Matteo Renzi

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Matteo Renzi (2009)

Matteo Renzi (* 11. Januar 1975 in Florenz) ist ein italienischer Politiker (PD) und seit Februar 2014 Ministerpräsident Italiens. Von 2009 bis 2014 war er Bürgermeister von Florenz. Zuvor war er seit 2004 Präsident der Provinz Florenz. In einer Basisabstimmung unter den Parteianhängern wurde Renzi am 8. Dezember 2013 zum Vorsitzenden (segretario) des Partito Democratico gewählt.[1]

Leben[Bearbeiten]

Renzi wuchs in Rignano sull'Arno auf, dem Wohnort seiner Eltern. Sein Vater Tiziano war von 1985 bis 2002 Gemeinderat des Partito Popolare Italiano (PPI) in dieser Stadt.[2] Matteo Renzi studierte an der Universität Florenz, an der er 1999 sein Studium der Rechtswissenschaft mit Diplom abschloss. Nach dem Studium arbeitete er bei der von seinem Vater in Genua gegründeten Marketing-Firma CHIL srl (heute CHIL Post srl);, er hielt von 1999 bis 2004 gemeinsam mit seiner Schwester die Mehrheitsanteile an dem Unternehmen.[3]

Renzi ist seit 1999 mit der Gymnasiallehrerin Agnese Landini (* 1977) verheiratet und Vater dreier Kinder.[4]

Politische Karriere[Bearbeiten]

Renzis politische Karriere begann bereits in der Studienzeit. 1996 nahm er an der Gründung der Comitati per Prodi, zur Unterstützung des Wahlkampfs von Romano Prodi teil und trat in den PPI ein, dessen Vorsitzender für die Provinz Florenz er 1999 wurde. 2002 ging der PPI in der neugegründeten Partei La Margherita – Democrazia è Libertà auf. Renzi wurde auch für diese Partei Koordinator und später Vorsitzender für die Provinz Florenz. Nach der Auflösung der Margherita 2007 trat er dem neu gegründeten Partito Democratico (PD) bei.

Von 2004 bis 2009 war er Präsident der Provinz Florenz.

Am 15. Februar 2009 nahm er an den Vorwahlen des PD für das Amt des Bürgermeisters von Florenz teil und gewann mit 40,52 % der Stimmen. Am 21./22. Juni 2009 wurde er mit 59,96 % der Stimmen zum Bürgermeister von Florenz gewählt. Im gleichen Jahr wurde er in den erweiterten Vorstand des PD gewählt.[5]

Im Dezember 2010 löste Renzi heftige Diskussionen aus, als er Silvio Berlusconi in dessen Villa in Arcore zu einem Gespräch aufsuchte.[6] Renzi dementierte immer wieder eine Nähe zu Berlusconi, auch da Berlusconi während der Vorwahlen 2012 seine Sympathie für den Bürgermeister von Florenz ausdrückte.[7]

2011 war er laut einer Umfrage der Zeitung Il Sole 24 Ore der beliebteste Bürgermeister Italiens.[8]

Bei den Vorwahlen für die Spitzenkandidatur des Mitte-Links-Bündnisses für die Parlamentswahlen in Italien 2013 erzielte Renzi im ersten Durchgang am 25. November 2012 mit 35,5 % das zweitbeste Ergebnis, verlor jedoch mit 39,3 % die Stichwahl am 2. Dezember deutlich gegen Pier Luigi Bersani, der 60,9 % erhielt[9] und dem er volle Unterstützung im Wahlkampf zusicherte.[10][11]

Matteo Renzi bei der Bekanntgabe seines Kabinetts am 21. Februar 2014

Nach den italienischen Parlamentswahlen Ende Februar 2013 kam es zu einer Regierungskrise, denn PD-Parteichef Pier Luigi Bersani scheiterte bei der Bildung einer Regierung und trat zurück. Renzi warf Bersani und der übrigen Parteiführung daraufhin zu zögerliches Vorgehen beim Versuch einer Regierungsbildung vor. Renzi selbst trat für schnelle Neuwahlen ein und machte deutlich, dass er bei parteiinternen Vorwahlen erneut für das Amt des Spitzenkandidaten kandidieren würde. Mit diesem Verhalten löste er eine heftige innerparteiliche Diskussion aus. Anhänger Bersanis warfen Renzi vor, aus persönlichem Kalkül gegen eine von dem PD geführte Minderheitsregierung und für Neuwahlen zu sein.[12] Staatspräsident Giorgio Napolitano beauftragte am 24. April 2013 Enrico Letta – als Vizechef des PD – mit der Bildung einer Regierung. Dies gelang ihm; seine Regierung – das Kabinett Letta – wurde am 28. April 2013 vereidigt.

Seit Dezember 2013 ist Renzi Nachfolger von Guglielmo Epifani als Vorsitzender des Partito Democratico. Renzi konnte sich bei der Urwahl eine deutliche Mehrheit von 68 % der Stimmen sichern, obwohl Ministerpräsident Enrico Letta Renzis Kontrahenten Gianni Cuperlo unterstützt hatte.[13]

Matteo Renzi mit Staatspräsident Giorgio Napolitano bei seiner Vereidigung am 22. Februar 2014

Am 14. Februar 2014 reichte Letta seinen Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten ein, nachdem Renzi ihn vehement dazu gedrängt hatte.[14][15] Am 17. Februar 2014 wurde Renzi von Staatspräsident Napolitano mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt.[16] Am 22. Februar 2014 wurde er mit seinem Kabinett als neuer Ministerpräsident vereidigt.[17]

Il Rottamatore („Der Verschrotter“)[Bearbeiten]

Matteo Renzi bezeichnet sich selbst – bezogen auf die „alten“ Eliten – als „rottamatore“[18] (von italienisch rottamare „verschrotten“). Dieser Spitzname beruht auf seinem Ruf, dass er das gesamte italienische politische Establishment, das in großen Teilen der italienischen Öffentlichkeit als diskreditiert, korrumpiert und gescheitert gilt, „abwickeln“ wolle. Sein Aufstieg wird von Beobachtern als Zeichen eines dringend benötigten Generationswechsels angesehen. Er genießt momentan die mit Abstand höchste Zustimmung bei der Bewertung von Politikern im Land. Sich selbst beschreibt er als „enorm ehrgeizig“.[19] Oft wird er auch „Speedy Gonzalez der italienischen Politik“ genannt,[20] gilt aber auch als gemäßigter Führer, zentrumsnah, katholisch und ein wenig traditionell.

Publikationen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Matteo Renzi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Primarie Pd, è il trionfo di Renzi: sfiora il 70% dei voti. La Repubblica, 8. Dezember 2013, abgerufen am 8. Dezember 2013.
  2. Webseite des innenministeriums abgerufen am 3. Dezember 2012
  3. http://www.laretenonperdona.it/2013/06/16/cause-e-fallimenti-aziendali-i-danni-di-papa-renzi/
  4. Biografie auf der Webseite Matteo Renzi, Sindaco di Firenze (italienisch), abgerufen am 3. Dezember 2012
  5. Profil auf der Seite des Partito Democratico
  6. Francesco Bei: Renzi-Berlusconi ad Arcore, Il Cavaliere: "Tu mi somigli". La Repubblica, 7. Dezember 2010, abgerufen am 3. Dezember 2012.
  7. Primarie Cs, Berlusconi: "Spero vinca Renzi." La Repubblica, 7. Dezember 2010, abgerufen am 3. Dezember 2012.
  8. Gianni Trovati: È il fiorentino Renzi il sindaco più amato d'Italia. Il Sole 24 Ore, 10. Januar 2011, abgerufen am 3. Dezember 2012.
  9. Speciale Primarie Centrosinistra. Novembre 2012. In: la Repubblica.it. Gruppo Editoriale L’Espresso, abgerufen am 24. Februar 2013.
  10. Primarie, Bersani stravince: oltre il 60%. La Repubblica, 2. Dezember 2012, abgerufen am 3. Dezember 2012.
  11. Bersani führt Mitte-Links-Bündnis in Parlamentswahlen 2013. Die Zeit, 3. Dezember 2012, abgerufen am 3. Dezember 2012.
  12. http://firenze.repubblica.it/cronaca/2013/04/15/news/renzi_ingiusto_attaccarmi_avverto_molta_amarezza-56708634/?ref=search
  13. Matteo Renzi ist neuer Chef der Demokratischen Partei. Die Zeit, 9. Dezember 2013, abgerufen am 5. Januar 2014.
  14. FAZ.net: Bericht von FAZ-Korrespondent Jörg Bremer aus Rom
  15. FAZ.net: Rücktritt mit Ansage – Vizepremier Angelino Alfano taktiert noch
  16. zeit.de 17. Februar 2014: Napolitano beauftragt Matteo Renzi mit Regierungsbildung
  17. Renzi legt in Rom seinen Amtseid ab. In: tagesschau.de. 22. Februar 2014, abgerufen am 22. Februar 2014.
  18. Vgl. den Buchtitel Matteo Renzi: Il rottamatore del Pd
  19. Profile: Florence mayor Matteo Renzi BBC Europe Online, 13. Februar 2014
  20. Matteo Renzi will zum italienischen Premier aufsteigen Salzburger Nachrichten Online, 14. Februar 2014
  21. Buchvorstellung Fuori! bei Rizzoli, aufgerufen 16. Februar 2014
  22. Buchvorstellung Stil Novo bei Rizzoli, aufgerufen 16. Februar 2014
  23. Chi sono (eigene Biografie, ganz unten), persönliche Webseite von Matteo Renzi, Seite besucht am 16. Februar 2014
Vorgänger Amt Nachfolger
Enrico Letta Ministerpräsident von Italien
seit 22. Februar 2014