Sep Ruf

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Von Sep Ruf entworfene Wohnanlage in der Hirschelgasse, Nürnberg
Eingangsüberdachung der Herzog-Max-Burg in München
Herzog-Max-Burg in München
Bungalow für Ludwig Erhard in Gmund am Tegernsee

Sep Ruf, eigentlich Franz Joseph Ruf (* 9. März 1908 in München; † 29. Juli 1982 ebenda) war ein bedeutender deutscher Architekt. Mit seinen leicht wirkenden Bauten prägte er die gesamte deutsche Nachkriegsarchitektur und war Vermittler einer an internationalen Vorbildern orientierten modernen Architektur in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Sein Vater Josef Ruf war Rechnungsinspektor bei der Bayerischen Versicherungsanstalt in München, seine Mutter war Wilhelmine Mina geborene Scharrer. Die Familie Ruf stammte aus Dinkelsbühl in Franken. Er besuchte die Volksschule in München. Bei den Pfadfindern befreundete er sich mit Golo Mann und Werner Heisenberg. Nach dem Abitur an der Luitpold-Oberrealschule absolvierte er ein Praktikum an den Reichsbahnwerkstätten in Oberpfaffenhofen. Während seines Architekturstudiums an der Technische Universität München machte er Studienreisen nach Italien und Tirol. 1938 heiratete er Aloisia Mayer und baute mit ihr ein Haus in Gmund am Tegernsee. Er hatte zwei Kinder. 1969 kaufte er ein Weingut in Italien und baute es aus. Reisen führten ihn u.a. nach Italien, Griechenland, Frankreich, Belgien, Norwegen und den USA. 1982 starb Sep Ruf in München. Sein Grab liegt auf dem Bergfriedhof von Gmund am Tegernsee.[1] In München-Pasing erinnert der Sep-Ruf-Weg, in Nürnberg die Sep-Ruf-Straße an den Architekten.

[Bearbeiten] Architektonisches Werk

Sep Ruf studierte von 1926 bis 1931 an der Technischen Hochschule München Architektur, bestand 1931 die Diplomprüfung bei German Bestelmeyer und Adolf Abel und war anschließend in München als freier Architekt tätig, bis 1933 in Partnerschaft mit seinem Bruder Franz Ruf. Er hielt Kontakt zu Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und Ludwig Grote, setzte sich mit den Ideen des Bauhauses auseinander. Vor dem Zweiten Weltkrieg erhielt er die Möglichkeit, viele seiner Wohnhäuser zu realisieren. 1931-1933 errichtete er in München eines der ersten Flachdachwohnhäuser in Bayern für Karl Schwend. 1933 war dann der Bau von Flachdächern verboten und er wurde verwarnt. Er errichtete seine hellen sonnigen Wohnhäuser mit dem von ihm erdachten Modell mit Dach, ohne seinen Stil der Einfachheit und Leichtigkeit zu ändern. So erbaute er Häuser für Professoren und Ärzte und auch für Künstler wie den Regisseur Otto Falckenberg und den Dichter Josef Martin Bauer. Mit 26 Jahren erhielt er von Hugo Junkers den Auftrag, eine Junkers-Siedlung in Grünwald bei München zu errichten. Die Ausführung wurde von dessen Schwiegersohn betreut. 1939 wurde er eingezogen, konnte mit Hilfe der Familie Junkers von 1940-1942 für architektonische Arbeiten freigestellt werden und wurde 1942 erneut nach Russland an die Front geschickt. Er geht 1945 von Russland zu Fuß nach Hause und kann im selben Jahr seinen ersten Wiederaufbau, die Christkönigkirche in München beginnen. Er war von 1947 bis 1953 als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, die in dieser Zeit wegen der Kriegszerstörungen der Nürnberger Gebäude in das Deutschordensschloss in Ellingen ausgelagert war. 1952-1954 errichtete er in Nürnberg das neue Akademiegebäude an der Bingstraße, das elegant mit seinen flachen mit überdachten Gängen verbundenen Pavillonbauten in einem parkähnlichen Gelände liegt. 1953–72 lehrte er dann Architektur und Städtebau an der Akademie der bildenden Künste in München, der er 1958–61 als Präsident vorstand. 1971 wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. 1955 war er Gründungsmitglied der Akademie der Bildenden Künste in Berlin (West).

Von 1949-1952 arbeitete Sep Ruf in einer Arbeitsgemeinschaft mit Otto Apel, Rudolf Letocha, Rohrer und Herdt. Sie errichteten für den High Commissioner of Germany den Verwaltungsbau der HICOG, der später von 1955-1999 zur Botschaft der Vereinigten Staaten in Bad Godesberg wurde und je eine HICOG-Siedlung in Muffendorf, Plittersdorf und Tannenbusch. Ruf schuf von der Bauhaus-Schule inspirierte öffentliche Gebäude und Privathäuser in Deutschland, prägte aber vor allem das Stadtbild Münchens und Nürnbergs nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach dem Krieg entwickelte sich sein Stil, der Ruf bekannt machte - durch minimierte Konstruktion, transparente Wände und schlanke Dächer wirkten seine Gebäude leicht im Erscheinungsbild und setzten einen Kontrapunkt zur traditionellen bayerischen Architektur.

Zu seinen Werken gehören neben der Amerikanische Botschaft in Bad Godesberg (1951) und der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg (1952–54), auch das Justizgebäude (1954–56 mit Theo Pabst) an der Stelle der ehemaligen Maxburg in München. Der berühmte Renaissance-Turm, der vom Vorgängergebäude verblieben war und dessen Erhalt freigestellt worden war, wurde bei ihm zum Maß für die Gestaltung der neuen Gebäude und elegant hervorgehoben. Als das Max-Planck-Institut von Göttingen nach München zog, errichtete er in München-Freimann 1953–57 das Institut Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik/Werner-Heisenberg-Institut für Physik. Der Erweiterungs- und Umbau des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg (1953–1976) begleitete ihn fast 25 Jahre lang, wobei er in unterschiedlichen Bauweisen einen lebendigen Wiederaufbau realisierte. Der aus acht Gebäuden bestehende Deutsche Pavillon der Weltausstellung in Brüssel 1958 (mit Egon Eiermann) fand weltweit hohe Beachtung und wurde aus seiner Grundidee der Pavillonbauten, die schwebend durch Stege verbunden waren, erarbeitet. Die Rundkirche St. Johann von Capistran in München (1958–60) gilt als letzte Kathedrale Münchens. In Frankfurt am Main errichtete er für die Bank der Berliner Handelsgesellschaft von 1960-1966 das damals höchste Hochhaus der Finanzmetropole. Der Wohnsitz des Bundeskanzlers in Bonn (1963–64) wurde von Bundeskanzler Ludwig Erhard beauftragt und sollte ein Ausdruck der Demokratie, Offenheit und Klarheit des neuen Deutschlands sein. Ludwig Erhard sagte 1964 bei seinem Einzug: "Man lernt mich besser kennen, wenn man sich in diesem Haus umsieht, als wenn man mich eine politische Rede halten sieht." Neben dem Technische Zentrum der Vereinsbank entstanden von 1964-1974 im Tucherpark in München auch die Bauten für IBM und das Hilton Park Hotel. Zu einem seiner weiteren Kirchenbauten gehört zudem die achteckige Seminarkapelle in Fulda (1966–68). Ein weiterer Museumsbau ist in München die Halle für Luft- und Raumfahrt des Deutschen Museums, das von den ersten Flugzeugen von Lilienthal bis zum Airbus alles zeigt.

[Bearbeiten] Design

Neben seinem architektonischen Werk hinterließ Sep Ruf auch ein umfangreiches Designwerk. Jedes der von ihm erbauten Wohnhäuser und auch öffentliche Gebäude wurden von ihm mit selbstentworfenen Möbeln eingerichtet. Dabei entwarf er nicht nur einzelne Stücke, sondern gestaltete die ganze Erscheinung des Raumes. Diese sollte offen und hell sein und besonders die Unbeschwertheit des Wohnerlebens fördern, dabei wurde auch auf vermeintlich einfache Details wie Türgriffe und Lampen geachtet. Für die von ihm erbauten Kirchen entwarf er zudem alle sakralen Gegenstände.

[Bearbeiten] Bauten (Auswahl)

Zentrale der BHF in Frankfurt
St. Johann von Capistran in Bogenhausen

[Bearbeiten] Ausstellungen

  • Die Architekturgalerie am Weißenhof zeigt Teile der Ausstellung des Architekturmuseum der Technischen Universität München: Sep Ruf 1908-1982. Moderne mit Tradition./ 1. Oktober 2009 - 22. November 2009 / Architekturgalerie am Weißenhof | Stuttgart
  • Sep Ruf 1908-1982 | Moderne mit Tradition, ergänzt um: Wie die Quadrate auf den Uniplatz kamen ... – Sep Ruf in Fulda im Vonderau Museum | Fulda (15. Juni - 25. September 2011)

[Bearbeiten] Auszeichnungen

  • 1952: Preis der Stadt Nürnberg
  • 1958: Offizier des Leopoldordens (Belgien)
  • 1973: Bayerischer Verdienstorden
  • 1976: Theodor-Heuss-Medaille
  • 1976: Bundesverdienstkreuz 1.Klasse
  • 1978: Bonifatius-Medaille des Bistums Fulda
  • 1980: Architekturpreis der Stadt München

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Gerd Otto-Rieke: Gräber in Bayern. München 2000. S.9.
  2. Fritz Aschka: Mein Nürnberg. 60 Ausflüge in die Geschichte. Nürnberger Presse 2007. S. 74 f.
  3. spiegel.de: Für den guten Ruf

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Sep Ruf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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