. 1987 bis 89 erfolgte eine Innensanierung, 1992 bis 93 die Außensanierung.
  • Der Landschaftspark wurde um 1720 als Schlosspark parallel zum Barockgarten unter den von Breitenbauch angelegt. Nach 1945 kam es zu Verlusten, die Anlage wurde aber 1977 zum "Geschützten Park" erklärt. Er weist 250 Jahre alte Bäume auf und macht wieder einen gepflegten Eindruck.
  • Barockgarten

Ortsteil Neubiendorf[Bearbeiten]

Katholische Kirche von Neubiendorf, bis 2006 genutzt
  • Geiseltalsee-Kirche

Ortsteil Stöbnitz[Bearbeiten]

  • Kirche

Ortsteil Gröst[Bearbeiten]

  • St.-Kilian-Kirche

Ortsteil Schmirma[Bearbeiten]

Kirche Schmirma
  • Kirche mit den Bildern von Karl Völker

Ortsteil Branderoda[Bearbeiten]

  • Kirche

Ortsteil Oechlitz[Bearbeiten]

  • St.-Gotthard-Kirche
  • Steinkreuz

Ortsteil Langeneichstädt[Bearbeiten]

Langeneichstädt: Großsteingrab zu Füßen der Eichstädter Warte
  • St.-Nikolai-Kirche
  • St.-Bruno-Kirche
  • St.-Wenzel-Kirche
  • Grabmal der Dolmengöttin und Eichstädter Warte
  • Bockwindmühle

Ortsteil Wünsch[Bearbeiten]

  • St.-Johannes-Kirche
  • St.-Nikolai-Kirche

Freizeitangebote[Bearbeiten]

  • Tanzgruppe Mücheln[7]
  • Radsportverein VfH
  • Kegelverein
  • Fußballverein
  • Jugendtreff am Bummi
  • Handballverein
  • Volleyballverein
  • Schachclub
  • Musikverein "Geiseltaler Musikanten" e.V.
  • DLRG Ortsgruppe Geiseltalsee e.V.geiseltalsee.dlrg.de

Galerie[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der Stichwahl zum Bürgermeister am 27. November 2011 konnte sich Andreas Marggraf (parteilos) mit 72,34 % der Stimmen gegen den Gegenkandidaten Steffen Keller durchsetzen. Er trat das Amt am 1. Januar 2012 an.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Grün ein golden nimbierter, silberner, bärtiger Mann mit weitärmligem, goldenem Untergewand und ebensolchem ponchoartigem Umhang, schwarzem, mit silberner Pilgermuschel belegtem Pilgerhut und schwarzen Schuhen, in den ausgestreckten Händen rechts einen silbernen Pilgerstab, links eine gestürzte silberne Pilgermuschel.“

Der Mann im Wappen ist der heilige Jakobus, den die Stadt Mücheln erstmals im Jahre 1463 in einem Ratssiegel führt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Mücheln unterhält Städtepartnerschaften mit:

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Eisenbahnviadukt in Mücheln

Mücheln liegt ca. 15 Kilometer von der A 38 entfernt. Die nächste größere Stadt Merseburg ist etwa 20 Kilometer entfernt. Der Ort liegt an der Bahnstrecke Merseburg–Querfurt. Früher gab es auch eine Anbindung an das Überlandstraßenbahnnetz zwischen Halle (Saale), Merseburg, Mücheln und Bad Dürrenberg, die aber 1968 dem Braunkohletagebau weichen musste (siehe auch Straßenbahnstrecke Merseburg-Mücheln).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Ahasverus Fritsch (1629–1701), Jurist und Kirchenliederdichter, Schwarzburg-Rudolstädter Kanzler und Konsistorialpräsident
  • Christian Friedrich Matthäi (1744–1811), Altphilologe, geboren in Gröst
  • Adolf Holst (1867–1945), Schriftsteller, geboren in Branderoda
  • Paul Rinckleben (1841–1906), deutscher Bildhauer und Kupfertreiber
  • Martin Lerche (1892–1980), deutscher Lebensmittelhygieniker und Veterinärmediziner
  • Franziska (* 1993), Sängerin, geboren in Almsdorf

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Küstermann: Zur Geschichte von Mücheln an der Geisel und Umgebung, Pfarrer in Geusa, 1898
  • Karl Gustav Friedrich Otto Wunder gen. Völker: Ein Beitrag zur Geschichte Stadt Mücheln, auf Grund der Quellen des Stadt-Archivs, Vortrag, gehalten im Verein für freiwillige Kranken- und Armenpflege der Stadt Mücheln, Verlag I. Fricke Halle 1877 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mücheln (Geiseltal) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2012 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2006
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  4. Reg. Thur. Nr. 287
  5. Touristischer Kurzführer der Städte Braunsbedra, Mücheln und Bad Lauchstädt
  6. Ein Trio feiert das Flutungsende, Mitteldeutsche Zeitung vom 30. April 2011, Zugriff am 1. September 2011 (Digitalisat)
  7. Tanzgruppe Mücheln