Playmobil
Playmobil ist ein System-Spielzeug des deutschen Unternehmens Geobra Brandstätter mit Sitz in Zirndorf. Hauptelement ist eine 7,5 cm große Spielfigur aus Kunststoff. Hände, Arme, Beine und der Kopf lassen sich bewegen. An die Hände können verschiedene Teile, wie Werkzeuge oder Waffen, angesteckt werden. Der Markenname und der charakteristische blaue Schriftzug wurden von dem Künstler und Grafikdesigner Rainer Willingstorfer entworfen.
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Firmengeschichte[Bearbeiten]
Die Markteinführung von Playmobil erfolgte 1974. Hans Beck begann bereits 1971 mit der Entwicklung des System-Spielzeugs, doch erst als die steigenden Ölpreise den Kunststoffpreis verzehnfachten, wagte Horst Brandstätter die Markteinführung. Die damals von Geobra produzierten Großkunststoffartikel (Deckenverkleidungen, Kindermöbel etc.) wurden unrentabel und für die kleinen Figuren wurde wesentlich weniger des teuren Rohstoffs gebraucht.
Das Unternehmen Geobra Brandstätter stellte das neu entwickelte Spielzeug erstmals auf der Nürnberger Spielwarenmesse 1974 vor. Den ersten Themen Baustelle, Wilder Westen und Ritterzeit folgten über 20 verschiedene Themen mit umfangreichem Zubehör. 1976 kamen weibliche Figuren dazu, Kinder- und Babyfiguren wurden erstmals 1981 bzw. 1983 verkauft. Die Figuren wurden im Laufe der Jahre nur leicht modifiziert – so kamen bewegliche Hände und verschiedene „Haartrachten“ hinzu –, blieben aber immer an den ursprünglichen, in ihrer Reduziertheit unverkennbaren Formen ausgerichtet.
Ab 1976 fertigte die griechische Firma Lyra das Playmobilsortiment in Lizenz von Geobra für den dortigen Markt und entwickelte auch eigene Produkte zu dem System. Das Unternehmen exportierte wohl auch in den Nahen Osten, 1986 wurde die Produktion jedoch eingestellt.[1] Ab 1982 fertigte die Firma Schaper die Produkte in Lizenz in den USA.[2]
Nur wenige Jahre nach der Markteinführung von Playmobil wurde das Unternehmen Geobra Brandstätter der umsatzstärkste deutsche Spielwarenhersteller und rangiert seitdem an der Spitze. Das Unternehmen beschäftigt weltweit in vier Fertigungsstätten 2.591 Mitarbeiter, davon 1.439 in Deutschland. Das Sortiment besteht aus etwa 250 verschiedenen Artikeln.
1975 brachte das Unternehmen BIG das Konkurrenzprodukt Playbig heraus. Zwar unterlag die geobra Brandstätter in einem durch die Markteinführung verursachten, jahrelangen Rechtsstreit, Playmobil konnte sich jedoch letztendlich auf dem Markt durchsetzen; BIG – auch bekannt durch ihr Bobby-Car – stellte die Produktion von PlayBIG 1979 ein.
Seit dem Jahr 2000 gibt es in Zirndorf auch einen eigenen Playmobil-Freizeitpark, der Playmobil FunPark. Inzwischen wurden weitere Playmobil FunParks in Paris, auf Malta, in Athen und in Palm Beach eröffnet.
2004 feierten die Playmobil-Figuren ihren 30. Geburtstag. Im historischen Museum der Pfalz (Speyer) waren nicht nur viele Figuren, sondern auch deren oft ungewöhnliche Verwendungen von Sammlern und Künstlern zu besichtigen.
Von März bis Juni 2006 wurde im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim eine Playmobil-Ausstellung gezeigt[3].
Im Juli 2006 stellte Playmobil erstmals in der Unternehmensgeschichte eine Figur vor, die ein historisches Wahrzeichen einer Stadt porträtiert. Anlässlich der 29. Ausstellung des Europarates Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation in Magdeburg veröffentlichte Playmobil eine eigene Version des Magdeburger Reiters, eines steinernen Standbildes aus der Zeit der Staufer.
Etwa 60 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erzielt. Es gibt Playmobil-Vertriebsstätten in vielen Ländern Europas und in den USA, Kanada und Mexiko[4].
Umsatzentwicklung[Bearbeiten]
| Geschäftsjahr | Brandstätter Group Mio. € |
Playmobil Umsatz weltweit Mio. € |
Quelle |
| 2010 | 560 | 507 | [5] |
| 2009 | 518 | 474 | [6] |
| 2008 | 496 | 452 | [7] |
| 2007 | 459 | 427 | [8] |
| 2006 | 402 | 379 | [9] |
| 2005 | 377 | 361 |
Produktentwicklung[Bearbeiten]
Playmobil System (1974–1980)[Bearbeiten]
Die ersten Figuren waren einfach gestaltet. Auf den Fußsohlen war seitdem immer die Generation zu erkennen. Die erste trug geobra auf einem und (C)opyright 1974 auf der anderen. Es gab zu Anfang drei Spielwelten und noch keine einheitliche Verpackungen. Die Packungen wurden in Blister und Kartonagen in je drei verschiedenen Farben bis 1975 produziert.
- Bau (blau)
- Indianer (rot)
- Ritter (grün)
Ab 1975 war die Verpackungsfarbe blau. Der Name der Figuren war Klicky und bekam diesen in Form eines Stempelsymbol kurzzeitig auf die Verpackungen von 1976 bis 1980/81 mit der jeweiligen Figurenanzahl aufgedruckt.
- Ausbau der Westernwelt (ab 1976)
- Gegenwartsmodelle (ab 1977)
- Piraten (ab 1978)
- Sport/Zirkus (ab 1979)
- Landleben (ab 1979)
Playmobil Color (1978–1993)[Bearbeiten]
Im Jahr 1978 führte Playmobil parallel zum Grundsortiment bemalbares Playmobil ein, zu denen auch Stifte in zwei Anzahlvarianten vertrieben wurden. Die letzten dieser Produkte bildeten Tiermodelle wie Giraffen, Pinguine oder Zebras bis 1993.
Playmo Space (1980–1994)[Bearbeiten]
Im Zuge des Science-Fiction-Booms durch den Film Krieg der Sterne führte Playmobil einige Astronauten und Raumschiff-Sets mit eigenen Logo ein. Nach den letzten Produkten der Serie, die längst das normale Firmenlogo auf der Packung trugen, ließ Playmobil mit ähnlichen Welten erst wieder zu Anfang des 21. Jahrhunderts den Weltraumsektor beleben.
Playmobil (1981–1989)[Bearbeiten]
Mit dem größeren Bekanntheitsgrad Playmobils begann eine neue Epoche ab 1981, die die drehbaren Hände, zuerst bei den neuen Kindermodellen (ab 1981) und dann den normalen Figuren (ab 1982) mit sich brachte. Dies war notwendig, um Gegenstände einfacher gestalten zu können ohne diese kompliziert mit zusätzlichen (in der Realität nicht vorhandenen) Griffen zu versehen. Zusätzlich tauchten ab 1983 einhängbare Bärte und eingestanzte Brillen bei den Figuren auf. Ab 1986 wurden dicke Männer und Frauen mit langen Röcken eingeführt. Bei den Brillen ging man auch auf austauschbare Modelle über.
- Safari-Welt (ab 1980)
- Elektrische Eisenbahn (ab 1980)
- Kindergarten/Schule (ab 1981)
- Seefahrt (ab 1983)
- Winter (ab 1984)
- Eskimos (ab 1985)
Playmobil Puppenhaus (ab 1989)[Bearbeiten]
Die Einführung der Puppenhaus-Serie wurde zu Beginn in der viktorianischen-wilhelminischen Zeitalter angesiedelt und ab zirka 2002/03 in die Gegenwart umgeändert. Die Verpackungen sind rosa, um speziell Mädchen als Zielgruppe anzusprechen. Über den Ersatzteilkatalog kann man auch ein weiteres Stockwerk erwerben, mit dem dieses erweitert werden kann.
Playmobil (seit 1990)[Bearbeiten]
Um 1990 wurde das Logo abgerundet und die Erneuerungen der Puppenhaus Welt auch bei anderen Welten angewandt. Seitdem kommen jährlich immer neue Welten hinzu oder werden durch andere abgelöst. Die Figuren bekamen neue Kleidung wie Westen, Frisuren oder neue Anzugsmodelle, die im Gegensatz zu früher meist nicht mehr abnehmbar sind. Die Bedruckungen auf den Figuren haben soweit zugenommen, dass es schwierig ist, andere Varianten zu erstellen.
- Wildnis/Outdoor (ab 1993)
- Märchenwelt (ab 1995)
- Weihnachten (ab 1996)
- Zauberwelt (ab 1997)
- Abenteuerwelt (ab 1998)
- Märchenschloß (ab 1999)
- Weltraum (ab 1999/2000)
- Wikinger (ab 2002)
- Dinosaurier (ab 2004)
- Römer (ab 2006)
- Altes Ägypten (ab 2008)
- Top Agents (ab 2010)
- Steinzeit (ab 2011)
- Future Planet (ab 2012)
- Bergwelt (ab 2013)
- Feenwelt (ab 2013)
- Camping (ab 2013)
Playmobil 1-2-3 (ab 1993)[Bearbeiten]
Um auch den Kindern unter vier Jahren die Playmobilwelt zu eröffnen, begann man ab 1993 eine Serie in gelben Verpackungen zu produzieren. Die Produkte sind stark vereinfacht. Nur der Kopf und die zusammenhängenden Beine sind drehbar. Die Gegenstände sind auf das Notwendigste reduziert, um ein Verschlucken zu verhindern.
Playmobil Special (ab 1993)[Bearbeiten]
Nachdem bereits einige Welten über Einzelfigurpackungen verfügten, führte man ab 1993 eine unabhängige Einzelfigur-Serie mit dem Namen Playmobil Special ein. Die Figuren werden regelmäßig getauscht und dienen meist auch als Test für neue Welten, die einige Jahre später im größeren Umfang eingeführt wurden. Seit 2012 wird diese Reihe als Playmobil Special Plus fortgeführt, wobei der Packungsinhalt gegenüber den alten Special-Sets erweitert wurde.
Besonderheiten[Bearbeiten]
- Anders als bei der Konkurrenz, wie z. B. Lego, gibt es bei Playmobil bewusst keine lizenzierten Merchandising-Produkte, also Sets, die im Rahmen einer gemeinsamen Vermarktung mit einem Filmen oder anderen Medien angeboten werden. Dafür gibt es allerdings spezielle markenorientierte Sets, wie beispielsweise Flugzeuge mit Airline-Logo, die nur auf den Flügen der entsprechenden Airline verkauft werden.
- Im Gegensatz dazu versucht Playmobil neutral medialen Trends zu folgen, so dass die Western-Welt (seit 2012 wieder komplett im Programm) für Jahre aus dem Programm verschwand, da es kaum noch mediale aktuelle Vorbilder gab (letzte Filme des Genres wurden bis 1995 produziert, Erbarmungslos-Ära). Die Welt der Piraten bekam hingegen einen Aufschwung durch die Fluch-der-Karibik-Reihe, in der sogar Geisterpiraten-Sets angeboten wurden. Die Wiederentdeckung der Dinosaurier sind Filmen wie Jurassic Park geschuldet.
- Ein anderer Aspekt ist die Darstellung von Waffen, die bis 1997 nur auf historische Welten beschränkt war. Polizisten der Gegenwartswelt wurden bis dort nur mit Knüppel und Kelle ausgestattet. Das einzige moderne Gewehr fand sich in der Safari-Welt (1980–1988). Erst mit der Einführung der neuen realitätsnahen Polizeifiguren ab 1997 führte man auch eine moderne Handfeuerwaffe ein.
Trivia[Bearbeiten]
- In der Zweiten Fußball-Bundesliga trug die SpVgg Greuther Fürth ihre Heimspiele im Playmobil-Stadion aus. Das Stadion wurde 2010 in Trolli Arena umbenannt.
- Es gibt drei Hörspielserien zum Thema Playmobil: Professor Mobilux (von Europa, 16 Folgen), Playmobil (von Universal – 3 Folgen) und Die Playmos (von Lübbe – zurzeit (November 2012) 32 Folgen,[10] weitere in Planung)
- Es gibt auch mehrere Playmobil-Computerspiele wie zum Beispiel Die große Schatzsuche – Laura und Alex bei den Piraten
- Die erste Playmobil-Eisenbahn-Reihe benutzt das Schienensystem der Lehmann-Groß-Bahn, sogar das LGB-Logo ist auf der Unterseite der Playmobil-Schienen geblieben
- Zu Weihnachten sind Sonderpackungen wie Weihnachtskrippe, Heilige Drei Könige u. Ä. erhältlich.
- Ab 2005 wurden zu Ostern Playmobilfiguren mit Hasenköpfen produziert. Diese Serie ist mittlerweile eingestellt worden.[11]
- In der sogenannten Customizing-Szene werden Playmobil-Figuren kreativ verändert (z. B. für Modelle oder Trickfilme[12]) und Tipps dazu im Internet ausgetauscht.
- Die Klicky-Bibel (ursprünglich Playmo-Bibel) eines hessischen Pastors, die die Heilige Schrift mit Playmobil-Figuren darstellte, wurde im März 2009 auf Betreiben des Herstellers mit dem Vorwurf der Urheberrechtsverletzung gestoppt.[13]
- Das Archäologische Landesmuseum in Konstanz veranstaltet seit 2006 regelmäßig Ausstellungen für Kinder mit dem Titel Archäologie und Playmobil.
- Jährlich werden Sonderpackungen für Kaufhof produziert, die nur dort erhältlich sind.
- Auch für Toys “R” Us werden regelmäßig Sonderpackungen produziert.
- Im April 2012 bat Geobra Brandstätter die Piratenpartei Deutschland keine Playmobil Piratenfiguren als Symbol oder Werbeträger der Partei zu nutzen, da Playmobil „ein politisch neutrales Spielzeug“ sei. Anita Möllering, Bundespressesprecherin der Piratenpartei, antwortete, dass nicht die Piratenpartei, sondern die berichtenden Medien für diese Darstellungen verantwortlich seien und die Piratenpartei es auch „nicht toll“ fände, wenn sie mit Spielzeugen dargestellt werde.[14]
Belege[Bearbeiten]
- ↑ [1]
- ↑ [2]
- ↑ Playmobil-Ausstellung Hildesheim 2006
- ↑ Playmobil Geschäftszahlen 2007
- ↑ Playmobil auf Siegeszug in den Kinderzimmern
- ↑ Brandstätter-Gruppe - die wichtigsten Daten
- ↑ Playmobil erzielt erneut Umsatzrekord
- ↑ Playmobil Fakten 2007
- ↑ Brandstätter-Gruppe – die wichtigsten Daten (MS Word; 23 kB)
- ↑ Die Playmos, Folge 32 bei Amazon
- ↑ Playmolbil-Produktarchiv
- ↑ Playmobil-Customizing
- ↑ Playmobil-Pfarrer gibt Internetseite auf , Artikel auf express.de
- ↑ Playmobil will mit Piratenpartei nichts zu tun haben, Artikel auf golem.de, abgerufen am 20. April 2012
Literatur[Bearbeiten]
- Felicitas Bachmann: 30 Jahre Playmobil. Heel, Königswinter 2004, ISBN 3-89880-251-5
- Axel Hennel: Playmobil Collector 2006. Katalog für Playmobil-Spielzeug. 2. Auflage. Fantasia, Dreieich 2006, ISBN 3-935976-40-2 (ausführlicher, bebilderter, chronologischer Produktkatalog für Sammler)
- Richard Unglik: Playmobil – Abenteuer der Weltgeschichte. Heel, Königswinter April 2005, ISBN 3-89880-429-1. 94 Seiten, gebunden.
- Richard Unglik: Playmobil – Abenteuer Tierwelt. Heel, Königswinter Mai 2009, ISBN 3-86852-005-8. 94 Seiten, gebunden.

