Robert Byrd

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Robert Byrd (2009)

Robert Carlyle Byrd (gebürtig: Cornelius Calvin Sale Jr.; * 20. November 1917 in North Wilkesboro, Wilkes County, North Carolina; † 28. Juni 2010 in Fairfax, Virginia[1]) war ein demokratischer US-Senator für den Bundesstaat West Virginia. Er war Präsident Pro Tempore des Senats im 110. und 111. Kongress.

Seit er im Juni 2006 Strom Thurmond überholte, war er der Senator mit der längsten Amtszeit der US-Geschichte und gleichzeitig das Kongressmitglied mit der längsten Amtszeit (vor Carl Hayden) aller aktiven Kongressmitglieder. Byrd, der in seinem Leben keine einzige öffentliche Wahl verloren hat, begann seine Zeit im Repräsentantenhaus 1953 und saß seit 1959 ununterbrochen im Senat. Mit der Amtseinführung von Barack Obama hat Byrd elf US-Präsidenten während seiner Zeit im Senat erlebt. Byrd galt als wandelndes Lexikon, was die Geschichte des Senats der Vereinigten Staaten ebenso wie die des römischen Senats angeht.

Byrd war mehrere Jahre lang Majority Leader im Senat, bereits in der Vergangenheit Präsident Pro Tempore des Senats und Ausschussvorsitzender des Investitionsausschusses. Byrd begann seine politische Laufbahn im Ku-Klux-Klan, hatte sich aber inzwischen davon distanziert und votierte generell für Gesetzesvorschläge, von denen Afroamerikaner profitieren. Er galt als vergleichsweise konservativer Demokrat, dem die Interessen des Senats und die seines Heimatstaats West Virginia mehr galten als die der Demokratischen Partei. Da er als Mitglied des Investitionsausschusses reichhaltige Möglichkeiten hatte, Geld nach West Virginia zu leiten, war er berüchtigt für die hohe Anzahl aus Bundesmitteln finanzierter Projekte, die nach ihm benannt sind. Diese liegen sämtlich in seinem Heimatstaat.

Jugend, Ausbildung, frühere Karriere[Bearbeiten]

Byrd wurde 1917 als Cornelius Calvin Sale Jr. in North Carolina geboren. Seine Mutter starb in der Grippepandemie von 1918. Sein Vater folgte den Wünschen der Mutter und verteilte ihre gemeinsamen Kinder auf verschiedene Verwandte. Der einjährige Cornelius kam zu seiner Tante Vlurma Byrd und seinem Onkel Titus Byrd, die ihn in Robert Byrd umbenannten. Byrd wuchs in einer Bergbauregion in West Virginia auf. Byrd zufolge vermittelten ihm seine Pflegeeltern den typischen Standpunkt eines weißen Südstaatlers in der Zeit, als die Reconstruction-Ära noch im Gedächtnis der Menschen war und die Rassentrennung in den Südstaaten als unumstößlicher Fakt galt.

Byrd beschrieb später das damalige gesellschaftliche Klima:

“Blacks were generally distrusted by many whites, and I suspect they were subliminally feared.”

„Viele Weiße misstrauten Schwarzen generell und ich vermute, unbewusst fürchteten sie sie.“

Robert Byrd[2]

Byrd schloss als Bester seines Jahrgangs (Valedictorian) die High School ab. Er arbeitete nach seinem Abschluss zwölf Jahre lang, um sich eine College-Ausbildung leisten zu können. Er studierte am Beckley College, Concord College, Morris Harvey College und dem Marshall College, die alle in West Virginia liegen.

Er arbeitete in einer Tankstelle, als Verkäufer in einem Tante-Emma-Laden, als Schweißer auf einer Werft und als Schlachter, bevor er 1946 den Sitz für das Raleigh County im House of Delegates, einer Kammer des Parlaments von West Virginia, gewann. Er hielt den Sitz von 1947 bis 1950, bevor er von 1951 bis 1952 in den Staatssenat wechselte.

In seiner Zeit als Parlamentarier besuchte er zusätzlich eine Abendschule am Washington College of Law der American University, an der er 1963 graduierte.

Familie[Bearbeiten]

Byrd mit seiner Ehefrau Erma und Hund Trouble

Byrd war seit 1937 mit seiner High-School-Liebe Erma Ora verheiratet, die am 26. März 2006 starb. Mit ihr hatte er zwei Töchter: Mona verh. Fatemi und Majorie verh. Moore. Er hat sechs Enkelkinder, drei von jeder Tochter, von denen eines bereits verstorben ist und sechs Urenkel.

Im Ku-Klux-Klan[Bearbeiten]

Byrds Vater war Mitglied des Ku-Klux-Klan (KKK), in seiner Kindheit sah er Paraden des Klans in Mataoaka, West Virginia, in denen sein Vater mitmarschierte. Als Byrd etwa 24 Jahre alt war, trat er der Organisation bei und wurde auf Vorschlag des Grand Dragon (nationalen Führer) Joel L. Baskin bald darauf einstimmig als „Exalted Cyclops“ (Lokaler Führer) von Crab Orchard, West Virginia, gewählt.[2]

Der KKK galt damals noch als ein Karrieresprungbrett für Politiker aus den Südstaaten, Ehrgeiz von Byrds Seite wird als Hauptgrund angenommen, warum er der Organisation beitrat.[3][4] Eine Aussage, die Byrd sinngemäß in seiner Autobiografie bestätigt:

“I was sorely afflicted with tunnel vision — a jejune and immature outlook — seeing only what I wanted to see because I thought the Klan could provide an outlet for my talents and ambitions.”

„Ich hatte einen schweren Anfall von Tunnelblick – einen unreifen Ausblick – ich sah [im Klan] nur was ich sehen wollte, und ich dachte, er könnte dabei helfen, meine Talente zu fördern und meinen Ehrgeiz zu befriedigen.“

Robert C. Byrd: Child of the Appalachian Coalfields [5]

Byrd arbeitete im KKK für einige Zeit während des Zweiten Weltkriegs. Er hielt die Titel eines Kleagle, der neue Mitglieder anwarb und die Führungsposition des Exalted Cyclops. In dieser Zeit diente er nicht im Militär, sondern arbeitete als Schweißer in einer Werft in Baltimore am Bau von Kriegsschiffen.

Als er 1952 für das Repräsentantenhaus kandidierte, erklärte er, dass er den KKK nach etwas mehr als einem Jahr wieder verlassen habe, da ihn die Organisation nicht mehr interessierte und er in den neun Jahren seit 1943 auch nie wieder daran interessiert war. Er erklärte, dass er beigetreten war, da es Aufregung und Abenteuer versprach und weil er sich mit dem ausgeprägten Antikommunismus des Klans identifizieren konnte.[2]

Zehnfacher Wahlgewinner[Bearbeiten]

Robert Byrd in jüngeren Jahren

Nachdem der demokratische Abgeordnete E. H. Hedrick aus dem sechsten Wahldistrikt West Virginias 1952 nicht mehr für die Wahl zum Repräsentantenhaus kandidierte, sondern für das Gouverneursamt im Staat, beschloss Byrd für das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten zu kandidieren und gewann die Wahl. Zweimal war er bei der Wiederwahl erfolgreich, bevor er 1958 bei den Senatswahlen erfolgreich gegen den republikanischen Amtsinhaber W. Chapman Revercomb antrat. Nachdem er in seinen Anfangsjahren bei Wiederwahlen oft mit vehementer Opposition der Republikaner rechnen musste, haben diese seit der Kandidatur Cleve Benedicts 1982 keine großen Mühen oder Gelder mehr in den Versuch investiert, Byrd zu schlagen. Insgesamt gewann Byrd sieben Wiederwahlen, alle von ihnen mit großem Vorsprung, 1994 und 2000 gewann er die Mehrheit der Stimmen in sämtlichen 55 Counties von West Virginia, im Jahr 2000 sogar in 1963 von 1970 einzelnen Wahlbezirken. Trotzdem hatte er immer einen Gegenkandidaten – bis auf eine Ausnahme im Jahre 1976.

Byrd war der Senator mit der längsten Amtszeit der US-Geschichte. Am 12. Juni 2006 erreichte er diesen Rekordwert, nachdem er mit einer Zeit von 17.327 Tagen im Amt Strom Thurmond aus South Carolina überholte.

Byrd war auch bei den Senatswahlen 2006 angetreten und hatte durch seinen Wahlgewinn eine bisher in der US-Geschichte unerreichte neunte Amtszeit angetreten. Mehrere prominente Republikaner hatten das Angebot abgelehnt, sich an ihm zu messen, sein endgültiger Gegenkandidat war John Raese, der die Vorwahl mit 58 % der Stimmen gegen fünf andere Kandidaten gewonnen hatte. Raese besitzt mehrere Radiosender und eine Zeitung in West Virginia. Er war bereits 1984 erfolglos gegen Jay Rockefeller für den anderen Senatssitz West Virginias angetreten und war 1988 in den republikanischen Vorwahlen für die Kandidatur gegen Byrd gescheitert. Robert Byrd löste Carl Hayden aus Arizona am 19. November 2009 als Kongressabgeordneter mit der längsten Dienstzeit der US-Geschichte ab.

Präsidentschaftskandidatur[Bearbeiten]

Byrd trat einmal – 1976 – bei einer Präsidentschaftswahl an. Er kandidierte bei den Vorwahlen als „Favorite Son“ ausschließlich in seinem Heimatstaat West Virginia. Er hoffte, dass die Entscheidung über den demokratischen Präsidentschaftskandidaten so knapp werden würde, dass seine Delegiertenstimmen aus West Virginia Einfluss auf den Ausgang der Nominierung hätten.

Bis auf George Wallace trat kein anderer Demokrat bei den Vorwahlen in West Virginia an und Wallace selbst investierte nicht aktiv in seine Kampagne dort. Byrd gewann die Vorwahl mit einem bequemen 90:10-Ergebnis.

Sein Ziel dabei war weniger die US-Präsidentschaft, sondern die des Majority Leaders im Senat. Er hoffte, durch seine Delegiertenstimmen den letztendlichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten (und möglichen zukünftigen Präsidenten) so beeinflussen zu können, dass er seine Kandidatur unterstützte. Sein gesamter Wahlkampf in diesem Jahr richtete sich auch mehr auf dieses Ziel – sein Sieg in der Wahl zum Senator galt als sicher und so konnte er seine Aufmerksamkeit darauf konzentrieren, den nicht mehr antretenden Majority Leader Mike Mansfield aus Montana abzulösen. Er war dabei so erfolgreich, dass sich auch sein letzter Gegner Hubert H. Humphrey zurückgezogen hatte, bevor der letzte Wahlgang begann.

Im Senat der Vereinigten Staaten[Bearbeiten]

Führungspositionen im Senat[Bearbeiten]

Bereits zu Beginn seiner ersten Amtszeit ernannte ihn sein langjähriger politischer Weggefährte und der damalige Majority Leader im Senat Lyndon B. Johnson zum Mitglied des einflussreichen Investitionsausschusses des Senats. In den Jahren demokratischer Mehrheiten im Senat, von 1989 bis 1995 und von 2001 bis 2003, war er Vorsitzender des Ausschusses.

Byrd gehört seit 1967 zur Fraktionsführung der Demokraten. In diesem Jahr wurde er Secretary of the Senate Democratic Conference. Seine erste einflussreiche Führungsposition in der Fraktion erreichte er 1971 als Senate Majority Whip, die zweithöchste Position innerhalb der Fraktion. Von 1977 bis 1989 führte er die Fraktion, als Senate Majority Leader von 1977 bis 1981 und als Senate Minority Leader von 1981 bis 1987.

Byrd war für sein enzyklopädisches Wissen über die Geschäftsordnung und die innere Struktur des Senats bekannt. Er nutzte diese Kenntnisse in seinen Jahren als Mehrheitsführer, um durch teilweise arkan wirkende Geschäftsordnungstricks die Republikaner ein ums andere mal zu frustrieren und auszumanövrieren. Unter anderem ersann er das heute als „Nuclear Option“ bekannte Verfahren, das es ermöglicht, einen Filibuster mit einer einfachen Mehrheit zu beenden, anstelle der eigentlich nötigen Mehrheit von Dreifünftel der Stimmen. (Die Nuclear Option wurde nie tatsächlich angewendet, sie wirkt - hierin besteht die Parallele zu den Nuklearwaffen - durch ihre bloße Möglichkeit disziplinierend).

Als dienstältester Demokrat war Byrd Präsident Pro Tempore von 1989 bis die Republikaner 1995 die Senatsmehrheit gewannen und damit Anspruch auf dieses Amt hatten. 2001 nahm er dieses Amt kurz ein, als Al Gores Stimme als Vizepräsident den Demokraten eine hauchdünne Mehrheit verschaffte, gab es aber nach dem Amtsantritt von George W. Bush und damit auch von Vizepräsident Dick Cheney wieder ab. Von 2001 bis 2003 hatten die Demokraten wieder eine Mehrheit, nachdem Senator Jim Jeffords die Republikaner verlassen hatte, Byrd war damit wieder Präsident. Als der 108. Senat 2003 mit einer deutlichen republikanischen Mehrheit zusammentrat, verlor er das Amt wieder. Da die Demokraten bei der Senatswahl 2006 wieder die Mehrheit errungen konnten, hatte er das Amt vom 4. Januar 2007 bis zu seinem Tod abermals inne.

Positionen und Aktionen[Bearbeiten]

Byrd arbeitete mit anderen Southern Democrats zusammen, um gegen den Civil Rights Act von 1964 zu stimmen. Er führte den Filibuster mit einer Redezeit von über 14 Stunden an und begründete sein Verhalten damit, dass das Gesetz die Rechte der Bundesstaaten beschneide. Ebenso opponierte er gegen den Voting Rights Act, stimmte aber für den Civil Rights Act von 1968. Die ersten beiden Voten hat er später öffentlich bedauert.

1969 begann Byrds ein bundesstaatliches College-Stipendienprogramm für Valedictorians (Jahrgangsbeste) aus West Virginias High Schools. Das Programm ist das einzige ausschließlich leistungsorientierte Stipendienprogramm des Bildungsministeriums und mittlerweile nach Byrd benannt. Das Stipendium läuft jeweils jährlich, wobei sich Empfänger insgesamt dreimal für je ein Folgejahr wiederbewerben können.

Ein weiteres Programm zur Bildungsförderung rief er 2001 mit dem „Teaching American History“-Programm ins Leben. Das auch als „Byrd Grants“ bekannte Programm soll den Unterricht über US-amerikanische Geschichte an den öffentlichen Schulen der USA fördern. Derzeit verteilt das Department of Education jährlich 120 Millionen USD an Schulen und Schuldistrikte, die über drei Jahre kooperieren, um Lehrern die Fähigkeiten zu vermitteln, die Geschichte auf eine „aufregende, mitreißende und effektive“ Art zu vermitteln.[6]

Byrd kanalisierte Bundesgeld für Investitionen in seinen Heimatstaat West Virginia, dem nach Mississippi zweitärmsten Staat der USA. Sein Ziel, im Laufe seiner Amtszeit mehr als eine Milliarde Dollar nach West Virginia zu bringen, erreichte er 1991, und ein ständiger Strom von bundesstaatlich finanzierten Highways, Staudämmen, Bildungsinstitutionen und Bundesbehörden floss in den letzten 16 Jahren nach West Virginia. Er ist Senats-Rekordhalter an Objekten, die nach ihm benannt sind, mittlerweile tragen mehr als 30 Bundesprojekte seinen Namen. Byrd war eng mit dem Republikaner Ted Stevens aus Alaska befreundet, der einen ähnlichen schlechten Ruf wie Byrd besitzt und mit dem er sich zwischen 1995 und 2005 im Vorsitz des Investitionsausschusses abwechselte. Erst seit Byrd öffentlich und vehement gegen die Politik von George W. Bush auftrat, litt die Freundschaft der beiden.

Haltung zu Minderheiten[Bearbeiten]

Aufgrund seiner Mitgliedschaft im KKK und seiner früheren vehementen Opposition gegen die Bürgerrechtsgesetzgebung galt Byrd als Rassist. Er selbst aber sagte, dass er diese Zeit hinter sich habe. In einem Interview mit C-SPAN bedauerte er seine damaligen Abstimmungen und versuchte sie zu erklären. Seine damalige Haltung begründet er damit, dass es nicht die Aufgabe des Gesetzgebers wäre, die Gesellschaft zu integrieren, sondern dass es Aufgabe der Weißen Mehrheit sei, die „White only“-Schilder niederzureissen. Er habe aber seitdem seine Einstellung geändert; er glaube nicht mehr daran, dass die Gesellschaft allein in der Lage sei, das Problem zu lösen, vielmehr seien gesetzliche Maßnahmen wie der Civil Rights Act notwendig gewesen. Er selbst beschrieb, dass er eine umfassende Einstellungsänderung gehabt habe, als sein Enkel 1982 bei einem Autounfall starb. Er sei in ein emotionales Tal gefallen, habe viel Zeit damit verbracht nachzudenken und unter anderem sei ihm klar geworden, dass Schwarze ihre Kinder genauso liebten wie er selbst es täte.

Byrd stimmte sowohl gegen die Ernennung von Clarence Thomas zum Richter am Supreme Court als auch gegen Thurgood Marshall, die einzigen beiden afroamerikanischen Kandidaten, ebenso wie gegen Janice Rogers Brown als Richterin am Bundesberufungsgericht, und gegen die Ernennung von Condoleezza Rice. Ihm wurde unter anderem vom Congress of Racial Equality, einer konservativen Bürgerrechtsgruppe, vorgeworfen, er habe die Kandidaten aus rassistischen Gründen abgelehnt, er selbst meinte, dies wäre nur aus inhaltlichen Gründen geschehen; so habe er zum Beispiel den Bildungsminister Roderick Paige oder Außenminister Colin Powell mitgewählt.

Die National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) gab Byrd in seiner Amtszeit im 108. Senat (2003 – 2005) als einem von 17 Senatoren eine Punktzahl von 100 %, das heißt, er habe bei allen 33 Abstimmungen, die die Bürgerrechte der Afroamerikaner betreffenden Abstimmungen im Senat so abgestimmt, wie die NAACP es für erforderlich gehalten habe.

Opposition gegen den Irak-Krieg und den „Krieg gegen Terror“[Bearbeiten]

Robert Byrd im Gespräch mit Verteidigungsminister Robert Gates

Byrd hat in seiner gesamten Amtszeit mehr als 17.000 mal abgestimmt. Seiner eigenen Aussage zufolge war er dabei am stolzesten darauf, gegen den Einsatz im Irak-Krieg gestimmt zu haben.[7]

In dieser Hinsicht erlitt er aber, ungewohnt für ihn, mehr als eine wichtige Niederlage bei den Abstimmungen im Senat. Er führte den Filibuster gegen die Resolution, die George W. Bush einen angeblich preämptiven Krieg gegen den Irak ermöglichte, konnte aber dabei selbst in seiner eigenen Partei nicht genug Stimmen sammeln, um einen vorzeitigen Debattenschluss zu verhindern.

Am 19. März 2003, als Präsident Bush den Angriff auf den Irak befahl, hielt Byrd eine Rede im Senat, in welcher er nochmals klare Opposition gegen den Krieg bezog. U. a. sagte er:

“Today I weep for my country. I have watched the events of recent months with a heavy, heavy heart. No more is the image of America one of strong, yet benevolent peacekeeper. The image of America has changed. Around the globe, our friends mistrust us, our word is disputed, our intentions are questioned. Instead of reasoning with those with whom we disagree, we demand obedience or threaten recrimination.”

„Heute weine ich um mein Land. Ich habe die Ereignisse der letzten Monate mit schwerem, schwerem Herzen verfolgt. Das Bild von Amerika ist nicht mehr das eines starken, doch mildtätigen Erhalters des Friedens. Das Bild von Amerika hat sich gewandelt. Überall auf der Welt misstrauen uns unsere Freunde, unser Wort wird angezweifelt und unsere Intentionen werden in Frage gestellt. Anstatt vernünftig mit denen zu reden, mit denen wir nicht einer Meinung sind, verlangen wir Gehorsam oder drohen mit Vergeltung.“

Robert Byrd[8]

In seiner Rede vom 17. Oktober 2003 gab er die wahrscheinlich konzentrierteste Form seiner Kritik am Irak-Krieg. Er zitierte Hans Christian AndersensDes Kaisers neue Kleider“, indem er George W. Bush unterstellte „the emperor has no clothes“ (Der Kaiser hat keine Kleider). Er beschwerte sich über schafsartiges Verhalten der „cowed Members of this Senate“ (eingeschüchterten Mitglieder dieses Senats) und rief sie auf, der Fortsetzung eines „war based of falsehoods“ (auf Lügen beruhenden Krieges) zu widersprechen. Er wehrte sich in dieser Rede gegen das, was er als Marginalisierung der Legislative empfand:

“The right to ask questions, debate, and dissent is under attack. The drums of war are beaten ever louder in an attempt to drown out those who speak of our predicament in stark terms. Even in the Senate, our history and tradition of being the world's greatest deliberative body is being snubbed. This huge spending bill – $ 87 billion – has been rushed through this chamber in just one month. There were just three open hearings by the Senate Appropriations Committee on $ 87 billion – $ 87 for every minute since Jesus Christ was born – $ 87 billion without a single outside witness called to challenge the administration’s line.”

„Das Recht Fragen zu stellen, zu debattieren und zu widersprechen wird angegriffen. Die Trommeln des Krieges trommeln immer lauter im Versuch diejenigen zu übertönen, die in deutlichen Worten über unser Dilemma reden. Selbst im Senat wird unsere Geschichte und Tradition als großartigste beratende Institution verächtlich übergangen. Diese gewaltige Ausgabe – $ 87 Milliarden – ist durch die Kammer in nur einem Monat durchgepeitscht worden. Es gab nur drei Anhörungen im zuständigen Ausschuss über $ 87 Milliarden – $ 87 für jede Minute seit Jesu Christi Geburt, $ 87 Milliarden ohne einen einzigen Experten zu befragen, der die Regierungslinie hätte hinterfragen können.“

Er beendete die Rede mit einem Zitat aus dem Nürnberger Tagebuch von Gustave Gilbert; das Zitat stammt aus einem Abschnitt des Buches, in dem Gilbert Hermann Göring interviewt.

Er widersetzte sich weiterhin dem Gesetz, das 2002 das Department of Homeland Security schuf, da es zu viel Macht in der Exekutive bündele. Immerhin erreichte er es aber, dass er die Position des führenden Demokraten im Unterausschuss für Investitionen des Homeland Security Departments erhielt und konnte so die Organisation beaufsichtigen. Ebenso war er einer von zehn Senatoren, die 2006 gegen die Verlängerung des USA PATRIOT Act stimmten.

Im Juli 2004 veröffentlichte er das Buch Losing America: Confronting a Reckless and Arrogant Presidency, das sich kritisch mit George W. Bushs Regierungspolitik und besonders dem Irak-Krieg auseinandersetzte.

Abstimmungsverhalten[Bearbeiten]

Obwohl Byrd lange und intensiv in die Führung der demokratischen Fraktion verwickelt war, galt er als vergleichsweise konservativer Senator, der im Ruf stand, die Interessen des Senats und die von West Virginia über die seiner Partei zu stellen.

Er opponierte mehrmals prominent gegen Bill Clinton. Beim Clinton-Impeachment-Verfahren drang er von Anfang an darauf, dass die Vorwürfe ernst zu nehmen seien und einer gründlichen Untersuchung bedürften. Er stimmte dem Impeachment-Antrag zwar letztlich nicht zu, war aber der einzige Demokrat, der für eine offizielle Rüge durch den Senat stimmte.[9]

Er war vehement dagegen, dass Clinton 1993 Homosexuellen erlaubte, Mitglied der Streitkräfte der USA zu werden und setzte sich dafür ein, homosexuelle Ehen zu verhindern. Trotzdem war er aus verfassungsrechtlichen Gründen aber gegen eine Verfassungsänderung, die dies ganz verboten hätte. Byrd ist gegen Affirmative Action und relativ konservativ in der Streitfrage, ob Abtreibungen erlaubt seien.

Von der American Civil Liberties Union erhielt er im 108. Senat eine 67-Prozent-Wertung für seine Abstimmungen bei Gesetzen über Grundfreiheiten[10], von der League of Conservation Voters 65 % für seine Abstimmungen bei Umweltschutzthemen.[11] Das National Journal konstruierte aufgrund der Abstimmungsergebnisse eine Skala von liberal bis konservativ, auf der er 65,5 % „liberal“ war und damit siebtkonservativster Senator der Demokraten.[12]

Er war Anhänger von John Roberts, den Bush als Richter am Supreme Court nominierte, und wählte ebenfalls Samuel Alito. Allerdings war er, wie die meisten Demokraten, gegen das Programm von Bush, die Steuern zu senken und maßgeblich das Social-Security-System der USA zu ändern.

Mitglied in Senatsausschüssen[Bearbeiten]

In seiner letzten Amtsperiode war Byrd Mitglied von vier Ausschüssen. Dem einflussreichen Committee on Appropriations stand er mehrfach als Chairman vor, so auch in seiner letzten Amtsperiode. Byrd war zuletzt ebenfalls Mitglied im Committee on Armed Services, im Committee on the Budget sowie im Committee on Rules and Administration.

Senatshistoriker[Bearbeiten]

Als der Fernsehsender C-SPAN am 19. März 1979 seinen Betrieb aufnahm, wurden das erste Mal Fernsehbilder aus dem Repräsentantenhaus übertragen. Byrd hatte die Befürchtung, dass infolgedessen in der Öffentlichkeit vor allem das Repräsentantenhaus als „der US-Kongress“ wahrgenommen werde und der Senat zum unsichtbaren Teil der Legislative herabgesetzt werden würde. Er setzte sich dafür ein, auch Senatssitzungen im Fernsehen zu übertragen, eine Initiative, mit der er schließlich 1986 Erfolg hatte.

Während der 1980er hielt Byrd 100 Reden im Senat, die sich auch intensiv mit der Geschichte des Gremiums beschäftigten: The Senate: 1789 – 1989. Für das gesamte Werk erhielt er 2004 den erstmals vergebenen „Theodore Roosevelt-Woodrow Wilson Award for Civil Service“-Preis der American Historical Association, der seitdem an Nicht-Wissenschaftler vergeben wird, die bedeutende Beiträge zur Geschichtswissenschaft geleistet haben. Für den ersten Teil zusätzlich einen Preis der Society for History in the Federal Government. Byrd beschäftigte sich ebenfalls intensiv mit der Geschichte des Römischen Senats und veröffentlichte 1995: The Senate of the Roman Republic: Addresses on the History of Roman Constitutionalism (United States Government Printing Office, 1995).

Öffentliche Auftritte außerhalb der Politik[Bearbeiten]

Byrd als Jugendlicher mit Geige

Byrd war ein überdurchschnittlicher Geigenspieler, ein Hobby, das er als Teenager in diversen Square-Dance-Bands begann. Er nutzte diese Fähigkeit in diversen Wahlkämpfen und veröffentlichte 1978 ein Album U.S. Senator Robert Byrd: Mountain Fiddler (County, 1978), auf dem ihn die Country Gentlemen begleiteten. Vor allem besteht das Album aus traditioneller Musik der Appalachenregion. Byrd trat als Geiger im Kennedy Center und bei der Fernsehsendung Hee Haw auf.

Im 2003 von Warner Bros. veröffentlichten Film Gods and Generals spielte er die Rolle eines Generals der Konföderierten Staaten von Amerika.

Werke[Bearbeiten]

  • 2005. Child of the Appalachian coalfields, ISBN 1-933202-00-9.
  • 2004. Losing America: Confronting A Reckless and Arrogant Presidency, ISBN 0-393-05942-1.
  • 1995. Senate of the Roman Republic: Addresses on the History of Roman Constitutionalism, ISBN 0-16-058996-7.
  • The Senate, 1789–1989: Historical Statistics, 1789–1992, Vol. 4, ISBN 0-16-063256-0.
  • The Senate, 1789–1989: Classic Speeches, 1830–1993, Vol. 3, ISBN 0-16-063257-9.
  • The Senate, 1789–1989, Vol. 2: Addresses on the History of the United States Senate, ISBN 0-16-006405-8.
  • The Senate, 1789–1989, Vol. 1: Addresses on the History of the United States Senate, ISBN 0-16-006391-4.

Nach Byrd benannte Orte[Bearbeiten]

Byrd ist wahrscheinlich Rekordhalter in der Geschichte des Kongresses, was die nach ihm benannten Orte und Institutionen angeht. Kritiker sehen darin vor allem einen Ausdruck seiner Eitelkeit und der Tatsache, dass er vor allem Projekte durch Bundesmittel förderte, die ihm selbst Ruhm brachten, während Anhänger sagen, die Liste komme allein durch seine lange Amtszeit und sein Eintreten für öffentliche Interessen zustande. Sämtliche Plätze liegen in seinem Heimatstaat West Virginia. Benannt nach ihm sind:

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Robert Byrd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Robert C. Byrd – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 51 Jahre im US-Kongress: Polit-Legende Robert Byrd gestorben. Abgerufen am 23. Juli 2014.
  2. a b c Washington Post A Senators Shame
  3. William Rogers, Robert Ward, Leah Atkins, Wayne Flynt: Alabama: The History of a Deep South State. University of Alabama Press, Tuscaloosa, AL, 1994. S. 437 und 442.
  4. Arnold Rice: The Ku Klux Klan in American Politics. Haskell Brooklyn, NY 1972.
  5. West Virginia University Press, 2005, ISBN 1-933202-00-9.
  6. American Historical Society: Senator Byrd to Receive the AHA's Theodore Roosevelt-Woodrow Wilson Award for Civil Service
  7. CNN Byrd: Last chapter isn't written yet
  8. The Guardian – Byrds Rede im Wortlaut
  9. US-Senat Roll Call Votes 106th Congress – 1st Session (1999).
  10. ACLU „National Freedom Scoreboard“ für Robert Byrd
  11. League of Conservation Voters „Vote Ratings“ für Robert Byrd
  12. These are the members at the ideological center. In: National Journal The Centrists. 25. Februar 2006, S. 29, archiviert vom Original am 28. Mai 2008, abgerufen am 23. Juli 2014 (PDF; 37 kB, englisch).