Memmelsdorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Memmelsdorf in Oberfranken. Für Memmelsdorf in Unterfranken (Ortsteil der Gemeinde Untermerzbach) siehe Untermerzbach
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Memmelsdorf
Memmelsdorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Memmelsdorf hervorgehoben
49.93277777777810.953333333333262Koordinaten: 49° 56′ N, 10° 57′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Bamberg
Höhe: 262 m ü. NHN
Fläche: 26,16 km²
Einwohner: 8854 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 338 Einwohner je km²
Postleitzahl: 96117
Vorwahlen: 0951, 09505, 09542
Kfz-Kennzeichen: BA
Gemeindeschlüssel: 09 4 71 159
Gemeindegliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
96117 Memmelsdorf
Webpräsenz: www.memmelsdorf.de
Bürgermeister: Gerd Schneider (parteilos)
Lage der Gemeinde Memmelsdorf im Landkreis Bamberg
Landkreis Haßberge Landkreis Schweinfurt Landkreis Kitzingen Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Pommersfelden Landkreis Erlangen-Höchstadt Landkreis Coburg Landkreis Kulmbach Landkreis Bayreuth Landkreis Lichtenfels Bamberg Landkreis Forchheim Zückshuter Forst Winkelhofer Forst Steinachsrangen Semberg Lindach (gemeindefreies Gebiet) Koppenwinder Forst Hauptsmoorwald Geisberger Forst Eichwald (Oberbayern) Ebracher Forst Ebracher Forst Walsdorf (Oberfranken) Rattelsdorf Baunach Reckendorf Lauter (Oberfranken) Gerach (Oberfranken) Gundelsheim (Oberfranken) Hallstadt Schlüsselfeld Zapfendorf Wattendorf Viereth-Trunstadt Strullendorf Stegaurach Stadelhofen Schönbrunn im Steigerwald Scheßlitz Priesendorf Pommersfelden Pommersfelden Pettstadt Oberhaid (Oberfranken) Litzendorf Lisberg Königsfeld (Oberfranken) Kemmern Hirschaid Frensdorf Ebrach Buttenheim Burgwindheim Burgebrach Breitengüßbach Bischberg Altendorf (Landkreis Bamberg) MemmelsdorfKarte
Über dieses Bild

Memmelsdorf ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Bamberg und grenzt östlich unmittelbar an die Kreisstadt Bamberg.

Geografie[Bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Memmelsdorf gliedert sich in 10 Ortsteile (in Klammern Einwohnerzahlen, Stand: 31. Dezember 2013)

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Breitengüßbach, Scheßlitz, Litzendorf, Bamberg und Gundelsheim.

Geschichte[Bearbeiten]

Memmelsdorf wurde zwar erst 1143 urkundlich erwähnt, es gibt jedoch gute historische Gründe anzunehmen, dass es im 6. Jahrhundert zur Zeit der fränkischen Landnahme am Obermain etwa zur gleichen Zeit wie der Königshof Hallstadt entstanden ist. Damals siedelten auch Slawen im Obermaingebiet, wie die Etymologie zahlreicher Ortsnamen beweist, z. B. Kemmern, Laubend, Merkendorf, Drosendorf, Scheßlitz. Kaiser Heinrich II. der Heilige schenkte Hallstadt dem von ihm 1007 gegründeten Bistum Bamberg.

1391 trennte Bischof Lamprecht von Brunn Memmelsdorf von Hallstadt und erhob es zu einer selbstständigen Pfarrei unter dem Patrozinium der Himmelfahrt Mariens. Zur Pfarrei gehörten die Orte Memmelsdorf, Weichendorf, Gundelsheim, Merkendorf, Laubend, Starkenschwind, Drosendorf und Meedensdorf, ferner Schmerldorf und Kremmeldorf.

Memmelsdorf wurde Amtssitz des Hochstiftes Bamberg. Es war Zentrum einer Vogtei und einer Zent. Der Zentgraf übte die Hochgerichtsbarkeit. Der Richtplatz lag oberhalb des Dorfes (heutiger Straßenzug Am Hohen Kreuz). Der Vogt zog die dem Landesherrn zustehenden Steuern und Naturalabgaben ein. Er war auch Gerichtsherr der Zent. Das Gebäude der ehemaligen Vogtei ist heute der Brauereigasthof Drei Kronen; der ehemalige fürstbischöfliche Kasten (Getreidespeicher) das Anwesen Vollkommer.

Zent und Vogtei gaben Memmelsdorf eine gewisse Bedeutung. Trotzdem konnte sich das Dorf nicht recht entwickeln. Das wirtschaftliche Zentrum Bamberg ließ das Handwerk in der Umgebung nicht aufkommen, andererseits verdrängte der Flächenbedarf der fürstbischöflichen Sommerresidenz Seehof die Landwirtschaft. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 kam der Ort zum Königreich Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Bis zum Jahre 1953 bestand die Gemeinde Memmelsdorf nur aus dem Ort Memmelsdorf und dem nahe gelegenen Schloss Seehof.

Nach dem Krieg, in der Zeit des Wiederaufbaus und Wirtschaftswunders, entstand ab 1953 ein neuer Ortsteil, die Siedlung Lichteneiche. Lichteneiche, das Flurstück südwestlich Memmelsdorfs, war eine weite Fläche, sandiges Schwemmgebiet der Regnitz, von Heide, Ginster und Eichen standen. Die Siedlung wurde großzügig, doch in einfachem, zweckmäßigem Stil geplant. Man ging sparsam mit den zur Verfügung stehenden Mitteln um. Architektonische oder städtebauliche Experimente waren nicht gefragt. So entstand eine weite, lichte Siedlung mit einfachen Wohnhäusern und Wohnblocks in großzügiger und abwechslungsreicher Anordnung, die einer großen Zahl von Menschen ein angenehmes Wohnen in Ruhe und in grüner Umgebung ermöglichte. Die Siedlung bot den Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland, aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien eine neue Heimat. Wie die steigenden Einwohnerzahlen belegen, erfreute sich die Siedlung eines beständigen Zustroms.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung seit 1840
Jahr Einwohner Einwohner/km²
1840 1869 071
1871 2109 081
1900 2096 080
1925 2179 083
1939 2496 095
1950 3623 138
1961 5693 218
1970 6582 252
1987 7893 302
2002 8950 342
2004 9262 354
2010 8839 337
2012 9276 354
Bürgerhaus

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Große Veränderungen brachte die gesamtbayerische Gemeindegebietsreform, die am 1. Januar 1972 in Kraft trat. Sie führte zum freiwilligen Zusammenschluss Memmelsdorfs mit den fünf früher selbstständigen Gemeinden Drosendorf, Merkendorf, Weichendorf, Kremmeldorf und Meedensdorf.[2]

Religion[Bearbeiten]

Memmelsdorf ist Sitz der katholischen Pfarrei Mariä Himmelfahrt, die den Ort Memmelsdorf und die Ortsteile Drosendorf, Kremmeldorf, Meedensdorf, Schloss Seehof, Schmerldorf und Weichendorf umfasst. Pfarrer ist seit 2011 Peter Barthelme, Pastoralassistentin ist Sabine Kotzer.

Im Gebiet der politischen Gemeinde gibt es noch die katholische Pfarrei Kreuzerhöhung Merkendorf, zu der auch der Ortsteil Laubend gehört.

Der Ortsteil Lichteneiche ist der jüngste Sprengel der Pfarrei Mariä Himmelfahrt. Dort wurde die Kirche Heilig Geist in Form eines Schiffsbugs errichtet und 1965 geweiht. Die Portalfront zeigt, in Beton gegossen, das Jüngste Gericht. Unter den Verdammten kann der aufmerksame Betrachter das Gesicht Adolf Hitlers erkennen, ein bemerkenswertes zeitgeschichtliches Dokument.

Pfingsten 2006 wurde die katholische Seelsorgeeinheit Pfarreiengemeinschaft Memmelsdorf mit Lichteneiche, Gundelsheim und Merkendorf gegründet. Leitender Pfarrer ist Marianus Schramm, Pfarrer der Pfarrei Sieben Schmerzen Mariens Gundelsheim.

Katholische Kirchen[Bearbeiten]

Die Jahreszahlen verweisen auf die Bauzeit der Kirchen

  • Drosendorf: Heiligste Dreifaltigkeit, 1980/82
  • Kremmeldorf: Heiliges Herz Jesu, 1893
  • Laubend: Kapelle Mariä Empfängnis, 1862/63
  • Lichteneiche: Heilig Geist, 1964/65
  • Meedensdorf: Kapelle Schmerzhafte Mutter Gottes, 1904/06
  • Memmelsdorf: Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
  • Merkendorf: Kreuzerhöhung, 1862/64
  • Schloss Seehof: Schlosskapelle
  • Weichendorf: Kapelle Heilige Anna, 2002/03

Kirchen wurden also in der Pfarrei Memmelsdorf über eines und ein halbes Jahrhundert hinweg gebaut. Jede Gemeinde wollte ihre eigene Kirche im Dorf haben. Die Einwohner planten ihr Gotteshaus, erbrachten erhebliche persönliche Eigenleistungen auf dem Bau und finanzierten die Baukosten selbst. So schufen verhältnismäßig kleine Gemeinden ansehnliche Kirchen.

Evangelische Kirche[Bearbeiten]

Lichteneiche ist Sitz der evangelischen Kirchengemeinde Christi Himmelfahrt. 1960 wurde die Kirche, architektonisch einem Zelt Gottes unter den Menschen (Off. 21,3) nachempfunden, geweiht.

Ökumenestein der evangelischen Kirchengemeinde und der katholischen Pfarrei Memmelsdorf

Die evangelische Gemeinde und die katholische Gemeinde Memmelsdorfs pflegen seit langem eine aktive ökumenische Gemeinschaft. 2008 unterzeichneten beide Gemeinden eine ökumenische Partnerschaftserklärung, die auch von den Kirchenleitungen gutgeheißen wurde. 2009 stellten Angehörige beider Pfarreien auf dem Rasen vor der Kirche Christi Himmelfahrt einen Ökumene-Gedenkstein auf.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister ist seit 2014 Gerd Schneider (parteilos, von der SPD nominiert), der in der Stichwahl 53,34 % der Stimmen erhielt. Sein Vorgänger war seit 1997 Johann Bäuerlein (WLW/CSU). Er wurde zuletzt 2009 bei zwei Gegenkandidaten mit 54,46 % der Stimmen wiedergewählt. Bäuerleins Vorgänger war Alfons Scherbaum.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Zusammensetzung des Gemeinderates nach der Wahl vom März 2014:

Zusammensetzung
Christlich-Soziale Union/Freie Wählergemeinschaft (CSU/FWG) 26,60 %, 5 Sitze
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 20,30 %, 4 Sitze
Vereinigte Wählergemeinschaft Memmelsdorf (VWG) 15,82 %, 3 Sitze
Aktive Bürger Drosendorf (ABD) 12,5 %, 3 Sitze
Bürgerblock Lichteneiche (BBL) 9,03 %, 2 Sitze
Alternative Liste Memmelsdorf (ALM 9) 8,35 %, 2 Sitze
Wählerliste Weichendorf (WLW) 7,41 %, 1 Sitz

Wappen[Bearbeiten]

Für das hochstiftische Memmelsdorf lässt sich kein eigenes Siegel nachweisen. Erst in der königlich-bayerischen Zeit führte die Gemeindeverwaltung die damals üblichen Dienstsiegel. Am 5. Dezember 1963 gab das Bayerische Staatsministerium des Inneren die Zustimmung zur Annahme eines Wappens mit folgender Beschreibung: „Gespalten; vorne in Gold die Gestalt des Zentrichters mit schwarzem Umhang und schwarzem Hut, der in der Rechten einen silbernen Stab, in der Linken ein goldenes Buch hält; hinten in Silber aus einem grünen Dreiberg wachsend ein grüner Eichbaum mit goldenen Eicheln.“ Gleichzeitig mit der Wappenverleihung genehmigte das Ministerium das Führen einer Fahne durch die Gemeinde Memmelsdorf. Sie zeigt drei Streifen in der Farbenfolge Schwarz-Gelb-Grün und kann auch mit dem Gemeindewappen geführt werden. Die Regierung von Oberfranken stimmte am 1. Juli 1973 dem Gemeinderatsbeschluss vom 30. Januar 1973 zu, nach dem das bisherige Gemeindewappen auch für die Großgemeinde Memmelsdorf Geltung haben soll.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt[Bearbeiten]

Pfarrkirche
Innenraum der Pfarrkirche
Figuren an der katholischen Pfarrkirche
Steinfigur St. Wendelin an der Pfarrkirche

Die Kirche des 1391 gegründeten Pfarrsprengels dürfte ursprünglich nur aus einem Chorturm bestanden haben. 1609/11 erhöhte man den Kirchturm um das vierte Geschoss und setzte diesem die Kirchturmspitze mit vier Ecktürmchen auf. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verbreitete man die Kirche nach Süden, doch 50 Jahre später war auch dieser Raumgewinn für die wachsende Bevölkerung zu klein geworden. Auch wollte man eine Kirche haben, die dem Geschmack der Zeit und dem Repräsentationsbedürfnis der Gemeinde entsprach. So verlängerte man die Kirche um das Doppelte und setzte dem Neubau eine monumentale Fassade vor. Die Gemeinde bewilligte die Finanzierung aus dem Kapitalstock der Kirchenstiftung, beim Bau legten die Einwohner tatkräftig Hand an, und Spenden ermöglichten die prächtige Ausstattung der Kirche.

Innenraum[Bearbeiten]

Eine Stuckdecke von Johann Jakob Vogel mit der Himmelfahrt Mariens, eine Kanzel, deren Figuren Sebastian Degler schnitzte und Johann Jakob Danner fasste, die beiden Nebenaltäre, entstanden 1760, sind beste Beispiele für Eleganz und Formenreichtum des Rokoko. Das Gemälde des Apostelaltars von Johann Anwander zeigt eine eigenwillige Version des Themas Apostelabschied: Der scheidende Jakobus, kenntlich durch die Pilgermuschel, steigt zu dem als Papst thronenden Petrus empor. Ein Kirchenraum, der Prunk, Glanz, Gläubigkeit des Barockzeitalters zeigt; die nussbraune Empore mit den zwölf Aposteln im hinteren Teil der Kirche aber bewahrt ihm den schweren, bäuerlichen Charakter. Johann Anwanders 14 Kreuzwegstationen wurden bei der Renovierung des Kircheninneren 2006 so aufgehängt, dass sie von jedem Besucher eingehend betrachtet werden können. Der Kreuzaltar zeigt eine Göttliche Hilfe, eine Darstellung Christi am Kreuz als König.

Die Kirchhofmauer und ihre Figuren[Bearbeiten]

Die Memmelsdorfer Kirche liegt in einem Kirchhof, den eine Mauer zur Straße hin abschließt. Die Heiligenfiguren auf der Mauer wurden von Ferdinand Tietz geschaffen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die majestätisch bewegten Figuren der Apostelfürsten, der heilige Otto, 1102–1139 Bischof von Bamberg, und der heilige Wendelin in bäuerlicher Kleidung, eine Schäferschaufel in der einen und der Bibel in der anderen Hand. Der siegessichere heilige Michael führt an goldener Kette den verstört und ratlos blickenden Luzifer.

Neugestaltung des Ortskerns[Bearbeiten]

2009 wurde eine Ortsumgehungsstraße gebaut. Das führt zu einer begrüßenswerten Verkehrsberuhigung im Ort und ermöglicht die Neugestaltung des Ortskerns. Der Gemeinderat hat über die vorliegenden Pläne entschieden und die Neugestaltung hat 2010 begonnen. Erneuert wird die Hauptstraße mit anliegenden Bürgersteigen. Es gibt einen Brunnen (neben der Gastwirtschaft Drei Kronen) und es wurden entlang der ganzen Straße Bäume gepflanzt. Des Weiteren wurden spezielle Steine für Blinde in die Bürgersteige eingesetzt. 2014 wurden letzte Korrekturen vorgenommen und die Erneuerung abgeschlossen.

Schloss Seehof[Bearbeiten]

Schloss Seehof war die Sommerresidenz und das Jagdschloss der Bamberger Fürstbischöfe. Fürstbischof Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1683–1693) ließ die "Marquardsburg" errichten und die Schlossgärten anlegen. Antonio Petrini schuf ein Gebäude im Quadrat, das mit seinen vier Ecktürmen den Charakter von Schloss und Festung in sich vereint. Fürstbischof Friedrich von Seinsheim (1757–1779) ließ Schloss und Schlossgärten mit Möbeln und Figuren von erlesenem Geschmack im Stil des Rokoko ausstatten: galante Hofpaare, antike Gottheiten und eine von Stein und Wasser überquellende Gartenfontäne. Es sollen über 400 Figuren gewesen sein, die der Hofbildhauer Ferdinand Tietz schuf. Die Anlage des Parks, der Orangerie, der Fasanerie und der Schweizerei, die das Schloss mit Lebensmitteln und Leckereien versorgten, ging auf Kosten der Memmelsdorfer Bauern: Der Fürst kaufte das Ackerland auf und entzog den Bauern die Belehnung. Damit verlor die Landwirtschaft in Memmelsdorf die Existenzgrundlage.

Mit der Säkularisation 1803 kam das Schloss in Privatbesitz. Nach 1945 verschleuderten die Besitzer die Kunstgegenstände in Schloss und Garten und ließen das Gebäude verfallen. Auf Grund des Drängens der Gemeinde Memmelsdorf und des damaligen Memmelsdorfer Landtagsabgeordneten Philipp Vollkommer kaufte der Freistaat Bayern 1975 das Schloss und siedelte dort das Landesamt für Denkmalpflege an. Das Gebäude wurde wiederhergestellt und der Park im alten Ausmaß neu angelegt. Die Figuren des Ferdinand Tietz wurden, so weit möglich, zurückgekauft. Heute ist Schloss Seehof ein weithin bekanntes und beliebtes Ausflugsziel.

Ferdinand Tietz (1708–1777) war Hofbildhauer der Schönbornbischöfe und Friedrichs von Seinsheim, Fürstbischof von Würzburg und Bamberg. In dessen Auftrag stattete Tietz die Hofgärten in Veitshöchheim und Schloss Seehof mit Figuren antiker Götter und Göttinnen und galanter Hofpaare aus. Seine Figuren spielen in Stein ein geistreiches Spiel mit der Liebe, der Etikette und den Mythen der antiken Götterwelt. Die Figuren auf der Memmelsdorfer Kirchhofmauer stammen von demselben Künstler, sie gehören jedoch zur bäuerlichen, kirchlich geprägten Kultur des fränkischen Landes. 1777 wurde Ferdinand Tietz auf dem Memmelsdorfer Kirchhof bestattet.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Memmelsdorf

Sport[Bearbeiten]

  • Der SV Memmelsdorf/Ofr. bietet die Abteilungen Fußball, Kegeln, Schach, und eine Ski-Abteilung. Der Verein hat ca. 500 Mitglieder
  • Der SC 1997 Memmelsdorf bietet Volleyball, Leichtathletik und Turnen für ca. 800 Mitglieder und auch Nicht-Mitglieder
  • Im Jahr 2010 gründete sich der Baseballverein Memmelsdorf Barons e.V.. Der Verein ging aus der Baseballabteilung des SV Memmelsdorf hervor, die bereits seit 20 Jahren am Spielbetrieb teilnimmt. Der Verein besitzt zwei Herrenmannschaften, eine Damenmannschaft und drei Nachwuchsmannschaften. Die erste Herrenmannschaft spielte zeitweise in der Zweiten Bundesliga.
  • Ein jährlicher sportlicher Höhepunkt ist das Quattroball-Turnier, das vom SC Memmelsdorf für mehr als 1000 Sportler in knapp 100 Mannschaften aus der ganzen Bundesrepublik in den vier Disziplinen Volleyball, Basketball, Handball und Fußball ausgerichtet wird.
  • 1908 gründete der damalige Kaplan der Pfarrei Memmelsdorf, Michael Schütz, einen Radfahrerverein Windthorst. 1911 sonderten sich 3 Damen und 19 Herren aus Drosendorf von dem Memmelsdorfer Verein ab und gründeten den Radsportverein Windthorst RSV Drosendorf. Bis 1933 war der Verein der Mittelpunkt des geselligen Lebens in Drosendorf. Er hatte eine Theatergruppe und eine Gesangsgruppe. 1947 wurde der Radsportverein RSV Windthorst Drosendorf wiedergegründet. Zum 50-jährigen Stiftungsjubiläum 1961 stand der Radsport noch hoch im Kurs, doch dann entwickelte sich der Verein zu einem allgemeinen Sportverein. Obwohl die Windthorstvereine (benannt nach dem Zentrumspolitiker Ludwig Windthorst) einst weit verbreitet waren, dürfte es heute in ganz Deutschland keinen weiteren Sportverein geben, der sich Windthorst nennt.

Vereine[Bearbeiten]

  • St.-Josefs-Verein
  • Carnevalsverein Memmelsdorfer Carnevals Club (MCC)
  • Gesangverein Liederkranz Memmelsdorf
  • Musikverein Memmelsdorf
  • Gesangverein Merkendorf
  • Singgemeinschaft Lichteneiche
  • FCN Fanclub Merkendorf e. V.
  • Modellfliegerclub Merkendorf

In der Großgemeinde gibt es insgesamt 61 Vereine, Freiwillige Feuerwehren, Sportvereine und politische Organisationen eingeschlossen. Ursprung war der St.-Josefs-Verein, der 1866 von Freiherr Franz Seraph von Buseck, von 1859 bis 1882 Kaplan in Memmelsdorf, gegründet wurde. Der St.-Josefs-Verein war nicht nur ein kirchlicher Verein sondern auch ein Zentrum des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Im Laufe der Zeit sonderten sich aus ihm einzelne Gruppen ab, die sich intensiver bestimmten kulturellen Aufgaben widmeten bzw. den Selbstständigkeitsbestrebungen der einzelnen politischen Gemeinden in der Pfarrei entgegenkamen. So entstand 1924 der Gesangverein Liederkranz Memmelsdorf und 1908 der Radsportverein Windthorst RSV Drosendorf. Dachverband der Memmelsdorfer Vereine ist der Ortskulturring Memmelsdorf.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Memmelsdorf verlor im Laufe der 50er und 60er Jahre seinen Dorfcharakter. Immer mehr landwirtschaftlich genutzte Grundstücke an den Hängen östlich des Dorfes wurden an Bauwillige aus Bamberg verkauft. Memmelsdorf wurde zu einer modernen Wohnsiedlung. Auf Ansiedlung von Gewerbe oder Industrie verzichtete die Gemeinde bewusst. Die Neubürger waren vornehmlich Angestellte bzw. Beamte in Bamberger Behörden und Schulen. Die Arbeitnehmer Memmelsdorfs sind bei den großen Firmen (Bosch, Wieland Electric) in Bamberg oder bei Brose und Michelin in Hallstadt beschäftigt. Memmelsdorf ist eine Wohnsiedlung. Das Wirtschaftsleben beschränkt sich daher auf viele kleine Betriebe, welche die örtliche Versorgung aufrechterhalten.

Ein bedeutendes Unternehmen gibt es jedoch in der Baubranche. Die Bauunternehmung GmbH Josef Fösel wurde 1948 von dem Memmelsdorfer Maurermeister Josef Fösel (1908–1965) gegründet und beschäftigt heute rund 150 Arbeitnehmer. Die Firma ist im gesamten fränkischen Raum tätig.

Von bundesweiter Bedeutung ist der ortsansässige Werner-Nostheide-Verlag, ein Familienbetrieb, der den Informationsdienst der Spielwarenbranche Branchenbrief International (BB) sowie die größte Endverbraucher-Zeitschrift der Spieleindustrie, die Spielbox, herausgibt.

Brauereien[Bearbeiten]

Bier der Brauerei Höhn

Das Braugewerbe bildete früher einen bedeutenden Wirtschaftszweig in Memmelsdorf und in den umgebenden Orten. Heute existieren noch fünf Brauereien:

  • Brauerei und Gasthof Göller, Drosendorf
  • Brauerei und Gasthof Wagner, Merkendorf
  • Brauerei und Gasthof Hummel, Merkendorf
  • Brauerei-Gasthof Drei Kronen, Memmelsdorf
  • Brauerei-Gasthof Höhn, Memmelsdorf

Die ehemalige Brauerei und Gastwirtschaft Zum Roten Ochsen (Nüßlein) wurde von der Sparkasse Bamberg aufgekauft, renoviert und als Sparkassenfiliale eingerichtet. Die frühere Brauerei Leicht, der sogenannte Ottn Wirt – der Name rührt davon her, dass ein Vorfahre des heutigen Eigentümers die Figur des heiligen Otto auf der Kirchenmauer stiftete – ist geschlossen und wurde umgebaut und beinhaltet jetzt Eigentumswohnungen. In Drosendorf gab es bis in die 1970er-Jahre die Brauerei zur Krone (Nüßlein). Die ehemalige Brauerei Zeiß (früher Einwich) in Kremmeldorf und die ehemalige Brauerei Dillig in Laubend werden als Gaststätten betrieben, wobei die Wirtschaft in Laubend seit dem Tod der Wirtin 2010 auf unabsehbare Zeit geschlossen ist.

Freiwillige Feuerwehren[Bearbeiten]

In Drosendorf, Kremmeldorf, Laubend, Meedensdorf, Memmelsdorf, Merkendorf, Schmerldorf und Weichendorf gibt es Freiwillige Feuerwehren.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde Memmelsdorf liegt sechs Kilometer östlich der Stadt Bamberg an der Staatsstraße 2190. Die Gemeinde ist über die A 70 (Maintalautobahn Schweinfurt-Bayreuth) und über die A 73 (Frankenschnellweg Nürnberg–Bamberg) erreichbar. Östlich des Autobahnkreuzes A 70/A 73 (Bamberger Kreuz) ist die Abfahrt der A 73 Bamberg-Memmelsdorf. Unmittelbar an der Abfahrt liegt der Gemeindeteil Lichteneiche. Von dort aus sind es zwei Kilometer bis Memmelsdorf.

Alle Orte der Gemeinde sind an das Stadtbus-Netz von Bamberg angeschlossen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Seniorenzentrum Seehof-Blick des Diakonischen Werkes Bamberg-Forchheim.
  • Gewo-Seniorenwohnpark Lichteneiche
  • Horst-Bieger-Altenstiftung Memmelsdorf
  • In den 1980er Jahren wurde die Seehofhalle errichtet, eine Mehrzweckhalle für Sport, für gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen.
  • Die Gemeindebücherei Memmelsdorf wird gemeinsam von der Gemeinde und der Katholischen Pfarrkirchenstiftung getragen und vom Sankt Michaelsbund, Landesverband Bayern e. V., betreut.

Bildung[Bearbeiten]

Die Ferdinand-Dietz-Volksschule ist die Grund- und Hauptschule der Gemeinde. (Die Gemeinde Memmelsdorf besteht auf der Schreibung Ferdinand Dietz. Der Grund liegt darin, dass der Künstler seinen Namen mit Ferdinand Dietz in den Sockel der von ihm gestifteten und „propria manu“ gefertigten Figuren auf der Memmelsdorfer Kirchhofmauer meißelte.) Zweigniederlassungen der Schule bestehen in Memmelsdorf, Drosendorf, Merkendorf und in Lichteneiche.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

(Die vorangestellte Jahreszahl verweist auf das Jahr der Verleihung der Ehrenbürgerwürde)

  • Georg Schwemmer († 1953), Erzbischöflicher Geistlicher Rat, Pfarrer von Memmelsdorf 1908–1935
  • 1993: Friedrich Otterbein († 1994), Pfarrer von Merkendorf 1959–1994
  • 1993: Philipp Vollkommer (* 1928), Landtagsabgeordneter 1970–1998
  • 2004: Irmgard Bieger (1926–2013), Stifterin der Horst-Bieger-Altenstiftung
  • 2005: Lothar Güthlein (1935–2013), Erzbischöflicher Geistlicher Rat, Pfarrer der Pfarrei Mariä Himmelfahrt Memmelsdorf von 1974–2011

Persönlichkeiten, die mit Memmelsdorf verbunden sind[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 430

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Müller: Memmelsdorf in alten Ansichten. Zaltbommel (Niederlande) 1982. Eine Sammlung alter Postkarten und Photos.
  • Hans Müller: Memmelsdorf. Erfurt 2000. Eine Sammlung alter Photos und Postkarten von Memmelsdorf, seinen Ortsteilen und Schloß Seehof.
  • Alwin Reindl: Neue Zeiten. Neue Kirchen. Neue Frömmigkeit. Erweiterung und Ausgestaltung der Memmelsdorfer Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt 1706 – 1772. Mit Photos von Heimatpfleger Hans Müller. Selbstverlag Bamberg 2009.
  • Konrad Schrott: Memmelsdorf. Ortsgeschichte eines ehemaligen hochstift-bambergischen Amtssitzes. Selbstverlag Drosendorf 1975.
  • Konrad Schrott: Memmelsdorf. Seine Ortsteile und ihre Menschen im Spiegel der Geschichte. Selbstverlag der Gemeinde Memmelsdorf 1982.
  • Konrad Schrott: Die Zent Memmelsdorf. Ein Beitrag zur Heimatkunde des Bamberger Landes. Selbstverlag, Drosendorf 1970.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Memmelsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien